Warum das Insektensterben kein Grund für ein Platzen der Regierungsverhandlungen sein darf:

Türkiser Gelsenstich

Die Lichtverschmutzung ist immer wieder Anlass für Diskussionen und darüber hinaus Auslöser für Phänomene wie das Insektensterben. Letzteres soll skurrilerweise nun beinahe zum Scheitern der Regierungsverhandlungen geführt haben. Ein klares politisches Foul wie ich meine.

von Thomas Buchbauer

Die Lichtverschmutzung ist vielen ein Dorn im Auge – nicht gerade grundlos wie auch viele Lichtexperten der Meinung sind. Selbst die Lichttechnische Gesellschaft, kurz LTG, nimmt sich immer wieder diesem Thema an und pflegt dabei den Austausch mit kritischen Fachkreisen wie den Astrologen (hoppala, meinte natürlich Astronomen 😉).

Dass das Insektensterben nun auch inhaltlich Teil der Regierungsverhandlungen und von einem vermutlich ÖVP-nahen Leak als Grund für ein mögliches Scheitern des türkis-grünen Ringens genannt wurde, mag für den Großteil der Bevölkerung als vollkommen unverständlich klingen.

Die Grünen wollen die Beleuchtung in Österreichs Fußballstadien nach 20 Uhr verbieten und damit die Gelsen schützen“, schrieben manche Tageszeitungen am Dienstag dieser Woche. Anhand dieser Halbinformation lässt sich erkennen, mit welchen Mitteln auf politisch-medialer Ebene gearbeitet wird. Denn sollten die Regierungsverhandlungen tatsächlich scheitern, würden alle verärgert mit dem Finger auf die Grünen zeigen und sagen: „Wen interessieren Insekten? Ich bin froh, wenn es keine gibt. Und dafür haben die Grünen das Wohl Österreichs aufs Spiel gesetzt?“

Dass es dabei nicht alleine um das Flutlicht in den Fußballstadien geht (ein Aufschrei der fußballbegeisterten Österreicher wäre gewiss), sondern darum, dass ein Übermaß an Licht, weitreichende Konsequenzen haben kann, wird dem Großteil der Bevölkerung verschwiegen. Ja, die Mehrheit würde wahrscheinlich gar keine Details wissen wollen – immerhin lieben es viele Gratiszeitungsleser bekanntlich, Schwarz-Weiß zu malen.

Aber nun zu den Fakten: In welcher Art auch immer »Insekten in Fußballstadien« zwischen den Verhandlungsteams zum Thema wurde – das Problem ließe sich in Windeseile einschränken und die Insekten, die auch als Futter für die Vogelpopulation dienen, hätten eine deutlich höhere Überlebenschance als bisher.

Liebes türkis-grünes Verhandlungsteam! Licht aus LEDs gelten auf Grund der nicht vorhandenen UV-Strahlung als insektenfreundlich. Das belegt unter anderem eine Studie von Professor Dr. Gerhard Eisenbeis berichtet auch die renommierte Website www.licht.de – eine Brancheninitiative des ZVEI. Die besten Ergebnisse erzielten warmweiße LEDs im Vergleich zu herkömmlichen Lichtquellen. Somit ist klar: Würde der künftige (wahrscheinlich türkise) Finanzminister zusätzliche Mittel locker machen, um den Austausch von herkömmlichen durch LED-Lichtquellen im Außenbereich voranzutreiben, würde das nicht nur zum Wohl der Insekten, sondern auch der Ökologie der gesamten Biosphäre sein. Und last, but not least: Der Energieverbrauch der Städte und Kommunen würde durch den Einsatz von LEDs in der Straßen-, Weg-, Platz- und Parkbeleuchtung (sie verbrauchen weniger Strom und sind auch leichter dimmbar) eklatant zurückgehen.

Kurzum: Österreich würde seinen Klimazielen wieder einen Schritt näher kommen und dem unwürdigen politischen Treiben einen Anfang vom Ende bereiten!

Der Madrider Klimagipfel lässt grüßen!

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