Studienautorin Nina Hampl
Studienautorin Nina Hampl vom Institut für Strategisches Management der WU und Professorin für Nachhaltiges Energiemanagement an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt bei der Präsentation der Ergebnisse. (Bild: Andreas Kowacsik)

Studie zu erneuerbaren Energien:

Österreich setzt auf die Energiewende

Der Ausbau erneuerbarer Energien hat beim Großteil der österreichischen Bevölkerung ungebrochen einen hohen Stellenwert. Das bestätigt eine aktuelle Studie vom Institut für Strategisches Management der WU, Deloitte Österreich und Wien Energie. Der Trend setzt sich fort: Große Zustimmung findet sich beim Thema Energiewende, Photovoltaik und Gemeinschaftsanlagen.

Im Rahmen der Studie „Erneuerbare Energien in Österreich“ untersuchten das Institut für Strategisches Management der WU, Deloitte Österreich und Wien Energie zum dritten Mal aktuelle Einstellungen der ÖsterreicherInnen zum Thema.

Das Ergebnis: Deutliche 85 Prozent ziehen die Weiterentwicklung erneuerbarer Energietechnologien der stärkeren Nutzung fossiler Energieträger vor. Eine große Mehrheit von 81 Prozent erwartet sich dadurch ein nachhaltigeres Wirtschaftswachstum. Die Stimmungslage ist damit drei Jahre in Folge sehr positiv. Erstmals wurde in der aktuellen Studie auch ein Schwerpunkt auf junge Menschen im Alter zwischen 15 und 25 Jahren gelegt. Hier zeigt sich, dass diese mehr Wert auf die Stromherkunft legen.

Hauptargument Umweltschutz – 67 Prozent gegen Ölheizungen

Der wichtigste Grund für den Ausbau erneuerbarer Energien bleibt der Umweltschutz. Dieser ist für 84 Prozent der ÖsterreicherInnen das entscheidende Argument. Dadurch treffen auch einschneidende Maßnahmen auf breite Zustimmung. 67 Prozent sprechen sich für ein Verbot von Ölheizungen in Neubauten aus. Den Bau von Windkraftanlagen in landschaftlich schönen oder unter Naturschutz stehenden Gebieten unterstützen 60 Prozent. Studienautorin Nina Hampl vom Institut für Strategisches Management der WU und Professorin für Nachhaltiges Energiemanagement an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt: „Das Bewusstsein der österreichischen Bevölkerung für erneuerbare Energien nimmt zu. Die Generation von morgen trägt diese Entwicklung hin zu einem nachhaltigen Energiesystem mit. Eine breite gesellschaftliche Akzeptanz ist wesentlich – nur so können die klima- und energiepolitischen Ziele erreicht werden.“

Photovoltaik und Stromspeicher – 47 Prozent wollen Gemeinschaftsanlagen

Rund 15 Prozent geben an, dass auf ihrem Wohngebäude der Bau einer Photovoltaikanlage geplant ist. Davon sollte mehr als ein Drittel innerhalb der nächsten zwei Jahre installiert werden. Die Zahlungsbereitschaft für diese Anlagen ist deutlich gestiegen: Im Durchschnitt sind die StudienteilnehmerInnen bereit, 1.000 Euro pro kWp zu investieren. Der Anteil jener PhotovoltaikbesitzerInnen, die sich für einen Stromspeicher entschieden haben, hat ebenfalls zugenommen. Das deutet darauf hin, dass sinkende Preise und finanzielle Anreize Wirkung zeigen. Auch die Bereitschaft zur Errichtung von Gemeinschaftsanlagen ist hoch. 47 Prozent der Haushalte wollen sich an einer gemeinschaftlichen Photovoltaikanlage beteiligen. Davon erwartet man sich vor allem deutlich niedrigere Stromkosten. Michael Strebl, Geschäftsführer von Wien Energie, hat ein solches Geschäftsmodell bereits entwickelt und sieht in der seit Anfang 2018 wirksamen »kleinen Ökostromnovelle« Chancen und Vorteile für die KonsumentInnen. „Mit dem neuen Fördersystem können wir davon ausgehen, dass immer mehr Menschen zu Prosumern werden. Sie produzieren mit ihrer Photovoltaikanlage eigenen Strom und können diesen durch den Einsatz von Stromspeichern auch verkaufen oder gemeinschaftlich nützen“, erklärt Strebl. Der Digitalisierung wird auf diesem Gebiet eine zunehmende Bedeutung zugesprochen. 62 Prozent der Befragten halten es für wahrscheinlich, ihren Strom in Zukunft direkt von der Photovoltaikanlage des Nachbarn zu beziehen.

Bürgerbeteiligungen gewinnen an Bedeutung – 30 Prozent sind interessiert

Die direkte finanzielle Beteiligung von Privatpersonen an Projekten zur Nutzung von erneuerbaren Energien, also an sogenannten „Bürgerprojekten“, ist nach wie vor im Aufschwung. Laut Studie zeigen rund 30 Prozent Interesse oder planen eine Beteiligung. Allerdings besteht bei mehr als 60 Prozent der StudienteilnehmerInnen noch ein Informationsdefizit über die Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung.

 

Weitere Informationen: Studie »Erneuerbare Energien in Österreich 2017«

Quelle: APA

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