»Nur Änderungen, die zur Kultur passen«

In der Regel stellt man einem neuen Mann die Frage nach seinem Einstand erst nach rund 100 Tagen. Ing. Johannes Leidl hatte zum Zeitpunkt unseres Gespräches jedoch noch nicht einmal die Hälfte dieser Zeit hinter sich, um sich in seiner neuen Position bei Stara einzufinden. Wir wollten uns aber dennoch nicht die Chance entgehen lassen, mit einem, der sein Fach und die Branche versteht, über seine bisherigen Erfahrungen und die Zukunft des Großhandels zu sprechen. An seine Seite gesellte sich auch Geschäftsführer Ing. Lorenz Schweitzer:

Herr Leidl, wie ist es Ihnen in den ersten Wochen bei Stara ergangen?
Ing. Johannes Leidl: Stara ist ein Unternehmen, das sehr gut am Markt aufgestellt ist. Durch seine klare Struktur, ergeben sich eine Menge Vorteile gegenüber einem Großhandels-Konzern. Stara befindet sich viel näher am Markt – so ist es möglich, sehr rasch zu agieren und zu reagieren. Zudem sind die Entscheidungsprozesse einfach kürzer. Das hat mich motiviert. Das Tüpfelchen auf dem i ist schließlich wie sich die Familie Schweitzer in der Zusammenarbeit mit ihren Mitarbeitern verhält.

Welche Veränderungen stehen bei Stara an, und in welche Richtung wird es weitergehen?
Leidl: Wir werden die Weichen stellen, um in Zukunft unsere gute und stabile Basis auszubauen. Unsere Positionierung zu überdenken und zu festigen, sehe ich als persönliche Aufgabenstellung. Man kann heute den Markt mit guten Ideen ohne Schwierigkeiten ausweiten, ohne gleich Niederlassungen eröffnen zu müssen.

Was ist in Linz passiert und wie wird es dort weitergehen?
Leidl: Ich denke, dass in Linz einige Anpassungen notwendig sind. Das sieht, meiner Beobachtung nach, auch das Personal in Linz so. Wie diese Anpassungen konkret aussehen sollen und wie schnell diese umgesetzt werden, kann ich heute noch nicht sagen. Dafür hatte ich noch nicht genügend Zeit. Es zeichnen sich aber die ersten Bereiche ab wo die Richtung sehr klar ist und wo ich sehr guter Hoffnung bin.

Wird es »Nachwuchs« in Linz geben oder eine Straffung vorgenommen?
Leidl: Wir werden sicherlich die Unterstützung von Wien aus verstärken. Das passiert ja bereits schon. Die Bereiche Lager/Logistik und der Einkauf werden sinnvollerweise von Wien aus geleitet. Da wird sich nicht viel verändern. Alle weiteren Schritte, die den Vertrieb betreffen, sind noch nicht so weit, um konkret besprochen zu werden.

Ing. Lorenz Schweitzer ist Geschäftsführer bei Stara.  Die größte Stärke Staras ist Verlässlichkeit und die Kombination des traditionellen Handwerks des Lieferanten mit den Werten des Elektrikers. Die Zeit bleibt allerdings nicht stehen. Was hat Stara in Zukunft vor?
Ing. Lorenz Schweitzer: Unsere Zahlen belegen, dass der Stara-Webshop sehr beliebt ist – über 30% unseres Umsatzes erwirtschaften wir über Bestellungen, die über den Webshop getätigt werden – und das ist schon beachtenswert. Trotzdem ist der Shop, wie wir ihn momentan betreiben, nicht mehr am letzte Stand der Technik. Jetzt ist wieder die Zeit gekommen, etwas Neues zu machen. Angedacht ist dabei auf jeden Fall eine Optimierung für mobile Endgeräte wie Smartphones etc. Das ist aber noch nicht alles, es werden sicher noch ein paar Überraschungen hinzu kommen. Wenn alles gut geht, werden diese Erweiterungen noch dieses Jahr erfolgen.
Leidl: Der Webshop ist ein heikles Thema – er war über viele Jahre ein Vorzeigeprodukt, hat sich aber nicht weiterentwickelt. Jetzt werden auf jeden Fall die nötigen Innovationsschritte gesetzt. Dabei muss man beachten, wie sich der Markt und die Branche entwickeln. Entwicklungsschritte zu versäumen ist genauso falsch wie vorauseilender Gehorsam. Der Stara-Webshop ist ohne Zweifel gut, aber er muss an die Markt-Erfordernisse angepasst werden.

In welche Richtung entwickelt sich der Großhandel aus ihrer Sicht? Wie wichtig werden Internet-Anbieter und Co. in Zukunft? Wie reagiert man darauf?
Schweitzer: Der Elektrogroßhandel hat einer Internetplattform gegenüber immer den Service-Vorteil.
Leidl: Beim Großhandel hat der Elektriker immer die Gewissheit, die Ware am nächsten Tag, in der passenden Menge und im gewünschten Umfang ins Haus geliefert zu bekommen. Ein gut sortierter Großhandel wird dem Elektriker immer einen besseren Dienst erweisen, als das ein Internethändler könnte. Ich sehe da keine Gefahr für den Großhandel.

Wie wichtig ist für den Elektriker ein technischer Innendienst?
Leidl: Er wird immer wichtiger. Die Produkte entwickeln sich immer schneller, so dass der Elektriker häufiger Hilfestellungen braucht. Es ist auch für uns eine große Herausforderung auf dem Informationsniveau, das wir derzeit bieten können, zu bleiben.

Der EDV-Großhandel hat bereits damit begonnen, seine Kunden bei Projekten zu unterstützen. Wird das auch der Elektrogroßhandel in Zukunft machen müssen?
Leidl: Dies geschieht ja auch bereits in so manchen starken Partnerschaften mit unseren Kunden. Eine wesentliche Ausweitung dieser Dienstleistung bedarf sicher noch einiger Adaptierungen und Strukturanpassungen. Bei all diesen Weiterentwicklungen des Geschäftsumfangs, darf aber auf die Basis unseres Geschäftes, nämlich der prompten und termingerechten Lieferung der Produkte, nicht vergessen werden.
Schweitzer: Dieser Meinung kann ich mich nur anschließen.

Der Markt entwickelt sich immer mehr weg vom Komponentengeschäft hin zu Systemlösungen. Wie funktioniert ein Systemlösungsgeschäft über den Großhandel?
Leidl: Über diese Komplettlösungen reden wir innerhalb der Branche sicher schon seit Jahrzehnten. Ich denke, dass wir uns prinzipiell auf diesem Weg befinden, da die Elektriker erkennen, dass es immer notwendiger wird, Komplettsysteme anzubieten. Der Großhandel kann dabei unterstützen. Er ist aber nicht der Motor.

Schiebt man damit nicht zu leicht die Verantwortung auf die Elektriker ab?
Leidl: Dieser Meinung bin ich nicht. Die Industrie der Großhandel und der Elektriker sind als ein Team anzusehen. In der Industrie beginnt die eine oder andere bereits damit, den Endkunden mittels Werbung zu informieren. Ausreichend ist das aber noch nicht. Dass da auch der Großhandel einen Teil übernehmen muss, steht außer Zweifel. Aber in der momentanen Situation ist eher die Industrie gefordert und nicht das Bindeglied Großhandel. Bei uns geht es um die Bereitstellung und Verfügbarkeit der Ware. Wir sind nicht diejenigen, die den Markt für den Endverbraucher gestalten können. Wir können aber als Vermittler auftreten.

Sind aber nicht genau dort die Umsätze zu holen? Konsumenten die bauen oder renovieren, Gusto auf mehr zu machen? Wer hat die Aufgabe mit der Fertigteilhausindustrie zu reden, um ihr die Probleme bewusst zu machen, dass bei Fertigteilhäusern nachträglich nur schwer etwas an der Elektroinstallation geändert werden kann? Da geht es immerhin um Millionen, die sich alle drei Teile des angesprochenen Teams entgehen lassen.
Leidl: Beim Thema Fertigteilhäuser müsste man viel mehr tun als es bislang der Fall ist. Die Kommunikation wird ja bereits teilweise geführt – und hier ist auch der Großhandel aktiv eingebunden.
Der andere Bereich ist natürlich die Renovierung, wo oft auf den technischen Innenbereich – meistens seitens des Endkunden – vergessen wird.
Hier gilt es Konzepte zu entwickeln, wie die Kommunikation zum Endverbraucher besser hergestellt werden kann. So lange wir aber, und damit meine ich die gesamte Handelskette, diejenigen sind, die um die tiefsten Preise arbeiten müssen, wird dieser zusätzliche Aufwand nicht einfach umzusetzen sein.
Natürlich wird sich der Großhandel auch generell überlegen müssen, in welcher Weise er sich – in diesen auf uns zukommenden Marktveränderungen – neu positioniert und stärker einbringt.
Fix ist aber, dass Stara nur Änderungen und Anpassungen vornehmen wird, die auch zur Kultur und den Werten des Hauses passen.

Herr Leidl, Herr Schweitzer, wir danken für das Gespräch!

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