Von der Hoffnung, mit der Idee andere anzustecken

Der stellvertretende Bundesinnungsmeister Gerald Prinz verkündete zu Anfang die gute Nachricht: „Wir haben die Antwort auf die Energiefrage. Nun ist es an der Zeit zu handeln.” Damit sprach Prinz jedoch nicht die rund 130 Personen an, die sich im Seminarsaal der Burg Deutschlandsberg versammelt hatten, sondern in erster Linie die zuständige Politik. Denn die Antworten halten die Elektrotechniker der Zukunft ohnehin bereits in der Hand. Außerdem ist man nun dank des österreichischen Erfindergeist und der e-Marke in der Lage, einen außergewöhnlichen Stromspeicher anzubieten, doch dazu später mehr.

Die Antwort auf die Energiefrage
„Die EU zahlt pro Tag eine Milliarde Euro an Russland. Und wir diskutieren wie eine Steuerreform umzusetzen sein soll. Hier den richtigen Hebeln anzusetzen, würde uns eine Menge Geld sparen. Wenn man nur will”, fand Ing. Mag. Gottfried Rotter, der den roten Faden zwischen Industriebeiträgen dieses Abends spann, drastische Worte. Die Energiewende ist jetzt möglich, wenn wir der Elektrotechnik die Chance geben, das zu beweisen. Es braucht aber einen neuen Denkansatz hin zum energiebilanzierten Gebäude. Dafür muss zuerst jedoch ein Bewusstsein geschaffen werden. Dafür braucht es ein System, das dem Bewohner detaillierte Angaben über den Stromverbrauch liefert – Martin Vesper, CEO der Digitalstrom AG bietet einen dieser Wegbereiter. Die Idee von Digitalstrom basiert auf einem modularen Konzept, bei dem alle elektrischen Geräte und die Installationstechnik, die in das Smart-Home-Netzwerk integriert werden sollen, über eine spezielle Aktoren-Klemme an das Versorgungsnetz angeschlossen werden. Eine Nachrüstung ist dabei einfach und schnell umgesetzt – so können nicht nur Neubauten mit dem System bestückt werden.

Rund 130 Teilnehmer nutzten die Möglichkeit, sich zu informieren und mit Experten aus verschiedenen Branchen in Kontakt zu treten.Das best geförderte Kilowatt ist das selbst erzeugte
„Bei der ganzen Diskussion um Energieeffizienz darf der Zusammenhang zwischen menschlich angenehm und technisch sinnvoll jedoch nicht vernachlässigt werden”, betonte DI Günther Hraby, Geschäftsführer von easyTherm. Beim Heizen geht es ja nicht mehr darum, sich vor dem Erfrieren zu schützen wie anno dazumal. Über dieses Stadium sind wir hinaus. Heute zählt die Behaglichkeit, die eine Heizanlage generieren kann. Dabei spricht Hraby natürlich das Konzept der Infrarotheizung an, die nicht nur aus Komfortgründen, sondern auch wegen ihrer Energieeffizienz gute Karten im Poker um die Energiewende hat. „Das Konzept einer mit Strom betriebenen Heizung, kombiniert mit einer Photovoltaikanlage und einem Stromspeicher, der auch für die Versorgung in der Nacht sorgt, ist ein Traum”, schließt Hraby.

Ein Traum, der demnächst auch in Erfüllung gehen könnte, wie Rotter bestätigt, denn die Speicherlösung ist bereits Realität. Wie bereits mehrmals angekündigt und in der letzten Ausgabe im Detail vorgestellt, vertreibt nun die Innung gemeinsam mit der e-Marke, eine in Österreich entwickelte Technologie zur effizienten Stromspeicherung. Dieser Speicher, mit einem Wirkungsgrad von 95%, lässt sich jederzeit nachträglich einbauen und hat eine Lebensdauer von mindestens 25 Jahren. Das funktioniert aber nicht nur im Einfamilienhaus, sondern auch im sozialen Wohnbau, womit Rotter einen deutlichen Handlungsverweis an die Politik sendet.

„Ich habe es schon unzählige Male gesagt, und ich werde es noch oft wiederholen: Die zentrale Fragestellung des 21. Jahrhundert ist, wo wir unsere benötigte Primärenergie herbekommen”, betonte Hans Kronberger, Präsident der PVA einmal mehr. Rund fünf Milliarden Jahre wird die Sonne noch scheinen. „Es ist also eine intelligenzfrage”, so Kronberger. Mit Verweis auf einen großen Paradigmenwechsel der Vergangenheit, bezeichnete Kronberger diese Wende als »Kopernikanische Energiewende«. „Das bezeichnet ein völlig neues Denken. In Zukunft werden wir unsere Energie nicht von der Erde, sondern von der Sonne beziehen, daher ziehe ich gerne den Vergleich mit Kopernikus.” Zur Umsetzung dieser Wende müsse man sich aber auch von einem weit verbreiteten Feindbilddenken lösen, wonach die großen Energieversorger und die Öllobby der natürliche Feind der Erneuerbaren Energieformen sei. „Die Energiewende gelingt uns nur miteinander. Der einzige Feind dabei ist die Unwissenheit über die fantastischen Lösungen, die möglich wären”, schloss Kronberger.

Weiter wachsende Probleme
„Unbemerkt von vielen haben wir zwar grünes Wachstum, aber schwarze Träume”, zitierte Univ.-Prof.Dipl.Ing. Karl Rose, Leiter World Energy Council/London, und nahm damit etwas die Euphorie aus der Veranstaltung, um an drängende Probleme zu erinnern: „In Europa sind wir umgeben von erneuerbaren Energieformen, global gesehen herrscht jedoch ein enormer Trend in Richtung Kohle und das in den bevölkerungsreichsten Ländern. Dort ist Kohle der primäre Energieträger, weil er leicht und billig verfügbar ist. Wollen wir einen wirklich nachhaltigen Energiewandel, muss diese Entwicklung aufgehalten werden.” International gebe es demnach stark unterschiedliche Prioritäten, nur in Europa steht die Energiewende an oberster Stelle, wobei der deutschsprachige Raum hier dominiert. »Servus-TV-Wetterfrosch« Andreas Jäger berichtete abschließend in seiner quirligen Art über die Klimaveränderungen in den letzten Jahrtausenden und ging dabei auf den vielzitierten kommenden Klimawandel ein, um den es immer noch Skepsis und Zweifel gibt. „Der Klimawandel ist wie ein Indizienprozess. 80% der Klimawissenschaftler sind anhand dieser davon überzeugt, dass wir Treiber des Klimawandels sind und einen Großteil davon verursachen.” Die Welt steht also immer noch vor großen Herausforderungen – ein Umdenken ist in vielen Bereich vonnöten. Aber auch wenn global noch nicht die gleiche Aufbruchsstimmung, wie in Europa herrscht, werden hier vielleicht die Weichen für die Zukunft gestellt.

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