Die »Österreichische Energieagentur« analysierte den Strompreisverlauf in Österreich seit der Strompreiszonentrennung von Deutschland ab 1. Oktober 2018 . (Bild: Pixabay)

Ein Jahr Strompreiszonentrennung (inkl. Video):

Preise um 8 % höher als in Deutschland

  • Strom im Großhandel in Österreich durchschnittlich um 3,40 Euro pro Megawattstunde teurer als in Deutschland
  • Mehrkosten von rund 220 Millionen Euro, auch Haushalte zahlen mehr
  • Österreich hat sich damit vom deutschen Preisniveau entkoppelt, andere europäische Länder profitieren von niedrigeren Strompreisen im Nachbarland
  • Starke saisonale Schwankungen bei den Preisunterschieden zu Deutschland

Am 1. Oktober 2018 trat die Strompreiszonentrennung in Kraft. Seitdem bilden Österreich und Deutschland kein gemeinsames Marktgebiet mehr im Stromgroßhandel. „Durch die Trennung ist es Stromlieferanten und -händlern in Österreich nicht mehr ohne Einschränkungen möglich, in Deutschland ‒ dem liquidesten Strommarkt Europas ‒ Strom zu kaufen oder zu verkaufen“, erklärt Karina Knaus, Leiterin des Centers Volkswirtschaft, Konsumenten und Preise in der Österreichischen Energieagentur.

Warum wurde der Stromhandel zwischen Deutschland und Österreich eingeschränkt? Ein wesentlicher Grund, warum der Stromhandel zwischen Deutschland und Österreich eingeschränkt wurde, liegt in den überregional nicht ausreichend ausgebauten Stromleitungen: Die Kapazitäten sind zu gering und der im Norden Europas überwiegend aus Windkraft produzierte Strom konnte oft nicht direkt in die großen Verbrauchszentren des Südens transportiert werden. Physisch floss der Strom vom Norden Deutschlands nicht auf direktem Weg nach Österreich, sondern über Polen und Tschechien.

Die Trennung der Strompreiszonen sollte die physischen und finanziellen Stromflüsse ins Gleichgewicht bringen und dadurch Bedarf und Kosten für die notwendige Stabilisierung der Netze senken. Die Österreichische Energieagentur hat nun analysiert, wie sich die Strompreiszonentrennung in den ersten zwölf Monaten auf die Strompreise in Österreich ausgewirkt hat.

Höhere Strompreise in Österreich, starke saisonale Schwankung

„Nach einem Jahr Strompreiszonentrennung zeigt sich: Der Preisunterschied zwischen Österreich und Deutschland betrug im Schnitt 3,40 Euro pro Megawattstunde, das ist ein Plus von 8 %“, analysiert Knaus den Day-Ahead-Markt, unter dem man den Handel von Strom für den folgenden Tag versteht. Auffallend dabei ist ein starkes Sommer-Winter Gefälle. Denn die Preisdifferenz sank von 7,33 Euro im letzten Quartal 2018 auf 4,12 Euro im ersten Quartal 2019, bzw. auf 0,97 Euro im 2. Quartal. Im dritten Quartal 2019 stieg die Preisdifferenz wieder geringfügig auf 1,16 Euro pro Megawattstunde. „Die Ausprägungen der Preisdifferenzen zwischen den beiden Märkten weisen eine starke Saisonalität auf, was durch die Unterschiede in der Erzeugungsstruktur bedingt ist“, erklärt Knaus. Denn in Österreich wird ein großer Anteil (rund 57 %, siehe »Energie in Österreich 2019«) des Stromes mit Wasserkraft (Pumpspeicher, Lauf- und Speicherkraftwerke) erzeugt. Dabei gibt es ausgeprägte saisonale Schwankungen. In den Wintermonaten ist eine weitaus schwächere Produktion erkennbar, die durch eine intensivere Nutzung von fossilen Energieträgern (primär Erdgas) ausgeglichen wird. Gleichzeitig kommt es in Österreich vor allem in den Wintermonaten zu Stromimporten. In Deutschland werden hingegen fossile Energieträger noch immer in erheblichem Ausmaß zur Stromproduktion genutzt, wodurch es weniger starke saisonale Schwankungen als in Österreich gibt. Gleichzeitig ist der Wind- und Solarsektor in Deutschland bereits weit stärker ausgebaut und trägt in umfangreichem Ausmaß zur Stromproduktion bei, ist jedoch auch für Erzeugungsspitzen verantwortlich. „Wie sich die Preisdifferenzen im Großhandel zwischen Österreich und Deutschland in der kalten Jahreszeit entwickeln werden, hängt also wesentlich davon ab, wie sich die Erzeugung aus Wind-, Wasser- und Sonnenkraft in den beiden Ländern entwickeln wird“, so Knaus.

Strompreise im europäischen Vergleich

Daten: ENTSO-E Transparency Plattform, Berechnungen Österreichische Energieagentur

Im Schnitt betrugen die Kosten für eine Megawattstunde (MWh) im ersten Jahr der Strompreiszonentrennung (Berechnungszeitraum 1. Oktober 2018 bis 30. September 2019) in Österreich 45,10 Euro, in Deutschland hingegen nur 41,70 Euro (plus 8 %). In den Niederlanden waren es beispielsweise 46,56 Euro und in Frankreich 45,11 Euro.

Die höchsten Kosten für Strom in der Region von Central West Europe (Länder im CWE Flow-Based Market Coupling: Belgien, Frankreich, Niederlande, Deutschland, Luxemburg, Österreich) waren in Belgien mit 47,33 Euro/MWh zu beobachten.

Mehrkosten von 220 Millionen Euro

In Summe ergaben sich in Österreich »hypothetische« Mehrkosten (Die Berechnung der Mehrkosten erfolgt auf Basis der Annahme, dass die Preise in Österreich ohne Preiszonentrennung im Wesentlichen auf dem Niveau von Deutschland liegen würden. Gewichtet man daher die Preisdifferenzen mit der tatsächlichen Last, dann erhält man eine Indikation der hypothetischen Mehrkosten der Preiszonentrennung) von rund 220 Millionen Euro. Das generell höhere Strompreiseniveau im Großhandel, welches neben der Strompreiszonentrennung auch auf gestiegene Preise für Rohstoffe (etwa Öl, Steinkohle oder Gas) und für EU-Emissionszertifikate zurückzuführen sind, ist auch bereits bei den österreichischen Haushalten angekommen: Seit Oktober 2018 erhöhten über 70 Lieferanten ihre Energiepreise (netto, reiner Energiekosten ohne Netzkosten sowie Steuern und Abgaben, siehe Anmerkung unten) zwischen 5 bis 54 Prozent. Das ergibt eine Erhöhung von 17 bis 126 Euro (Gesamtpreis, brutto) für einen typischen Haushalt pro Jahr. Statistisch gesehen war die Stromrechnung der heimischen Haushalte im August 2019 durchschnittlich um 5,5 Prozent höher als im Jahr zuvor (Details dazu im Energiepreisindex der Österreichischen Energieagentur). 

Anmerkung: Bei der Stromrechnung eines Haushalts in Österreich entfällt nur ein Teil der Kosten auf Stromproduktion und Stromvertrieb, kurz Energiekosten. Diese machen rund ein Drittel des Gesamtpreises aus. Das zweite Drittel entfällt auf die Netzkosten und damit auf die Kosten für den Aufbau und Erhalt der Übertragungs- und Verteilnetze. Das dritte Drittel ist dem Bereich »Steuern und Abgaben« zuzuschreiben. Dieser beinhaltet die Beiträge zur Förderung von Ökostrom und der Kraft-Wärme-Kopplung, die Elektrizitätsabgabe und die Umsatzsteuer.

Weniger und geringere negative Preise in Österreich

Ein interessanter Effekt zeigt sich bei den niedrigsten Preisen im ersten Jahr der Strompreiszonentrennung, bei denen es sich um Negativpreise handelt. In Deutschland lag der niedrigste Preis bei minus 90,01 Euro, in Österreich nur bei minus 59,78 Euro. „Im ersten Jahr der Strompreiszonentrennung sahen wir weniger und geringere negative Preise in Österreich, da durch die Preiszonentrennung Österreich weniger an den sehr günstigen Wind- oder PV-Stunden Deutschlands partizipieren kann“, erklärt Knaus die Hintergründe. Tendenziell waren die Preisunterschiede in den Mittagsstunden am höchsten. Das ist unter anderen mit der Stromproduktion durch Photovoltaikanlagen in Deutschland zu erklären.

Österreich hat sich damit vom deutschen Preisniveau entkoppelt, andere Länder profitieren

„Durch die Preiszonentrennung und die explizite Teilnahme an der lastflussbasierten Marktkopplung der CWE Länder in Österreich ist der Strompreis im Großhandel um 8 % gestiegen und hat sich damit vom deutschen Preisniveau entkoppelt. Andere Länder in der Region Central West Europe profitieren nun eher vom Preisgleichklang mit Deutschland – und demzufolge auch von den niedrigeren Preisen“, erläutert Knaus ein weiteres Phänomen. Vor der Strompreiszonentrennung entsprachen dank des gemeinsamen Marktes die Preise in Österreich jenen in Deutschland. Danach war das nur noch in etwa 50 % der Zeit der Fall. Unterschiedlich zeigte sich das Bild in anderen Staaten: In Frankreich gab es nach der Strompreiszonentrennung in rund 40 % der Zeit eine Preiskonvergenz mit Deutschland (davor ca. 30 %), in den Niederlanden war das etwa 45 % der Zeit der Fall (davor ca. 31 %) und in Belgien ebenfalls rund 40 % (davor nur ca. 30 %). 

In Frankreich waren beispielsweise vor der Strompreiszonentrennung die Preise rund 60 % der Zeit höher als in Deutschland (niedriger 9 %), danach nur 41 % (niedriger 18 %). Ein ähnliches Bild zeigte sich in den Niederlanden. Vor dem 1. Oktober 2018 war der Strom rund 63 % der Zeit teurer als in Deutschland (niedriger 5 %), danach nur 38 % (niedriger 16 %). Auch in Belgien zahlte man früher etwa 68 % der Zeit mehr für Strom und nahezu nie weniger (1 %), nach der Strompreiszonentrennung war der Strom nur in rund 42 % der Zeit teurer (niedriger 18 %).

Auch am Terminmarkt, auf dem mit Strom für einen späteren Zeitpunkt gehandelt wird, zeigte die Strompreiszonentrennung Auswirkungen. Vor allem wurde im neu geschaffenen österreichischen Terminmarkt kaum gehandelt. Sowohl Volumen als auch Transaktionen waren im Vergleich zu Deutschland so gering, dass man nicht von durchgehendem Handel sprechen kann.

„Mit Beginn der Preiszonentrennung ist in Österreich ein neuer Markt entstanden. Dieser war insbesondere in den ersten Monaten durch eine deutliche Preisdifferenz zu Deutschland und durch stark eingeschränkte Liquidität – vor allem am Terminmarkt – geprägt“, fasst Karina Knaus, Expertin der Österreichischen Energieagentur, zusammen.

Quelle: Österreichische Energieagentur – Austrian Energy Agency (AEA)

Weitere Informationen auf:

www.energyagency.at

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