Jean-Pascal Tricoire, Schneider Electric CEO
Jean-Pascal Tricoire: „Die Gruppe hat als Reaktion auf die Krise weltweit zusätzliche Maßnahmen ergriffen, um ihre Mitarbeiter zu unterstützen, die Kontinuität der lebenswichtigen Infrastrukturen zu gewährleisten und die Solidarität in ihrem Ökosystem zu nutzen, um den Bedürftigsten zu helfen“, so der Konzernchef von Schneider Electric im Rahmen der Präsentation des ersten Quartals. Foto: Schneider Electric

Wie Schneider Electric auf die COVID-19-Krise reagiert:

In Position gebracht

Die Spuren der COVID-19-Pandemie machen sich nun auch in den Quartalsgeschäftsberichten der Unternehmen bemerkbar – so auch bei Schneider Electric. Der Konzern präsentierte dieser Tage Zahlen, Erklärungen und Prognosen. Trotz rückläufiger Umsätze, bedingt durch die Corona-Maßnahmen, ist das Management jedoch überzeugt, wieder gestärkt aus der Krise herauszukommen.

Es steht wohl außer Frage: Das erste Quartal 2020 wird in die Wirtschaftsgeschichte aller Voraussicht nach als der Beginn einer weltweiten Krise eingehen. Kaum einem Unternehmen dürfte es gelingen, dem globalen Dilemma ungeschoren zu entkommen. Beim international agierenden Konzern, Schneider Electric, waren die ersten drei Monate wie erwartet weitgehend durch die Maßnahmen in China in Verbindung mit COVID-19 beeinflusst. Trotzdem sieht Jean-Pascal Tricoire die Gruppe, die von Regierungen auf der ganzen Welt als »missionskritischer Lieferant von Produkten und Dienstleistungen« qualifiziert wurde,  in einer starken Position – er kommentierte die aktuelle Entwicklung folgendermaßen: „Wir sind gegenwärtig mit einer globalen Gesundheits- und Wirtschaftskrise konfrontiert. Ihre Auswirkungen und Folgen werden wir aber erst zu einem späteren Zeitpunkt tatsächlich in der Lage sein, in vollem Umfang abzuschätzen zu können“, so der Vorsitzende und CEO von Schneider Electric zu Beginn seines Statements.

Aktuell steht für Schneider Electric – so Tricoire – einerseits die Gesundheit der Mitarbeiter und Stakeholder im Mittelpunkt, während der Konzern gleichzeitig wesentliche Dienstleistungen und kritische Infrastrukturen weltweit am Laufen hält.

Die Fakten

In Zahlen betrachtet, verzeichnete Schneider Electric im ersten Quartal 2020 Einnahmen von 5.830 Millionen Euro, was einem organischen Rückgang von -6,4 % und einem Rückgang von -7,6 % auf berichteter Basis entspricht. Der Umsatz im Bereich Energiemanagement – eine der vier Säulen des Unternehmens – ging organisch um -6,1 % zurück (hauptsächlich im asiatisch-pazifischen Raum, angeführt von China). Der durch die COVID-19-Krise bedingte Rückgang der Aktivitäten in den Endmärkten für Wohnimmobilien und CIB variierte von Land zu Land. So gab es Staaten, in denen die Arbeiten an Projekten nach der Einführung geeigneter Gesundheits- und Sicherheitsmaßnahmen grundsätzlich wieder aufgenommen wurden, während einige Regierungen vorschrieben, dass nicht wesentliche Bauvorhaben auf Eis gelegt werden müssen: Krankenhaus-, Lebensmittelketten- und Biowissenschaftsprojekte wurden fortgesetzt, während Hotels, Freizeit- und Einkaufszentren direkt betroffen waren.

Schneider Electric Sustainability Impact

Im Einklang mit den COP 21-Verpflichtungen und den Zielen der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung veröffentlicht der Energiespezialist vierteljährlich 21 Indikatoren aus dem Schneider Sustainability Impact. Mit diesen werden die Fortschritte bei der Erfüllung ehrgeiziger Nachhaltigkeitsverpflichtungen für den Zeitraum 2018 bis 2020 gemessen. Im ersten Quartal 2020 zeigt sich mit einem Gesamtergebnis von 7,15 von 10 eine angesichts der aktuellen Krise erwartete Verlangsamung. Foto: Schneider Electric

Bezogen auf die Region, meldete Westeuropa (26 % des Q1-Umsatzes) einen organischen Umsatzrückgang von -1,5 %. Ohne COVID-19, das sich ab März nach und nach auf Teile der Region auszuwirken begann, war die Region positiv ausgerichtet. Die Gruppe verzeichnete außerdem weiterhin ein gutes Wachstum bei ihren Angeboten für Wohngebäude und kleine Gebäude. „Wir haben das erste Quartal weltweit positiv begonnen, mit Ausnahme von China, das von der Krise betroffen war. Zum Quartalsende befinden sich große Teile der Welt in einer Art Lockdown, während China seinen Erholungspfad beginnt. Während wir durch die mehrfache Abriegelung navigieren und die notwendigen Maßnahmen zur Bewältigung der Krise ergreifen, planen wir auch für die kommenden Zeiten und behalten dabei unsere Mission und unsere umfassendere Zielsetzung im Auge, um die Zukunft nach der Krise vorzubereiten“, fasste der Konzernchef zusammen.

Erfolge dank Digitalisierung

Während Schneider Electric ein Wachstum im Bereich der Stromversorgung verzeichnete, lag der Bereich Data Center im ersten Quartal auf einer hohen Vergleichsbasis. Auch die EcoStruxure-Angebote, insbesondere für Anwendungen, die Fernüberwachung, virtuelle Tests und Inbetriebnahmen, vorbeugende Wartung und Instandhaltung an unternehmenskritischen und wichtigen Standorten ermöglichen, gewannen an Zugkraft. „Wir haben digitale Dienste entwickelt, die unbemannte und ferngesteuerte Operationen ermöglichen“, ist sich Tricoire der Stärken des Unternehmens bewusst. Die digitalen Angebote von Schneider Electric für die Fernwartung und den Betrieb kritischer Standorte in Verbindung mit den Außendiensttechnikern vor Ort sind bei diesen Bemühungen von wesentlicher Bedeutung.

Im 1. Quartal 2020 hat die Gruppe zudem ein gesteigertes Interesse der Kunden an digitalen Dienstleistungen im Zusammenhang mit Fernüberwachung, Anlagenleistung und vorbeugender Wartung festgestellt. Schneider Electric bot dazu zahlreiche digitale Interaktionen und Schulungen für Kunden auf der ganzen Welt an. Die Gruppe war zudem in der Lage, rund 80 % ihrer Kundenbetreuungszentrum-Teams nahtlos und ohne Auswirkungen auf die Service-Levels auf Fernarbeit umzustellen. Gegenwärtig arbeiten rund 90.000 der angeschlossenen Mitarbeiter der Gruppe gleichzeitig von zu Hause aus ohne digitale Unterbrechung.

Lieferkette zeigt sich stabil

„Wir nutzen unser Netzwerk von Zulieferern und Partnern, um beweglich zu bleiben und stark aus der Krise hervorzugehen“, zog Tricoire seinen nächsten Trumpf im Rahmen der Pressekonferenz. Für den Konzernboss hat vor allem auch die Global Supply Chain des Unternehmens die Krise mit Agilität gemeistert. Die global koordinierte und regional verwaltete Lieferkettenorganisation ermöglicht eine schnelle Entscheidungsfindung und Flexibilität. Die Supply-Chain-Organisation richtete ein globales Krisenmanagementteam ein, das die Entwicklungen in Echtzeit verfolgt. Gleichzeitig sorgte die Gruppe dafür, dass Produkte und Dienstleistungen für kritische Branchen weiterhin verfügbar blieben. Die Organisation der Versorgungskette überwacht die Verfügbarkeit von Arbeitskräften in den Fabriken und Verteilungszentren, wobei China gegenwärtig über die volle Arbeitskraftkapazität verfügt und andere Regionen mit unterschiedlicher Arbeitskraftkapazität, die in erster Linie der Nachfrage entspricht.

Die Gründe für den Erfolg

Für den CEO ging sein Unternehmen mit einer soliden Struktur bereits in diese Krise: „Wir haben eine konsistente Strategie, die den Kunden in unseren vier Endmärkten Widerstandsfähigkeit, Effizienz und Nachhaltigkeit bietet. Unser multilokaler Aufbau ermöglicht es unseren bevollmächtigten Länderorganisationen, auf die Krise mit Schnelligkeit und Agilität zu reagieren, unterstützt von einer eng koordinierten globalen Task Force“, unterstreicht Tricoire.

Gegenwärtig verfügt Schneider Electric über eine Gesamtliquidität von rund 9 Milliarden €, einschließlich liquider Mittel und verfügbarer zugesagter Kreditlinien. Der Konzern verfügt über ausreichende Liquidität für seinen Betrieb und die Rückzahlung von Schulden, während er gleichzeitig die Dividende zahlt und die bereits angekündigten Akquisitionen finanziert.

Keine Prognosen

Als Folge der globalen COVID-19-Krise hat Schneider Electric die Prognose für 2020 am 23. März 2020 ausgesetzt. Die Gruppe wird je nach Entwicklung der Situation aktualisierte Leitlinien für 2020 vorlegen. Angesichts der Tatsache, dass ein großer Teil der Welt derzeit in irgendeiner Form teilweise oder vollständig gesperrt ist, erwartet das Management, dass das zweite Quartal 2020 und damit auch das erste Halbjahr 2020 erheblich beeinträchtigt werden.

Wird Schneider Electric einer der Gewinner sein?

Es wird erwartet, dass Schneider Electric nach der Krise in der Lage sein wird, eine Beschleunigung der Megatrends, die durch Regierungsinitiativen (alle elektrisch, alle digital, erneuerbare Energien) vorangetrieben werden, sowie einen Anstieg der Investitionen in einigen seiner Kern-Endmärkte (Rechenzentrum, Infrastruktur, intelligente Gebäude, Software/Industrie IIOT) zu verzeichnen. Nach der Krise wird die Fähigkeit der Gruppe, Kunden bei ihrer Reise zur Nachhaltigkeit zu unterstützen, noch relevanter sein.

Der Konzern ist gut positioniert, um die gesteigerte Nachfrage nach digitalen Lösungen bedienen zu können, und ist zuversichtlich, dass sich die strategischen Entscheidungen und die Positionierung von Schneider Electric in Verbindung mit seinen früheren Transformationen als relativer Vorteil erweisen werden, wenn die Welt aus dieser Krise herauskommt.

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