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Das Thema »LED-Lampen als Glühlampen-Ersatz« spaltet die Fachwelt nach wie vor wie kein anderes. Denn, was von den einen als »noch nicht ausgereift« bezeichnet wird, sehen die anderen jetzt schon als »Heilsbringer«. Bei Zumtobel hat man bereits vor Jahren erkannt, dass der LED-Technik die Zukunft gehört – mit Ledon Lamp mischt der österreichische Konzern nun seit Kurzem auch am Retrofitlampen-Markt kräftig mit. Das nahmen wir nun zum Anlass, um Detlef Mikulsky, Geschäftsführer der Ledon Lamp GmbH, vors Mikro zu bitten. Und er hatte Interessantes zu erzählen…

 

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Herr Mikulsky, was waren die Gründe, die Zumtobel bewogen haben, ins Leuchtmittelgeschäft einzusteigen?
Detlef Mikulsky, Geschäftsführer Ledon Lamp GmbH: Zumtobel ist seit über zehn Jahren als Lieferant von LED-Technologie bekannt. Und heute können wir behaupten, dass die LED-Module aus Jennersdorf jenen einiger großer Mitstreiter um Jahre voraus sind. Auch die Treibertechnologie unserer Schwester Tridonic für die Spannungswandlung zählt zur besten am Markt. Unterm Strich bedeutet das: Zumtobel hat das Know-how für die LED-Technik und für die Elektronik – beides zusammen ergibt ideale Voraussetzungen für unser Produkt. Damit waren wir bereit, auch den Consumer-Markt zu erschließen.
Zudem belegen zahlreiche Studien, dass der Retrofitlampen-Markt künftig der am stärksten wachsende Sektor im LED-Bereich sein wird. So prognostiziert etwa »Strategies unlimeted«, dass bis zum Jahr 2015 rund 55% des gesamten LED-Marktes auf Retrofitlampen basieren wird. Pro Jahr werden in privaten Haushalten weltweit etwa 15 Milliarden Leuchtmittel gewechselt – damit ist das ein Markt, der für unser Unternehmen definitiv einen hohen Stellenwert haben wird. Da Zumtobel allerdings noch nie im Consumer-Bereich tätig war, hat man sich im Konzern dazu entschlossen, das Unternehmen Ledon Lamp zu gründen, das nun auch vollkommen eigenständig agiert.

Zumtobel ist also seit mehr als zehn Jahren mit der Entwicklung von LED-Technik beschäftigt. Hat man in dieser Zeit ein Know-how aufgebaut, das das Untenehmen behaupten lassen kann, auf Augenhöhe mit den Großen zu sein?
Mikulsky: Auf jeden Fall! Wir haben uns immer auf die Weißlicht-Konversion fokussiert und sind beständig den Weg der »Zwei-Chip-Technologie« – also blaues und rotes Licht zu kombinieren – gegangen. Das hat zur Folge, dass unsere Produkte eine sehr hohe Farbwiedergabe erzielen.

Wo findet die Produktion der Lampen statt?
Mikulsky: Das LED-Modul wird im burgenländischen Jennersdorf hergestellt, der Treiber von Tridonic im englischen Spennymoor nahe Newcastle produziert. Assembliert wird die Lampe mit unseren Bauteilen dann in China. Das hat damit zu tun, dass sehr viele Arbeitsschritte derzeit noch nicht automatisierbar sind und die Manpower damit sehr hoch ist. Drei Viertel der Wertschöpfung passiert somit in Europa und nur ein Viertel in Asien.

Ist es üblich, dass man Bauelemente Ihres Unternehmens in LED-Lampen von Philips findet und möglicherweise umgekehrt? Was ist der Hintergrund dafür?
Mikulsky: Es gibt ein Patent-Sharing mit Philips. Der Grund dafür ist, dass kaum ein Hersteller dieser Branche völlig autark arbeiten könnte. Jedes Unternehmen für sich hat im Laufe der Jahre eine Vielzahl von Patenten angemeldet. Durch das Zusammenrücken der Märkte stößt man sehr schnell an seine Grenzen, was zur Folge hätte, dass man Patente anderer Hersteller verletzen könnte. Deswegen haben wir uns entschlossen, mit Philips auf dieser Ebene eine Kooperation einzugehen.

Die Philips-LED-Lampe, die als Wettbewerbs-Sieger der American Lighting Association als bester Ersatz für die 60-Watt-Glühlampe hervorgegangen ist, erzielt bei 12 W einen Lichtstrom von 806 Lumen, also 67 lm/W. Die kaltweiße E-Core von Toshiba schafft mit 8,4 W ca. 840 Lumen und damit sogar 100 lm/W. Die warmweiße E-Core von Toshiba liegt mit der 8,4-W-Lampe bei ca. 740 Lumen Lichtstrom und kommt darum auf 88 lm/W. Ihre warmweiße 10-W-LED-Lampe schafft 60 lm/W…
Schenkt man den Angaben der betreffenden Hersteller zur Gänze Glauben, so reiht sich ihre Lampe hinter denen des Mitbewerbes ein.
 Mikulsky: Die Diskussion über derartige ­Leistungswerte geht total wichtigsten Bedürfnis der Konsumenten vorbei. Sie wollen nämlich in erster Linie ein angenehmes, natürliches Licht von hoher Qualität bekommen. Hier sagen die Werte über die Lichtausbeute in Lumen/Watt nichts aus. Viel wichtiger wäre es, Werte wie den Farbwiedergabeindex CRI und die Farbtemperatur mit zu berücksichtigen. Nur so würde man tatsächlich eine aussagekräftige Angabe über die Qualität einer Lampe erzielen. Denn allein leistungsstärkere Lampen herzustellen ist im Grunde schon jetzt möglich. Allerdings muss man bereit sein, Abstriche bei anderen Parametern wie dem Thermomanagement oder dem Design hinzunehmen. Diesen Weg gehen wir ganz bewusst nicht. Denn wir wissen, dass nur wenige Kunden sich für Lumen, Candela oder was auch immer, wirklich interessieren. Und nur die Spezialisten neigen dazu, diese Angaben bis ins Detail zu analysieren und leider auch überzubewerten. Nur weil ein Fahrzeug 200 PS hat heißt das ja auch noch lange nicht, dass es auch eine Geschwindigkeit von 200 km/h erreicht. Und eine wesentliche Messgröße was die Helligkeit angeht wäre für mich eher die Beleuchtungsstärke in Lux – also der Lichtstrom, den man auf einer bestimmten Fläche erzielt. Dabei ist ganz wesentlich wie bzw. wo man die Lampe einsetzt: Wenn man eine 600-Lumen-LED-Lampe wie unsere 10-W-Lampe betrachtet, die als Pendel über dem Tisch hängt und damit ihr Licht nach unten richtet, erreicht man auf der Fläche in etwa ein 100-W-Erlebnis, obwohl man im Vergleich zur Glühbirne einen geringen Lichtstrom zur Verfügung hat. Denn die Glühbirne würde das Licht nach allen Seiten verteilen und ihre Effektivität somit zum Teil verpuffen.

Apropos Angaben – was halten Sie von der Kennzeichnungspflicht auf den Lampenverpackungen? – Es existieren Meinungen, dass diese Art von Information zu einer Überforderung der Konsumenten führt.
Mikulsky: Ich betrachte es nicht eben als zielführend, die Verpackungen mit einer derartigen Menge an Informationen zu überfrachten. Außerdem können die Angaben sogar irreführend sein. Nehmen wir jene über den Lichtstrom – nur weil der Lumenwert hoch ist, heißt das noch lange nicht, dass die Lampe hell leuchtet und vor allem ein schönes Licht macht.

Glauben Sie, dass sie mit Funktionen wie Double-Click (mittels normalem Lichtschalter auf 30% gedimmt) beim Konsumenten punkten können?
Mikulsky: Das Dimmverhalten in Europa – und das ist unser Zielmarkt – ist komplett unterschiedlich. Es gibt Länder wie etwa die skandinavischen, wo das Licht sogar auf der Toilette gedimmt wird und wieder andere Länder, in denen Dimmer so gut wie nie Teil einer Elektroinstallation sind. Wir bieten mit der Double-Click-Funktion eine Version an, die der Konsument mit seinem Standard-Lichtschalter dimmen kann – das Licht lässt sich damit ohne Veränderung der Elektroinstallation von 100% auf 30% schalten. »Dimmen von LED-Lampen« ist ohnehin kein einfaches Unterfangen und damit ein Thema, das beinahe jeden Elektrotechniker unter den Nägeln brennt. Denn die meisten Dimmer in unseren Gebäuden sind elektronische Dimmer, die eine gewisse Grundlast ­erwarten. Wenn man nun eine 6-W-LED-Lampe in die Fassung schraubt, erkennt der Dimmer gar nicht, dass ein Verbraucher angeschlossen wurde und die Lampe beginnt zu flackern. Selbstverständlich gibt es für jeden Dimmer auch die richtige Lampe – allerdings weiß kaum ein Konsument, welchen Dimmer er zu Hause eingebaut hat. Mit der Double-Click-Lampe hat man eine tolle dimmbare Variante, die noch dazu günstig ist. Übrigens gibt es Bestrebungen seitens der Industrie, einen neuen Dimmer-Standard zu schaffen, dessen Geräte es künftig erlauben, nicht nur die Helligkeit zu dimmen, sondern auch die Farbtemperatur zu regeln.

Die Hersteller übertrumpfen sich regelrecht, wenn es um die Höhe der Lampen-Lebensdauer geht. Wie seriös sind diese Angaben ihrer Meinung nach?
Mikulsky: Das Thema Lebensdauer interessiert natürlich viele. Zu allererst müssen wir stets darauf hinweisen, dass die Lebensdauer vor allem auch eine Frage der Anwendung ist. So ist etwa der natürliche Tod der LED-Lampe durch die Umgebungstemperatur getrieben. Wenn es zu heiß ist, kann sich die Lebensdauer drastisch reduzieren. Darum ist das Thema Lebensdauer nicht einfach und selten auf seriöse Art und Weise zu beantworten. Wir legen uns die Latte selbst sehr hoch und folgen damit unseren speziellen Qualitätsansprüchen. Die Konsumenten haben überraschenderweise eine ganz andere Auffassung von der Lebensdauer: Auf unseren ersten Verpackungsentwürfen waren Angaben über eine Lebensdauer von 50.000 Stunden – also von rund 50 Jahren für den Heimbereich – aufgedruckt. Kaum einer der Test-Konsumenten hat diesen Wert tatsächlich ernst genommen. Die meisten Personen haben ihn als unglaubwürdig erachtet. Darum hat Ledon seine Qualitätsansprüche hoch geschraubt – wir messen unsere Lampen im Vergleich zum Mitbewerb unter verschärften Bedingungen und geben 25.000 Stunden Lebensdauer auf unseren Produkten an.

Der Preis der Lampe ist heute noch relativ hoch – das heißt, sie rechnet sich erst nach ein paar Jahren. Die meisten Hersteller geben eine Garantie von zwei Jahren. Es gibt von vielen Seiten Bedenken darüber, was passiert, wenn die Lampe nach Ablauf der Garantie – aber noch bevor sie sich gerechnet hat – kaputt wird.
Mikulsky: Das Problem ist, dass die Hersteller im Vorhinein nicht wissen, wo die Lampen zum Einsatz kommen. Es macht einen großen Unterschied, ob sie im professionellen Bereich wie etwa in der Gastronomie mit 8.000 Betriebsstunden/Jahr oder im privaten Umfeld mit 1.000 Stunden/Jahr eingesetzt werden. Wie wollen sie nachweisen, wie viele Stunden die Lampe im Einsatz war? Abgesehen davon glaube ich, dass auch das nur ein Thema ist, das die Insider bewegt.

Wie soll der Elektriker ihres Erachtens nach reagieren, falls doch der Fall eintrifft, und ein Konsument eine Lampe retour bringt?
Mikulsky: Mit unseren Leuchtmitteln ist das einfach – auf den Lampen findet man ein Produktionsdatum aufgedruckt. Wenn also ein Kunde eine Lampe nach zwei Jahren retour bringen sollte – wovon wir natürlich nicht ausgehen – würden wir sie, ohne mit der Wimper zu zucken, austauschen.

Worauf muss der Konsument beim Entsorgen einer LED-Lampe achten?
Mikulsky: Wenn eine LED-Lampe kaputt ist, gehört sie zum normalen Elektroschrott. Anders die Energiesparlampen und die Leuchtstoffröhren – diese müssen separat gesammelt und auf Grund des Quecksilber-Gehaltes auf spezielle Art und Weise entsorgt werden. Da LED-Lampen keine Problemstoffe enthalten, sind sie völlig problemlos für die Umwelt. Abgesehen davon tragen sie durch das Einsparen von elektrischer Energie indirekt zur Reduzierung der Umweltbelastung bei.

Thema »Vertrieb« – welche Partner wünscht sich Ledon Lamp? Werden ihre Produkte auch in den Großvertriebsflächen zu finden sein?
Mikulsky: Wir brauchen auf der einen Seite Vertriebspartner, die in der Lage sind zu beraten – denn im Wissen über die LED-Technik sehen wir das Defizit des Endverbrauchers. Viele Konsumenten kennen zwar Taschenlampen mit einer LED-Lampe als Lichtquelle, wissen aber über LED-Lampen im privaten Haushalt selten Bescheid – deshalb wünschen wir uns die kompetenten Fachhändler Österreichs als Partner. Aber natürlich dürfen wir den Konsumenten unsere Produkte in Baumärkten nicht vorenthalten.

Was unternimmt man, um die Konsumenten zu informieren und sie von der Ausgereiftheit der LED-Technologie zu überzeugen?
Mikulsky: Wir stellen beispielsweise für den Point of Sale Displays zur Verfügung, die unsere Lampe in Anwendung zeigen und den Vorteil einer LED-Lampe im Vergleich mit anderen Leuchtmittelarten herausstreichen. Drei abgeschottete Lichtkammern führen auch dem Laien vor Augen, welche Vorzüge unsere LED-Lampen gegenüber Leuchtmitteln wie der Glühlampe und der Energiesparlampe bieten.

Abschließend: Ist OLED aus eigener Entwicklung und Fertigung für Zumtobel ein Thema?
Mikulsky: Ein bedeutendes Thema sogar. So heißt eine weitere Zumtobel-Tochter »Ledon OLED« und hat ihren Sitz in Dresden. Das Unternehmen arbeitet seit längerer Zeit mit dem Frauenhofer Institut zusammen und hat sich anhand eines Modulsystems vor allem auf die Standardisierung der Verbindung zwischen OLED-Elementen spezialisiert.

Herr Mikulsky, wir danken für das Gespräch!

 

www.ledon-lamp.com

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