Die energieautarke E-Tankstelle der Zukunft

„Vor zwei Jahren war es nicht mehr als eine Vision. Heute legen wir den Grundstein für die modernste energieautarke Elektro-Lehr-Tankstelle Europas und setzen somit einen großen Schritt in Richtung Berufsausbildung der Zukunft”, erklärt Franz-Josef Lackinger, Geschäftsführer des BFI Wien, anlässlich des Spatenstichs zum Tower of Power: Auf 350 Quadratmetern errichten Kursteilnehmer des Berufsausbildungszentrums des BFI Wien gemeinsam mit führenden Firmen der E-Mobilitätswirtschaft in den nächsten zwei Jahren eine E-Tankstelle, an der alle modernen E-Autos und E-Bikes in weniger als 15 Minuten – teilweise kontaktlos – aufgeladen werden können. Zudem wird sie als Ausbildungsstätte für zahlreiche Zukunftsberufe dienen. „Mit diesem Pilotprojekt wollen wir unseren Beitrag zur »smarten« Weiterentwicklung Wiens leisten”, so Lackinger. „Hier versammeln sich die neuesten Ladesysteme, die in Europa wohl erstmals in dieser Kombination an einem einzigen Ort genutzt werden können.”

Ausbildung mit ZukunftEin Highlight des Tower of Power ist die Energieautarkie und die Versorgung mit erneuerbaren Energieträgern: Zwei Photovoltaik-Anlagen am Dach des benachbarten Berufsausbildungszentrums und der Tankstelle selbst sowie eine Kleinwindtestanlage in Form einer austauschbaren Windtulpe sorgen für die nötige Energie.
Neu ist auch die Palette an Berufsbildern, die künftig am Tower of Power unterrichtet werden kann: „Schon bei der Errichtung sind unsere Auszubildenden massiv involviert”, bestätigt Valerie Höllinger, Geschäftsführerin des BFI Wien. So werde ein Großteil der rund 4.000 Bauteile im Zuge der Facharbeiter-Intensivausbildung in den Bereichen Stahlbau-, Elektro- und Installationstechnik sowie Mechatronik angefertigt. „Darüber hinaus ergeben sich durch dieses Vorzeigeprojekt neue Schulungsfelder”, so Höllinger weiter. „Angehende Elektroinstallateure können etwa in der Wartung, Programmierung und im Aufbau von Smart Grid-Systemen ausgebildet werden. Im Feld der Mechanik bieten sich dank der austauschbaren Windtulpe Themen wie Windkraftwartung an. Und im KFZ-Bereich kann ein neuer Ausbildungszweig, die KFZ-Mechatronik, angeboten werden”, so die BFI Wien-Geschäftsführerin.

Dieses große Potenzial an Schulungsmöglichkeiten in modernen Berufen ist auch einer der Gründe, warum das AMS Wien dieses Projekt finanziert: „Ich bin überzeugt davon, dass in der E-Mobilität die Zukunft liegt. Es ist daher unser arbeitsmarktpolitischer Auftrag, die Menschen schon heute in diesen Technologien zu schulen – denn die sogenannten Green Jobs, also Arbeitsplätze in der Umweltwirtschaft, werden zunehmen, und damit auch der Bedarf an Fachkräften mit »grüner« Zusatzqualifikation”, sagt Petra Draxl, Landesgeschäftsführerin des AMS Wien. „Wir wollen unseren Kundinnen und Kunden die Tür zu diesem jungen Wirtschaftsbereich aufstoßen.”

„Aus- und Weiterbildung ist sowohl im Kampf gegen den Facharbeitermangel als auch bei der Reduktion der Arbeitslosigkeit das beste Mittel”, betont Arbeits- und Sozialminister Rudolf Hundstorfer. „Bei Menschen mit einer Facharbeiterausbildung beträgt die Arbeitslosenquote rund sechs Prozent – bei jenen, die nur die Pflichtschule oder gar keinen Abschluss haben, liegt sie bei 20 Prozent. Eine gute Berufsausbildung verringert daher das Risiko arbeitslos zu werden um 70 Prozent”, betonte der Minister im Rahmen des Spatenstichs. „Das Lehrangebot in zukunftsweisenden Berufsfeldern, wie im Fall des Tower of Power, ist ein wichtiger Schritt, um so viele junge Menschen wie möglich in eine existenzsichernde Ausbildung zu bringen und für den Arbeitsmarkt zu rüsten. Das ist ein ganz, ganz entscheidender Punkt auch für die künftige Entwicklung unseres Landes, nicht nur was den Arbeitsmarkt anlangt.”

Die konfigurierbare DC-Schnellladestation Terra 53 von ABB vereint industrielle Standards mit Schnellladetechnologie, um sämtliche Elektrofahrzeuge der nächsten Generation zu unterstützen und verfügt über bis zu drei Anschlüsse mit 50 kW.„Diese Stromtankstelle mit dem so markanten und einprägsamen Namen wird nicht nur für die eingebauten bzw. angebotenen technologischen Gustostückerl bekannt werden, sondern auch für seine außergewöhnliche und aufsehenerregende Architektur”, ist Hannes Derfler, Bezirksvorsteher des 20. Bezirks überzeugt. Für den verantwortlichen Architekten und Namensgeber Lukas Göbl fungiert der Tower of Power nicht nur als weithin sichtbares Zeichen und markanter städtebaulicher Bezugspunkt, sondern er verkörpert auch in seiner Form „die Dynamik, Umwandlung und Gewinnung von erneuerbarer Energie.”

Know-how von den Experten
In der Ausbildung werden die neuesten Technologien am Sektor der E-Mobilität eingesetzt: „Mit der ABB AG und SEW-Eurodrive haben wir zwei Partner an der Hand, die dank ihrer innovativen Ladetechnologien zu den Größen des E-Mobilitätsbereichs zählen”, sagt Valerie Höllinger. „Diese Zusammenarbeit ist wegweisend und ermöglicht unseren Kursteilnehmerinnen und -teilnehmern an den modernsten Geräten ausgebildet zu werden. Sie erlernen somit schon heute die Technologien der Zukunft”, ergänzt Franz-Josef Lackinger.

Energieautark und benutzerfreundlich
Ein Highlight des Tower of Power ist die Energieautarkie und die Versorgung mit erneuerbaren Energieträgern: Zwei Photovoltaik-Anlagen am Dach des benachbarten Berufsausbildungszentrums und der Tankstelle selbst sowie eine Kleinwindtestanlage in Form einer austauschbaren Windtulpe sorgen für die nötige Energie. Der Tower of Power ist direkt an das Wiener Stromnetz angebunden: Produziert er einen Energieüberschuss, wird dieses Plus in das Netz eingespeist. Umgekehrt bezieht die E-Tankstelle bei Bedarf Energie aus dem Stromnetz – solange die Energiebilanz des Tower of Power positiv ist. „In Summe wird also nicht mehr Energie an die Autos und Fahrräder abgegeben, als vom Tower of Power selbst produziert wird”, so Johann Gettinger, Projektleiter am BFI Wien.

Für Wien Energie, einer der Vorreiter auf dem Gebiet, sind Elektrotankstellen wie der Tower of Power eine wichtige Verbindung zum öffentlichen Verkehr und der Ausbau der Infrastruktur wesentlich für den Erfolg von Elektromobilität. Im Vordergrund müsse dabei vor allem die Nutzerfreundlichkeit stehen: „Beim Geld abheben interessiert uns alle längst nicht mehr, welches Institut das Gerät betreibt oder gar, wer den Bankomat errichtet hat. Uns interessiert nur, dass wir unkompliziert zu unserem Geld kommen. Und beim Stromtanken für Elektrofahrzeuge wollen wir das gleiche erreichen”, so Robert Grüneis, Geschäftsführer Wien Energie, abschließend.

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