In vino est sol

Wäre es nicht schön, wenn die Energie der Sonne in jedem Glas Wein steckt? Das tut sie schon würden sie sagen? Stimmt nicht ganz, denn zur Herstellung einer Flasche Wein, wird viel mehr Energie benötigt, als man zunächst annehmen mag! Energie, die nur zum geringen Teil aus der Sonne stammt. Denn der Werdegang einer Weinflasche beinhaltet ja auch die Ernte, die Produktion, die Abfüllung und den Transport. Jeder Herstellungsschritt wird begleitet von einem hohen Energieaufwand für diverse Transportmittel, Lagerung, Kühlung, Abfüllung, Heizung oder Beleuchtung. Die Sonne steckt also genaugenommen nur in den Trauben selbst, der Hauptanteil entfällt auf Energie aus konventionellen Energieträgern. Das man das auch besser machen könnte, haben sich die Verantwortlichen des Weingutes Hagn in Mailberg im Weinviertel überlegt. Im Zuge einer sukzessiven Modernisierung soll Energie eingespart und mittels Photovoltaikanlage am besten auch gleich selbst erzeugt werden!

Die Hänge der Umgebung von Mailberg beheimaten rund 300 Hektar, sonnenverwöhnte Weinstöcke. Das Ortsbild der beschaulichen Gemeinde, ist geprägt von romantischen Kellergassen, Heurigen und Weinlokalen. Ein Gebäude, fällt dabei aber besonders durch sein modernes Design auf – das Weindomizil Hagn. Das 2009 errichtete Restaurant, ist eine Erweiterung des 300 Jahre alten Weingutes Hagn und thront sozusagen auf der Produktionsstätte des Familienbetriebes. Nun, drei Jahre später wird das Domizil, aber auch das gesamte Weingut, abermals einer Modernisierung unterzogen.

Volle Sonnenpower
Der neueste Stolz der Familie, ist die von der Firma Elektro Babinsky errichtete Solaranlage auf dem Dach der Lagerhalle, die mit einer Leistung von 10 kW, bereits den Energiebedarf des Restaurants (13 kW) fast vollständig abdeckt. Damit aber noch lange nicht genug, denn die Anlage wird noch weiter ausgebaut und soll dann mit einer Gesamtleistung von rund 40 kW in der Lage sein, den Bedarf des gesamten Betriebes abzudecken. „Seit dem ich mich mit der Photovoltaik befasse, ist sie für mich die beste Lösung in Energiefragen. Ziel ist es, am Ende der Modernisierung den Energieverbrauch drastisch zu senken und am besten unabhängig von Energieversogern zu werden”, schwärmt Wolfgang Hagn Junior, der sich mit der gesamten Thematik sichtlich begeistert auseinandersetzt. Der Unabhängigkeitsgedanke kommt einerseits der Umwelt zugute, ist in Zeiten steigender Energiepreise, aber in ers­ter Linie natürlich auch eine betriebswirtschaftlich, relevante Überlegung. Wie man auf dem Domizil zu hören bekommt, gab es in der Vergangenheit auch bereits Netzausfälle. Was das für ein Weingut mit einer Anbaufläche von 32 Hektar und 25 Mitarbeitern bedeutet, kann man sich ausrechnen. Was liegt da also für einen jungen und zukunftsorientierten Winzer näher, als sich über die Energiebilanz des Familienbetriebes Gedanken zu machen? Geheizt wird bereits seit längerer Zeit mittels Hackschnitzelheizung, also über die Verbrennung biogener Festbrennstoffe. Die Anschaffungskosten so eines Systems sind zwar höher als bei herkömmlichen Gas-, Pellets- oder Ölheizanlagen, die Brennstoffkosten fallen jedoch deutlich geringer aus. Beim Verbrennungsprozess wird außerdem nur so viel CO2 freigesetzt, wie beim Wachstum der Hölzer in diese eingebunden wurde.
Die Beleuchtung wird schrittweise auf LED umgestellt – beim Neubau im Jahr 2009, kam die Halbleitertechnik aufgrund diverser Unzulänglichkeiten einfach noch nicht infrage. Vor allem im Kellergewölbe, in dem sich Eichenfass an Eichenfass reiht, stellt die angedachte Installation eines optimalen Beleuchtungskonzepts den Elektroplaner Herbert Waltner vor neue Herausforderungen. Denn die momentane Installation, wuchs über die Jahrzehnte mehr in die Kellergänge hinein, als das sie geplant worden wäre. Zum einen wird nun auf LED umgestellt und zum andern soll die Beleuchtung zentral gesteuert werden können. Zu diesem Zweck wird in Zukunft das batterielose Funksensorsystem von Thermokon verwendet. „Die Funkschalter sind ideal bei derartig alten, feuchten und weitläufigen Räumlichkeiten, da keine Kabel verlegt werden müssen und so die Struktur der Wand nicht beschädigt wird. Außerdem können so auch nachträglich Änderungen jederzeit vorgenommen werden”, beschreibt Waltner die Vorteile des geplanten Systems.

Noch viel vor
Neben den Großprojekten, stehen aber auch so scheinbare Nebensächlichkeit wie der Plasmafernseher im Restaurant am Modernisierungsplan des Jungwinzers. Einige Beleuchtungselemente im Lokal hat er bereits schon selbst gegen LED-Varianten ausgetauscht. Für die kurzen Transportwege wird in Zukunft auch der Einsatz eines Elektroautos nicht ausgeschlossen. Thermokon Geschäftsführer Siegfried Gaida, seines Zeichens leidenschaftlicher Besucher des Weindomizils, gibt sich höchst motiviert, wenn es um die Präsentation und die Entwicklung des Weinviertels geht: „Die Modernisierung des Weingutes, ist jetzt keine riesen Geschichte, mit der wir angeben möchten, denn dann müssten wir weit größere Projekte aufzählen. Hier geht es einfach um einen innovativen, lokalen Betrieb, der sich Gedanken um die Zukunft und seinen Energieverbrauch macht, und das verdient meines Erachtens große Anerkennung.”

Sonnengereifte Trauben, eine Produktion, die über eine leistungsfähige Photovoltaik­anlage mit Energie versorgt wird und zum krönenden Abschluss, vielleicht auch noch ein Elektromobil, aufgetankt mit Sonnenenergie, das den fertigen Rebensaft ausliefert. Diese Umstände lassen das Glas Wein, in dem ausschließlich die Kraft der Sonne steckt, schon viel realistischer erscheinen. In jedem Fall aber, werden sich die Bestrebungen der Winzer vom Weingut Hagn, vor allem in der hauseigenen Energiebilanz niederschlagen.

In rund einem Jahr sollen die Modernisierungen abgeschlossen sein, dann werden wir gerne wieder ins beschauliche Mailberg zurückkehren, um uns das fertige Projekt anschauen.

www.thermokon.at

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