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Das Interview mit dem Geschäftsführer von AE Schréder:

Neuer Glanz für Wien

Die Stadt Wien packt es an: Zwischen 2017 und 2020 sollen alte Seilhängeleuchten gegen effiziente LED-Leuchten ausgetauscht werden. Energieeffizienz und Umweltschutz sind die maßgeblichen Treiber hinter dieser Entscheidung. Warum AE Schréder den Zuschlag für dieses Großprojekt gewann und welche Umstände zu diesem Entschluss führten, lesen Sie hier.

Das Interview führte Thomas Graf-Zoufal

Text: Mag. Sandra Eisner 

Ing. Michael Zartl, Geschäftsführer AE Schréder GmbH: „Die Stadt Wien hat sich bereits seit circa drei Jahren diesem Projekt angenähert, die Ausschreibung war ungewöhnlich detailliert, allerdings zu Recht.“

Da gibt es einiges zu tun in Wien: Rund 60.000 der sogenannten Seilhängeleuchten über den Fahrbahnen, oftmals auch Langfeldleuchten genannt, haben ausgedient. Moderne LED-Leuchten nehmen bis 2020 ihren Platz ein und sollen zukünftig für wartungsfreundliche und zeitgemäße Beleuchtung sorgen. AE Schréder hat sich bei der Ausschreibung als Bestbieter profiliert, was wir zum Anlass nahmen, beim Geschäftsführer des Lichtexperten, Michael Zartl, nach den Hintergründen und Herausforderungen dieses Großprojekts zu fragen.

Wien erstrahlt in neuem Glanz. Ab wann?

Michael Zartl: Der Masterplan der Stadt Wien legt genau fest, welche Leuchten zu welchem Zeitpunkt wo montiert werden. In Summe handelt es sich hierbei laut der Ausschreibung um 60.000 Stück für die nächsten 3,5 Jahre. Mittlerweile wurden bereits etwa 7.500 Leuchten montiert, die Lieferung nahm ihren Anfang im Oktober des vergangenen Jahres.

Wann fiel die Entscheidung und wann begann die Arbeit?

Zartl: Der Zuschlag wurde im Februar 2017 erteilt. Es handelte sich um ein mehrstufiges Verhandlungsverfahren, das neben technischen Kriterien auch die Finanzierung für das Projekt berücksichtigte. Nachdem wir als Bestbieter hervorgegangen sind, begannen die Detailgespräche mit der Stadt Wien, mit der technischen Abteilung, zwecks Umsetzung. Zunächst wurden Erstmuster geliefert und danach Erstserien – es war ein spannendes Unterfangen, einen derartigen Prozess von Beginn an mitzugestalten.

Wer waren die konkurrierenden Mitbieter und warum haben Sie schlussendlich gewonnen?

Zartl: Neben renommierten Unternehmen wie Philips Lighting, Siteco und Zumtobel gab es auch eher unbekannte Firmen aus dem EU-Raum. In dem mehrstufigen Verfahren wurden Schritt für Schritt die letzten drei Bestbieter ausgewählt, bis schließlich die finale Preisabgabe folgte. Wir waren schlussendlich der Bestbieter in Bezug auf die Menge an technischen Anforderungen, an die Finanzierung, aber natürlich auch unser technisches Know-how hat offensichtlich zum Gewinn beigetragen. Um so ein Projekt zu verstehen, muss man auch den Kunden verstehen.

Was wurde technisch gefordert seitens der Stadt Wien?

Zartl: Im Prinzip der Tausch der alten Leuchtstofflampen in Wien, die ja zum Großteil vorhanden sind. Grundlegend hierbei ist natürlich die Energieeinsparung, aber auch die Wartung nimmt einen großen Teil ein, denn LEDs haben gänzlich andere und wesentlich längere Wartungsintervalle als die herkömmlichen Leuchtstofflampen, die nach vier Jahren zu tauschen waren. Die Stadt Wien hat sich bereits seit circa drei Jahren diesem Projekt angenähert, die Ausschreibung war ungewöhnlich detailliert, allerdings zu Recht. Es gibt ganz klare Vorgaben bzgl. technischer Details aber auch, was das Design betrifft. Die lichttechnische Herausforderung war gewaltig, Lichtraumprofile mussten berechnet und bewertet werden, ebenso wurden die Musterleuchten im Lichtlabor der MA 39 und im Hochspannungslabor des AIT überprüft. Es gab also eine Vielzahl an Forderungen, die es zu erfüllen galt. Die Ausschreibung sah ein Punktesystem für alle diese Kriterien (Preis, Technik, Lichtverteilung, Ersatzteile, Garantie usw.) vor und das Gesamtpaket haben wir scheinbar gut geschnürt.

„Wir waren schlussendlich der Bestbieter in Bezug auf die Menge an technischen Anforderungen, an die Finanzierung, aber natürlich auch unser technisches Know-how hat offensichtlich zum Gewinn beigetragen. Um so ein Projekt zu verstehen, muss man auch den Kunden verstehen“, so Ing. Michael Zartl, Geschäftsführer AE Schréder GmbH.

Wie stellt sich das Thema Finanzierung dar?

Zartl: Die Ausschreibung selbst stammt ja von der Wien Energie und wurde dann an die MA 33 (Magistrat öffentliche Beleuchtung) übertragen. In der Ausschreibung wurde optional eine Finanzierung durch den Auftragnehmer angefragt, in den Verhandlungsgesprächen wurde sie dann gefordert und war schließlich ein wichtiger Bestandteil des Auftrags. Die Finanzierung selbst läuft in Summe über 14 Jahre.

Nach Wien – welche sind die nächsten Städte?

Zartl: Für Österreich ist das Konzept etwas später gekommen als der LED-Boom, die meisten Städte haben bereits umgestellt, aber meiner Information nach sind Städte wie München oder Stuttgart sehr interessiert an diesem Konzept und haben diesbezüglich bereits Kontakt mit der Stadt Wien aufgenommen. Dies könnte der nächste Schritt sein, vor allem im deutschsprachigen Raum. Auch Budapest und Bratislava sind hier interessant, aber derzeit sind diese Kontakte mit der Stadt Wien (noch) nicht vorhanden.

Gibt es virtuelle Infos darüber, was bereits im Zuge des Projekts umgesetzt wurde?

Zartl: Ja, es gibt eine Website der MA 33, die die bereits getauschten Licht- punkte auf einem Stadtplan kennzeichnet. Es ist hier tagesaktuell einsehbar, was montiert wurde.

Haben die Leuchten digitale Zusatzfunktionen?

Zartl: Diese sind im Betriebsgerät, also im Treiber, enthalten. Die Stadt Wien hat ja bereits seit vielen Jahren eine eigene Steuerleitung, mit der sie Leuchten ansprechen kann und genau dies wird genutzt. Ab einem gewissen Zeitpunkt wird die Leistung digital reduziert und die LED schaltet in Stufen auf das gewünschte Niveau zurück.

Also gibt es noch keine Erkennung für Fußgänger oder Fahrzeuge, die das Licht automatisch regelt?

Zartl: Nein, das wäre die nächste Stufe. Man muss hier unterscheiden zwischen Fußgänger, die mit Sensoren zu erfassen sind, und Fahrzeugen, die eine Radarerkennung benötigen.

Wann kann man mit solchen Konzepten in der Praxis rechnen?

Zartl: Das System ist bereits vorhanden. In der Stadt Graz gibt es beispielsweise einen Stadtteil mit circa 120 Leuchten. Hier ist sehr gut erkennbar, wie die Kopplung von Radar und Sensoren funktioniert.

Herr Zartl, vielen Dank für das Gespräch!

www.wien.gv.at

www.aeschreder.at

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