Andreas Wirth ist BIM
Andreas Wirth, Bundesinnungsmeister der Elektro-, Gebäude-, Alarm- und Kommunikationstechnik (Foto: www.i-magazin.com)

Der BIM zu den Herausforderungen der Corona-Krise:

Klare Regeln für Tätigkeiten auf Baustellen

Liebe Elektrotechniker und –innen, Mitstreiter und -innen,

diese Krise zeigt in einem ganz besonderen Ausmaß, dass die österreichischen Gewerbe- und Handwerksbetriebe einen enormen Beitrag für dieses Land leisten und gleichzeitig eine große Verantwortung für diese Republik tragen. Sei es einerseits als Systemerhalter der kritischen Infrastruktur oder als einer der größten Arbeitgeber und Ausbilder von Facharbeitern in ganz Österreich.

von Andreas Wirth

Wir vertreten als Bundesinnung der Elektro-, Gebäude-, Alarm- und Kommunikationstechniker ganz klar die Interessen unserer Mitglieder und bringen im Rahmen der Sozialpartnerschaft unsere Vorschläge, sowie unsere Kompetenzen ein. Jedoch haben wir in der Zeit einer noch nie dagewesenen Krise keinen direkten Einfluss auf politische Entscheidungen der österreichischen Politik. Wir stehen unserer Regierung mit Rat und Tat zur Seite und stehen gleichzeitig konsequent für die Forderungen im Sinne unserer Mitglieder ein.

Ich muss zugeben, vor einigen Wochen hätte ich nicht geglaubt, dass wir uns jemals in einer solchen Situation befinden werden. Doch genau wie ihr alle, wurde ich eines Besseren belehrt. Mir ist bewusst, dass es mehr als je zuvor eine gemeinsame starke Stimme braucht, um für unsere Branche mit aller Kraft zu kämpfen! Ich kann Euch versichern, dass ich für Euch an vorderster Front stehe und mich rund um die Uhr einsetze, um praktikable Lösung für unsere Elektrobranche zu erreichen.

Wir alle im Fachbereich der Elektrotechnik, Elektrobetriebe von klein bis groß, der Elektrogroßhandel, die Elektroindustrie, aber auch jeder einzelne unserer Mitarbeiter, vom Lehrling über den Helfer bis hin zum Monteur und Techniker, sind praktisch denkende Menschen und verfügen über einen gesunden Hausverstand, den wir in dieser schweren Zeit mehr denn je brauchen.

Ich selbst habe einen Betrieb mit 50 Mitarbeitern, meine Frau führt ein Restaurant, welches Sie derzeit nicht öffnen darf und gleichzeitig haben wir noch drei Kinder, die zurzeit nicht in die Schule dürfen. Als Bundesinnungsmeister ist mir völlig bewusst, dass ich nicht nur die Verantwortung für meine Familie und mein Unternehmen trage, sondern auch für alle Elektrotechniker und –innen Österreichs. Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, unternehme ich alles in meiner Macht Stehende, um für unsere Branche – gerade in dieser schweren Zeit – mit voller Kraft einzustehen.

Ein genereller Shut-Down der gewerblichen Wirtschaft für Tätigkeiten auf Baustellen erscheint uns bei genauerer Betrachtung jedenfalls nicht sinnvoll. Die Unterschiedlichkeit der Baustellen mit ganz verschiedenen Anforderungen im Hinblick auf die Wahrung der Gesundheit für unsere Mitarbeiter sollten nicht pauschal mit einer einzigen Entscheidung geregelt werden. Eine Schließung aller Baustellen, ohne diese Arbeitsorte für berufliche Zwecke im Sinne der Anforderungen der anzuwendenden Verordnung entsprechend zu evaluieren, ist weder im Sinne der österreichischen Wirtschaft, noch im Sinne von Auftraggebern und der Konsumenten. Eine genaue Betrachtung der vorherrschenden Bedingungen auf der jeweiligen Baustelle ist für ihren Betrieb oder ihre Schließung daher unerlässlich.

Bei einem generellen Baustopp im Hinblick auf die Verlängerung der COVID-19 Maßnahmen über den Ostermontag hinaus trotz Beibehaltung der derzeitigen Unterstützungsmaßnahmen durch die Bundesregierung können viele Betriebe den wirtschaftlichen Fortbestand ihres Unternehmens nicht mehr sicherstellen. Die gewerbliche Wirtschaft wäre dadurch noch nachhaltiger geschädigt und eventuell sogar weite Bereiche davon auf lange Sicht zerstört. Lasst uns gemeinsam Wege und Lösungen suchen und für den Erhalt der Branche der Elektrotechniker und -innen kämpfen.

Wir müssen aber bereits in dieser schweren Zeit auch an die Zeit nach der Krise denken und dem Gewerbe und Handwerk wird wieder eine große Verantwortung in diesem Land zuteilwerden. Ich kann mich sehr gut in Eure Lage versetzen, denn ich befinde mich in genau derselben. Ich weiß genau, was es bedeutet, doppelte Löhne und Gehälter zu überweisen und dafür auch doppelte Lohnabgaben zu zahlen. Mir ist auch völlig bewusst, dass Baufirmen oftmals keinerlei Verständnis für diese derzeitige Situation zeigen. Meine Mitarbeiter kommen auch täglich zu mir und schildern mir ihre Existenzängste in Hinblick auf die derzeitige angespannte gesundheitliche und wirtschaftliche Lage.

Genau aus diesem Grund setze ich mich für klare Regeln für Tätigkeiten auf Baustellen ein, um unsere Arbeiten weiterführen, unsere Auftraggeber zufriedenzustellen und die Wirtschaft dadurch am Leben halten zu können. Eines steht aber natürlich über Allem, die Gesundheit unserer Mitarbeiter. Deswegen lautet mein Appell an Euch alle, haltet Euch an die Regeln, schult Eure Mitarbeiter auf die derzeitige Situation gut ein und nutzt Euren Hausverstand! Denn wie meistens, kommen wir damit am besten durch!

Ich habe Euch einige wichtige Punkte zusammengeschrieben, wie Ihr zurzeit Eure Mitarbeiter schützen, aber auch Euren Betrieb am Laufen halten könnt (siehe Sozialpartnervereinbarung):

  1. Einschulung, Unterweisung und Evaluierung der Baustellenordnung, Sicherheits-, Gesundheits- und Hygienemaßnahmen zum Schutz Eurer Mitarbeiter (Unterweisung im Anhang)
  2. Der Sicherheitsabstand ist aus meiner Sicht das einfachste und effektivste Schutzmittel gegen diesen Virus, wir müssen lernen wie wir uns am sichersten bewegen.
  3. Lasst Eure Mitarbeiter in der Früh gestaffelt anfangen, damit Sie gegenseitig keinen Kontakt haben.
  4. Lasst Eure Arbeitstrupps immer gleich und tauscht, wenn möglich nicht die Leute untereinander aus.
  5. Stellt Euren Mitarbeitern die Utensilien zum persönlichen Schutz zur Verfügung.
  6. Haltet ständig Kontakt mit den Bauleitern und Baukoordinatoren.
  7. Sollte es nicht möglich sein, die Schutzmaßnahmen und/oder den Sicherheitsabstand einzuhalten, dann bitte dokumentiert dies gleich mit Fotos und schriftlicher Mitteilung (Verzögerung muss gemeldet werden, Formular habt Ihr bereits bekommen – Hier ansehen).
  8. Für jene Mitarbeiter, die derzeit nicht ausgelastet sind, gibt es die Möglichkeit der Kurzarbeit (https://www.ams.at/unternehmen/personalsicherung-und- fruehwarnsystem/kurzarbeit).
  9. Wir haben alle genügend Hausverstand, genau jetzt in dieser schwierigen Zeit können wir ihn nutzen. Arbeitet mit Köpfchen!
  10. Haltet Abstand, meidet Menschenansammlungen zum Schutz der älteren Generation und bleibt gesund!

Laut unseren Informationen gibt es folgende Hygieneprodukte, welche bei den Großhändlern zu bekommen sind (siehe Sozialpartnervereinbarung):

  1. Desinfektionsmittel
  2. Handschuhe
  3. Sicherheitshelme
  4. Mund- und Nasenschutz (wenn Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden kann)

In der Regel FFP 1 Schutzmasken bzw. FFP 2 Schutzmasken in außergewöhnlichen Fällen. Bitte prüft die Verfügbarkeit dieser Produkte bei allen am Markt tätigen Großhändlern, da aufgrund der großen Nachfrage es sicherlich bei dem einen oder anderen zu Engpässen oder kurzfristiger Nichtverfügbarkeit kommen kann.

Wir die Innung sind als Interessenvertreter sehr bemüht, Eure Anliegen bestmöglich der Politik nahe zu bringen. Wie ihr Euch vorstellen könnt, gelingt dies leider nicht immer so, wie wir uns das vorstellen. Es steht auch regelmäßig der Ausgleich der Interessen anderer Branchen auf der Tagesordnung. Trotzdem werden wir uns weiterhin mit vollem Einsatz für Euch Elektrotechniker und Elektrotechnikerinnen einsetzen!

Wir haben den Ministern und den Sozialpartnern viele Vorschläge vorgelegt und konnten heute ein Ergebnis für die weitere Vorgehensweise erzielen (siehe Sozialpartnervereinbarung).

Das aktuelle Muster für eine Baustellenvereinbarung haben wir diesem Schreiben beigelegt. Solltet Ihr Fragen haben, bitte kontaktiert uns, dafür sind wir da.

Für alle Betriebe, die den Bedarf des Härtefallfonds nutzen wollen, gibt es auch gute Nachrichten: ab heute 17.00 Uhr geht’s los! Macht Gebrauch von dieser Unterstützung: https://www.wko.at/service/haertefall-fonds-epu-kleinunternehmen.html

Danke an ALLE österreichischen Elektrotechniker und –innen, die zum Erhalt der kritischen Infrastruktur so viel beitragen!

Zusammenfassung:
  • Ja, wir dürfen arbeiten, nur unter eingeschränkten Bedingungen.
  • Für unternehmerische Härtefälle besteht heute ab 17.00 Uhr die Möglichkeit, einen Antrag zu stellen.
  • Wer auf Nummer sichergehen möchte, soll auf Kurzarbeit umstellen.

Liebe Elektrotechniker und -innen, liebe Freunde, liebe Bekannte und alle, die ich persönlich noch nicht kennenlernen durfte, mir ist völlig bewusst, dass die derzeitige Situation mehr als nur schwierig ist. Dieser Virus hat die Welt fest im Griff und bringt uns privat wie beruflich an die Grenzen.

Genau aus diesem Grund müssen wir jetzt alle zusammenhalten. Es kommt auf jeden Einzelnen von uns an, ob und wie unsere Branche diese schwere Krise meistern wird.

Wir alle tragen Verantwortung, Verantwortung für Eure Mitarbeiter, Eure Familie, für alle Menschen in Eurem Umkreis. Nutzt die Kraft, die Euch genau diese Menschen geben, denn wir alle wissen, nach jeder dunklen Nacht folgt ein heller Tag.

Ich wünsche Euch viel Kraft und vor allem Gesundheit!
Euer Andi

Andreas Wirth
Bundesinnungsmeister der Elektro-, Gebäude-, Alarm- und Kommunikationstechniker

Die Beilagen stehen als Download bereit:

Infoblatt für Auftraggeber

Sicherheitsunterweisung Mitarbeiter

Bestätigung als Schlüsselarbeitskraft

Sicherheitsgrundlagen im Betrieb

Quelle: Bundesinnung der Elektro-, Gebäude-, Alarm- und Kommunikationstechniker

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