Jens Wehran, Geschäftsführer von Rexel Germany: „Ich habe ein klares Bild und ein definiertes Ziel, nämlich die Marke Rexel in Deutschland anders darzustellen, als die Marke Hagemeyer in der letzten Zeit wahrgenommen wurde.“ (Bild: Rexel)

Exklusivinterview mit dem neuen CEO von Rexel Germany:

Wer, wenn nicht er?

Ein steiniger Pfad war es, den Hagemeyer Deutschland in den letzten Jahren zu gehen hatte, bevor das Unternehmen im Februar zu Rexel Germany wurde – wir berichteten. Doch ist es durch eine Namensänderung getan? Mit dem Markennamen und Erscheinungsbild der weltweiten Rexel-Gruppe soll nun der erfolgreiche Weg in die Zukunft geebnet werden – und zwar mithilfe eines Profis aus den eigenen Reihen.

Interview: Thomas Graf-Zoufal

Text: Mag. Sandra Eisner

Er gilt als offene und herzliche Person, die kollegial auf Menschen zugeht. Die Rede ist von Jens Wehran, der mit April den Vorsitz der Geschäftsführung von Rexel Germany übernahm. Seine wertvollen Branchenkenntnisse und -erfahrungen – er verantwortete zuvor den Finanzbereich und das operative Geschäft von Rexel Germany – leisten einen unabdingbaren Beitrag zur strategischen Neuausrichtung des Unternehmens. Gesetzt wird vor allem auf die Mitarbeiter: „Für mich sind sie das größte Gut der Firma Rexel Germany und der Schlüssel zum Erfolg – sie bilden den Kern der neuen Struktur“, stellt der neue Geschäftsführer vor dem i-Magazin-Mikro eine sehr menschliche Strategie vor. Lesen Sie im folgenden Interview, wie sich Jens Wehran dieser bedeutsamen Aufgabe stellt und was die Kunden im Zuge dessen erwartet.

Herr Wehran, Rexel Germany, vormals Hagemeyer Deutschland, hat schwere Zeiten hinter sich – sinkende Umsatzzahlen erforderten u. a. die Schließung einiger Niederlassungen. Wie sieht Ihre Lösung dafür aus bzw. welches Konzept soll das nun ändern?

Jens Wehran: Ich habe die Umsatzstagnation der letzten Jahre hautnah miterlebt. Der Markt ist gewachsen, das ist ein eindeutiges Faktum. Den Schlüssel zum Erfolg stellen für mich die Mitarbeiter und ihr Glaube an uns dar – hier sind wir momentan auf einem sehr guten Weg. Die Beziehungen zu den Lieferanten, Kunden, aber auch zu den Mitarbeitern haben in der Vergangenheit stark gelitten. Daran wurde jedoch intensiv gearbeitet und die Struktur, die wir nun geschaffen haben, ist erfolgversprechend und bringt uns wieder vorwärts.

Welcher Zeitrahmen wurde Ihnen vorgegeben, um Rexel wieder umsatzfit zu machen?

Wehran: Ich habe keine Zeitvorgabe erhalten. Ich bin mit dem CEO der Rexel Group, Patrick Berard, in sehr engem Austausch und ich glaube, man weiß, wie sehr ich für diese Aufgabe brenne. Ich kenne die Branche, aber auch die Zahlen dahinter. Ich habe ein klares Bild und ein definiertes Ziel, nämlich die Marke Rexel in Deutschland anders darzustellen, als die Marke Hagemeyer in der letzten Zeit wahrgenommen wurde. Ich bin dankbar und freue mich über die Herausforderung, über den Faktor Zeit mache ich mir momentan keine Gedanken – und noch weniger Sorgen.

An wen richten sich die Dienstleistungen von Rexel Germany? Geht es eher in Richtung der Industrie oder des Handwerks, wie gestaltet sich das Konzept dazu?

Wehran: Hierzu gibt es ein ganz klares Statement von unserer Seite: Wir konzentrieren uns auf alle Bereiche, sowohl »Residential«, »Commercial« als auch »Industrie«. Ich sehe es als unseren Job an, allen Kunden als Partner zur Seite zu stehen – das betrifft eben nicht nur das Produktgeschäft sondern auch das Angebot segmentspezifischer Dienstleistungen, so benötigt ein Industrieunternehmen eine andere Unterstützung als beispielsweise eine kleine Elektrikerfirma.

Wie denken Sie über die Möglichkeit, Beratungsleistungen extern (online) zuzukaufen? Könnte man so nicht eklatante Preisunterschiede zum Wettbewerb erreichen?

Wehran: Was bei uns sehr geschätzt wird, ist die Beratungskompetenz, die uns in der Vergangenheit stark gemacht hat. Dieser direkte Kundenkontakt ist meiner Ansicht nach nicht wegzudenken, denn die Kundenbeziehungen, aber auch das Know-how, das angefragt wird, lassen sich nicht im selben Maß online abbilden.

Wie gedenken Sie, geeignetes Personal zu akquirieren?

Wehran: Dieses Thema liegt mir sehr am Herzen. Das vergangene Jahr war emotional für viele unserer Kolleginnen und Kollegen wohl das anstrengendste der ganzen Firmengeschichte. Nichtsdestotrotz hat ein Wandel stattgefunden und dieser wird auch nach außen hin wahrgenommen. In vielen Bereichen ist es relativ einfach, gutes Personal zu finden, und wir erhalten auch Initiativbewerbungen von Seiten des Wettbewerbs. Die beste Werbung für uns – auch am Arbeitsmarkt – sind jedoch die Commitments unserer Mitarbeiter.

Warum sollen Elektrotechniker Rexel als Partner wählen? Was haben Sie zu bieten?

Wehran: Wir verfügen über eine sehr stark ausgeprägte Kompetenz, unsere engagierten Mitarbeiter kümmern sich um das Wohl des Kunden und wir haben nun auch eine ausgezeichnete Logistik. »Verlässlichkeit« und »Qualität« sind bei uns nicht nur Phrasen, wir können unsere Kunden individuell bedienen und dafür stehen wir.

Welche Services bieten Sie für Industriebetriebe an?

Wehran: Unser Angebot geht natürlich weit über das übliche Produkt- oder C-Teile-Geschäft hinaus. Mit Themen wie logistische Dienstleistungen oder Prozesskostenoptimierung können wir Industrieunternehmen – egal welcher Größe – unterstützen und nach vorne bringen.

Wie steht Rexel zum Thema Amazon und Co.?

Wehran: Das ist für uns kein Kerngeschäft und auch keines, das wir ausbreiten wollen, weil es nicht unserer Strategie entspricht. Natürlich wissen auch wir um die Bedeutung dieser Thematik, allerdings stand das extern betriebene Online-Handelsgeschäft bei uns nie im Fokus – und das wird sich auch nicht ändern.

Wie halten Sie es mit den Grenzen nach Österreich? Es gibt ja durchaus nicht wenige deutsche Kollegen, die für ein »schnelles Geschäft« gerne über die Grenze fahren und so allerdings die Preise ruinieren. Wie denken Sie darüber?

Wehran: Der Kunde muss optimal bedient werden von Rexel – und zwar international. Natürlich macht es wenig Sinn, ausgehend von Deutschland Waren in das Landesinnere von Österreich zu liefern, wenn Rexel Austria hier der bessere Ansprechpartner ist. Wir haben genug Kunden, die wir in Deutschland beliefern können und die wir auch wieder zurückholen wollen – darin liegt unser Fokus. Wenn es sinnvoll ist, können Kunden an Rexel Österreich übertragen werden, wichtig ist vor allem, dass sie letzten Endes von Rexel weiterbedient werden.

Herr Wehran, vielen Dank für das Gespräch!

www.rexel.at

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