Licht, das begeistert

LTG-Vorstandsvorsitzender Peter Seibert eröffnete den Lichttechnischen Kongress 2017 vor rund 160 Teilnehmern auf gewohnt sympathische Art. Lichttechnik ist enorm vielfältig – so weit nichts Neues. Zu so vielen Lichtthemen wie möglich etwas unterzubringen und das an nur eineinhalb Tagen, gleicht daher einer Herkulesaufgabe. Einer Aufgabe, der sich die LTG jedes Jahr auf ihrem Lichttechnischen Kongress aufs Neue stellt. Dieses Jahr wählte man als Veranstaltungsort das Congress Center in Saalfelden (Salzburg).

Rund 160 Teilnehmer und 21 Vorträge – das ist die Bilanz des jüngsten LTG-Kongresses in Saalfelden, der sich einmal mehr das Ziel setzte, zu den verschiedensten Themen der Lichttechnik im Innen- und Außenbereich, aber auch zu Themen der Anwendungstechnik gehaltvolle Vorträge zu bieten. Neben Technik, Normen und Vorschriften hob sich jedoch ein roter Faden hervor, der durch den gesamten Kongress hindurch durchblitzte, denn Licht will in erster Linie erlebt werden.

Die Terrasse des Congress Centers bot in den Pausen jede Menge Platz für den Austausch untereinander sowie einen beeindruckenden Ausblick. Wohlfühlfaktor Licht
„Man kann vieles mathematisch berechnen, aber was wirklich zählt, ist die Wahrnehmung und wie wohl man sich durch das dargebotene Licht fühlt“, mit diesen Worten leitete Iris Podgorschek (podpod Design) gemeinsam mit ihrem Bruder Michael den Vortragsreigen ein, der einen breiten Bogen rund um das Thema Licht spannte. Dass sich durch die LED-Technologie ganz neue Möglichkeiten ergeben, sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Hielten bislang LED-Leuchten und Retrofit-Lösungen Einzug in der Welt der künstlichen Beleuchtung – geht es nach Ewald Eichelberger (Exterior Licht Ideenmafufaktur), müssen diese übrigens dank einer neuen Software nicht universalkompatibel konstruiert sein, um den KVG/EVG-Betrieb zu gewährleisten – wird die LED laut Klaus Peter Richter (GMC) in absehbarer Zukunft wohl selbst in allerlei Oberflächen verbaut werden. Schon heute ist es, beispielsweise durch flexible LED-Streifen, möglich, Akzente zu setzen. „Und zwar auch an Orten, an denen es bislang nicht möglich war“, so Florian Hockel (Bilton). Die Lebensdauer und die damit korrespondierende Wirtschaftlichkeit eines LED-Systems, kann mittels Software berechnet werden, wie sie Sebastian Hämmerle (Ledon) vorstellte – bei kolportierten Betriebsstunden, die in die Zehntausende gehen, fällt die praktische Überprüfung schließlich für die nächste Zeit aus.
Der Vorstand der LTG: Christian Richter (ganz vorne ), zweite Reihe v.l.: Norbert Kolowrat, Wolfgang Konrad, Franz Luisi, Sonja Mörth. Dritte Reihe v.l.: Bruno Wintersteller, Peter Seibert, Fritz Kampl. Vierte Reihe v.l.: Robert Mark, Rudolf Hornischer, Gudrun Schach, Hannes Stolz, Rudolf Gruber. Fünfte Reihe v.l.: Horst Pribitzer, Werner Eckhardt, Alfred MantschLicht kann aber noch viel mehr. Es fördert das Wohlbefinden und eine richtige Dosierung kann sogar Krankheiten vorbeugen – etwa bei Schichtarbeit, wo Menschen unnatürlich lange hohen Blaulichtanteilen ausgesetzt sind. „Die Lichttechnik steht im Gesundheitsbereich aber leider ganz hinten auf der Agenda“, wie Sebastian Mörth (Etech Mörth) analysierte. Aber auch bei einer mehrstündigen Opernaufführung sind die Darsteller intensiver Beleuchtung ausgesetzt, die Schäden an Haut und Augen hervorrufen können, wie es Tadeusz Krzeszowiak beschrieb – ein Umstand, an den man als Besucher solcher Veranstaltungen vielleicht noch gar nicht gedacht hat.
Das richtige Licht am Arbeitsplatz hat aber nicht nur gesundheitliche Aspekte, „warum muss Licht am Arbeitsplatz langweilig sein“, fragte Thomas Schneider (Wila), „auch hier darf man sich ruhig mehr Brillanz wünschen!“ Gerade wenn es um Arbeitsplatzbeleuchtung geht, steht aber natürlich auch Energieeffizienz im Mittelpunkt des Interesses. „Digitale Finsternis“ nannte es beispielsweise Alexander Sautner (LKD). „Gebäude so effizient zu nutzen, wie möglich“, nannte es Benjamin Vecera (Philips)– und das ist eben nur durch digitales und vernetztes Licht realisierbar.

Der besondere Dank Peter Seiberts galt auch heuer Sonja Mörth, die einmal mehr bei der Organisation des Kongresses ganze Arbeit geleistet hatte. Zweckmäßiges Licht
Immer ein Renner auf Kongressen der LTG ist die Straßenbeleuchtung – schließlich kommt damit jeder mehr oder weniger direkt in Berührung. Neben den Herausforderungen, die durch neue Technologien auf kommunale Entscheidungsträger zukommen und für die Sebastian Scholz (Green Tech Solutions) Ansatzpunkte für erfolgreiches und langfristiges Risikomanagement bieten konnte, widmete sich Christian Krumböck (EVN) der Wartung und Betriebsführung von LED-Beleuchtungsanlagen. Dass intelligente LED-Treiber mit NFC (Near Field Communication) die Wartung erheblich vereinfachen können und daher Leuchten mit Bluetooth vorzuziehen seien, veranschaulichte außerdem Michael Hast (Osram). Zur Berechnung der Effizienz werden mittlerweile auch frei verfügbare Programme angeboten, von denen Miroslav Batarilo (Philips) zwei vorstellte. Last but not least sollte natürlich der Sicherheitsaspekt von Straßenbeleuchtung nicht außer Acht gelassen werden. Wie man es richtig macht und vor allem wie man es nicht machen sollte, veranschaulichte Bruno Wintersteller (MA Salzburg/Öffentliche Beleuchtung) mit einer ausgesuchten Auswahl mehr oder weniger ausreichend beleuchteter Schutzwege.
Zum traditionellen gemeinsamen Abendessen fanden sich die Kongress-Teilnehmer auf der Jufenalm auf 1.150 Metern Seehöhe mit Blick auf den Hochkönig ein.  Rund um das Thema Sportplatzbeleuchtung gibt es ebenfalls einiges zu beachten, wie Horst Pribitzer (MA-39) zu berichten wusste. Denn neben den mittlerweile umfangreichen Auflagen, die eine Sportbeleuchtung erfüllen muss, gilt es ebenso, ein Auge darauf zu haben, wie weit sich das Lichtgeschehen bei den umliegenden Anrainern auswirkt – Blendeffekte und buchstäblich taghelle Vorgärten sind dabei keine Seltenheit.

Anschauliches Licht
Neben jeder Menge Theorie braucht es aber natürlich auch anschauliche Projekte – Licht will ja schließlich wahrgenommen werden. Gerhard Dully (MA-33) stellte dazu Objektbeleuchtungsprojekte der Stadt Wien vor, die mitunter sehr künstlerisch ausfielen. Sein Fazit: „Jede Beleuchtungsvariante hat ihre Berechtigung. Die neuen Möglichkeiten steigern die Bandbreite. Aber mehr Möglichkeiten ergeben auch höhere und dadurch teurere Vorgaben durch die Künstler, bei vergleichsweise sinkendem Budget der öffentlichen Hand.“ Benno Zimmer (Ridi Leuchten) verdeutlichte mit seiner Projektvorstellung, wie man alltagstaugliche Systeme für Büro- und Spezialanwendungen mit einfacher Lichtsteuerung, einem essentiellen Faktor für den Erfolg eines solchen Projektes, umsetzt.

Ein wenig beachteter Umstand ist der Zusammenhang zwischen Licht und Akustik, den Dominik Alder (XAL) darbrachte. Welche schallabsorbierenden oder reflektierenden Eigenschaften hat eine Leuchte? Auch das wird zunehmend zum Kriterium bei Planung und Architektur.
Als letzte der Vortragenden schloss Gudrun Schach (ZG-Lighting) den Kreis der Themenvielfalt, indem sie, nach all den technischen Einzelheiten, wieder auf das Kernthema zurückführte und damit gleichzeitig dem Kongress die passenden Schlussworte lieferte: Denn was letztendlich für den Betrachter zählt, „ist das Zusammenspiel von Licht und Architektur. Wenn dieses passt, dann kann Licht begeistern, dann berührt es auch emotional.“

Der nächste Kongress findet übrigens in Kufstein am 12. und 13. Juni 2018 statt.

 

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