Vereinte Kräfte: Alexander Rupp (Hager), Gottfried Rotter (Bundesinnung der Elektrotechnik) und Dragan Skrebic (Sonepar, v.l.) zeichnen, gemeinsam mit dem Ausschuss für Aus- und Weiterbildung, verantwortlich für die Schaffung eines österreichweiten Standards bei den Meisterschaften der Elektrotechniklehrlinge.

Europameisterschaft der Elektrotechniklehrlinge

Österreich vereinheitlicht Standards für Meisterschaften

2020 findet in Graz die Europameisterschaft der Elektrotechniklehrlinge statt. Um dabei den Sieger hervorzubringen, hat Österreich seine Standards für die Staats- und Landesmeisterschaften vereinheitlicht. Das meiste Material für diese Bewerbe liefern die Firmen Sonepar und Hager. Aus diesem Anlass traf sich das i-Magazin mit Gottfried Rotter von der Bundesinnung der Elektrotechnik, Alexander Rupp und Dragan Skrebic. Sie erzählen unter anderem, was die Lehrlinge können müssen.

von Moritz Hell

„Es ist ein tolles Projekt, das die Landesinnungen unter einen Hut bringt“, sagt Dragan Skrebic, Vertriebsleiter von Sonepar in Österreich. Er spricht von der Vereinheitlichung der Standards bei den Staats- und Landesmeisterschaften der Elektrotechniklehrlinge. Und geht es nach Gottfried Rotter, dem Pressesprecher der Bundesinnung für Elektrotechnik, bringt dieser neue bundesweite Standard 2020 einen Europameister aus Österreich hervor. Die Aufgabenstellung bei der Europameisterschaft wird eine ähnliche sein wie bei der Staatsmeisterschaft.

Im Wesentlichen werden die Lehrlinge nach drei Kriterien beurteilt: erstens nach mechanischen Fähigkeiten, also dem ,schönen‘ Montieren; zweitens nach dem Einrichten von Steuersystemen, allen voran KNX und Logo; und drittens nach der korrekten Umsetzung von Sicherheitsvorschriften. Damit die Lehrlinge den Umgang mit KNX-basierten Steuerungen beherrschen, hat die Innung die dritten und vierten Klassen der Berufsschulen mit diesem System ausgestattet.

Zur optimalen Vorbereitung ist nicht nur der Beurteilungsmaßstab bei Bundes- und Landesmeisterschaften ident. Auch das Material wird das gleiche sein. Und dieses kommt hauptsächlich von den Hauptsponsoren der Meisterschaften, Sonepar und Hager. Zudem stellen die beiden Firmen den Lehrlingen Material zum Üben zur Verfügung.

Warum den Unternehmen ein Meister nützt

Für Unternehmen stellt sich die Frage, warum sie einen Lehrling für eine Meisterschaft freistellen sollten. „Jeder Betrieb sollte sich vorab überlegen, ob er einen Lehrling dorthin schicken möchte“, meint Rotter. Denn bei einem erfolgreichen Abschneiden qualifiziert sich der Lehrling für den nächsthöheren Bewerb. Somit müsste der Lehrling erneut freigestellt werden. Das ist allerdings nur ein scheinbarer Nachteil. Denn ein Meistertitel des zugehörigen Lehrlings ist ein Erfolg, der dem Unternehmen erhöhte Präsenz bietet. Diese wiederum bringt, neben neuen Kunden, eine größere Wahrscheinlichkeit, neue Fachkräfte zu bekommen. „Es ist natürlich ein Renommee für die Firma, den Europameister beschäftigen zu können. Bessere Werbung in dieser Branche gibt es nicht“, betont Rotter den Vorteil der Meisterschaften. Er hofft auch, dass der Osten Österreichs durch die Reform des Systems nun genauso motiviert ist, Lehrlinge zu entsenden, wie der Westen.

Betriebe müssten genau abwägen, ob sie Lehrlinge für ein Turnier freistellen wollen, meint Gottfried Rotter, denn auch wenn ein Lehrling für einige Zeit nicht zur Verfügung stehe, gebe es keine bessere Werbung in der Elektrotechnikbranche, als einen Europameister als Lehrling zu haben.

Elektrotechnik sichtbar machen

Eine Corporate Identity der Meisterschaften soll das Entsenden schmackhafter machen. Dass Hager und Sonepar Hauptsponsoren all dieser Bewerbe in Österreich sind, sei ein erster Schritt. Alexander Rupp, dessen Unternehmen Hager bisher einige Landesmeisterschaften unterstützt hat, streicht hervor: „Die Bundesinnung verwaltet nun als zentrale Stelle die Bewerbe. Dadurch ist der Ablauf besser, der Materialeinsatz ist besser. Du hast immer die neuesten Produkte. Und es werden nicht wahllos die unterschiedlichsten Lieferantenprodukte dazu verwendet.“ Mit Material von verschiedenen Herstellern ginge auch die Vergleichbarkeit verloren, wie Rotter Rupp beipflichtet: „Das würde auch bedeuten, dass Lehrlinge jedes Mal vor neuen Aufgaben stehen würden.“ Und dies verringerte die Erfolgsaussichten.

Damit das nicht so ist, bekommen die Meisterschaften in Zukunft eben ein gemeinsames Marketingkonzept verpasst. So gibt es neben dem einheitlichen Arbeitsmaterial auch T-Shirts, damit die Elektronikbranche, deren Turniere meist an öffentlichen Plätzen ausgetragen werden, optisch auffällt.

Auslandserfahrung als Bonus

Zusätzlich zu all den genannten Maßnahmen werden die Lehrlinge Kontakte zu Lehrlingsmeistern aus der Schweiz, Deutschland und Südtirol erhalten. Die österreichischen Meister werden mit den Meistern aus den Nachbarländern trainieren. Als positiven Effekt erwartet man sich, dass die Lehrlinge bei einer Europameisterschaft auf die Auslandserfahrung vorbereitet sind. Dann kann jede Europameisterschaft kommen.

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