Städte: 100% erneuerbare Energie möglich

 

Die Forscher raten, den Maßnahmen Vorrang zu geben, die innerhalb der Stadt geschehen können. „In erster Linie muss es darum gehen, einzelne Gebäude und Städte insgesamt möglichst energieeffizient zu gestalten, um den Verbrauch gering zu halten. In weiterer Folge muss die Versorgung durch neue Energieformen gesichert werden”, erklärt Herbert Giradet, Programmdirektor des World Future Councils www.worldfuturecouncil.org.

Mittlere und kleine Städte können erneuerbare Energie weit über dem Eigenbedarf erzeugen und somit zu Exporteuren werden. In großen Städte und Metropolen sieht die Lage etwas anders aus. „Die Zulieferung erneuerbarer Energie aus dem Umland und von weiter entfernten Gegenden wird notwendig sein. München setzt jetzt schon einen Plan um, der die Stadt bis 2025 komplett auf erneuerbare Energien umstellen soll. Dazu bezieht sie Solarenergie aus Italien und Windenergie aus der Nordsee”, so Giradet.

 

Politik am Zug

Konkret gesteht der sieben-Punkte-Plan den Stadt- und Landesregierungen hohe Verantwortung zu. Sie sollten Regulierungen und Standards etwa für neue Gebäude sowie Anreize für erneuerbare Energie schaffen und den öffentlichen Verkehr sowie die Elektromobilität fördern. Günstig sei in diesem Zusammenhang, die Infrastruktur selbst zu besitzen, betont Giradet. „Die Möglichkeiten, Akzente zu setzen, sind in diesem Fall größer. Doch auch bei Privatisierungen können gesetzliche Auflagen die Weichen für erneuerbare Energien stellen.”

Mehrere Vorbilder werden diesbezüglich angeführt. Amsterdam kaufte kürzlich den städtischen Energiebetrieb nach zwei Jahrzehnten zurück. Sacramento und Palermo tun sich durch entsprechende Initiativen zum Erhalt der Kontrolle über die Energieversorgung hervor. „Hamburg erlebte schon vor Jahren die Totalprivatisierung der Energieversorgung. Heute mischt die Stadt durch die Gründung eines Unternehmens für erneuerbare Energie www.hamburgenergie.de wieder mit”, so der Forscher.

 

Städte schuld am Klimawandel

Weitere Vorschläge sind, Prozesse der Planung und Genehmigung von erneuerbaren Energieanlagen zu erleichtern, Bildungsangebote für die Bevölkerung bereitzustellen und auch die städtischen Kohlenstoff-Senken zu nutzen. Erreichen könne man dies etwa durch den gezielten Ausbau von Grünflächen. „Erneuerbare Energie ist zwar derzeit noch teurer als fossile Brennstoffe, doch muss man auch deren enorme ökologische Kosten sehen. Zudem schafft die Förderung neue Arbeitsplätze.” Gezeigt habe sich dies durch die 280.000 neuen Stellen, die durch die Einführung des Einspeisegesetztes für Solarstrom entstanden seien.

Das Drängen der Forscher geht auf die Tatsache zurück, dass Städte mehr als drei Viertel der globalen Ressourcen verbrauchen. Städte liefern damit den mit Abstand größten Beitrag zum Klimawandel, sind von diesem jedoch auch in hohem Maß betroffen. (Quelle: pte)

Download des Berichts unter www.worldfuturecouncil.org 

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