Modellhaus

 

Das Sunlighthouse im niederösterreichischen Pressbaum ist Teil der europaweiten Initiative ModelHome2020 – ins Leben gerufen von Velux, Spezialist für Dachflächenfenster und Tageslichtplanung. Anhand von sechs Demonstrationsprojekten – davon zwei in Dänemark und je eines in England, Frankreich, Deutschland und Österreich – soll im Rahmen von ModelHome2020 gezeigt werden, wie sich energieeffizientes Bauen mit geringsten CO2-Emissionen und gesundem, behaglichem Wohnklima verbinden lässt. Nachdem das österreichische Haus seit seiner Fertigstellung im Oktober 2010 für Planer, Bauexperten und interessierte Laien zur Besichtigung offen stand, startete im Frühjahr die nächste Phase: die wissenschaftliche Beobachtung unter realen Nutzungsbedingungen. Dafür übersiedelten mit Anfang März Yasmin und Ludwig Dorfstetter sowie ihre beiden Söhne Johann (2) und Alfred (4) ins Sunlighthouse, um es auf Herz und Nieren zu testen. Die Ergebnisse des Beobachtungszeitraums März und April des auf insgesamt zwölf Monate ausgelegten Forschungsprojektes, liegen nun vor.

 

Technik unter der Lupe

Von der ersten Idee, über die Entwurfsbetreuung und die Planungsunterstützung, bis hin zur Auswertung des Wohnprojekts wird das gesamte Vorhaben vom Departement für Bauen und Umwelt an der Donau-Universität Krems, sowie dem Österreichischen Institut für Baubiologie und -ökologie (IBO) wissenschaftlich begleitet. Im Rahmen eines umfassenden Monitorings, wird der Gesamtenergieverbrauch gemessen und der Energieproduktion des Sunlighthouse gegenübergestellt. Darüber hinaus, wird gleichzeitig der Einfluss des Nutzerverhaltens im realen, tagtäglichen Gebrauch evaluiert. Im Fokus der Wissenschafter stehen dabei neben der architektonischen Funktionalität, der Tageslichtqualität und dem Bezug zum Außenraum, auch das Innenraumklima in Verbindung mit dem thermischen Komfort, die Gesamtenergieeffizienz, sowie die Gebäudeautomation. Besonderes Augenmerk liegt dabei unter anderem auch auf der funktionalen Bedienbarkeit der recht umfassenden Haustechnik. Genau diese stellte die neuen Bewohner in den ersten Tagen vor neue Herausforderungen. „Anfangs war der Umgang mit der Haustechnik ein wenig ungewohnt. Man kommt aber schnell dahinter, wie das Haus samt aller Technik funktioniert. Am ehesten lässt es sich mit den ersten Tagen vergleichen, an denen man ein neues Handy in Gebrauch hat“, gibt Ludwig Dorfstetter einen Einblick in den Alltag. 

 

Positiver Trend      

Der kürzlich abgeschlossene, erste Zwischenbericht stellt dem Sunlighthouse ein gutes Zeugnis aus: Die einzelnen quantitativen Messergebnisse sind sehr erfolgversprechend und decken sich im Großen und Ganzen mit den Werten aus der Gebäudesimulation und den vorab angestellten Berechnungen.

Marginale Abweichungen gab es bei den Tageslichtmessungen, beispielsweise in der Küche. Da gegenüber den Modellannahmen für die Simulation im realen Objekt ein zusätzliches Fenster ausgeführt wurde, kommt es hier auch zu anderen Messwerten als ursprünglich angenommen. Alle übrigen Abweichungen bewegen sich in einem Rahmen von plus/minus 10% und entsprechen damit der üblichen Schwankungsbreite.

Bemerkenswert ist, dass bislang der gesamte Warmwasserwärmebedarf von der Solaranlage gedeckt werden konnte und sogar Wärmeüberschüsse produziert wurden. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch in Bezug auf den Stromverbrauch. Bedingt durch den Einsatz von hocheffizienten Geräten und den Verzicht auf Energiefresser wie Wäschetrockner oder Dunstabzug, wurde der Stromverbrauch schon in der Planung sehr niedrig angesetzt. Dank dem sorgsamen Umgang der Familie konnten die Prognosen tatsächlich eingehalten werden. Mehrverbräuche lassen sich zum überwiegenden Teil auf die technischen Geräte des Monitorings zurückführen, wie Flachbildschirm und Touch-Screen. Dabei handelt es sich sozusagen um »Strom für die Wissenschaft« und damit um einen Verbrauch, der im Normalbetrieb des Hauses eigentlich nicht anfällt. Die gemessenen Werte demonstrieren auch den deutlichen Einfluss der Witterungsbedingungen auf die Gebäudetechnik. So führten die jahreszeitlich bedingten, moderaten Temperaturen zu einem geringen Verbrauch. Daraus resultiert, dass in beiden Versuchsmonaten mehr Strom gewonnen werden konnte, als im gesamten Haushalt verbraucht wurde. „Eine wirklich aussagekräftige Bilanz über den Gesamtstromverbrauch und die Stromerzeugung kann aber erst nach Ablauf des einjährigen Monitorings erstellt werden“, mahnen die Experten davor, wenig seriöse Schlüsse zu ziehen. Bereits jetzt in der Startphase des Projekts lässt sich aber eines feststellen, nämlich dass das innovative Gebäudekonzept nicht nur ein vorbildlicher Energiesparer, sondern auch ein wahrer Energiespender ist – und das nicht nur in einer Beziehung. Neben den harten Fakten berichten die Bewohner beispielsweise von einer Veränderung des Schlafbedarfs: „Ob es nun den natürlichen Holzoberflächen, der besseren Luft dank der kontrollierten Wohnraumlüftung, oder dem Tageslichtkonzept zuzuschreiben ist – sowohl die Kinder als auch wir kommen mit weniger Schlaf aus.“ Allerdings wird nicht von jedem Bewohner des Hauses dieser unerwartete Energiegewinn immer positiv empfunden – vor allem dann nicht, wenn die Kinder auch am Wochenende schon früh morgens frisch erholt und ausgeschlafen durchs Haus toben.

www.sunlighthouse.at

 

ähnliche Beiträge