Urin zu Strom

 

„Singapur hat keine eigenen Rohstoffe. Die Stadt braucht deshalb Systeme, die Ressourcen nach ihrer Verwendung möglichst vollständig rückgewinnen“, sagt Jing-Yuan. Konkret gelingt das seinem Konzept bei Stickstoff, Phosphor und Kalium, die aus Fäkalien abgeschieden und anschließend als Dünger eingesetzt werden können. Möglich ist dies durch eine spezielle NoMix-Kloschüssel, die Fest- und Flüssigabfälle trennt. Im Bioreaktor kann auch Methan gewonnen werden, das zum Kochen oder zur Stromerzeugung nützlich ist.

 

Zu wenige Trenn-Klos

Völlig neu ist das Konzept nicht. Der kanadische Hersteller Sancor Industries hat etwa bereits ein System auf den Markt gebracht, das Fäkalien einlagert und per Kompostierung automatisch zu Dünger verarbeitet. Britische Forscher tüfteln an mikrobiellen Brennstoffzellen, durch die WC-Anlagen etwa bei Großveranstaltungen zum Kraftwerk werden, oder gewinnen durch die Fallgeschwindigkeit des Abwassers in Hochhäusern Strom. Die Pioniere der Fest-Flüssig-Trennung sind in der Schweiz beim Wasserforschungs-Institut Eawag zuhause. „NoMix-Systeme mit Vakuum wurden auf einem Berliner Kläranlagen-Betriebsgelände bereits getestet. Prototypen sind längst in vielen Ländern installiert und die Nachfrage steigt, doch es fehlt derzeit einfach an verfügbaren Toiletten“, erklärt Eawag-Verfahrenstechniker Kai Udert im Interview. Trotz Gesprächen sei die Sanitärindustrie bisher abwartend, während bei wasserlosen Urinalen der Durchbruch in Autobahnraststätten, Stadien oder Skihütten schon gelang.

 

Verzicht auf Kanal

Das Potenzial von NoMix schätzt Udert dennoch weiterhin als „sehr groß“. „Aus europäischer Sicht wird oft vergessen, dass Kanalisation und Wasserspülung weitweit die Ausnahmen sind“, gibt der Experte für dezentrale Abwasserbehandlung zu bedenken. Wasser ist vielerorts Mangelware, Trockensysteme hingegen üblich. Auf Basis dieser Erkenntnis hat die Gates-Stiftung derzeit eine Initiative zur »Neuerfindung der Toilette« laufen, die neue Toiletten-Konzepte ohne Kanalanschluss zum Maximalpreis von fünf Cent pro Kopf und Tag hervorbringen soll. Auch wenn in Europa der WC-Wasserverbrauch im Vergleich weniger relevant ist – sieht man von besonders hochfrequentierten Toiletten ab – könnte hierzulande die leichtere Entsorgung bei der Flüssig-Fest-Trennung zum entscheidenden Argument für die Technologie werden. „Entfernt man die Nährstoffe auf diese Weise aus dem Wasser, spart das viel Energie in Kläranlagen, schützt sie vor Überlastung und erhöht ihre Effektivität“, so der Forscher. Der Aspekt der Stromerzeugung sei bei Kläranlagen relevant, bei dezentralen Anlagen jedoch bestenfalls für den Betrieb von Pumpen, Belüftung und Beleuchtung, sagt Udert. Pressetext

 

www.wastemetasia.sg

 

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