Die Lichttechnische Gesellschaft zieht Bilanz

2015 begehen die Vereinten Nationen das »Internationale Jahr des Lichts«. Das Motto »Light for Change – Licht für Wandel« nimmt auch die Lichttechnische Gesellschaft, kurz LTG, auf, um das Bewusstsein in den Köpfen der Konsumenten zum Besseren zu verändern. Im Gespräch mit dem LTG-Vorsitzenden Ing. Peter Seibert erfuhren wir, was man 2015 von der Lichttechnischen Gesellschaft erwarten darf.

Herr Seibert, welche Themen beschäftigen die LTG 2015?
»Wir wissen alles über Beleuchtung« – gibt sich die LTG selbstbewusst. Kein Wunder, immerhin zählen die klügsten und erfahrensten Köpfe der Branche zum Kreis der Lichttechnischen Gesellschaft.Ing. Peter Seibert: Das vordringlichste Thema für die LTG ist, dass wir unsere Aufgaben zielgerichtet erfüllen – und eines der wesentlichen Themen ist das Veranstalten von Schulungen und Seminaren. Die LTG hat deshalb vor kurzem ein internes schriftliches Konzept mit dem Titel »Richtlinien für LTG-Seminare« erstellt. Darin wurde klar die interne Aufgabenzuordnung definiert – z. B. dass die Geschäftsstelle die Organisation übernimmt und die Arbeitskreise die Themen vorbereiten und auch die Vortragenden auswählen. Wir haben auch eine Honorarrichtlinie erstellt – ein Bereich, der bisher in der LTG nicht ausformuliert war. D.h. Vortragende erhalten bei Seminaren (nicht für den Kongress), wenn gewünscht, Honorare nach klaren Sätzen. Auf diesem Gebiet hatten wir Handlungsbedarf, weil die meisten Seminarveranstalter ihre Referenten bezahlen. Wer einen Vortrag vorbereitet und hält, soll auch ein Honorar erhalten. In diesem Zusammenhang werden wir künftig auch im Vorfeld der Seminare die Wirtschaftlichkeit dieser evaluieren und nach Abschluss die Gesamtkosten ausweisen und abrechnen – immerhin können wir nicht alleine mit den Mitgliedsbeiträgen – ab 1. 1. 2015 in der Höhe von 285 Euro pro ordentliches Mitglied und Jahr – das Auslangen finden. D.h. für uns ist die Seminartätigkeit einerseits Verpflichtung und andererseits Bestandteil unserer finanziellen Basis.

Was passiert, wenn sich im Vorfeld abzeichnet, dass einzelne Seminare schlecht besucht sind?
Seibert: Davon gehen wir bei Veranstaltungen der LTG auf Grund des hohen Qualitätsniveaus und dem Interesse unserer Mitglieder nicht aus, obwohl das Angebot am Markt groß ist. Erst kürzlich fand unser komplett ausgebuchtes Seminar „LED und ihre Auswirkungen” im Wiener Hotel LeMeridien statt, zu dem wir mehr als 50 Besucher begrüßen konnten – das ist natürlich eine ganz tolle Geschichte und wird vor allem von der Qualität der Referenten getragen. Übrigens, für das erste Halbjahr 2015 haben wir acht Seminare geplant.

Wo liegt der Schwerpunkt bei den Seminaren?
Die LTG will die Branche mit ihrem Know-how unterstützen: „Mit dem Einzug der LED-Technik in nahezu allen Bereichen der Lichttechnik ging auch ein enormes zusätzliches Know-how-Potenzial einher, das es auch aufzubauen gilt. Unsere Aufgabe ist es, die Schere – die in den letzten Jahren speziell bei kleineren Elektrounternehmen entstand – wieder zu schließen, indem wir die betreffenden Firmen aber auch die öffentlichen Stellen mit unserem Wissen unterstützen“, betont Seibert weiter.Seibert: Am 17. März findet das Seminar „Licht in den neuen Office-Welten” statt. Dabei handelt es sich um ein Grundlagenseminar zum Thema »Innenbeleuchtung« für LTG-Mitglieder und andere Interessierte – im Zentrum der Vorträge steht die Bürobeleuchtung. In der Innenbeleuchtung hat die LED-Technik herkömmliche Leuchtmittel noch nicht in dem Maß substituiert wie in der Außenbeleuchtung. Wenn neue Außenbeleuchtungsprojekte umgesetzt werden, kommen heute zu rund 90% LED-Leuchten zum Zug. In der Innenbeleuchtung sind es doch um einige Prozentpunkte weniger. Meine persönliche Meinung ist, dass die LED-Technik insbesondere in Verbindung mit Steuerungen der Renner sein wird, weil dadurch hochwertige lichttechnische Beleuchtungsanlagen mit optimaler Wirtschaftlichkeit geplant und ausgeführt werden können.

Welche Inhalte bietet die LTG im nächsten Jahr zum Thema Außenbeleuchtung an?
Seibert: Eines von vielen interessanten Themen ist zweifelsohne die Standsicherheit von Masten. Dieses Thema wird im Seminar „Tragsysteme – der oft vernachlässigte Teil von Straßenbeleuchtungsanlagen und Sportplatzbeleuchtung” am 24. 3. 2015 in Salzburg behandelt. In diesem Punkt gibt es vor allem durch das Alter (30 Jahre und mehr) der bestehenden Anlagen Probleme, auch wenn bisherige Leuchten durch LED Technik ersetzt werden. Dann muss nämlich die gesamte Installation, die Statik, Mastabstände und vieles mehr überarbeitet werden. Dieses Thema wird speziell in unserem Arbeitskreis »Betreiberplattform« behandelt. Hier arbeiten sämtliche »Gurus« mit, die täglich genau diese Probleme in den Gemeinden haben. Unsere Kommunalseminare, mit der Zielgruppe der Bürgermeister und Gemeinde-Verantwortlichen – werden zwar Außenbeleuchtungs-lastig sein, trotzdem wollen wir, dass auch hier das Thema Innenbeleuchtung verstärkt Einzug hält. Denn Schulen und andere öffentliche Einrichtungen haben in der Regel ähnliche Voraussetzungen wie Büros. Die Außenbeleuchtung ist in den letzten Jahren durch den Wegfall konventioneller Leuchtmittel (Quecksilberdampflampen usw.) sehr intensiv behandelt worden. Die Innenbeleuchtung war eher ein Randthema. Die LTG wird sich dazu selbst an der Nase nehmen, und in den Kommunalseminaren Wissen zur Innenbeleuchtung verstärkt einfließen lassen.

Schulen sind also ein heißes Thema?
Ing. Michael Zartl ruft die Branche auf, die Fachmesse »Power-Days«, die von 11. bis 13. März 2015 in Salzburg stattfindet, zu besuchen: „Die LTG wird diesmal mit einem Stand vertreten sein, an dem sich die Besucher über alle Themen des Lichts informieren können. Besonders interessant wird der Ausstellungsteil der Lichtstraße sein, der das Licht im öffentlichen Raum praktisch darstellen soll. So werden unter anderem Steuerungen präsentiert, die mittels Radar bzw. Infrarot-Bewegungsmelder Leuchten einschalten, wenn sich ihr jemand nähert.“Seibert: Definitiv ja. Gutes Licht im Schulbereich ist Verpflichtung. Wie auch im Büro ist intelligente Tageslicht- und Präsenzsteuerung zusätzlich sinnvoll. An genau diesen Punkten müssen wir ansetzen – hier ist ein unglaubliches Einsparungspotenzial vorhanden. Die Energiekosten sind derzeit zum Teil zwar temporär relativ niedrig, mittel- bis langfristig ist jedoch mit massiven Steigerungen zu rechnen.

Das Licht hat in diesen Gebäuden aber noch ganz andere Wirkungen.
Seibert: Natürlich gehören die Faktoren »Motivation« oder »Konzentration« in Schulen genauso herausgearbeitet. Ein weiteres ganz großes Thema ist auch die Beleuchtung in Krankenhäusern und Altenheimen. Hier gibt es da und dort Beispiele guter Beleuchtung, aber die Mehrzahl der Anlagen ist extrem verbesserungswürdig.

Die Betreiberplattform der LTG hat an der TU Graz eine Studie zum Thema »Auswirkungen von Blitz und Überspannungen auf Leuchten« machen lassen. Was ist damit passiert?
Seibert: Diese Studie ist abgeschlossen und wurde auf der internationalen Tagung »Licht 2014« in Den Haag von Karl Brandstätter und Manfred Mörth unter dem Orginaltitel „Transiente Spannungsbeanspruchung kabelgebundener lichttechnischer Anlagen im Außenbereich” auszugsweise vorgetragen. Tatsache ist, dass dieses Thema kein österreich-spezifisches ist. In den verschiedenen anderen Ländern wird an dieses Thema unterschiedlich herangegangen (Anmerkung der Redaktion: Details dazu erfahren Sie in einer der nächsten Ausgaben vom i-Magazin).

Stichwort »Zertifizierter Lichttechniker« – welchen Stellenwert hat das Ausbildungsangebot im nächsten Jahr?
Ing. Karl Brandstätter betont wie wichtig die Normenarbeit ist: „Wir erachten es als unheimlich wichtig, bei der Entstehung der Normen mitzuwirken. So erarbeiten wir derzeit unter anderem in einem der Ausschüsse gerade eine Norm zur Tunnelbeleuchtung.“ Brandstätter kündigt aber auch Interessantes für den Kongress in Krems an: „Eines der Vortragsthemen lautet »Die Zukunft der Lichttechnik nach der LED«. Daran alleine erkennt man, wie wichtig es sein wird, den Kongress von 18. bis 20. Mai zu besuchen – einfach um am Puls der Zeit zu bleiben!“Seibert: Die Ausbildung zum »Zertifizierten Lichttechniker« (Innenbeleuchtung bzw. Außenbeleuchtung) halten wir wie bisher gemeinsam mit Austrian Standards ab. Mit den Lichttechnischen Gesellschaften aus Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden gibt es das Projekt des »European Lighting Expert« (ELE), also einen anerkannten, zertifizierten Lichttechniker, der dann auch länderübergreifend arbeiten kann. Um dieses wichtige Ziel allerdings zu realisieren, müssen wir in den genannten Ländern weitestgehend deckungsgleiche Ausbildungs- und Prüfungsmodalitäten anbieten können. In diesem Punkt sind wir einen guten Weg voran und meinen, spätestens 2016 damit starten zu können. Mittelfristig sollen weitere Länder an diesem Projekt teilnehmen.

Wie entwickelt sich die Mitgliederzahl bei der LTG?
Seibert: Zur Zeit zählt die LTG knapp über 200 ordentliche Mitglieder – dazu gehören z.B. Groß- und Kleinunternehmen, Behörden, Energieanbieter, Großverbraucher, Lichtplaner – und weitere rund 70 Einzelmitglieder – also Einzelpersonen, die einen geringeren Beitrag bezahlen. Tendenz steigend. Vor allem haben uns das letzte und vorletzte Jahr ein deutliches Plus an Mitgliedern gebracht – sicherlich bedingt durch neue Techniken am Markt und unsere Ausbildungsangebote.

Welche Vorteile hat eine Mitgliedschaft bei der LTG?
Für KommR Manfred Mörth wird man künftig nicht umhin kommen, die Ausbildung zum Zertifizierten Lichttechniker zu absolvieren: „Die Qualität setzt sich dank der Arbeit der LTG mittlerweile auch in den kommunalen Ausschreibungen durch – Zertifizierte Lichttechniker müssen in vielen Fällen bereits in der Planung und in der Ausführung eingebunden sein.“ Mörth kündigt außerdem an, dass es spätestens nach der nächsten »Licht 2016« in Karlsruhe mit der Ausbildung zum ELE (European Lighting Expert) losgeht – danach wird es jenen, die sich dieser Ausbildung unterzogen haben, auch möglich sein, länderübergreifend zu arbeiten.Seibert: Zum einen gehört man einem Kreis von Lichtexperten an und profitiert von deren Know-how. Und zum anderen hat die Mitgliedschaft bei der LTG aber auch günstigere Tarife beim Besuch der Seminare und des Jahreskongresses zur Folge. Ziehen wir nur das Beispiel einen »Zertifizierten Lichttechnikers« heran – diese von uns ausgebildeten Experten, sind verpflichtet, sich jährlich weiterzubilden und auch einen Nachweis darüber zu erbringen, um das Zertifikat weiter tragen zu dürfen. Eine gute Möglichkeit, dieser Weiterbildung nachzukommen, ist die Teilnahme beim jährlich stattfindenden LTG-Kongress, bei den LTG-Seminaren oder den Kommunal-Seminaren. Besucht man diese Veranstaltungen, so hat man auch seine jährliche »Pflicht« erfüllt – und als LTG-Mitglied zu günstigeren Kosten.

Welche Inhalte darf man am nächsten LTG-Kongress erwarten?
Seibert: Der LTG-Kongress findet diesmal vom 18. bis 20. Mai 2015 in der Fachhochschule in Krems statt. In Summe rechnen wir mit rund 200 Besuchern, und freuen uns, die große Familie des Lichts begrüßen zu dürfen. Wir werden das Programm mit dem größten Bemühen einer Themenausgewogenheit – Innen- und Außenbeleuchtung, Licht und Gesundheit usw. – zusammenstellen. Fest steht, dass wir diesmal den Diskussionen noch mehr Zeit und Raum gönnen wollen. Selbstverständlich wird es auch ein nettes Rahmenprogramm geben – Sonja Mörth hat für den Festabend im Stift Göttweig eine Führung samt Abendessen organisiert. Die Einladungen für den Kongress werden Ende Februar versendet. Bis spätestens Ende Jänner wird das Programm feststehen.

Wird die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen oder Institutionen intensiviert?
V.l.n.r.: KommR Manfred Mörth, Harald Blumauer, DI (FH) Alfred Mantsch, Ing. Michael Zartl, LTG-Vorsitzender Ing. Peter Seibert, Sonja Mörth und Ing. Karl Brandstätter.Seibert: Es ist die Aufgabe der LTG, Synergien mit allen in Frage kommenden Organisationen, Fachpresse etc. zu finden und gemeinsam das Thema Licht- und Beleuchtungstechnik weiterzubringen. Wir sind sehr interessiert an Kooperationen, Zusammenarbeit und gemeinsamen Seminaren, zum Beispiel mit der Innung und entsprechenden Fachverbänden. Gemeinsam wollen wir unser Ziel vorantreiben, um letztlich der Sache, ein höheres »Lichtbewusstsein« zu schaffen, zu dienen. Nicht zuletzt kann die LTG auf ein enormes Know-how, eines, das es in Österreich kein zweites Mal zu diesem Thema gibt, zurückgreifen. Und das gilt es schließlich auch weiter effizient einzusetzen!

Herr Seibert, wir danken für das Gespräch!

Auszug aus dem LTG-Seminarprogramm Jänner – Juni 2015:

 

  • Kommunalseminar Salzburg 24. 2. 2015, Salzburg
  • Licht in den neuen Office-Welten 17. 3. 2015, Wien
  • Tragsysteme, der oft vernachlässigte Bestandteil von Straßen- und Sportplatzbeleuchtungsanlagen 24. 3. 2015, Salzburg
  • Konfliktzonen richtig beleuchten 28. 4. 2015, Theiß
  • Kommunalseminar Tirol 15. 4. 2015, Innsbruck
  • Lichttechnischer Kongress 2015 18. – 20. 5. 2015, Krems
  • Sportstättenbeleuchtung und Immissionsvermeidung 10. 6. 2015, Wien
  • Elektrotechnische Verantwortung in der Straßenbeleuchtung: Wien
  • Zertifizierter Lichttechniker Außenbeleuchtung (ASI) März / April 2015
  • Zertifizierter Lichttechniker Innenbeleuchtung (ASI) Nov. / Dez. 2015

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