Im neuesten Firmengebäude – dem sogenannten »Werk 5« durften wir LWL-Experten Heiko Zschocke und seinem Team bei der Arbeit über die Schulter blicken. (Bild: Metz Connect GmbH)

Metz Connect – wie aus einem Lohnfertiger ein marktorientiertes High-Tech-Unternehmen wurde:

Von den Praktikern inspiriert

Die Entstehungsgeschichten von Familienunternehmen versprechen in der Regel stets einen gewissen Grad an Faszination – manche lesen sich spannend wie ein Roman. Wenn man sie dann auch noch vom Gründer selbst erzählt bekommt, ist Gänsehaut garantiert. Das i-Magazin sprach mit Albert Metz, dessen Unternehmen im Bereich der kupferbasierenden Netzwerktechnik über die Jahre immer wieder für Furore gesorgt hat und mittlerweile in der zweiten Generation unter Jochen und Christian Metz erfolgreich in die Mission »Lichtwellenleitertechnik« gestartet ist. Wir waren im deutschen Blumberg, um die Unternehmerfamilie zu treffen und den Spezialisten der Fiber Optic Division von Metz Connect über die Schulter zu blicken.

von Thomas Buchbauer

Albert Metz hatte schon früh den Drang, sich selbstständig zu machen. Nach seiner Ausbildung zum Werkzeugmacher und dem Abschluss des Studiums der Feinwerktechnik und der Betriebswirtschaft streckte Metz trotz seiner Jugend im Jahr 1976 seine Fühler nach einem Unternehmen aus, das in die Krise geraten war. Der im deutschen Blumberg ansässige Betrieb Siebert & Tietz, der mit der Telefonklinken-Technik groß geworden und später als Lohnfertiger für Siedle tätig war, hatte wirtschaftlich turbulente Zeiten hinter sich. „Ein gewisses Maß an Überzeugung war schließlich notwendig, um die Bank davon zu überzeugen, das Kapital für die Übernahme von Siebert & Tietz vorzuschießen. Die finanziellen Mittel, die ich selbst einbrachte, verwendete ich, um Material einzukaufen und die Löhne zu bezahlen“, lässt Albert Metz die Vergangenheit und die Gründung der RIA (Regelbare Industrieantriebe) für uns Revue passieren. Der wirtschaftliche Erfolg stellte sich schließlich ein, als der gelernte Werkzeugmacher Albert Metz Vorrichtungen entwickelte, die ein hohes Maß an Fertigungsqualität gewährleisteten.

Ein Großauftrag der finnischen Post, die in der Phase des Kalten Krieges ein abhörsicheres System installieren wollte, versprach eine Auftragssumme in DM-Millionen-Höhe. Ein Projekt, das in letzter Sekunde auf Bankenebene zu scheitern drohte, aber dank des unternehmerischen Einsatzes von Albert Metz doch noch zum Guten abgewendet wurde. „Das hätte mich beinahe Kopf und Kragen gekostet. Ich war stets risikobereit aber nie ein Spieler“, fasst Albert Metz die damaligen Geschehnisse für uns zusammen.

Während er sein Unternehmen Schritt für Schritt aufbaute, zeigte Albert Metz 1979 abermals ein gutes Händchen als Unternehmer: Für die am Telefonsektor damals federführende Firma Telenorma, die ein Teil des damaligen AEG-Verbunds war, entwickelte er gemeinsam mit einem Freund und ehemaligen Studienkollegen einen elektronischen Wählautomaten – „Wir haben ihn »Rufnummerngeber RN63« genannt und dafür einen guten Preis erzielt“, hat Albert Metz die nächste Erinnerung parat. Doch noch war es zu früh, sich darüber zu freuen: Der Rufnummerngeber RN 63 hatte als eines der ersten Geräte überhaupt Speicherbausteine von Intel integriert. Da der amerikanische Chiphersteller zur damaligen Zeit am deutschen Markt astronomische Preise für seine Speicher verlangte, schaltete Albert Metz kurzerhand seinen in Los Angeles lebenden Cousin ein, um die Speicher zu US-üblichen Preisen einzukaufen und nach Deutschland zu bekommen. Mit anderen Worten: Erst durch die kreative Vorgangsweise von Albert Metz am Markt wurde der Rufnummerngeber RN63 schließlich auch zum wirtschaftlichen Erfolg für sein Unternehmen: „Die Nachfrage war so groß, dass wir gar nicht so schnell produzieren konnten, wie wir die Geräte verkauften“, quittiert Albert Metz die Erinnerung mit einem Augenzwinkern.

Doch damit nicht genug – mit der deutschen Einheit kam schon die nächste große Geschäftschance, die Albert Metz zu nutzen wusste. Der sogenannte »Fax-Umschalter« wurde geboren und mit ihm die Möglichkeit für jeden Teilnehmer, mit nur einem Netzanschluss sowohl telefonieren als auch faxen zu können. „Wir haben damals – in einem bereits liberalisierten EU-Markt – nahezu 900.000 dieser Fax-Umschalter produziert und am freien Markt verkauft. Dieser Erfolg war nur möglich, weil sich das Gerät im Einsatz als absolut zuverlässig und leicht zu installieren erwies“, schließt Albert Metz seine Schilderungen über die Startphase seines Unternehmens vor dem i-Magazin-Mikro.

Albert Metz (Mitte) gründete im Jahr 1976 die RIA (Regelbare Industrieantriebe) – heute zählt Metz Connect zu den führenden Unternehmen im Bereich der Netzwerktechnik und wird von den Brüder Christian (links) und Jochen Metz (rechts) geleitet.(Bild: Metz Connect GmbH)

Bereits ab dem ersten Arbeitsgang im Bereich der LWL-Manufaktur bemerkt man die Handschrift eines Experten: Die Kabel werden maschinell unter kontrollierten Zugbedingungen abgespult, um Inhomogenitäten im Glasfaserkabel grundsätzlich zu vermeiden. (Bild: Metz Connect GmbH)

Im Zuge unserer Recherche in Blumberg treffen wir auf Mitarbeiter, die nicht nur ihre Verbundenheit zum Unternehmen zum Ausdruck bringen sondern auch das unternehmerische Fingerspitzengefühl von Albert Metz bestätigen – so hat auch sein »Langzeitgefährte« und Prokurist Hans-Peter Bieler lobende Worte für die Fähigkeiten seines Chefs: „Albert Metz nutzte seit jeher jede Gelegenheit, um die Praktiker zu befragen, was notwendig sei, um die Produkte noch installationsfreundlicher zu gestalten. Diese Art, an die Dinge heranzugehen, ist mittlerweile Teil der Unternehmenskultur und wird von unseren Mitarbeitern gelebt. In einem Unternehmen mit über 800 Mitarbeitern weltweit ist es zwar zu einer großen Herausforderung geworden, die Prozesse offen zu halten – trotzdem haben wir es bis heute geschafft, diese Kultur weiterzuentwickeln.“ Das ist es auch, was für Andreas Paul, den Verantwortlichen des österreichischen Marktes bei Metz Connect, bis heute den klaren Unterschied ausmacht: „Ein gutes Beispiel für die Praxisorientiertheit der Produkte ist die Kabelzuführung bei den Datenmodulen. Metz Connect bietet als einziger Hersteller nicht nur die 180-Grad-Kabelzuführung sondern auch eine von 90 und von 270 Grad – also von oben und unten, um den Biegeradius speziell im Unterputzbereich so gering wie möglich zu halten und der Montagefreundlichkeit im vollen Umfang Rechnung zu tragen.

Der Schritt, nicht nur technologisch wegweisende Trends zu bieten und mit Entwicklungen wie der Datendose aus Zinkdruckguss oder der Schrägstellung der Dosenbuchsen zur Verbesserung des Handlings internationale Standards zu setzen, sondern auch auf Führungsebene Maßnahmen für die Zukunft einzuleiten, war naheliegend. So übernahmen die Söhne von Albert Metz, Jochen und Christian Metz, in den letzten Jahren sukzessive die Verantwortung im Unternehmen und sorgten schließlich für Entscheidungen, die man als einschneidend bezeichnen kann. Denn nachdem Metz Connect im Marktsegment der industriellen Elektronik einen maßgeblichen Stellenwert einnahm und vor allem auch als wesentlicher Faktor am kupferbasierenden Netzwerkmarkt zu bezeichnen war, trafen die beiden Geschäftsführer Jochen und Christian Metz den Entschluss, auch in der Glasfasertechnik mitzumischen. „Da es uns im Blut liegt, den Kunden zuzuhören und daraus hervorragende Produkte und Lösungen zu generieren bzw. den Kunden alles aus einer Hand anbieten zu wollen, war es naheliegend, die LWL-Technik zu besetzen. Metz Connect hat speziell in den letzten Jahren einen Wandlungsprozess vom technologiegetriebenen zu einem marktorientierten Unternehmen durchlaufen“, betont Jochen Metz vor dem i-Magazin-Mikro.

Das 25G System von Metz Connect ist durchgängig und kompatibel – eine Voraussetzung für transparente, effiziente und individuelle Nutzung von zukunftsorientierten Netzwerk- und Verkabelungssystemen. Der minimale monetäre Mehraufwand bietet die 2,5-fache Übertragungsgeschwindigkeit. (Bild: Metz Connect)

Da keiner der Verantwortlichen bei Metz Connect Freund von halben Sachen war, wurde kurzerhand ein neues Gebäude auf die grüne Wiese gestellt und mit Heiko Zschocke ein Experte, der seit den 1990er-Jahren im Bereich der Glasfasertechnik tätig ist, engagiert. Gemeinsam stellte man innerhalb kürzester Zeit eine Fertigung auf die Beine, die aus heutiger Sicht keinen Vergleich zu scheuen vermag. Zschocke bezeichnet vor allem die Verarbeitungs- und Materialqualität als klares Statement von Metz Connect: „Denn nur sie widerspiegelt das Langzeitverhalten eines LWL-Steckverbinders. Die Details in der Manufaktur sind entscheidend für die Qualität, die wir ausliefern“, bringt es der Spezialist auf den Punkt.

Die Unterscheidungsmerkmale beginnen bereits bei der Bereitstellung des Materials: „Unsere Kabel werden maschinell unter kontrollierten Zugbedingungen abgespult, um Inhomogenitäten im Glasfaserkabel grundsätzlich zu vermeiden“, lässt uns Zschocke wissen.

Doch damit nicht genug: „Wir arbeiten bei der Montage der Lichtwellenleiter-Kupplungen immer mit Schraube und Mutter, die wiederum mit einem vordefinierten Drehmoment verschraubt werden, wodurch es im Gegensatz zu selbstschneidenden Schrauben zu keinen Unregelmäßigkeiten im Kunststoff kommt. Das sind die kleinen Details, die am Ende entscheidend sind, für die Qualität eines Gesamtprodukts und seine Wertigkeit im Langzeitverhalten“, unterstreicht der LWL-Experte.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal sieht man bei Metz Connect darin, die LWL-Pigtails mittels visueller Kontrolle in der Fertigung zu prüfen, bevor sie montiert werden. „Hierbei wird die Stecker-Endfläche, gemäß IEC61300-3-35, verifiziert,“ informiert Zschocke.

Auch in der Konfektion hat Metz Connect eigene Ideen im Ablauf der Arbeitsschritte kreiert, deren Umsetzung dazu führen, dass sie sich im Langzeitverhalten der ausgelieferten Produkte mit den doch sehr kurzen Lieferzeiten schlussendlich positiv auswirken und das Unternehmen zum Beispiel Systemgewährleistungen bis zu 15 Jahre anbieten kann.

Internetanbieter bauen das Glasfasernetz in Europa für Geschäfts- und Privatkunden immer weiter aus. Diese Leitungen werden aber lediglich bis zu einem Übergabepunkt im Haus oder auf dem Grundstück verlegt (= Fibre to the Home, FTTH). Die weiterführende Installation der Glasfaser im Haus (= Fibre in the Home, FITH) muss von jedem Anschlussteilnehmer bzw. Hausbesitzer häufig eigenständig realisiert werden – Metz Connect bietet dafür die passenden Lösungen. (Bild: Metz-Connect GmbH)

Zu guter Letzt hat Zschocke vor der Auslieferung der konfektionierten LWL-Lösungen einen entscheidenden Schritt festgelegt: „Die Dämpfung pro Steckverbinder wird am Ende der Manufaktur über zwei Wellenlängen gemessen, um Unregelmäßigkeiten am Produkt auszuschließen“, so Zschocke. Alle LWL-Produkte, die Metz Connect ausliefert, verfügen über eine Seriennummer für die Rückverfolgbarkeit bzw. für die Dokumentation vor Ort. Die Messprotokolle werden im Haus zehn Jahre lang archiviert und können auf Wunsch jederzeit zugeschickt werden. „Wir arbeiten ständig an der Weiterentwicklung von Alleinstellungsmerkmalen, die wir unseren Kunden auch kommunizieren, um die Wertigkeit im Produkt zu charakterisieren“, gibt uns Zschocke von seiner Seite abschließend mit auf den Weg.

Metz Connect verfolgt nicht nur auf der Technologieebene eine klare Linie – für das Unternehmen hat vor allem auch die Unterstützung der Kunden höchste Priorität: „Wir stellen künftig nicht nur gedruckte Installations- und Bedienungsanleitungen zur Verfügung, sondern auch handlingorientierte Demonstrationsvideos mit flankierenden Maßnahmen zur Montage online, die helfen sollen, die sprachlichen Schwierigkeiten der multikulturellen Vielfalt in den Handwerksbetrieben im Rahmen der Installation besser zu meistern“, verweist uns Jochen Metz darauf, wie sehr man bei Metz Connect bis in alle Ebenen praxisorientiert zu handeln vermag. Das Unternehmen setzt dabei auch auf 3D-Druck-Verfahren, um Neuentwicklungen in geringen Stückzahlen und niedrigen Kosten im Feld abtesten zu können. Abgesehen vom Feedback der Praktiker holt sich Metz Connect natürlich auch Inspiration vom internationalen Markt: „Speziell dem Trend, die Struktur vom Boden und der Wand Richtung Decke zu verlegen – also »digital ceiling« – tragen wir mit dafür entwickelten Applikationen bereits Rechnung“, kündigt Jochen Metz vor dem i-Magazin-Mikro an und unterstreicht damit die Möglichkeiten, die man bei Metz Connect unter anderem durch die IP-basierende Leuchtentechnik erkennt. „Wir sind in der Lage, unsere Produkte und Systeme dahingehend zu adaptieren, damit auf Kundenseite die volle Bandbreite an Leistung und Anwendung realisiert werden kann“, unterstreicht Bieler nicht zuletzt auch in seiner Funktion als Sales Director Central Europe zum Abschluss unseres Besuches die Flexibilität und das Know-how, das man sich in der mittlerweile über 40-jährigen Firmengeschichte angeeignet hat und im Sinne der Kunden nutzt.

Metz Connect – Hard Facts

Firmensitz/Zentrale: D-78176 Blumberg

Inhaber/Geschäftsführer:

  • Albert Metz, Firmengründer
  • Jochen Metz
  • Christian Metz

Firmengründung: 1976

Standorte

  • Blumberg | Deutschland
  • Tinton Falls | USA
  • Kunszentmiklós | Ungarn
  • Zhongshan |China

Neubau 2017: Werk 5 am Standort Blumberg – Glasfasermanufaktur und Logistikzentrum

Büro- und Produktionsfläche: 34.000 m²

Mitarbeiter: 800 davon 550 am Firmensitz in Deutschland

Auszubildende / Studenten: 45

Mission

  • Verbindungstechnik für Geräte und Verkabelung
  • Premium Anspruch
  • Prinzip Qualität
  • Familienunternehmen

Absatzvolumen

  • Passive Datennetzwerktechnik: 10 Millionen Datenanschlüsse jährlich (E-DAT modul, C6A Modul, E-DAT C6A)

Vertrieb Cabling Solutions

Österreich

  • Leitung: Andreas Paul
  • Außendienst: Stephan Steininger
  • Innendienst: Lisa Schweigler

Distributionskanäle: Dreistufiger Vertrieb

Weitere Informationen unter www.metz-connect.com

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