Rainer Brade
Rainer Brade zu dem Unterschied zwischen Lastumschalter und Netzumschalter. (Bild: Siemens)

Kennen Sie den Unterschied?

Lastumschalter versus Netzumschalter

Das Land Salzburg fördert derzeit die fachgerechte Einbindung von Notstromaggregaten. Das Ziel ist es, den landwirtschaftlichen Betrieb bei einem länger andauernden Stromausfall weiterführen zu können. Förderungswerber erhalten einen Zuschuss in Höhe von 700 Euro pro Betrieb. So weit so gut. Aber offenbar werden nicht immer die richtigen Produkte verbaut …

Wenn ich mir die gelebte Praxis der bereits gebauten und auch schon geförderten Anlagen anschaue und an die täglich an mich herangetragenen Fragen denke, überkommen mich berechtigte Zweifel, was die »fachgerechte Einbindung« angeht. Um was geht es mir bei dieser Aussage genau?

Nicht nur in Salzburg, sondern bei allen Netz-/Notstrom-Umschaltungen wird, wie der Name schon sagt, ein Umschalter benötigt. Nach Norm gibt es Lastumschalter und Netzumschalter. Die Lastumschalter sind in der Norm IEC 60947-3 beschrieben. Diese sind für eine Anwendung gedacht, die ein Netz wahlweise auf zwei unterschiedliche Verbraucher schaltet. Netzumschalter schalten hingegen zwei Netze (Normalnetz und Generator) auf einen Verbraucher (z. B. Haus, Betrieb oder Landwirtschaft) und werden in der Norm IEC 60947-6-1 beschrieben.

Wo ist der Unterschied, es ist doch nur ein Umschalter?

Bleiben wir beim Lastumschalter und betrachten die Spannungsverhältnisse an einem Kontakt ein wenig genauer. Wenn der Schalter auf einer Seite geschlossen ist, kann am »offenen« Schaltglied – nachdem es nur ein Netz gibt – die Spannung am Kontakt maximal positiv oder negativ gegen die »andere« Seite des Kontaktes werden. Diese Seite ist eine Last und hat üblicherweise eine Spannung um die 0 V.

Bei einem Netzumschalter in gleicher Schaltstellung, das heißt einer geschlossenen Seite, sieht es in der Praxis ganz anders aus. Da wir hier zwei Netze betrachten müssen, die nicht synchron sind, tritt am offenen Schaltglied zeitweise die doppelte Betriebsspannung auf. Auf der einen Seite des Schaltgliedes die Nennspannung z. B. maximal positiv, auf der anderen Seite maximal negativ. In der Norm IEC 60947-6-1 wird diesem Umstand Rechnung getragen. Egal ob es sich hier um einen manuellen (MTSE), ferngesteuerten (RTSE) oder automatischen Umschalter (ATSE) handelt.

Sie sehen selbst, dass aus der Sicht des Schalters diese beiden Anwendungen in keiner Weise vergleichbar sind. Die Gemeinsamkeit liegt lediglich im Umschalten.

Am Markt gibt es von einigen Herstellern Schalter, die mit Netz-0-Not bezeichnet sind und nach Angaben dieser auch der Norm IEC 60947-3 entsprechen. Ein Netzumschalter, wie er bei der oben erwähnten Förderung oder bei jeder anderen Netz-/Notstromumschaltung benötigt wird, kann fachgerecht jedoch nur mit einem Schalter nach IEC 60947-6-1 realisiert werden.

Achten Sie daher bei Ihrem nächsten Einkauf eines solchen Schalters darauf, welcher Norm der Schalter entspricht und prüfen Sie, ob dieser auch für Ihre Anwendung geeignet ist. Aus meiner Erfahrung kann ich nur sagen, dass ein günstiger Schalter nicht immer normgerecht oder fachgerecht ist.

www.siemens.at/lowvoltage

 

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Entgeltliche Einschaltung

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