Tun sich Gräben auf?


 

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Die Veranstaltung der LTG zum Thema »Licht von morgen – heute planen« bot nicht nur die gewohnt informell hochwertigen Passagen, sondern auch die Brisanz, die den meisten dieser Events fehlt. Denn so harmonisch und informativ die Veranstaltung der LTG begann, desto emotionaler endete sie schlussendlich. Nach dem Vortragsreigen der Experten aus Industrie, Großhandel und Planungsunternehmen entwickelte sich eine überaus interessante Diskussion – einmal mehr erhitzte das Glühlampenlampenverbot die Gemüter spürbar. Und einmal mehr ging es weniger um sachliche Inhalte, als um die Tatsache, mit einem Verbot aus Brüssel leben bzw. arbeiten zu müssen.

Aus der Sicht der Hersteller

Den Anfang machten Gudrun Schach von Zumtobel und Rudolf Koch von Philips – die beiden referierten über das Thema Lichtplanung im Büro. Koch bot dabei einen Überblick über die Machbarkeit und die Möglichkeiten, LED einzusetzen und Schach verglich ein Projekt in dem eine Leuchtstofflampen- bzw. eine LED-Lösung zum Einsatz kam. „Die LED-Technik macht extreme Fortschritte. Vergleicht man etwa Downlights bestückt mit Kompaktleuchtstofflampen mit jener in LED-Ausführung dann bietet die herkömmliche Technik eine Systemlichtausbeute von 40 bis 50 Lumen/Watt. Die LED-Downlights schaffen hingegen bereits heute 80 bis 100 Lumen/Watt”, unterstrich Koch den Sinn, die LED-Technik in diesen speziellen Bereichen bereits heute einzusetzen. Koch wies auch darauf hin, dass künftig alle sechs Monate mit einer neuen Chipgeneration zu rechnen ist und der Innovationszyklus bei der LED-Technik um vieles kürzer wird als das in der Vergangenheit der Fall war. Gudrun Schach wiederum machte dem Publikum klar, dass das Argument, mit LED-Beleuchtungslösungen Energie einzusparen bei Verkaufsgesprächen nicht an erster Stelle stehen sollte. „Beim Betrieb einer Lichtlösung wird der größte Teil der Energie verbraucht. Dabei spielt das Leuchtmittel selbst nur eine eher untergeordnete Rolle. Anders verhält es sich mit Lichtsteuerungen: Mit einem gut funktionierenden Lichtmanagementsystem kann bis zu 80% der Energie gespart werden und die Lichtfarbe beeinflusst werden – mein Wunsch ist es, dass diese Veränderbarkeit überall in unseren Gebäuden Einzug hält”, betont die ausgebildete Architektin Gudrun Schach, die ihre Kollegen auch auffordert, die Investoren mit einer Energiekalkulation über die gesamte Lebensdauer einer Lichtlösung zu überzeugen.

 

 

Normen und deren Einhaltung

Hannes Schmutzer von Sonepar konfrontierte das Publikum danach mit der Neuauflage der Önorm EN12464-Teil 1, mit deren Inhalte Österreichs Lichttechniker bereits seit Juli 2011 arbeiten müssen: „Die Regelwerke haben sich bereits den Neuheiten am Markt angepasst – sie schaffen die Voraussetzung für die Planung von morgen. Das Ziel der Norm ist es unter anderem, eine ausgewogene Lichtverteilung in der Arbeitswelt bereitzustellen.”
Nach den normativen Details nahm sich Norbert Sykora dem Thema LED-Tubes und ihrer Verwendung in der Parkhausbeleuchtung an: „Wichtig ist, dass das gewählte Produkt über die erforderlichen Prüfzeichen verfügt, das Gewicht unterhalb der 500 g Grenze liegt und es soll keine Spannung an den Kontaktstiften vorhanden sein. Wenn eine Umbauarbeit der Leuchte notwendig wird, erlöschen die Prüfzeichen der Hersteller und die Gewährleistung im gleichen Moment”, warnte Sykora und wies auch darauf hin, dass bei KVG- und VVG-Leuchten darüber hinaus die Starter getauscht werden müssen und die Elektriker bei Umrüstung auf LED die Leuchte für nachfolgende Techniker kennzeichnen müssen. Der Lichttechniker präsentierte auch einen Praxisvergleich zwischen der Philips LED-Tube 22 W und der Aura-Longlife mit 36 W – Sykoras anfängliche Skepsis der LED-Variante gegenüber, schien dann doch der Überzeugung zu weichen, bei der richtigen Planung und Installation, die Vorschriften auch mit der LED-Lösung einhalten zu können: „Schon bei der Lichtverteilung gibt es klarerweise gewaltige Unterschiede – 120° zu 360° Ausstrahlwinkel ergeben zwei völlig unterschiedliche Ansätze und diese Tatsache hat eine direkte Auswirkung auf die Gleichmäßigkeit der Lichtverteilung. Mein Fazit lautet: Man muss zwar bei der Positionierung der Leuchten achtgeben – wenn man allerdings gewisse Kriterien befolgt, so ist der Einsatz von LED-Tubes durchaus eine praktikable Variante in der Beleuchtung von Parkhäusern. Trotzdem wäre ein Austausch der Leuchte durch eine LED-Variante im Vergleich zum Leuchtmitteltausch auf jeden Fall zu bevorzugen.”

Aus der Sicht der Praktiker

Im Anschluss boten Gunther Ferencsin von Ferencsin Lichtdesign und Andreas Luksch von Targetti Poulsen einen Leitfaden für die Steuerung von LEDs. Nach der thematischen Vertiefung in die verschiedenen Varianten, die der Markt an Gebäudeleitechnik-Systemen bietet, gingen die beiden Lichtexperten in die Tiefe – Ferencsin dazu: „Wenn man sich für die LED-Variante entschieden hat, muss die Gruppierung der Lichtpunkte und natürlich auch die Bedienung der Gruppen klar definiert sein.” Der Aussage von Ferencsin fügte Luksch noch hinzu: „Nachdem man sich über die Betriebsart im Klaren ist, man Bescheid weiß, ob und welches Gebäudesystem installiert ist, und die Definition der Schnittstellen im Projekt offenkundig sind, erst dann sollte man in die Detailplanung gehen.”
Den Abschluss der Vortragsreihe bildete schließlich das Referat von Helmut Regvart vom Lichtplanungsunternehmen LDA, der den technischen Fortschritt der LED der Projektlaufzeit gegenüberstellte. Regvart wies auch auf die Schwierigkeiten hin, die bei einer LED-Installation in der Praxis durchaus auftreten können und merkte kritisch an, dass die Treibertechnik den raschen Entwicklungssprüngen der LEDs aus seiner Sicht nicht schritthalten kann. Für Planungsunternehmen bringt der Innovationszyklus aber andere Probleme mit sich: „Wenn wir heute ein größeres Projekt planen und das Bauwerk erst in fünf Jahren fertiggestellt wird, haben wir dann unter Umständen die doppelte Beleuchtungsstärke als wir heute vorgesehen haben”, so Regvart im Zuge seines Vortrages und setzte damit den Schlusspunkt im Vortragsprogramm.
Doch damit nicht genug – nach der anfangs erwähnten emotional geführten Diskussion stand für Interessierte abschließend eine Führung durch die Räumlichkeiten der ÖVAG durch Christian Reitgruber, GF der 3V Immobilien GmbH auf der Tagesordnung. Kurzum ein Nachmittag voll an Informationen, Emotionen und Impressionen.

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