Dipl.Ing (FH) Markus Fromm-Wittenberg, Leiter strategische Allianzen: „Wichtig ist unsere Strategie, Mehrwerte für unsere Kunden zu bieten. Wir werden uns keinen Trends verschließen.“ (Bild: Gira)

Das Interview zur neuen Marke eNet Smart Home:

„Wir müssen für Orientierung sorgen!“

Das Smart Home scheint heute beinahe schon zum guten Ruf zu gehören – so tummeln sich allerlei Anbieter mit zahlreichen Systemen auf diesem Markt. Sich einen professionellen Überblick über die neuen Technologien zu verschaffen und auch zu behalten, stellt eine große Herausforderung dar. Wir waren für Sie um Aufklärung bemüht und haben konkret bei den Initiatoren von eNet Smart Home nachgefragt!

Das Interview führte Thomas Buchbauer

Text: Mag. Sandra Eisner

Das neue funkbasierte System eNet Smart Home wurde von den beiden Spezialisten der Gebäudesystemtechnik Gira und Jung initiiert, Systementwickler und Technologieeigner ist die gemeinsame Tochtergesellschaft Insta. In Form einer Markenallianz mit den Partnern Bachmann, Brumberg, Häfele, Siedle, Steinel Professional und tado° Professional bietet eNet Smart Home den Kunden einen gebündelten Erfahrungsschatz und wertvolles Fachwissen. Dieses haben auch wir uns zunutze gemacht: Warum man sich angesichts des »Smart-Home-Dschungels« nicht verunsichern lassen muss, welche Vorteile dieses Netzwerk auch für den Elektrotechniker bietet und was das neue System für die KNX-Technik bedeutet, haben uns Jan Klee, B. Eng., Produktmanager Gebäudesystemtechnik, und Dipl.Ing (FH) Markus Fromm-Wittenberg, Leiter strategische Allianzen, beantwortet.

Meine Herren, was ist eNet Smart Home?

„eNet Smart Home ist nicht im High-End-Bereich angesiedelt wie KNX, sondern im mittleren Marktsegment und bietet dem Endkunden entsprechende Mehrwerte und Lösungen für seine Anforderungen“, so Jan Klee, B. Eng., Produktmanager Gebäudesystemtechnik. (Bild: Gira)

Jan Klee: Mit eNet Smart Home bieten wir dem Endanwender eine komfortable Lösung, um Beschattung, Beleuchtung und ab Oktober auch die Heizung smart bedienen zu können. Der große Vorteil liegt darin, dass  keine zusätzlichen Kabel benötigt werden, wodurch eine hohe Flexibilität gegeben ist. Zudem erhält der Endkunde bei uns viele Möglichkeiten, um sein Smart Home individuell verändern und konfigurieren zu können.

Markus Fromm-Wittenberg: Im Bereich der Nachrüstung ist man mit einem System wie eNet gut bedient. Installiert durch eine Fachkraft, kann auf bestehende, konventionelle Installationen zurückgegriffen werden. Die vorhandene Infrastruktur stellt somit eine gute Basis dar für das Upgrade auf eNet Smart Home.

Funksysteme gibt es mittlerweile seit einigen Jahren am Markt – was zeichnet eNet in dieser Richtung aus? Warum wurde auf eine Funktechnik gesetzt?

Fromm-Wittenberg: Wir können auf die bestehende Infrastruktur zurückgreifen, ohne zusätzlich Leitungen oder ein drahtgebundenes System integrieren zu müssen. Je nachdem, was der Kunde wünscht – so ist es bei einer Neubauinstallation immer von Vorteil, auf eine kabelgebundene Lösung zu setzen. Bei Bestandsbauten wird es nicht unbedingt im Sinne des Nutzers sein, die Wände zu öffnen, insofern setzt man auf Funksysteme. Zudem gibt es auch die Ergänzungsmöglichkeit über  eNet-Allianz-Partner, die die möglichen Kundenanforderungen befriedigen können.

Was bedeutet die Markteinführung von eNet für die KNX-Technik? Inwieweit hat das Auswirkungen auf traditionelle Bus-Technologien?

Fromm-Wittenberg: Der Smart Home-Markt ist im Wachstum und es ist durchaus erforderlich, für die jeweilige Anforderung des Nutzers das richtige System anzubieten, um so den richtigen Zielmarkt bedienen zu können. Wir sind davon überzeugt, dass KNX im hochwertigen Bereich weiterhin das System sein wird, das durch die Installateure verbaut wird.

Klee: Es ist natürlich wichtig, Rahmenbedingungen zu definieren, sodass der Elektroinstallateur weiß, in welchen Bereichen er eNet einsetzen kann. Wir fokussieren ein bestimmtes Marktsegment und bedienen Wohnflächen bis 120 qm. eNet Smart Home ist

nicht im High-End-Bereich angesiedelt wie KNX, sondern im mittleren Marktsegment und bietet dem Endkunden entsprechende Mehrwerte und Lösungen für seine Anforderungen.

Warum hat man sich zu diesem Systemnamen entschlossen bzw. warum verschwinden die Hersteller dahinter? Schließlich sind Marken wie Gira, Jung & Co. am Markt sicherlich besser bekannt als eNet.

Klee: Wir nutzen eNet Smart Home als Marke in der Kommunikation, jedoch stets in Verbindung mit den einzelnen Marken, die sich dahinter zusammenschließen. Diese dienen als Multiplikatoren und so ergibt sich eine höhere Durchdringung.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Traditionsunternehmen wie Gira und einem Startup wie tado? Wie gestaltet sich die Aufgabenteilung?

Klee: Einerseits haben wir eine Arbeitsgruppe mit allen Allianzpartnern, mit denen wir uns regelmäßig treffen und über die Weiterentwicklung des Systems sprechen. Darüber hinaus existieren ein fester Arbeitskreis für das Marketing und eine Organisationseinheit, die die Projekte zur Weiterentwicklung des Systems verantwortet. Die Entwicklungsverantwortung des Systems liegt bei Insta. Die Zusammenarbeit innerhalb der Allianz funktioniert tadellos – jede Marke ist in ihrem Fachbereich »Profi« und bringt dieses Fachwissen in die Allianz ein.

Fromm-Wittenberg: Hier fließt viel an Know-how und Fachwissen zusammen, die Kompetenzen der Marken bieten einen großen Mehrwert. Mehrere Unternehmen arbeiten in dieser Allianz gemeinsam an einer Lösung, es gibt jedoch keine Exklusivität. Aus diesem Grund ist eNet Smart Home derart offen für neue Möglichkeiten bzw. für die Integration anderer Systeme oder Anwendungen.

Welche Voraussetzungen sind notwendig, um Teil des Netzwerkes zu werden? Und welche Vorteile haben die Elektrotechnikunternehmen dadurch?

Klee: Ähnlich offen wie bei der Markenallianz bieten wir auch hier keine Exklusivität für die Elektrofachbetriebe. Schulungen sind eine wichtige Voraussetzung dafür, kompetent zu eNet Smart Home beraten zu können. Dieses Versprechen geben wir dem Endanwender, der auf die Kompetenz des Netzwerks setzen kann.

Welche Marketingaktivitäten sind zu erwarten, um die Marke zu pushen? Und zwar auf Konsumenten- als auch auf Fachbetriebsebene?

Fromm-Wittenberg: Wir setzen hier auf ein Paket, das sowohl den Fachhandwerker als auch den Endkunden involviert. Im Bereich des Fachvertriebs sind wir sehr präsent über Newsletter, Fachzeitschriften etc. An den Endkunden wenden wir uns über z.B. Immobilien-Portale bzw. Social Media. Wir bieten Tutorials (Inbetriebnahme, Funktionsweise der App) mit entsprechenden Animatics, die auch den Endkunden über das Thema aufklären.

Der Markt in Deutschland und in Österreich wird vor allem auch durch den Großhandel geprägt. Welche Rolle spielt der Großhandel bei eNet und bei welchen Großhandelsunternehmen wird das System zu beziehen sein?

Fromm-Wittenberg: Im Grunde handelt es sich hier um ein Dreigestirn in diesem Segment: Fachhandwerk, Markt und Großhandel. Die Nachfrage des Endkunden wird über den Elektroinstallateur befriedigt, der Großhandel ist Ansprechpartner für das Fachhandwerk und hat die Ware entweder vorrätig oder bestellt sie beim Hersteller. Der Großhandel ist also ebenso involviert wie der Fachhandwerker.

Klee: Bei eNet Smart Home setzen wir wie bisher auf den dreistufigen Vertrieb gemeinsam mit unseren Partnern aus dem Elektrofachgroßhandel. Wir sind auch hier offen, so kann jeder Elektrofachgroßhandel die eNet-Produkte problemlos über uns beziehen.

»Die Zukunft ist digital und Smart Home-Systeme werden in den nächsten Jahren einen Boom erfahren.« Warum ist die Branche diesbezüglich so optimistisch? Die Zahlen der letzten Jahre sprechen von keiner besonders hohen Marktdurchdringung…

Klee: Ich sehe dies etwas anders. Wir sind davon überzeugt, dass sich die Entwicklung der digitalen Hausautomation in den kommenden Jahren ähnlich wie die der Smartphone-Entwicklung gestalten wird. Die Marktstatistiken zeigen in meiner Wahrnehmung sehr hohes Potenzial. Es gilt allerdings auch zu berücksichtigen, dass sich viele verschiedene Smart-Home-Systeme in unterschiedlichen Marktsegmenten ansiedeln, wodurch die Marktdurchdringung in einem einzelnen Marktsegmenten ggf. geringer sein kann. Wir wollen uns mit unserem System auf professionelle Smart-Home-Systeme konzentrieren, gemeinsam mit dem Elektroinstallateur Lösungen für den Endanwender anbieten und uns bewusst von kleineren Insellösungen distanzieren – wir sehen eher die ganzheitliche Lösung in unserem Systemverbund.

Inwieweit wird es zu einem Umdenken der Immobilienbranche kommen? Ist es realistisch, dass Systeme wie eNet in Wohngebäuden als Standard verbaut werden und der Mieter die Funktionen eines derartigen Systems gegen eine monatliche Pauschale auf Zeit erwerben kann?

Fromm-Wittenberg: Wir gehen davon aus, dass wir mittelfristig eine höhere Marktdurchdringung haben als bisher, weil der Bedarf auch in größeren Gebäuden (Mehrfamilienhäusern) gegeben ist, es herrscht auch hier Interesse. Heute gibt es verschiedene Pakete, anhand derer der Käufer festlegen kann, welche Funktionen er im Haus haben möchte. Ich glaube, dass die Reichweite dadurch gesteigert wird, wenn die Kosten für den Käufer sinken, man für einen bestimmten Funktionsumfang zahlt, dafür aber auch mehr Komfort und Mehrwert genießen kann. Ein mögliches Geschäftsmodell kann dann so aussehen, dass diese anfallenden Kosten über die Nebenkosten verrechnet werden. Ich denke schon, dass ein solches Modell in Zukunft erfolgreich sein könnte.

Inwieweit ist das eNet Smart Home durch Zugriffe von außen geschützt? Welche Maßnahmen wurden gesetzt, um die Sicherheit hochzuhalten?

Klee: Zunächst geht es darum zu gewährleisten, dass die Kommunikation im Gebäude sicher ist: Die interne Kommunikation zwischen den eNet-Geräten im Haus ist verschlüsselt. Darüber hinaus gewährleisten wir mit eNet Smart Home, dass die Daten, die in einem solchen System anfallen, auf unserem eNet-Server gespeichert sind bzw. in den Geräten. Der Endkunde ist somit nicht abhängig vom Internet wie bei anderen Systemen. Auch wenn einmal keine Internetverbindung verfügbar ist, gewährleistet unser System die Funktionalität. Optional kann der Endanwender einen Fernzugriff aktivieren, sodass er auch außerhalb seines Netzwerks auf seine eNet Smart Home-Anlage zugreifen kann. Natürlich ist der Fernzugriff ebenfalls verschlüsselt und die Verbindung erfolgt über deutsche Server, die dem deutschen Datenschutz unterliegen.

Jede zweite Photovoltaik-Anlage in Deutschland wird mittlerweile in Kombination mit einem Stromspeicher verkauft. Welche Rolle kann eNet in diesem Zusammenhang spielen?

Fromm-Wittenberg: Wir haben heute noch keine Lösung dafür aber auch keine Nachfrage. Durch unsere Zusammenarbeit in der eNet-Allianz bietet sich die Möglichkeit, einen in diesem Bereich kompetenten Partner ins Boot zu holen. Eine Anbindung oder Integration kann über die Schnittstellen unseres Systems realisiert werden.

Welche Rolle wird die Elektromobilität in Verbindung mit Smart Home spielen und inwieweit bietet eNet für die Anforderungen der Elektromobilität die geeigneten Schnittstellen?

Klee: Bisher gibt es in diese Richtung keine Aktivitäten, aber natürlich ist es möglich, solche Systeme oder Lösungen zu integrieren. Ich glaube, zukünftig wird es sehr wichtig sein, Daten nicht nur zu visualisieren, sondern ein Energiemanagement anzubieten, das den Kunden Mehrwerte bietet im Sinne einer Automatisierung.

Vor Kurzem wurde die Kooperation zwischen Hager und Audi bekanntgegeben. Gibt es auch hier in Richtung der Fahrzeughersteller Pläne zusammenzuarbeiten?

Fromm-Wittenberg: Die Offenheit ist auf jeden Fall da, branchenübergreifend zu arbeiten. Wichtig ist unsere Strategie, Mehrwerte für unsere Kunden zu bieten. Wir werden uns keinen Trends verschließen.

Was empfehlen Sie einem Elektrounternehmen, wenn es heute in das Smart-Home-Geschäft einsteigt? Soll es sich einem Funksystem wie eNet verschreiben oder die traditionellen leitungsgebundenen Systeme bevorzugen? Welcher Art von System gehört die Zukunft?

Klee: Meiner Meinung und Wahrnehmung nach kann man sich hier nicht auf ein Kommunikationsmedium festlegen – es gibt kein Entweder-oder. Mit drahtgebundenen und drahtlosen Systemen wird man sehr flexibel auf Anforderungen unserer Endkunden reagieren können. Es gibt für beide Kommunikationsarten einen hohen Marktbedarf. Mit beiden Möglichkeiten kann man die individuellen Anforderungen der Kunden optimal bedienen – vor allem beim Neubau und der Nachrüstung ist dies ein wichtiger Punkt.

Meine Herren, vielen Dank für das Gespräch!

www.enet-smarthome.com

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