»Unsere Produkte sind nicht vergleichbar«

Aufgrund des stetigen Wachstums von e2 ist der bisherige Standort in Hofkirchen zu klein geworden. Das Unternehmen hat sich deshalb ein größeres Betriebsobjekt in der näheren Umgebung gesucht und stieß dabei auf den ehemaligen Kopp-Standort in Aigen-Schlägl: Die Entscheidung war rasch getroffen. Abgesehen von den emotionalen Beweggründen sind die Bedingungen für e2 ideal. Somit steht den Expansionsbestrebungen für die nächsten Jahre nichts mehr im Weg. Um mehr über den Erfolg und die Standortverlegung von e2 zu erfahren, trafen wir uns mit Helmut Fritz, Gesellschafter und Prokurist des Unternehmens. Er stand uns Rede und Antwort und gewährte uns Einblick in die Hintergründe der Entscheidungen.

Herr Fritz, mit 45 Mitarbeitern in Österreich, Deutschland und Tschechien gelang e2 in den letzten Jahren ein gesundes Wachstum. Was ist passiert? Wie ist es passiert?
Helmut Fritz: Wir wachsen stetig und laufend in allen Bereichen. In Österreich haben wir alleine für den Fachhandel bereits zehn Außendienstmitarbeiter. Den Vertrieb haben wir nachhaltig aufgebaut, das sichert uns kontinuierlich Wachstum. Uns gibt es mittlerweile seit acht Jahren erfolgreich am Markt. Acht Jahre Wachstum bedeuten mit Ende 2015 zwanzig Millionen Euro Umsatz.

Auf welchen Produktgruppen liegt dabei der Schwerpunkt?
Fritz: Im Bereich der Beleuchtung, der Schalter und des Installationsmaterials. Nur ein kleiner Teil der Beleuchtung sind Leuchtmittel/Lampen, der Schwerpunkt liegt bei Leuchten. Unsere Partner fertigen nach unseren ­Vorgaben an Kundenwünsche angepasste Leuchten – das ist unsere Stärke.

Eure Partner sind unter anderem in Europa und in Asien? Was bedeutet das im Detail?
Fritz: Die Produktion findet unter anderem in Deutschland und Polen sowie weiteren europäischen Ländern statt. Alle anderen Komponenten kommen aus dem asiatischen Raum, wo sie auch assembliert werden.

Woher haben Sie die Kompetenz, selbst Leuchten zu entwickeln?
Fritz: Die Entwicklung gibt der Kunde vor. Da es selbst bei den Produkten der renommierten Hersteller stets Verbesserungspotenzial gibt, nutzen wir die uns bietenden Möglichkeiten aus. Wir sind dabei vor allem deshalb erfolgreich, weil wir kurze Entscheidungswege haben und unsere Verbesserungsideen rasch umsetzen.

Auf welchen Hersteller haben Sie bisher im Bereich der Schalter gesetzt?
Fritz: Efapel ist unser Partner aus Portugal. Er ist dort und im spanischen Raum Marktführer. Ebenso ist Efapel in Russland sehr stark aufgestellt. Die Produkte werden erfolgreich und exklusiv von uns in Österreich und Deutschland vertrieben.

Welche Zielgruppe soll mit dem Schaltermaterial angesprochen werden?
Fritz: Efapel bietet alles. Zum Sortiment des Herstellers gehören Schalter für den Wohnbau, Bürobau und den gehobenen Einfamilienhausbereich. Unser Partner kann die ganze Sortimentsbreite und -tiefe anbieten. Efapel hat vom Glasschalter bis zum Holz- und Kunststoffschalter alles – auch in allen Farben. Durch die Produkttiefe können alle Bauteile abgedeckt werden, ausgenommen KNX. Und zwar deshalb nicht, weil Efapel ein eigenes System entwickelt, das mit der Light+Building 2016 auf den Markt kommt. Darauf werden wir aller Voraussicht nach auch am heimischen Markt setzen.

Auf welche Schwerpunkte setzen Sie noch außer auf Leuchten und Schalter?
Fritz: Der dritte große Schwerpunkt ist das Installationsmaterial. Da ist in erster Linie das Iso-Rohr-Thema in starrer und flexibler Ausführung sehr wichtig. In diesem Bereich haben wir beim Elektrotechniker in Österreich einen hohen Stellenwert.

Kann man damit überhaupt Geld verdienen?
Fritz: Doch, in einer guten Struktur und Organisation wie bei uns ist das schon möglich. e2 ist sehr schlank im Auftreten und im gesamten Management – wir haben keine großen Vertriebsapparate. Das macht uns aus. Trotzdem beträgt unsere Lieferquote 98 % und wir liefern alles innerhalb von 24 Stunden.

Wie definiert sich e2? Zählen Sie sich zum Großhandel oder zur Industrie?
Fritz: In erster Linie sind wir Händler. Aber wir sind auch Produzent, speziell im Beleuchtungssektor mit unserer Eigenmarke e2-elektro.

Wofür hat e2 eigene Produkte, im Speziellen im Leuchtenbereich, wenn es so viele Hersteller gibt, die Qualität anbieten?
Fritz: Weil wir anders sind als die anderen. Wir wollen kein weiterer Standard-Großhändler sein, sondern gehen einen ganz eigenen Weg und decken diese Nische ab. Bei uns gibt es keinen dreistufigen, sondern einen zweistufigen Vertrieb – von der Produktion direkt zum Elektrotechniker/Anwender. Das ist die große Stärke und nutzt auch dem Elektrotechniker.

Der Standort von e2 wird nach Aigen-Schlägl verlegt. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, den ehemaligen Standort von Kopp zu übernehmen?
Fritz: Wir sind gerade eifrig am Umbauen. Erstmalig liefern wir am 7. Jänner 2016 aus Aigen-Schlägl. Da das Betriebsobjekt in Hofkirchen (verfügt über ca. 4.000 m2 Lagerfläche) zu klein geworden ist, war ein größerer Standort notwendig. Für uns stellte sich die Frage, ob wir entweder den Standort in Hofkirchen vergrößern oder etwas anderes in der Region suchen. Wir hatten bereits mit der Projektierung des Zubaus begonnen, mit den Architekten gesprochen und einen Umriss der Kosten auf dem Tisch. Dann ergab es sich, dass Kopp mit Anfang 2015 seine Niederlassung in Österreich aufgelassen hat und das Gebäude zum Verkauf angeboten wurde. Wir kannten das Betriebsobjekt aus unserer Vergangenheit sehr gut und es entsprach genau unseren Anforderungen. Das Lager ist absolut zeitgemäß und funktionstüchtig.

Wie gestalteten sich die ersten Kontakte zu Kopp?
Fritz: Sie waren absolut easy, weil alle dort handelnden Personen erst seit kurzem beim Unternehmen tätig waren und deswegen vorurteilsfrei in die Verhandlungen gingen. Wir hatten sofort eine gute Gesprächsbasis und schließlich auch bald einen Konsens gefunden. In Aigen steht uns nun ein Betriebsareal mit 15.000 m²und rund 8.500 m² Lagerfläche zur Verfügung. Die Büroflächen belaufen sich auf ca. 600 m². Darüber hinaus ist die Entscheidung zu Gunsten des Standortes auch deshalb gefallen, weil wir unsere Expansionsbestrebungen von hier aus auch in den nächsten zehn Jahren sehr gut verfolgen können.

Haben Sie Bedarf, neue Arbeitskräfte einzustellen?
Fritz: Die Stammbelegschaft aus Hofkirchen wandert zur Gänze mit. Nichtsdestotrotz suchen wir natürlich speziell im Innendienst und Lagerbereich laufend Personal. Wir werden 2016 voraussichtlich weitere fünf Personen in diesem Bereich einstellen. Es ist nicht auszuschließen, dass das ehemalige Kopp-Mitarbeiter sein werden.

Was wird man vom Gebäude, in dem sich e2 nun niederlässt, erwarten können?
Fritz: Man wird von außen nicht mehr richtig erkennen, dass es einmal das alte Kopp-Gebäude war. Die Außenanlagen und die Zugangsbereiche werden neu gestaltet, sämtliche Büroflächen werden ebenso erneuert und das Lager wird entsprechend adaptiert. Das gesamte Objekt ist als eine große Ausstellungsfläche konzipiert. Jedes Büro ist mit anderen Leuchten bestückt – natürlich mit e2-Eigenprodukten. Alle Räume sind aktive Schauräume, in denen die Kunden die Möglichkeit haben, alles anzusehen und anzugreifen. Zusätzlich gibt es auch noch einen großen Schauraum, in dem explizit unsere Produkte ausgestellt werden und in den wir unsere Kunden laufend einladen werden.

Sie haben aber nicht nur den Standort von Kopp übernommen, sondern gleich Nägel mit Köpfen gemacht und einen Teil des Kopp-Produktsortiments übernommen.
Fritz: Nachdem wir eine gute Gesprächsbasis mit Kopp gefunden hatten, trug man die Frage an uns heran, ob wir Interesse hätten, gewisse Produktgruppen ausschließlich für den Fachhandel zu vertreiben. Kopp hat erkannt, dass wir sehr gute Vertriebsmitarbeiter am Point of sale haben. Wir haben gemeinsam die Produktgruppen definiert und schließlich einen guten gemeinsamen Nenner gefunden. Mit November 2015 haben wir nun begonnen, die Kopp-Produkte aktiv zu verkaufen.

Welche Maßnahmen wird es geben, um hier wieder stärker ins Geschäft zu kommen?
Fritz: Sämtliche wichtige Kopp-Produkte, die sich jetzt schon am Markt befinden, wie z. B. die AP-FR-Serie Blue-Electric oder UP-Schalterprogramme sind unter vielen Elektrotechnikern in Österreich bekannt. Die Key-Produkte haben wir auch bereits in unserem Katalog, der Anfang Dezember erschienen ist, aufgenommen. Wir vertreiben nur Produkte, die Kopp auch selbst produziert – dazu zählen Wohnraumschalter, Feuchtraum-Aufputz-Steckdosen, Stecker, Kupplungen und all die Zubehörthemen, die Kopp selbst produziert. Sie sind die Kernpunkte. Zu erwähnen ist hier auch das neue Glasprogramm HKI 8, das wir 2016 am Markt platzieren wollen. Wir werden die Kopp-Produkte auch einlagern, die dann ausschließlich aus Aigen-Schlägl geliefert werden.

Zum Abschluss: Was macht aus Ihrer Sicht den Unterschied zu den Mitbewerbern aus?
Fritz: Trotz unserer schlanken Strukturen im Verwaltungsapparat ist die Ablauforganisation bei e2 optimal und zu 100 % auf den Kunden ausgerichtet. Alle Produkte, die wir in Österreich vertreiben, sind ausschließlich bei e2 erhältlich – das unterscheidet uns von anderen. Unsere Produkte sind weder beim Mitbewerb noch beim Großhandel erhältlich. Darüber hinaus sind unsere Produkte nicht vergleichbar, weil sie viele technische Alleinstellungsmerkmale haben und nicht über andere Quellen beziehbar sind. Wer unsere Produkte googelt, wird sie nur bei uns finden, was den Vorteil hat, dass man als Elektrounternehmen der Transparenz und der Vergleichbarkeit durch das Internet nicht ausgesetzt ist.

Herr Fritz, vielen Dank für das informative Gespräch!

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