»Wer nichts weiß, muss alles glauben«

Insgesamt acht Absolventen in der Schweiz und in Deutschland haben die Ausbildung und die Prüfung zum ELE bereits bestanden. Sie sind die ersten zertifizierten Lichttechniker, die den Titel »European Lighting Expert « führen dürfen und – mit einer kleinen Einschränkung – länderübergreifend Aufträge, die das Themengebiet umfassen, abwickeln können. Dass die Teilnehmer mit der Anmeldung zur ELE-Ausbildung nicht automatisch auch einen erfolgreichen Abschluss voraussetzen können, haben zwei Absolventen bereits »schmerzlich« erfahren müssen – sie haben die Prüfungskriterien nicht erfüllt und müssen bzw. können in ein paar Wochen noch einmal antreten. „Man darf die Anforderungen, mit denen man als Prüfungskandidat konfrontiert ist, nicht unterschätzen. Sowohl die Ausbildung als auch die Prüfung ist auf einem viel höheren Niveau als die bisherigen nationalen Ausbildungswege zum zertifizierten Lichttechniker“, gibt KommR Manfred Mörth, der Kassier der LTG Österreich und auf nationaler Ebene zuständig für die Weiterentwicklung des ELE, uns zu verstehen, dass eine erfolgreiche Zertifizierung zwar machbar ist, aber keinesfalls von vornherein »a gmahde Wiesn« ist. Jeder Prüfungskandidat muss nach der Ausbildung eine Projektarbeit abliefern, die ihm sowohl licht- als auch elektrotechnisches Know-how abverlangt. „Dazu gehören technische Berechnungen, Kostenschätzungen, ein Anlagenbuch bis hin zu einem Wartungsplan und Ähnliches. Und wenn Verkehrszonen wie eine Autobahnabfahrt, ein Kreisverkehr und Bereiche etwa rund um einen Kindergarten zu den Prüfungsaufgaben zählen und der Kandidat die Prüfung besteht, dann können künftige Auftraggeber davon ausgehen, dass der Absolvent weiß, wie man ein Projekt zur Gänze abzuwickeln hat“, gibt Mörth zu bedenken.

LänderübergreifendKommR Manfred Mörth: „Die Ausbildung und die Prüfung zum ELE sollte man als Kandidat nicht unterschätzen – eine erfolgreiche Zertifizierung ist aber machbar.“
Der Zusammenarbeit der LTG in Deutschland, Österreich, Schweiz und den Niederlanden ist es zu verdanken, dass es nun eine Ausbildung zum zertifizierten Lichttechniker gibt, deren Absolventen in den genannten Ländern Anerkennung finden. Zur Umsetzung der gemeinsamen Ziele gründeten die Länderverantwortlichen einen Verein, der auf die Abkürzung ELEA hört und seinen Sitz in der Schweiz hat. Eine der Beschlussfassungen der ersten Sitzungen des »Executive Comittee« war, die Lernziele und Prüfungsordnungen auf Englisch zu übersetzen, woraufhin auch die Lichttechnischen Gesellschaften Ungarns, der Slowakei und anderer Länder Interesse bekundeten, Teil der ELEA zu werden. Während in der Schweiz die ersten European Lighting Experts mit dem Schwerpunkt Außenbeleuchtung die Prüfung bestanden haben, stand bei den deutschen Kollegen die Innenbeleuchtung im Zentrum der Ausbildung. Der Startschuss in Österreich fiel am 2. März. In Kooperation mit dem WIFI Wien präsentieren die Fachvortragenden, die zum Großteil aus den Reihen der LTG stammen, den insgesamt zehn Teilnehmern den Stoff zum »ELE-Außenbeleuchtung« in fünf Modulen. In der Woche 37 sollten dann auch die ersten Absolventen aus Österreich die Prüfung bestanden haben und sich »European Lighting Expert« nennen dürfen. „Der Stoff, der hier vorgetragen wird, ist am aktuellsten Stand der Licht- und Elektrotechnik – das ist das Wesen der Ausbildung. Sämtliche Neuheiten fließen sofort wieder in die Ausbildung ein, wodurch die Absolventen top ausgebildet sind“, unterstreicht auch der LTG-Vorstandsvorsitzende Ing. Peter Seibert, der aber auch darauf hinweist, dass für bereits national zertifizierte Lichttechniker ein Upgrade-Modul angeboten wird. Der Ende März stattfindende Termin ist bereits ausgebucht. Im September geht es dann hierzulande auch für die Innenbeleuchtungs-Experten los – dann steht der ELE-Innenbeleuchtung am Programm bzw. im WIFI-Ausbildungskatalog. Auch für dieses Themengebiet steht ein Upgrade-Modul am Plan – der Kurs für die bereits national zertifizierten Innenbeleuchtungsexperten geht diesen Herbst über die Bühne. Im gleichen Takt geht es schließlich 2018 weiter – für das Frühjahr ist bereits eine weitere Ausbildung zum »ELE-Außenbeleuchtung« inklusive Upgrade-Modul vorgesehen. „Den national zertifizierten Lichttechnikern, die eine ELE-Ausbildung nicht absolvieren wollen bzw. können, bieten wir im Oktober/November ein Fortbildungsseminar für Lichtanwender und- zertifizierte LichttechnikerInnen an“, weiß Seibert noch zu ergänzen.

NormenarbeitDI Dr. Rudolf Hornischer: „Mit der ÖNORM O1055 nehmen wir das europäische Regelwerk EN 13201-2 bis 5 ein wenig aus dem Schussfeld der Umweltschützer.“
DI Dr. Rudolf Hornischer gab uns schließlich Einblick in die aktuelle Normenarbeit – so wurde in den letzten Monaten intensiv an der Umsetzung des Technical Reports CEN/TR 13201-1, Road lighting – Selection of lighting classes – als nationale Norm gearbeitet. Mit Erfolg – europaweit ist man gemeinsam mit der Schweiz eines der ersten Länder das die Umsetzung realisiert hat: „Damit wird die alte Norm aus dem Jahr 2007 weitgehend abgelöst. Unter der Federführung der LTG entstand die nationale ÖNORM O 1055, die gerade zur öffentlichen Einsicht aufliegt und mit Q2/Q3/2017 voraussichtlich veröffentlicht wird. Sobald wir die Norm in Österreich umgesetzt haben, wird der LTG-Arbeitskreis »Öffentliche Beleuchtung« eine Anwendungsrichtlinie dazu erarbeiten, sodass man auch weiß, wie man mit der neuen Norm in der Praxis umzugehen hat. Gleichzeitig wird auch das Planungstool Straßenbeleuchtung überarbeitet, das auf der LTG-Website zu finden ist“, streicht Hornischer heraus. Teil der ÖNORM O 1055 ist die erweiterte Möglichkeit zur Anpassung des Beleuchtungsniveaus an das situative Verkehrsaufkommen: „Damit nehmen wir das europäische Regelwerk ein wenig aus dem Schussfeld der Umweltschützer, die tendenziell die Meinung vertreten, wir beleuchten zu hell. Wir haben somit die Möglichkeit geschaffen, einerseits energieeffizient und andererseits lichttechnisch gut zu beleuchten“, lässt uns Hornischer wissen. Die realisierte Normenarbeit erleichtert vor allem Großbetreibern wie der Wiener Magistratsbehörde MA33 mit 220.000 Lichtpunkten oder auch Wiener Wohnen mit 30.000 Lichtpunkten die Arbeit enorm bzw. schafft ein Potenzial für Kosteneinsparungen.

Ing. Peter Seibert: „Einer der wesentlichen Punkte, die die Ausbildung zum »European Lighting Expert« besonders macht, ist, dass sie immer am aktuellsten Stand gehalten wird.“Auf nach Saalfelden!
Neben der Infoveranstaltung »Neues bei der EN 13201«, die bereits am 30.1. in Wien stattfand (siehe »Neue Normenreihe in der Straßenbeleuchtung«), plant die LTG das Seminar »Neues zur EN 13201 und O1055« am 27.4. in Wien. Aus lichttechnischer Sicht umfassender wird es dann von 15. bis 17.5. in Saalfelden – dann nämlich findet der alljährlich stattfindende LTG-Jahreskongress mit zahlreichen hochkarätigen Vorträgen statt. Von Themen wie »digitales vernetztes Licht – Chancen und Herausforderungen« bis hin zu »Schutzwege im Dunkeln – ein verdrängtes Gefahrenpotenzial « und vielen mehr ist der LTG-Kongress auch heuer wieder ein Muss für alle Lichttechniker oder jene, die es werden wollen. Für Peter Seibert ist es schließlich ein besonderes Anliegen, sich bei allen ehrenamtlich in der LTG tätigen Personen zu bedanken: „Sie sind es, die bereit sind, ihre Zeit zur Verfügung zu stellen und Leistungen für den Verein zu erbringen, ohne die wir nicht existieren könnten. Ein Dankeschön möchte ich aber auch an alle Mitglieder richten, die dies unterstützen und dadurch ermöglichen“, lässt uns der Vorstandsvorsitzende der LTG abschließend wissen und entlässt uns schließlich noch mit einem kleinen Hinweis: „Ich freue mich auf ein Wiedersehen mit allen Lichttechnikern – spätestens in Saalfelden!“

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