Siemens und das Meer

 

Mit Beginn des neuen Geschäftsjahrs zum 1. Oktober 2011 hat Siemens seine Aktivitäten im Bereich der  Erneuerbaren Energien neu aufgestellt. Das Geschäft der ehemaligen Division Renewable Energy wurden auf die zwei neuen Divisionen Wind Power sowie Solar & Hydro aufgeteilt. Marine Current Turbines (MCT) hat sich zu einem der Technologieführer für Gezeitenturbinen mit horizontalen Achsen entwickelt. Derzeit beschäftigt MCT mit Sitz in Bristol 25 Mitarbeiter. Im Februar 2010 war Siemens mit dem Erwerb einer geringen Beteiligung an MCT in den Bereich der Meeresströmungskraftwerke eingestiegen. Die weltweiten Verpflichtungen zur CO2-Reduktion verhelfen der Meereswasserkraft zu einer starken Entwicklung. Experten rechnen bis 2020 mit jährlich zweistelligen Zuwachsraten für dieses Segment. Weiteren Schätzungen zufolge liegt das weltweite Potenzial für die Stromerzeugung mithilfe von Gezeitenkraftwerken bei 800 Terawattstunden (TWh) jährlich. Zum Vergleich: Das läge rund ein Viertel über dem Gesamtstrombedarf von Deutschland und entspräche drei bis vier Prozent des weltweiten Stromverbrauchs.

 

Rückhalt für die Inverstoren

Andrew Tyler, CEO von MCT, sagte: „Mit dem Ausbau der Partnerschaft mit Siemens haben wir unsere Position im Markt für Meeresenergie weiter gefestigt. Durch die Unterstützung des Industriekonzerns Siemens können wir die Vermarktung unserer Technologie gezielt weiter vorantreiben. Wir suchen derzeit Investoren, um die Finanzierung unserer beiden ersten Großprojekte im Bereich Gezeitenkraft sicherzustellen. Sowohl die Beteiligung von Siemens als auch die Unterstützung der britischen Regierung sollten den Investoren die Sicherheit geben, dass wir die notwendige Rückendeckung haben, um sowohl diese als auch die nachfolgenden Projekte erfolgreich durchzuführen.“ MCT will noch im November die Anlage-Prospekte für die ersten beiden Großprojekte veröffentlichen und damit Finanzgeber sowohl für das 8-Megawatt(MW)-Projekt Kyle Rhea in Schottland als auch für das 10-MW-Projekt Anglesey Skerries in Wales finden. Die Nutzungsgenehmigung für den Grund hat die zuständige staatliche Liegenschaftsverwaltung The Crown Estate bereits erteilt. Die britische Regierung plant, Gezeitenkraftprojekte mit fünf Renewable Obligation Certificates (ROC) je Megawatt­stunde zu unterstützen, wie aus dem am 20. Oktober 2011 veröffentlichten Verteilungsplan (ROC Banding) des staatlichen Programms zur Förderung Erneuerbarer Energien hervorgeht. MCT hat zudem die Genehmigung von The Crown Estate erhalten, um ein 100-MW-Gezeiten­kraftwerk bei Brough Ness, an der südlichsten Spitze der Orkney Islands in Schottland, zu bauen.

 

MCT hat mit SeaGen in Strangford Lough in Nordirland bereits ein Demonstrationsprojekt in kommerziellem Maßstab umgesetzt. Seit November 2008 erzeugen zwei Axial-Turbinen mit einer Gesamtleistung von 1,2 MW Strom und versorgen damit rund 1.500 Haushalte. SeaGen hat bislang bereits mehr als 2,7 Gigawatt­stunden elektrischer Energie ins Netz eingespeist. Gemessen an der Stromerzeugung ist dies das bis heute größte Gezeitenturbinenprojekt.

 

Die Kraft des Wassers

Gezeitenturbinen nutzen die durch Ebbe und Flut verursachten Meeresströmungen, um mithilfe von im Wasser angebrachten Rotoren Strom zu erzeugen. Die Turbine des Typs SeaGen ist an einem Pfeiler inmitten der Strömung angebracht. Die Funktionsweise ähnelt der einer Wind­turbine, wobei die Rotorblätter im Meer von der Wasserströmung angetrieben werden. Das strömende Wasser hat eine um den Faktor 800 höhere Energiedichte als Wind. Zweiflügelige Rotoren drehen sich infolge des Gezeitenstroms und richten sich – dank der um 180 Grad drehbaren Blätter – optimal nach der Strömungsrichtung und -geschwindigkeit aus. Ein wesentlicher Vorteil der Gezeitenkraft ist, dass die Stromproduktion aufgrund der Gezeitenzyklen zuverlässig prognostizierbar ist.

 

Gezeitenturbinen sind Teil des Siemens-Umweltportfolios, mit dem das Unternehmen im Geschäftsjahr 2010 einen Umsatz von rund 28 Mrd. EUR erzielte. Kunden haben mit entsprechenden Produkten und Lösungen des Unternehmens im selben Zeitraum 270 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) eingespart, das ist so viel wie Hongkong, London, New York, Tokio, Delhi und Singapur in Summe an CO2 jährlich ausstoßen.

 

www.siemens.com

www.marineturbines.com

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