„Meiner Meinung nach steht in einer Norm das Notwendige, um den sicheren Betrieb einer elektrischen Anlage zu gewährleisten“, so Rainer Brade. (Bild: Siemens)

Kolumne von Rainer Brade:

Ist Norm mit Qualität gleichzusetzen?

Die letzte i-Magazin-Ausgabe mit dem Normenspezial hat mir so richtig aus der Seele gesprochen und es war extrem spannend, sie zu lesen. Am Ende hatte ich den Eindruck, Normung ist das wichtigste Thema in der Elektrotechnik! Tatsächlich?

Mir ist da noch eine Aussage meines Lehrers im Gedächtnis, der meinte: „Was in der Norm steht, ist veraltet.“ Meiner Meinung nach steht in einer Norm das Notwendige, um den sicheren Betrieb einer elektrischen Anlage zu gewährleisten. Technische Innovationen und neue Errungenschaften können darin aus verständlichen Gründen nicht abgebildet werden. Ebenso wichtig, wie eine normgerechte Ausführung, sind auch die normgerechten Produkte. In meiner täglichen Arbeit als Produktmanager erlebe ich hier die tollsten Kuriositäten. Das sind z. B. Geräte, die am Datenblatt gerade noch als normgerecht zu bezeichnen sind, sobald aber das Gerät in die Hand genommen wird, entsteht augenscheinlich ein anderer Eindruck.

Auf die Qualität von Geräten wird vielerorts sehr wenig Wert gelegt. Alles muss noch einen Euro weniger kosten, frei nach dem Motto »Geiz ist geil«. Was nach Ablauf der Garantie oder Gewährleistung passiert, ist nicht relevant. Dass an solchen Geräten das Leben (unser Leben) hängt, scheint egal zu sein. „Was darf ein Leitungsschutzschalter kosten?“ „Ist da wirklich ein Typ-A-Fehlerstromschutzschalter vorgeschrieben?“ Ist das wirklich die Art von Interpretation, die zu zufriedenen Kunden und mehr Sicherheit führt?

Es ist klar, dass wenigen Lesern vergönnt ist, Röntgenbilder von z. B. Leitungsschutzschaltern oder E-Zählern zu sehen. Sie würden sich wundern, was alles als normgerechte Qualität verkauft wird. Die Qualität vieler Geräte definiert auch meist den Preis. Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass man bekommt, was man bezahlt. Wenn wir uns überlegen, wie lange die Geräte in einem Installationsverteiler in Verwendung sind. Die übliche Antwort, die ich höre, ist 20 Jahre. Wirklich? Ich denke, 20 Jahre sind die untere Grenze. Aus meinen Zahlen heraus traue ich mich, 35-40 Jahre zu behaupten. Machen Sie einen Selbstversuch und schauen Sie sich den Verteilerkasten im elterlichen Wohnhaus an. Bin ich weit weg mit meiner Behauptung? Ich denke, bei einer solchen Einsatzdauer darf das verwendete Gerät schon von entsprechender Qualität sein. Der letzte Euro wird hier auch nicht die entscheidende Rolle spielen, wenn die Sicherheit von Personen gewährleistet werden soll.

Apropos Sicherheit: „Eine normgerechte Installation ist sicher!“ Ja, das kann ich grundsätzlich unterschreiben. Es heißt jedoch nicht, dass diese auch so sicher ist, wie es technisch möglich ist. Denken wir an den Brandschutzschalter (AFDD). Dieser erhöht den Schutz vor elektrisch gezündeten Bränden erheblich. In einer österreichischen elektrotechnischen Norm finde ich diesen Bauteil nicht. Jetzt könnte man auf die Idee kommen und behaupten, dass der AFDD in Österreich nicht verwendet werden muss. Weit gefehlt, kann ich da nur sagen, denn Normung ist nicht alles, es gibt auch Gesetze. Im ArbeitnehmerInnenschutzgesetz steht eindeutig, dass ArbeitnehmerInnen vor allen Gefahren in Bezug auf Arbeit zu schützen sind, auch vor elektrisch gezündeten Bränden. Dieses Thema hatte ich in einem meiner vorigen Beiträge bereits beleuchtet.

Um heute sichere, wirtschaftliche und zeitgemäße elektrische Anlagen errichten zu können, sind Normen ein wichtiger Teil. Qualität der Produkte, ordentliche Ausführung und der ganzheitliche Ansatz bei der Beurteilung, welche Anforderungen zu erfüllen sind, sollten jedoch auch eine wesentliche Entscheidungsgrundlage für Errichter und Betreiber darstellen.

Weitere Informationen auf:

www.siemens.at

Ihr Ansprechpartner:

Rainer BradeRainer Brade

Produktmanager Siemens

Low Voltage and Products

Tel.: 05 1707 652 38

E-Mail: rainer.brade@siemens.com

 

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