»Wir sind keine Kartonschieber« – Das Interview bei GFI

 

Nachdem das Jahr 2010 anscheinend das Jahr der heimkehrenden, verloren geglaubten Söhne ist, verwundert es nicht weiter, dass auch Dr. Oliver Karall plötzlich wieder in der Elektrotechnik-Branche von sich hören lässt. Wir trafen uns mit GFI-Geschäftsführer Fred Köster und Heimkehrer Oliver Karall und plauderten über Jobs, aktuelle Herausforderungen und alte Zeiten.


Herr Köster, wie würden Sie das Unternehmen GFI beschreiben?

Fred Köster: Es gibt mit meiner Person zwar einen deutschen Geschäftsführer, aber wir sind operativ ein durch und durch österreichisches Unternehmen. Ganz einfach deshalb, weil die Vertriebsstrategie und die Art und Weise wie GFI auftritt, zu 100% vom lokalen Geschäft und damit vom örtlichen Niederlassungsleiter entschieden wird.


In der Führungsebene der GFI-Niederlassung Wien scheint sich ja einiges getan zu haben. Wer ist der Nachfolger von Richard Albrecht?

Köster: Uns ist wichtig, dass die GFI-Niederlassungsleiter unser Angebot an die regionalen Bedürfnisse der Kunden anpassen – es gibt keine Konzernvorgaben. Wir haben deshalb in allen unseren Niederlassungen kompetente Führungskräfte, die sich in 360 Grad Verantwortung um Ihr Geschäft kümmern – und ich bin ganz zuversichtlich, dass uns das auch in Wien gelungen ist. Oliver Karall wird als Nachfolger von Richard Albrecht als Profit-Center-Manager der Niederlassung Wien für die Gebiete Niederösterreich, Wien sowie das nördliche Burgenland verantwortlich zeichnen.


Gibt es bereits konkrete Pläne die Herr Karall umsetzen möchte?

Köster: Wir haben schon viele Ideen, die wir aber zuerst fertig entwickeln, anschließend intern kommunizieren und erst dann darüber sprechen.


Was dürfen sich bestehende GFI-Kunden und all jene, die noch auf der Suche nach einem funktionierenden Elektro-Großhandel sind, in Zukunft von GFI erwarten?

Dr. Oliver Karall: In Zukunft dürfen sich alle österreichischen GFI-Kunden auf eine persönliche vor Ort Betreuung durch GFI freuen und einen Elektro-Großhändler, der genau das liefert, was die Kunden brauchen. Das ist mir besonders wichtig! Wir gehen definitiv nicht auf das Thema Zentrallager-Logistik und Einschränkung des Sortiments aufgrund irgendwelcher Konzernvorgaben ein. Ich denke, dass der klassische Kunde gerne von einem freundlichen Team bedient wird, das bereits seine Vorstellungen und Bestellgewohnheiten kennt und auf einer persönlichen Ebene mit ihm kommuniziert. Dies unterstreichen wir auch durch unsere Logistik mit eigenen LKW’s und eigenen Fahrern. In dieser Richtung wird sich GFI weiter entwickeln.


Welche entscheidenden Veränderungen kommen auf GFI zu?

Karall: Wir werden uns an Kundenwünschen orientieren – nicht an irgendwelchen Einsparungs- oder Synergiepotenzialen.


Herr Karall, was denken Sie, ist Großhandels-Kunden wichtig?

Karall: In der Großhandels-Branche hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Die Wirtschaftskrise hat in ganz Österreich in so ziemlich allen Branchen Spuren hinterlassen. Man kann meiner Meinung nach deutlich sagen, dass sich viele unserer Kunden gerade jetzt wieder eine Rückbesinnung »ihres« Großhändlers auf den eigentlichen Mehrwert eines EGH wünschen:

  • Nämlich mit kompetenten und erfahrenen Ansprechpartnern
  • mit freundlicher Betreuung
  • dem gewünschten Sortiment in unmittelbarer Nähe
  • die bestellten Produkte
  • zur versprochenen Zeit pünktlich zu erhalten.

Darauf werden wir uns bei GFI konzentrieren und alles daran setzen, zufriedenen Kunden zu gewinnen.


Köster: Deshalb wird sich auch unser Logistikkonzept nicht ändern. Wir werden, wie Herr Karall bereits erwähnt hat, keine Zentrallager bauen. Und zwar deshalb, weil wir uns nicht als anonyme Logistikmaschinerie verstehen, deren größte Leistung darin besteht, möglichst viele Kartons von A nach B zu transportieren.

Wir wollen unsere Lager vor Ort haben und nach den regionalen Bedürfnissen ausrichten. Seit es mehr und mehr Zentrallager gibt, wächst unsere Anzahl an Abholkunden – und zwar spürbar.


Herr Karall, woran glauben Sie liegt das?

Karall: Ich denke, dass Elektrotechniker grundsätzlich gut und effizient planen – sonst könnten Sie in dieser Branche nicht lange überleben. Vieles lässt sich allerdings nicht im Detail planen, Baustellen entwickeln sich z.B. anders, Störungen treten auf, der Kunde hat überraschend andere Wünsche etc.. Deshalb kommt es des Öfteren einfach vor, dass man ad hoc etwas braucht. Dann ist es umso wichtiger, einen kompetenten Ansprechpartner vor Ort zu haben, von dem die Kunden wissen, dass Sie die benötigte Ware unkompliziert und rasch bekommen.


Was hat sich für Sie gegenüber früher (anm. d. Red. i-center, Sonepar) verändert, beziehungsweise wo liegt ihre Motivation diesen Job auszuüben?

Karall: Das GFI Modell mit großer Kundenähe, 360 Grad Verantwortung und familiären Strukturen gefällt mir sehr gut und deshalb fühle ich mich auch bei GFI sehr wohl. Meine Aufgabe wird sein, dass der Vertrieb gut funktioniert, möglichst viele neue Kunden von unserem Konzept zu begeistern und unseren Kunden auch einen Mehrwert zu bieten, den sie vielleicht bei so manch anderem Lieferanten vermissen. Mein Antrieb ist es, das Profit-Center-Wien noch profitabler zu machen und langfristig gesehen das Optimum herauszuholen.


Gibt es für Sie Perspektiven bei GFI?

Karall: Wie es mit meiner Tätigkeit in fünf Jahren aussieht ist nicht festgehalten. Oliver Karall wurde als Profit-Center-Manager-Wien eingestellt – Punkt.


Wie wird Ihr Job aussehen, haben Sie auch Kundenkontakt?

Karall: Für mich persönlich ist dies ein interessanter Job und ich freue mich auf die Herausforderungen, die auf mich zukommen. Je kleiner eine Organisation, desto größer ist der Einsatz jedes Einzelnen – selbstverständlich werde ich auch bei unseren Kunden sein. Je umfassender und breiter die Tätigkeit, desto wohler fühle ich mich, das war auch schon bei i-center/Sonepar so. Dazu kommen noch die kurzen Entscheidungswege bei GFI – genau so kann man auf Kunden- und Marktbedürfnisse rasch und effizient reagieren.


Sie sind also der »packen wirs an«-Typ?

Karall: Genau der bin ich. Dabei fühle ich mich am aller wohlsten.


Werte Herren, vielen Dank für das Gespräch!

Herr Karall, viel Erfolg bei der neuen Herausforderung!

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