Schuh oder Sandale?

 

Klauke wurde 1879 von Gustav Klauke gegründet und stellte ursprünglich Zangen für das Uhrmacherhandwerk her. Im Laufe der Zeit und im Zuge der zunehmenden Elektrifizierung richtete das Unternehmen sein Produktsortiment immer stärker auf den Elektrotechnikmarkt – hin zu lötfreier Verbindungstechnik: also Kabelschuhe und die dazugehörigen Press- und Schneidewerkzeuge – aus. Speziell auf diesem Sektor überschwemmen aber in letzter Zeit Billigprodukte vorwiegend aus dem asiatischen Raum den europäischen Markt. Warum aber sparen an der falschen Stelle dem Elektrotechniker teuer zu stehen kommen kann, erklärte uns Thomas Farthofer, Niederlassungsleiter von Klauke unter anderem im folgenden Interview.

 

Herr Farthofer, was bietet Klauke, bei einem derartigen Angebot an Produkten in der Kabelschuh- und Presstechnikbranche, seinen Kunden?

Thomas Farthofer, Niederlassungsleiter Klauke: Klauke steht für Qualität, Weiterentwicklung und Know-how. Aufgrund unserer jahrzehntelangen Erfahrung haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, unsere Kunden bei der Auswahl des richtigen Kabelschuhs für die unterschiedlichsten Anwendungen zu unterstützen.

 

Zählt dazu auch, dass Klauke ausschließlich in Europa produziert?

Farthofer: Das ist ein ganz entscheidender Punkt. Dabei geht es in erster Linie um die Qualität des Kabelschuhs. Mit unseren Werken in Remscheid (D), Bernsdorf (D) und Dolny Kubin (SK) garantieren wir unseren Kunden europäische Qualität. Darüber hinaus ist es auch wichtig, gerade bei den Werkzeugen, die wir herstellen, dieses Qualitätsniveau zu halten. Wir bieten unseren Kunden ein möglichst rasches Service mit unseren Servicecentern bei den einzelnen Niederlassungen. So wie beispielsweise bei uns in Leobersdorf, wo das Service und die Wartung an den Presswerkzeugen durchgeführt wird. Damit können wir wesentlich schneller das Service durchführen. Bei anderen Anbietern muss das Werkzeug in manchen Fällen zurück zum Hersteller nach Asien gesendet werden.

 

Worin unterscheiden sich die Klauke-Kabelschuhe nun genau von den Billigprodukten aus Asien?

Farthofer: Für unsere Kabelschuhe verwenden wir spezielles Elektrolyt-Kupfer. Im ersten Arbeitsgang wird das Material auf Länge gebracht und auf beiden Seiten angephast. Dann wird der Kabelschuh gepresst und gestanzt und anschließend erfolgt ein entscheidender Arbeitsschritt: Die Klauke-Kabelschuhe werden nämlich nach der mechanischen Kaltverformung noch weichgeglüht, was die Presskräfte bei der Verarbeitung deutlich reduziert. Klauke ist meines Wissens nach einer der wenigen, wenn nicht überhaupt der einzige Hersteller, der diesen Arbeitsschritt noch durchführt, und auch noch weiterhin durchführen wird.

 

Welche Vorteile ergeben sich durch das Weichglühen?

Farthofer: Durch das Weichglühen wird das Kristallgitter innerhalb des Kupfers wieder ausgerichtet und der Kabelschuh wird »weicher«. Dies merkt man besonders beim händischen Verpressen. Ein weiterer Vorteil ist auch, dass sich ein weichgeglühter Kabelschuh beim Verpressen wesentlich besser an das Kabel anlegt. Das ergibt einen besseren Übergangswiderstand und weniger Wärmeentwicklung.

 

Klauke hat jetzt die neue Presswerkzeugserie »Safety Plus« im Programm. Was ist daran so besonderes?

Farthofer: Bei der Generation Safety Plus wurde auf eine spezielle Ergonomie der Geräte geachtet, das heißt, alle Geräte sind perfekt ausgewogen und haben eine Einknopfbedienung. Darüberhinaus wird der Betriebszustand über eine LED angezeigt und über eine optische Schnittstelle können Daten wie beispielsweise die Anzahl der erfolgreichen Verpressungen ausgelesen werden. Ein Drucksensor überwacht jede Pressung, damit diese auch normgerecht durchgeführt wird. Ein Lithium-Ionen-Akku sorgt außerdem für 50% mehr Leistung als bei herkömmlichen Stromversorgungen. Damit sind heute 300 Einzelpressungen mit nur einer Akkuladung – gemessen an einem 150-mm2-Querschnitt – möglich.

 

Sie haben erwähnt, dass Klauke seine Kunden bei der Wahl der richtigen Kabelschuhe unterstützt. Warum ist das so ein wichtiges Thema?

Farthofer: In der Praxis zeigt es sich immer wieder, dass Elektrotechniker teilweise Schwierigkeiten haben, den richtigen Kabelschuh oder das richtige Werkzeug zu verwenden. Für uns ist nicht die Ummantelung ausschlaggebend, sondern die Ausführung des Kupferkerns. Dieser kann aus feindrähtigen, mehrdrähtigen oder sektorförmigen, aber auch mehrdrähtig verdichteten Leitern bestehen. Letztere benötigen aber beispielsweise eine spezielle Behandlung. Denn bei den verdichteten Leitern ist bei gleichem Querschnitt der Leiterdurchmesser geringer und damit ist ein herkömmlicher Kabelschuh zu groß. Verwendet man dann einfach einen kleineren Kabelschuh, hat man eine klassische Querschnittsverringerung als Ergebnis.

 

Wie kann man diesem Problem dann Abhilfe schaffen?

Farthofer: Für diesen Fall bietet Klauke spezielle Hülsen für verdichtete Leiter an, die ähnlich dem Prinzip einer Aderendhülse funktionieren. Also zuerst kommt die Hülse auf den Leiter, dann der Kabelschuh und letztendlich wird beides gleichzeitig verpresst. Damit erhält man die geforderten mechanischen Auszugskräfte und auch den korrekten Querschnitt.

 

Warum ist das Thema »welcher Kabelschuh für welchen Leiter« gerade jetzt so präsent?

Farthofer: In der Vergangenheit wurden die Kabel und Leitungen in Österreich noch hoffnungslos überdimensioniert. Ob dabei die Kabelschuhe richtig verpresst waren oder nicht, ist nicht weiter aufgefallen, da diese Leiter sowieso nie mit voller Leistung beschalten wurden. Heute sieht die Problematik anders aus. Aufgrund des Kupferpreises wird heute wesentlich genauer dimensioniert und deshalb werden die Querschnitte kleiner und die Leistungen größer – natürlich im zulässigen Bereich. Gerade deshalb ist es besonders wichtig, dass die Qualität des Kabelschuhs kombiniert mit einer korrekten Verpressung stimmen. Schlechte Verarbeitung wird heute rasch mit einer Wärmebildkamera sichtbar. Im schlimmsten Fall führt eine schlechte Verarbeitung sogar zu einem Brand.

 

Bietet Klauke diesbezüglich Schulungen für seine Kunden an?

Farthofer: Schulungen sind ein ganz wesentliches Thema. Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, unsere Kunden und Partner dementsprechend zu unterstützen – gerade zum Thema normgerechtes Verpressen von Kabelschuhen. Dazu führen wir auch regelmäßig Schulungen durch und stellen auch unser »Klauke-Mobil« zur Verfügung.

 

Warum haben Schulungen für Klauke so einen hohen Stellenwert?

Farthofer: Ganz einfach, weil einerseits die Produktvielfalt sehr groß ist und andererseits auch die Leitervielfalt sehr groß ist. Für diese zahlreichen unterschiedlichen Verbindungsvarianten bietet Klauke spezielle Lösungen für seine Kunden und Partner.

Unsere Schulungen finden dort statt, wo sie unsere Kunden wünschen. Entweder bei uns, in diversen Veranstaltungsräumlichkeiten, beim Kunden vor Ort oder auch direkt auf der Baustelle.

 

Von wie vielen Schulungen sprechen wir hier?

Farthofer: Das sind rund 20 Schulungen pro Jahr, die wir teilweise mit dem Großhandel, teilweise mit unseren Vertriebspartnern aber auch manchmal mit den Kunden des Großhandels direkt durchführen.

 

Denken Sie, dass dieses Schulungskonzept Zukunft hat?

Farthofer: Wenn man bedenkt, welche Kosten ein Schaltschrankbrand oder ähnliches aufgrund einer unzureichend durchgeführten Verpressung oder eines falschen Kabelschuhs verursacht, nimmt man die vergleichsweise geringe Zeit einer Schulung gerne in Kauf.

Wir bieten auch unseren Kunden an, Verpressungen zu überprüfen. Das heißt ein Kunde gibt uns ein Stück Kabel, das er an beiden Enden mit Kabelschuhen verpresst hat und wir überprüfen für ihn die Auszugskräfte. Dann sieht der Kunde sofort, ob seine Verpressungen noch im Normbereich sind, oder ob er hinsichtlich seiner Presstechnik etwas ändern muss. Viele nehmen das Thema Kabelschuhe auf die leichte Schulter, aber in den letzten Jahren hat sich auf diesem Gebiet einiges getan.

 

Was hat es mit dem vorhin erwähnten Klauke-Mobil auf sich?

Farthofer: Dabei handelt es sich um einen voll eingerichteten VW-Transporter. Dieses Klauke-Mobil ist mit sämtlichen Werkzeugen bestückt und auch die sogenannten Verpressmuster sind mit an Bord. Damit haben wir sozusagen eine mobile Vorführmöglichkeit. Primär geht es darum, Informationen über Klauke-Produkte unseren Kunden näherzubringen und die Thematik normgerechtes Pressen auch praktisch vorführen zu können.

 

Herr Farthofer, wir danken für das Gespräch!


Ihr Ansprechpartner für mehr Informationen:

Thomas Farthofer

Niederlassungsleiter Klauke Österreich

Tel.: 02256/629 25

Fax: 02256/629 25-30

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