Phänomen Licht

 

Licht ist eine Erscheinung, und erst bei einer gewissen Helligkeit tritt die eigentliche Farbwahrnehmung in Kraft. Von Demokrit bis Quantentheorie – eines ist klar: Licht setzt sich aus vielen einzelnen Farbwellen zusammen. Vorrangig ist aber die Wirkung auf den menschlichen Körper, denn wir empfinden das Licht, welches sich über den Tag hinweg stetig verändert, als angenehm. Somit kann sich der Organismus an verschiedene Situationen anpassen und einem natürlichen Rhythmus folgen.
Licht ist aber noch viel mehr – es kann als ästhetisches Objekt auftreten (Designerleuchte) oder aus versteckter Quelle indirekt beleuchten! Die Lichtfarbe, von der man heute viel spricht, ist ein psychisch eingeschätzter Wert. Anders bei der Farbtemperatur, die sich exakt in der Spektralanalyse nachweisen lässt. Ab welcher Temperatur sehen wir denn rot? Los geht es bei 1.000 K, ab dann beginnt ein Körper rot zu glühen. Zum Vergleich: Fixsterne haben zwischen 10.000 bis 30.000 Kelvin und leuchten blau. Diese echte Lichtfarbe nennt man die Farbtemperatur, und es gibt sie nur bei wirklich heißen Körpern. Um also eine gemütliche Atmosphäre zu schaffen, setzt man in der Lichtplanung warmfarbiges Licht ein, wohingegen kaltes Licht die Aufmerksamkeit erhöht. Eine qualitativ hochwertige Farbberatung setzt ein ausführliches Gespräch mit den involvierten Personen voraus und bezieht auch die Umgebung des Planungsobjektes mit ein. Das Österreichische Institut für Licht und Farbe beschäftigt sich vorrangig mit der fachgemäßen Beleuchtung und einer eingehenden Farbberatung von Gebäuden. Es wurde 1998 gegründet und besteht aus einem Team freier Mitarbeiter mit einem großen Netz von Fachleuten aus dem In- und Ausland. Das Institut hat bisher über 60 öffentliche und betriebliche Bauten betreut. Dazu zählen u. a. mehrere Oberbank- und Bank Austria-Gebäude, das Stammhaus Wombat’s City Hostel in Wien, Neurologische Universitätsklinik und Notfallambulanz am LKH Graz, das Außenministerium in der Wiener Herrengasse, Schulen, Kindergärten u. v. m. Prof. Karl Albert Fischer baut Messe Events und kooperiert u. a. mit Targetti, Zumtobel, XAL und Artemide. In den vergangenen Monaten veranstaltete er zwei Symposien zum Thema »Licht – Farbe – Gesundheit« in Wien.

 

Herr Fischer, Sie legten bereits während Ihrer Ausbildungszeit einen deutlichen Schwerpunkt auf die Farbenlehre. Welche Unterschiede gibt es zwischen den naturwissenschaftlichen, psychologischen und künstlerisch-ästhetischen Herangehensweisen in der Farbenlehre?

Fischer: Die Naturwissenschaft misst, die Psychologie versucht zu verstehen und zu interpretieren, was sich im seelischen Bereich abspielt. Wir verstehen jedes Design als Kunst, und Kunst ist Wirkung. Als Farbberater muss ich in Betracht ziehen, dass es einen Zeitstil bzw. ein gewisses Level an gesellschaftlicher ästhetischer Übereinkunft gibt. Darauf muss ich meine Kunden hinweisen, aber die Entscheidung liegt dann letztendlich bei Ihnen. Das Ziel ist, es meinen Kunden ein Optimum an Licht und Farben zu bieten: im Sinne von Wirkungen, die ihnen gut tun.

Wie wird warm-weißes bzw. kalt-weißes Licht in Hinblick auf die Farbpsychologie eingesetzt? Welche Lichtfarbe ist eher für Büroräume und welche für Krankenhäuser oder öffentliche Gebäude geeignet?

Fischer: Auf bläuliches Licht reagieren wir mit Kältegefühl (psychophysisch). Rotglut (Glühlampe herabgedimmt) hat etwa 2.000 Kelvin. Bei 3.500 Kelvin wird die Temperatur heißer, aber die Lichtfarbe wirkt kühler! Und über 4.000 Kelvin empfinden wir das Licht als kalt. Dies gilt für unsere hausgemachten Kunstlichtquellen hier auf Erden, das Sonnenlicht hat 5.600 Kelvin und wirkt trotzdem nicht kalt, weil es so hell ist! Arbeitsplätze machen wir nie kalt-weiß, wir wollen die Menschen ja nicht stressen. Und in Krankenhäusern kann kaltes Licht bestenfalls im OP eine Rolle spielen.

Welchen Stellenwert besitzt der Farbwiedergabeindex (CRI) einer Lichtquelle in der Planung? Gibt es 

Unterschiede beim Einsatz von Lichtquellen?

Fischer: Hohe Farbwiedergabe ist wichtig, dort wo Abgleiche gemacht werden und natürlich im Verkaufsbereich. Da ist die Glühlampe noch immer die Nummer eins bzw. ihre »verbesserte« Schwester, die Halogen-Glühlampe. Sie gilt für mich als Erfindung des Jahrtausends: wirklich vollspektrig und damit sonnenähnlich, viele Rot- und Nah-Infrarot Anteile, die die Netzhaut heilen und pflegen. Mindestens von Oktober bis April trägt ihre geringschätzig als »Abwärme« verteufelte Infrarot-Strahlung zur Gebäudeerwärmung bei. Wenn LEDs – dann nur warmfarbig! Die Höhe von Gebäuden erzwingt oft die Verwendung dieses Leuchtmittels, da es nicht so viel Wärme erzeugt und Wärmestau in den oberen Stockwerken mildert. Aber LEDs haben derzeit noch keine so gleichmäßige Farbenkurve wie Tageslicht.

Wie beeinflussen die Tageslichtabläufe die Planung von Gebäuden und deren Raumgestaltung?

Fischer: Richtiges Planen heißt in unseren Breiten, planen mit der Sonne: Gebäudeform, genug direktes Sonnenlicht, das im Gebäude Wärme erzeugt, dieses wird in der Baumasse längere Zeit gespeichert. Wärmeüberschuss ist durch Wärmetauscher heute gut beherrschbar, außen liegender Sonnenschutz verhindert Überhitzungen. Zweiter Schritt: Beleuchtungsplanung je nach der Art des Gebäudes, nach Wunsch des Auftraggebers oder den Funktionen der Räume. Als Drittes kommt die Farbberatung, um festzulegen wie die Räume und auch der Außenbau am besten wirken.

Inwiefern sind sich Architekten der Notwendigkeit einer licht- und energieeffizienten Gebäudelösung inzwischen bewusst?

Fischer: Die Hochschul-Ausbildung zeigt bei »Licht und Farbe« erhebliche Defizite. Resultat sind oft mangelhafte Gebäude. Es gibt natürlich auch ausgezeichnete Architekten, die sich des Stellenwerts der richtigen Beleuchtung durchaus bewusst sind. Und Lichtfachleute? Hier ragt vor allem »Altmeister« Christian Bartenbach (Tirol) hervor, der eigene Techniken für die Lenkung von Tageslicht in Gebäuden, entwickelt hat.

Wo sehen Sie den Stand der Industrie im Vergleich zu dem der Forschung? Ist die aktuelle

Lichtforschung tatsächlich immer um einige Schritte voraus?

Fischer: Ich bin überzeugt davon, dass gleichzeitig mit industrieller Entwicklung dort auch viel geforscht wird. Insofern ist Forschung dort weit voran. Die Erforschung der Gesundheitsfaktoren steht aber meist auf einer anderen Seite, Lichtbiologen, Mediziner, baubiologische Institute arbeiten ja leider nicht immer mit der industriellen Entwicklung zusammen, sondern ergründen im Nachhinein – und mit viel weniger Geld – wie Produkte, die längst im Umlauf sind, auf Menschen wirken. Ich denke, dass die biologische und ökologische Lichtforschung der rasch voranschreitenden Industrieforschung nachhinkt. Tatsache ist für mich, dass die Rücksichtnahme auf den Menschen, auf Ökologie und Ressourcen kräftig angehoben werden muss.

Sie betreiben Licht-Consulting nicht nur für Innenräume sondern auch im Außenbereich – wie stehen

Sie zu dem Problem der Lichtverschmutzung?

Fischer: Nicht nur Astronomen beschweren sich über die schlechteren Sichtbedingungen. Helle nächtliche Beleuchtung führt dazu, dass es in der Ökologie Störungen gibt. Berichte lassen aufhorchen, dass Insekten in großer Zahl zugrunde gehen und vieles andere. Bei Menschen, die in der Nacht arbeiten, wurden höhere Raten an Krebserkrankungen festgestellt. Bei unseren Projekten achte ich darauf, dass das Licht möglichst nur dorthin strahlt, wo es gebraucht wird: nach unten.

Wie erachten Sie den Einsatz von LEDs in der Planung von Gebäuden? Durch die raschen Innovationszyklen sind solche Produkte schnell veraltet …

Fischer: Unsere Erfahrungen aus Kongressen, großen Licht-Fachmessen und Literatur zeigen uns eine rasante Entwicklung, Architekten sind mit dieser Situation sicher noch überfordert, haben ja selbst die Lichtfachleute noch wenig Überblick über die Vielfalt der Produkte aus nahezu allen Kontinenten. Aber wie in anderen Fällen (Baustatik, Heizung und Lüftung, Elektroplanung …) kann der Architekt ja auch hier einen Fachplaner in die Entwicklung von Projekten mit einbeziehen. Licht- und Farbenplanung: ein Beruf der Zukunft.

Wie stehen Sie zur sogenannten »Blaulichtgefahr«?

Fischer: Die richtige Wahl des Leuchtmittels ist überhaupt die erste und wichtigste Entscheidung. Erster Rang: Temperaturstrahler-Licht. Zweiter Rang: LEDs der höchsten Qualität. Dritter Rang? Eigentlich keiner mehr, wenn es um menschgemäße Dauerbeleuchtung geht. Andere moderne Leuchtmittel nur für bestimmte Spezialeinsätze. Blaulicht im sichtbaren Bereich von ca. 450 Nanometern Wellenlänge gilt heute als ein gefährliches Licht, weil es imstande ist, die Netzhaut zu zerstören. Schon vor langer Zeit galt die Alterserblindung bei Tagesfischern auf hoher See als Berufskrankheit. Diese Strahlung in höheren Dosen über längere Zeit gilt unter Wissenschaftern als »Blue Light Hazard«, denn sie verursacht über das Pigment Lipofuscin eine Radikalenbildung in der Netzhaut, wodurch deren regelmäßige Erneuerung erschwert wird (Prof. Richard Funk, Dresden). Lampen mit viel »Kaltlichtanteil« sind aber heute z. B. die Leuchtstofflampen auf Quecksilberdampf-Basis. Wie kaltfarbig LEDs sind, hängt von der Bauart ab, jedenfalls haben wir hohe Zacken im Blauspektrum gemessen. Da der Mensch heute von Geburt an modernen Leuchtmitteln ausgesetzt ist (von Gebärklinik über Kindergarten, Schule, Arbeitsstätte, Krankenhaus, Therapiezentrum, Wellness-Hotel bis Altenheim) ist es notwendig, vor dem gefährlichen Blaulicht wirksam zu schützen. Denn die AMD (altersbedingte Makuladegeneration mit schweren Netzhautstörungen bis hin zur Erblindung) steigt nach

Aussage von Fachärzten rasant an, Wissenschafter warnen.

Wie schätzen Sie die künftigen Entwicklungen hinsichtlich LEDs ein?

Fischer: Bei einem inkompletten Spektrum, ganz unabhängig von der Helligkeit, regis­triert der menschliche Körper die Minima und die Pupille öffnet sich, um mehr Licht aufnehmen zu können. Dies hat zur Folge, dass das Blaulicht noch viel intensiver in den Körper dringen kann. Wir erwarten, dass in der nächsten Zeit LEDs auf den Markt gebracht werden die weitaus mehr als den Rot-Grün-Blau-Bereich abdecken können. Man kann bereits heute mehr als 50 LED-Farben erzeugen. Wenn man diese mischt und sie nebeneinander in einem kompakten Leuchtmittel strahlen lässt, kann ein homogenes, sonnenähnliches Spektrum erzeugt werden. Dies hätte den Vorteil, dass es keine Tiefstellen in der Spektralkurve mehr gibt und der Organismus auf das gute Licht entsprechend reagiert.

Herr Fischer, wir danken für das Gespräch!

Gemeinsam mit dem LKH/Universitätsklinikum Graz veranstaltet das Institut für Licht und Farbe vom 20. bis 24. November 2013 die

Konferenz: »Licht und Farbe für Gesundheit«

Im neu gestalteten Seminarzentrum des LKH Univ.Klinikums Graz,
Sprecher aus Medizin, Biologie, Physik, Philosophie und Lichtgestaltung werden diese Themen ausführlich behandeln.

Ausstellungsmöglichkeit für Firmen als Sponsoren:

Kontakt unter: info@lichtundfarbe.at

Da die Platzanzahl begrenzt ist (max. 200 Gäste) wird um eine rechtzeitige Reservierung gebeten!

Auskünfte und Vor-Anmeldung unter:

karl.a.fischer@lichtundfarbe.at

Tel.: +43 664 2011895

Programm auf www.lichtundfarbe.at

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