The Future of Energy

Der Siemens-Infotag zum Thema Energie war auch heuer wieder ein voller Erfolg: Am 8. Juni 2017 waren rund 300 Gäste in die Siemens City in Wien gekommen, um mehr über die zukunftsweisenden Technologien und Lösungen für die Energiebranche von Siemens zu erfahren. Der Branchentreff stand dabei ganz unter dem passenden Motto »Agility in Energy«.

Neben vielen spannenden Vorträgen von Siemens-Experten sprachen am Podium auch einige Fachleute aus der Branche, wie zum Beispiel Michael-Viktor Fischer, Geschäftsführer Smatrics GmbH, und Andreas Eigenbauer, Vorstand E-Control Austria. Die Podiumsdiskussion zum Thema »Elektromobilität 2030 – ist das Stromnetz bereit?« am Ende des offiziellen Teils der Veranstaltung stieß dabei auf besonders großes Interesse. Ein weiteres Highlight war die Keynote von Dr. Christine Theiss, Profi-Weltmeisterin im Vollkontakt-Kickboxen – sie erklärt, woher sie die Energie für ihre Herausforderungen nimmt. Als krönender Abschluss durfte im Anschluss an die informativen und interessanten Referate auch noch ein Model X von Tesla getestet werden.

Stimmen zur Zukunft der Energiebranche und Klimaneutralität
„Ausblick: Werden die Maschinen übernehmen und was wird die Rolle des Menschen sein? Wir werden in Zukunft mehr Wind, Photovoltaik bzw. verteilte Systeme sehen. Die Digitalisierung ist DER Treiber des Ganzen. Wir sehen im System Ansätze der Share-Economy. Die künstliche Intelligenz hilft uns in vielen Abschnitten, das System zu optimieren. Welche Rolle wir als Menschen in der Zukunft haben werden, das weiß ich nicht. Wir Ingenieure werden aber immer mehr Assistenz-Systeme basierend auf künstlicher Intelligenz zur Bewältigung unserer Aufgaben haben. Ob künstliche Intelligenz aber jemals die Intuition und Kreativität von einem Menschen erlangen wird – da bin ich skeptisch. Daher wird der Mensch immer noch benötigt werden“, ist Michael Weinhold, CTO Energy Management Division, Siemens, der Ansicht.

„Siemens hat sich vorgenommen, bis zum Jahr 2020 die CO2-Bilanz unserer operativen Geschäfte zu halbieren und bis 2030 klimaneutral zu sein. Wir sind auf einem guten Weg dahin. Von 2014 bis 2016 ist es uns schon gelungen, unseren globalen CO2-Ausstoß von 2,2 Mio. Tonnen auf 1,7 Mio. Tonnen zu reduzieren. Unserem Ziel sind wir also schon ein ordentliches Stück nähergekommen“, erklärte Alexander Peschl, Head of Sales & Business Development Division Energy Management, Siemens, im Zuge seiner Rede auf dem Infotag zum Thema Energie.

Kompetenzzentrum in Österreich erweitert drei bolivianische Kraftwerke
Ausgesprochen spannend war auch der Vortrag zur Erweiterung und Modernisierung von drei bestehenden Wärmekraftwerken des staatlichen bolivianischen Energieversorgers ENDE Andina Sam durch Siemens, die zu industriellen Gas- und Dampfturbinen(GuD)-Kraftwerken ausgebaut werden. Die Siemens Österreich-Einheit Industrial Power Plant Solutions ist für die gesamte Projektabwicklung inklusive Projektmanagement, Logistik und Engineering verantwortlich. Bei diesem Projekt besteht die logistische Herausforderung darin, dass ca. 400 Schwertransporte auf dem 1.800 km langen Landweg von Chile zu den Baustellen in Bolivien die Anden auf knapp 4.700 Metern Seehöhe überqueren müssen. Während der Präsentation von Thomas Grestenberger, Head of Procurement Industrial Power Plant Solutions Siemens, und Marcus Körber, Head of Transport & Logisitics Industrial Power Plant Solutions Siemens, war auch eine Live-Schaltung nach Angamos in Chile möglich, wodurch das Projekt näher veranschaulicht werden konnte.

Elektromobilität
Auch das topaktuelle Thema Elektromobilität sollte beim Infotag von Siemens entsprechend beachtet werden. Im Vortrag von Michael Schneider, Head of Power Technologies International, Siemens, gab er einen kurzen Einblick in die Herausforderungen künftiger Stromverteilungsnetzwerke, welche die Elektromobilität mit sich bringt: „Elektromobilität ist vor allem für Städte eine große Herausforderung. Wir haben das in Studien untersucht. Übertragen auf Wien, müssten, rein aus zusätzlichen Leistungsanforderungen ohne Einsatz intelligenter Technologien, zum Beispiel 46 Umspannwerke ausgebaut werden, rund 10.000 Ortsnetzstationen auf doppelte Leistung gebracht werden und weitere rund 10.000 Ortsnetzstationen zugebaut werden. Da Ladevorgänge teilweise verschiebbar sind, führt eine Automatisierung zu einer deutlichen Verringerung der notwendigen Netzerweiterungen. So zeigt sich, dass intelligente Ansätze absolut notwendig sind, um diese neuen Anforderungen zu meistern.“

Im Anschluss an den offiziellen Teil des Infotages durfte auch noch ein Model X von Tesla getestet werden.»Elektromobilität 2030 – ist das Stromnetz bereit?«
Im Anschluss an die kurze Präsentation von Michael Schneider fand die spannende Podiumsdiskussion zur Elektromobilität statt. Die Teilnehmer waren Andreas Eigenbauer, Executive Director of E-Control Austria, Michael-Viktor Fischer, Managing Director Smatrics GmbH und Co KG, Michael Schneider, Head of Power Technologies International, Siemens, Michael Sponring, Head of Power & Utilities PwC Austria und Franz Strempfl, Managing Director Energienetze Steiermark GmbH. Geleitet und moderiert wurde die Diskussion von Alexander Peschl.

Zentrale Aussagen zur Zukunft der Elektromobilität und wie sie sich durchsetzen wird
„Wir haben alleine für unsere Ladestationen ca. 2 Mio. Euro für die Netzbereitstellung ausgegeben. Dafür hätten wir auch viele Ladestationen bauen können. Ich sehe das als Belastung und das ist etwas, das im Moment nicht das Thema Elektromobilität fördert. Es muss ein riesiges Anliegen der ganzen Energiebranche sein, dass sich die Elektromobilität möglichst schnell durchsetzt“, zeigt sich Michael-Viktor Fischer von Smatrics nicht sehr erfreut über die Netzbereitstellungsproblematik.

„Ich glaube nicht, dass wir sehr viele Kraftwerke nur wegen der E-Mobilität ausbauen müssen. Wir müssen insgesamt davon ausgehen, dass der Gesamtenergieverbrauch sinken muss, wenn wir dieses Paris-Ziel (2-Grad-Ziel) tatsächlich erreichen wollen. Im verbliebenen Energieverbrauch wird aber der Stromanteil deutlich zunehmen, das heißt natürlich, dass wir die Infrastruktur ausbauen müssen. Das betrifft nicht nur E-Mobilität, sondern auch den Faktor Wärme“, ist sich Franz Strempfl sicher.

„Schaut man sich den gesamten Primärenergieverbrauch nach Volkswirtschaft an, so wird der Anteil an Verstromung zunehmen. Damit wird die Elektrizität immer wichtiger, das ist weltweit der Fall. Ich sehe das auch als positiven Aspekt aus Umweltgesichtspunkten. Zum Thema Speicher: Speicher wird einen wichtigen Baustein leisten, weil dadurch Flexibilität erlaubt wird“, erklärt Michael Schneider.

„Der wichtigste Hebel, an dem wir arbeiten müssen, um der Elektromobilität zum Durchbruch zu verhelfen ist, den Menschen zu erklären, dass sie keine großen Sorgen und keine großen Probleme haben, wenn sie in die Elektromobilität einsteigen. Bei dem jetzigen Preissystem wird man mit jedem normalen Elektroauto zu Hause auskommen“, ist die Ansicht von Andreas Eigenbauer.

„Ich denke, die österreichischen Netzbetreiber sind soweit gut gerüstet, weil sie ohnehin die Stromwende 2.0 vorantreiben. Ich denke nicht, dass es Thema des Netzbetreibers ist, die Elektromobilität auf die Straße zu bringen. Da spielen andere Faktoren mit. Nicht nur auf das alternative Auto des E-Mobils, sondern auch auf die Brennstoffzelle mit Wasserstoff muss in Zukunft groß gesetzt werden. Ich bin überzeugt, dass auch die Brennstoffzellen ihren Beitrag zur Mobilitätswende beitragen werden“, versichert Michael Sponring.

Anmerkung der Redaktion: Auch wenn der eine oder andere Experte noch kleine Probleme in Bezug auf den Durchbruch der Elektromobilität sieht, ist sich wohl die Mehrheit der Branche einig: Die Elektromobilität hat eine Zukunft!

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