TU Heizkostenanalyse
V.l.n.r.: Dkfm. Peter Püspök, Präsident EEÖ, Dr. Lukas Kranzl, Energieexperte und Autor der Studie, TU Wien, und DI Peter Stieger, Geschäftsführer Engie Energie, erklärten die zentralen Ergebnisse der Vollkostenanalyse verschiedener Heizsysteme. (Foto: Erneuerbare Energie Österreich/APA-Fotoservice/Hörmandinger)

EEÖ zieht Fazit aus der Heizkostenanalyse der TU Wien:

„Ohne Wärmewende keine Energiewende, ohne Energiewende keine Klimazielerreichung!“

Am 16. November 2017 wurde die vom Verband Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ) in Auftrag gegebene TU-Studie »Wärmewende 2030: Analyse der Erfordernisse und Konsequenzen« präsentiert. Dr. Lukas Kranzl, Energieexperte und Autor der Studie, TU Wien, Dkfm. Peter Püspök, Präsident EEÖ und DI Peter Stieger, Geschäftsführer Engie Energie, erklärten die zentralen Ergebnisse der im Rahmen dieser Studie vorgenommenen Heizkostenanalyse.

Die Berechnungen der Vollkostenanalyse verschiedener Heizsysteme basieren auf dem tatsächlichen Gebäudestand in Österreich und somit auf realistischen Einschätzungen über den Wärmeverbrauch der Gebäude, die betrachtet wurden – so die Verantwortlichen der Studie. Entwicklungsszenarien der Energiepreise, die von der EU empfohlen werden, werden auch hinterlegt. „Das Besondere an diesem Heizkostenvergleich im Gegensatz zu anderen ist, dass nicht nur die momentane Situation abgebildet wird, sondern auch Unsicherheiten berechnet werden, die sich aus potenziellen Energiepreisschwankungen, ineffizienten Betriebsweisen und anderen Einflussfaktoren ergeben“, heißt es weiter.

Ergebnis der Analyse

Für Gas- und Ölheizungen sind die Unsicherheiten, wie hoch die zukünftigen Heizkosten tatsächlich ausfallen könnten, wesentlich höher als für Heizanlagen auf Basis erneuerbarer Energie. Bei einem unsanierten Einfamilienhaus, das mit Öl beheizt wird, können daher die Kosten um fast 3.000 Euro pro Jahr schwanken, geht man von historischen Preisschwankungen aus. Werden, wie in immer mehr Ländern üblich, CO2-Steuern eingeführt, um die CO2-Emissionen zu reduzieren, könnten sich auch Gasheizungen als sehr teuer entpuppen.

Ebenso kommt die Studie zu dem Schluss, dass fossile Energieträger kaum Kostenvorteile gegenüber erneuerbaren Energieträgern aufweisen. Dr. Kranzl betont: „In allen untersuchten Kategorien von Gebäuden können erneuerbare Heizsysteme wettbewerbsfähige Lösungen darstellen. Im unsanierten Einfamilienhaus liegen biogene Energieträger vorne, im Neubau weisen Luftwärmepumpen die günstigsten Heizkosten auf. In Mehrfamilienhäusern können Hackschnitzel und Pellets sowohl im unsanierten Bestand, als auch im sanierten Bestand eine günstige Heizungsform darstellen. Bedeutsamer als diese eher geringfügigen Kostenvorteile ist allerdings die Tatsache, dass in allen Fällen das Risiko sehr hoher Heizkosten bei fossilen Heizsystemen deutlich höher ist.“

DI Stöger ergänzt die Studienergebnisse mit Überlegungen aus der Praxis: „Nachhaltigkeit wird oft nur ökologisch betrachtet, wir bei Engie Energie sehen das aber auch als ein wirtschaftliches Thema. Die Frage „Was ist langfristig die beste Lösung?“ muss hier gestellt werden. Für uns als Konzern sind die Würfel längst gefallen – es kann nur in Richtung Ökologisierung/Nachhaltigkeit gehen. In unserem

österreichischen Tochterunternehmen, das rund 1.000 Beschäftigte hat, setzen wir auf effiziente Energiedienstleistungen, die im Bereich der Raumheizung immer mehr auf erneuerbaren Energieformen beruhen. Wir tun dies, weil es für unsere Kunden wirtschaftlich Sinn macht!“

Peter Püspök betonte im Zuge der Studienpräsentation noch einmal deutlich die Notwendigkeit der Energiewende. Dies gelte nicht nur für die Stromerzeugung, sondern auch für die Mobilität, die Industrie und ganz speziell für den Bereich der Raumwärme. „Es gibt keine Energiewende ohne eine substanzielle Wärmewende. Im Bereich des Stromes sind wir deswegen gut unterwegs, weil die wirtschaftliche Vorteilhaftigkeit der Erneuerbaren Energie inzwischen klar herausgekommen ist – von Wind, Photovoltaik, Wasser. Auch im Bereich der Mobilität haben wir ganz große Hoffnungen, dass wir durch die Elektromobilität substanzielle Fortschritte machen werden. Unser Sorgenkind ist tatsächlich der Bereich der Raumwärme und dem müssen wir mehr Aufmerksamkeit widmen.“ Püspök zieht aus dem vorliegenden Kostenvergleich den Schluss, dass der Umstieg auf erneuerbare Energien im Bereich der Raumwärme möglich ist. „Aber unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen sehen wir nicht den Druck, hier schnell von den fossilen Energieträgern weg zu kommen. Im Bereich der Raumwärme stammen immer noch 65 % des Energieeinsatzes von fossilen Energieträgern – das ist zu hoch!“

Um die Energiewende auch im Bereich der Raumwärme voranzutreiben, verlangt Püspök die Schaffung der Kostenwahrheit: „Wir wissen durch viele Studien, dass fossile Energieträger bzw. das Verbrennen fossiler Energie vielfach Schaden verursacht – gesundheitlichen Schaden, Klimawandelschaden etc. Dieser Schaden wird nicht abgegolten. Dass es hier keine Kostenwahrheit gibt, ist das Problem. Das sind Kosten, die Dr. Kranzl noch gar nicht in seinen Heizkostenvergleich einberechnet hat. Für mich wäre das eine gute Ergänzung, auch diese Schadenskosten noch nachzulegen.“ Vor allem die Politik müsse hier steuernd eingreifen und den fossilen Energien durch eine CO2-Abgabe die Klimawandelrechnung präsentieren. „Wir brauchen zu dieser Kostenwahrheit auch zusätzliche ergänzende ordnungspolitische Maßnahmen. In den Bauordnungen benötigen wir entsprechende Bestimmungen, die klar die erneuerbaren Energien bevorzugen, ebenso sind Verbote notwendig – zum Beispiel ein Verbot der Neuinstallation von fossilen Heizanlagen.“ Diese politischen Signale seien vor allem wichtig, um aufzuzeigen in welche Richtung es gehen soll – zum Schutz der Bürgerinnen und Bürger. „Ohne Eingreifen der Politik wird die Energiewende im Wärmemarkt nicht so bald stattfinden. Ohne Wärmewende keine Energiewende, ohne Energiewende keine Klimazielerreichung!“, ermahnt Püspök abschließend.

Spricht die Fehlerhäufigkeit gegen Wärmepumpenanlagen?

Vor kurzem wurde in Deutschland eine vom Bauherren Schutzbund e.V. in Auftrag gegebene Studie präsentiert, die die Mängel bei Wärmepumpenanlangen untersucht. So ist ein Drittel der Schäden, die entstehen, irreparabel. Im Schnitt betragen die Mängelbeseitigungskosten 13.500 Euro. Dies war Anlass, um bei den Vortragenden noch einmal genau nachzufragen, ob Wärmepumpensysteme wirklich so günstig und empfehlenswert sind, wie aus dem Heizkostenvergleich hervorgeht.

„Ein derartiges System muss sinnvoll geplant werden und in den Gebäuden eingesetzt werden, für die Wärmepumpenanlagen gut geeignet sind. In den Gebäuden, die nicht gut geeignet sind, muss man sich im Vorhinein genau überlegen, welche Kosten anfallen würden, um zum Beispiel niedrigere Vorlauftemperaturen zu ermöglichen und ob man gewillt ist, diese Kosten zu tragen oder sich doch für ein anderes System entscheiden sollte. Bei den Wärmepumpen ist es besonders wichtig, auf die gute Systemintegration zu achten. Das kann, wenn es gut integriert ist, ein sehr sinnvolles System sein oder auch sehr teuer werden – hinsichtlich der laufenden Kosten oder hinsichtlich möglicher Nachrüstung“, reagierte Dr. Kranzl auf die kritische Frage.

DI Stieger ergänzte: „Wir haben auch sehr viele Erfahrungen mit Wärmepumpen gesammelt. Das Wesentliche bei diesem Thema ist, dass es sich nicht generalisieren lässt. Der lokale Installateur baut in der Regel die Wärmepumpe ein. Er hat sozusagen seine »favourites« und ist nicht in der Lage, sehr individuell darauf einzugehen. Im Mehrfamilienhaus ist zum Beispiel Wärmepumpe in Kombination mit einem anderen Wärmesystem eine spannende Geschichte. Als Stand-alone-Lösung muss ganz genau betrachtet werden, ob das die richtige Lösung ist. Unsere Erfahrung ist, dass man vorher sehr genau analysieren muss.“

Die Aussagen der zwei Experten zeigen, dass der Einsatz von Wärmepumpensystemen nur dann sinnvoll ist, wenn im Vorfeld genau analysiert wurde, ob das System für ein bestimmtes Gebäude auch wirklich geeignet ist. Eine detaillierte Analyse und Planung sind hier also unumgänglich, um am Ende nicht draufzuzahlen.

Heizkosten Österreich

Heizsysteme und Heizkosten in Österreich (Auftraggeber/Quelle: EEÖ)

Anmerkung der Redaktion: In Bezug auf die Energiewende – vor allem im Bereich der Raumwärme – bleibt nur zu hoffen, dass die Politik die Forderungen und Warnungen von Seiten des EEÖ erhört und entsprechende Rahmenbedingungen schafft, die zum Ende der fossilen Energieträger führen.

www.erneuerbare-energie.at

Kritische Anmerkung zum Ergebnis der Studie aus der Elektroheizungsbranche

Bei Etherma steht man derartigen »Studien« skeptisch gegenüber. So kommt es aus Sicht des Unternehmens offensichtlich auf den Auftraggeber an, in welche Richtung analysiert wird und wie auch der Setup geschieht. Seriös ist es laut Etherma nicht, am Markt relevante Heizungssysteme (wie die Infrarotheizung) von vornherein auszuklammern, um nicht einmal Gefahr zu laufen, nicht das gewünschte Studienergebnis zu erhalten. Etherma ist der Ansicht, dass der Leidtragende eigentlich der Konsument ist, der sich unter »Studie« eine seriöse objektive Analyse erwartet und danach gegebenenfalls Entscheidungen trifft. „Fakt ist: Der Vergleich ist eine Antwort von der »Heizen mit Holz«-Lobby auf den Faktencheck von Klima Aktiv. Je nachdem wer die Studien sponsert, ändern sich die Werte. Zuerst Wärmepumpe, jetzt Heizen mit Holz – alles unseriös und geschoben. Mich ärgern diese Dinge schon lange nicht mehr – wir als Industrie müssen endlich gemeinsam auf die Füße kommen. Immer alles auf die anderen schieben ist der falsche Weg“, zeigt sich Mag. Thomas Reiter, Geschäftsführer von Etherma, verärgert über das Studienergebnis.

Thomas Reiter

Seriös ist es laut Etherma nicht, am Markt relevante Heizungssysteme (wie die Infrarotheizung) von vornherein auszuklammern, um nicht einmal Gefahr zu laufen, nicht das gewünschte Studienergebnis zu erhalten. Im Bild: Mag. Thomas Reiter

Auch DI Günther Hraby, Geschäftsführer von easyTherm, hat Anmerkungen zur Studie:

„Von Seiten der AEA wurde auf Rückfrage geantwortet, dass hier grundsätzlich nur Normwerte berücksichtigt werden können und keine individuellen Verbräuche. Grundsätzlich ist ein Vollkostenvergleich basierend auf ÖN M 7140 das richtige Vorgehen. Allerdings wäre eine Trennung der Gesamtkosten auf 3 Kostenblöcke sinnvoll: kapital-, betriebs- (die beiden sind bei der AEA zusammengefasst) und verbrauchsgebundene Kosten. Die verbrauchsgebundenen Kosten sind nicht ganz nachvollziehbar und das modernste Heizungssystem fehlt beim Vergleich.

Ein Beispiel: Neubau, 118 m² und HWB 45 kWh/(m²a) bedeutet HWB = 45 * 118 = 5.310 kWh/a. Bei nur 50 % Wirkungsgrad (Gas) ist der Heizenergiebedarf HEB = HWB/Wirkungsgrad dann 10.620 kWh/a. Bei einem Gaspreis von € 0,07 inkl. aller Kostenarten und Steuern würden die verbrauchsgebundenen Kosten € 743,40 p.a. betragen. Umgekehrt ergibt sich bei den € 1.136,-/a ein Wirkungsgrad von rund 21 %   – auch wenn Gasheizungen nicht mehr zeitgemäß sind, so schlecht sind sie auch wieder nicht. Wäre Warmwasser mitberücksichtigt, so ist die Frage nach den Personen im Haushalt zu stellen. Nehmen wir 3 Personen (à 2 kWh/Tag) an, so hätten wir bei Heizung + Warmwasser 5.310 + 3 * 2 kWh/Tag * 365,25 Tage = 5.310 + 2.191,5 = 7.501,5 kWh/a. Damit ergibt sich ein Wirkungsgrad von 46 %. Immer noch mager.

Nehmen wir für das oben gewählte Szenario einen Vergleich mit einer wirklich modernen und zukunftssicheren Heizung – einer Infrarotheizung – her, dann sieht diese wesentlich günstiger aus. Die 5.310 kWh/a werden durch IR auf rund 3.717 kWh reduziert. Beim Warmwasser über elektrischem Heizstab im Boiler verbrauchen wir bei 20 % Verlusten im Boiler 2.191,5*1,2 = 2.629,8 kWh/a. In Summe sind dies 6.346,8 kWh/a. Mit € 0,17 bewertet, ergibt sich € 1.079,-/a. Damit sind die Verbrauchskosten mit Gas gleichauf, was im i-Magazin schon an vielen Stellen (Kolumnen) dargelegt wurde. Allerdings bei den betriebsgebundenen Kosten (Service und Wartung) stellt sich beim elektrischen System gleich 0 ein. Die kapitalgebundenen Kosten sind aber beim elektrischen System (Infrarotheizung + Heizstab im Boiler für Warmwasser) bei rund € 13.000, was unter € 950,-/a ausmacht. Damit sind die Gesamtkosten für den elektrischen Fall bei rund € 2.000,-/a und daher um rund € 800,-/a günstiger! Nach 20 Jahren sind dies gesparte € 16.000,-!

Bei den anderen Szenarien sieht es ähnlich aus. Warum wird das moderne System des Elektrotechnikers hier unterdrückt? Welche Absichten stecken also dahinter? Fragen über Fragen, die hoffentlich im nächstjährigen Bericht aufgeklärt werden. Bis dahin heißt es warten und die Kunden gegen die Darstellung der AEA mit schlüssigen Fakten w.o. zu überzeugen!“

Günther Hraby

Auch DI Günther Hraby, Geschäftsführer von easyTherm, steht dem Studienergebnis skeptisch gegenüber.