Messestand 4.0

Unter dem Namen »connected 4 productivity « präsentiert sich die exklusive Kooperation der Firmen Weidmüller, Thonauer, Rittal, Eplan und Sonepar erstmalig auf der Smart Automation in Linz. In einem eigenen Ausstellungsbereich werden den Messebesuchern Möglichkeiten präsentiert, wie sowohl Planung, als auch gesamte Prozesse bei der Steuerungs- und Schaltanlagenfertigung optimiert werden können.

Es wird gemunkelt, dass Weidmüller auf der Smart Automation aus dem üblichen »Ich buche mir einen Messestand, dort stehe ich und warte was kommt«-Denken ausbricht und mit einem komplett neuen Konzept aufwarten wird?
Josef Kranawetter: (lächelt) Wir, also Weidmüller Österreich, haben es uns zur Aufgabe gemacht, auf der Smart Automation das Thema Fertigung und Produktion von Schaltanlagen und das Thema Schaltanlagen 4.0 und Industrie 4.0 darzustellen und aufzugreifen. Das bedeutet, den kompletten Prozess angefangen von Planung und Engineering über Beschaffung und Produktion, bis hin zur Inbetriebnahme, Wartung und Betriebsführung durchgängig darzustellen. Das Ganze wird visualisiert stattfinden, um dem Publikum den gesamten Ablauf nachweislich präsentieren zu können. Wir nehmen an der Messe unter dem Thema EPlan teil, wo die Weidmüller-Daten im Dataportal zur Verfügung stehen. Über einen Konfigurator können die Daten, beispielsweise von Weidmüller oder Festo, aufgebaut werden.

Festo ist also auch am Messestand dabei?
Kranawetter: Festo ist mit dem Thema bei Weidmüller. Wir sehen das Thema Schaltanlagenbau gesamtheitlich und zwar als Pneumatik und Elektrik – genauer Automatisierungstechnik – das kann man nicht trennen. Vom Workflow her ist es ident: Gestartet wird mit dem Konfigurator im Engineering-System, weiter geht es mit der Vorkonfektion der Baugruppen und der Verkabelung bis hin zu Montage und Aufbau. Hier muss natürlich auf Punkte wie Ergonomie und Ermüdung geachtet und auf den Typus des Beschäftigten wie etwa Frauen, jüngeren Leute und nicht spezifisch Ausgebildete Rücksicht genommen werden. Schlussendlich gelangt man dann zur Inbetriebnahme, wo man wieder Daten braucht usw.

Das heißt, am Weidmüller-Messestand wird aus der Vision Industrie 4.0 echte Realität, die funktioniert?
Kranawetter: Genau. Industrie 4.0 ist Wertschöpfung aus Daten, Produktivität aus Daten. Industrie 4.0 im Schaltanlagenbau bzw. im Automatisierungsbereich heißt, Daten aus Arbeitsflüssen und Workflows zu gewinnen. Danach muss man diese Daten analysieren, verstehen, integrieren und kann letztendlich anhand dieser Erkenntnisse Kosten senken und vor allem die Produktivität steigern.

Wer steht hinter der Kooperation »connected 4 productivity«?
Kranawetter: Hinter der Kooperation stehen die Weidmüller GmbH, als Initiator, EPlan Software & Service GmbH, Thonauer GmbH, Sonepar Österreich GmbH und die Rittal GmbH.

Was macht Sonepar in dem Spiel?
Kranawetter: Sonepar ist einer der Anbieter im Bereich »Supply Chain«, mit dem wir zusammenarbeiten. Festo ist mit einer Applikation am Weidmüller-Stand dabei. Thematisch wird es auf dem Messestand um Licht in Bezug auf Produktivität gehen. Dafür konnten wir Philips gewinnen und somit ist es uns möglich, dem Messebesucher ein gesamtheitliches Konzept zu präsentieren.

Das heißt, das Konzept ist es, nicht nur Produkte herzuzeigen, sondern einen Prozess?
Kranawetter: Es geht gar nicht um Produkte, sondern es wird an jeder Schnittstelle von Daten dem Publikum gezeigt, wie diese Schnittstelle funktioniert und wo die Punkte liegen, die man verstehen muss und die man kennen muss.

Ist das ein Konzept, das die Messe der Zukunft zeigen muss? Ein Konzept, das Leute interessiert oder fasziniert?
Kranawetter: Grundsätzlich sehe ich es als Aufgabe eines Herstellers, durchzudenken, wie seine Produkte und seine Leistungen funktionieren sollen und wie die Wertschöpfung daraus resultiert. Es ist nicht die Aufgabe des Messebesuchers, sich vorzustellen, was er mit einem Produkt machen kann und er muss es auch nicht erfinden. Der Besucher bekommt von uns ein Lösungsangebot. Zu den Aufgaben einer Messe, auf der Applikationen ausgestellt werden, sollte es zählen, Ideen zu kommunizieren und aus Gesprächen neue Ideen entstehen zu lassen. Der Besucher kommt schließlich, um etwas zu entdecken. Wenn wir eine Schaufensterpräsentation machen möchten, könnten wir auch auf der Kärntner Straße Messestände aufstellen, aber das entspricht nicht dem Sinn einer Messe. Es war früher schon so, dass man eine Messe besucht hat, um Neuigkeiten zu erfahren und neue Ideen zu finden, mit denen man dann nach Hause gegangen ist – genau das ist der Hintergrund, der uns antreibt. Zum Zweiten müssen wir unseren Kunden Ideen präsentieren, wie sie ihre Betriebe in Zukunft führen können. Denn die Themen Kosten und Arbeitspreise spielen eine große Rolle, immerhin werden wir in Österreich nur an Wettbewerb gewinnen, wenn die Produktivität stimmt und nicht über die Lohnkosten.

Herr Kranawetter, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview wurde geführt von Thomas Graf-Zoufal.
Text: Petra Hadac

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