Licht kann Leben retten

 

Vor wenigen Jahren steckte die lichtspendende Halbleitertechnologie noch in den Kinderschuhen – die Farbtemperatur ließ zu wünschen übrig, Regelungen oder gar Normen waren noch nicht gefunden. Nun ein paar Jahre später ist die Technik ausgereift und findet immer größere Anwendungsbereiche im Gewerbe, der Industrie oder der öffentlichen Beleuchtung. Ein zunehmend dichter geflochtenes Regelwerk bietet zudem Sicherheit beim Einbau und Betrieb der LED-Leuchten und Leuchtmittel. Das Thema LED bleibt aber immer noch ein weites und schwer überschaubares Feld. Die jährliche Fachtagung der LTG leistet hier einen großen Beitrag, indem sie über Neuigkeiten und allfällige Schwierigkeiten berichtet. Im historischen Ambiente des Barockschlosses Esterházy, in der burgenländischen Landeshauptstadt Eisenstadt, fanden sich auch dieses Jahr wieder eine große Anzahl Teilnehmer ein, um die insgesamt 27 Vorträge zu verfolgen.

 

Nach den Begrüßungsworten von Franz Josef Müller, dem Vorstandsvorsitzenden der LTG und dem Bürgermeister von Eisenstadt, Mag. Thomas Steiner, stand die Tagung ganz im Zeichen der neuesten Normen und technischen Spezifikationen, um einen ordnungsgemäßen Betrieb von LED-Leuchten sicherzustellen. Die neue ÖVE/ÖNORM EN 60598 Teil 1 und 2 regelt die allgemeinen Anforderungen an bestimmte Leuchtenarten, oder einer Gruppe von Leuchten zum Betrieb an Versorgungsspannungen bis 1.000 V. Normen sollen dafür sorgen, dass „Leuchten so gebaut werden, dass sie im bestimmungsgemäßen Gebrauch sicher funktionieren und keine Gefahr darstellen”, erinnert DI Bernhard Spalt die Zuhörer. In puncto Lebensdauer von LEDs, gibt es laut DI Jörg Minnerup zwar einige Publikationen zur Lebensdauerbestimmung, die allerdings zur Bestimmung eines sinnvollen LED-Wartungsfaktors als nicht ausreichend zu bezeichnen sind. Welche Bezugsgrößen bei der Angabe zu Lebensdauer und Lichtströmen von LED-Leuchten herangezogen wurden, werden am Markt sehr häufig nicht kommuniziert. Dass der Einsatz des richtigen Betriebsgerätes letztendlich über Effizienz und Lebensdauer von LEDs entscheidet, führte Ing. Christian Richter aus.

 

Gefahrenreduzierung durch LED-Straßenbeleuchtung

Die gemeinsam von Experten aus unterschiedlichen Sparten beschlossene ÖNORM O-1052 soll Lichtimmissionen regeln und beinhaltet auch Grenzwerte, die eine Straßenbeleuchtung einhalten muss, um Blendungen im Straßenverkehr zu vermeiden, berichtet DI Dr. Nikolaus Thiemann. Obwohl der nächtliche Straßenverkehr nur ein Fünftel des Gesamtverkehrs ausmacht, ereignen sich in dieser Zeit rund ein Viertel aller Unfälle, wovon fast die Hälfte tödliche Folgen für die Beteiligten nach sich ziehen. Dementsprechend wichtig ist die Planung einer optimalen Straßenbeleuchtung, weshalb sich ein großer Teil der Tagung diesem Thema widmete. Große Helligkeitsunterschiede, die in kurzer Zeit verarbeitet werden müssen, führen zu einer Beeinträchtigung der Sehleistung, weshalb Dunkelzonen und Schatten, oder umgekehrt beispielsweise blendende Reklametafeln unbedingt zu vermeiden sind. „Die Beleuchtung soll die Topologie der Straße betonen”, erklärt DI (FH) Robert Schönauer. Auch Gehsteige und vor allem Straßenüberquerungen sollten durch eine entsprechende Ausprägung des Lichts besonders hervorgehoben werden. LED-Leuchten bieten hier neue Möglichkeiten durch Lichtlenkung bestimmte Bereiche hervorzuheben und Blendungen oder Lichtsmog zu reduzieren. Der Einsatz von weißem Licht in LED-Straßenleuchten und die punktgenaue Ausleuchtung der Wege, ermöglichen einen stärkeren Farbkontrast, wodurch Autofahrer, laut DI Claus Ruprechter und Thomas Haberstroh, Fußgänger früher erkennen können. Eine intelligente Straßenbeleuchtung, die wetter- und verkehrsabhängig reagiert, scheint in Zukunft machbar zu sein. Die Herausforderung dabei ist: „Das richtige Licht, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort einzusetzen”, führen DI Claus Ruprechter und Joost van den Berg weiter aus.

Geringe Energie- und Wartungskosten sind weitere Vorteile, aufgrund derer viele Kommunen heute bereit sind, auf die Halbleitertechnologie umzuschwenken. „Ist die LED aber wirklich in der kommunalen Beleuchtung angekommen”, fragt Ing. Bruno Wintersteller, denn eine wahre Flut an Angeboten, scheinbar idealer Beleuchtungslösungen, überschwemmt derzeit die Entscheidungsträger der zuständigen Kommunen. Die Wahl fällt dabei schwer, denn neben sehr vielen gelungenen Lösungen, gibt es auch Projekte die mit massiven Problemen zu kämpfen haben, derer sich vorher einfach niemand bewusst war. Mit der LED kommen neue Möglichkeiten und neue Partner, aber auch neue Probleme auf Anlagenbetreiber zu.

Kommunikationsplattform

Gemäß des Vorsatzes der LTG, beraten und nichts verkaufen zu wollen, fiel dem geneigten Zuhörer auch dieses Jahr wieder positiv auf, dass keine Produktwerbung, oder Firmeninformationen in den Vorträgen angesprochen wurden. Neben der Wissensvermittlung soll die Tagung auch als Kommunikationsplattform dienen. In den Kaffeepausen auf der Schlossterrasse, mit Blick auf den Schlosspark und beim Mittagessen im Haydnbräu, war ausreichend Zeit, Kontakte zu knüpfen, über das eben Gehörte oder einfach nur über das schöne Wetter zu plaudern. Bei der abendlichen Führung durch das Weinmuseum mit anschließender Weinverkostung in der Schlosskellerei und beim Galaabend, im gegenüber liegenden Restaurant Henrici, war darüber hinaus genügend Zeit, das Berufliche mit dem Angenehmen zu verbinden.

www.ltg.at

 

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