Die Coronakrise schlägt zu.
Der Verlauf einer Pandemie-Bekämpfung aus der Sicht der Redaktion. Foto: Adobe Stock/candy1812

Ein Kommentar zur aktuellen Situation:

„Ich weiß, dass ich nichts weiß“

Dieses Zitat des griechischen Philosophen Sokrates verfolgt mich in meinen Gedanken seit dem Beginn der Covid-19-Diskussion. Und ich gehe davon aus, dass sich diesbezüglich niemand, der ehrlich zu sich selbst ist, davon ausnehmen kann.

von Thomas Buchbauer, Chefredakteur, i-Magazin

Keiner – nicht einmal die Virologen, die Wirtschafts- und Finanzexperten und schon gar nicht die Politiker – kann sich in der aktuellen Debatte um den Virus und die langfristigen Auswirkungen auf unsere Welt auf Fakten stützen, die umfassend genug sind, um einen klaren Plan zu verfolgen. Es macht aus meiner Sicht allerdings den Anschein, als träfen die verantwortlichen Politiker weltweit aktuell Entscheidungen auf Basis von Fakten, die noch nicht einmal richtig verifiziert sind. In der ZDF-Sendung Markus Lanz vom 31.3.2020 hielt Prof. Hendrik Streeck, Virologe und Direktor des Instituts für Virologie an der Universität Bonn, dem Fernsehpublikum vor Augen, dass weder er noch seine Kollegen genau wissen, wie sich der Virus verhält. Erschwerend kommt hinzu, dass es laut Streeck kein (!) Netzwerk gäbe, in dem sich die Virologen zu diesem Thema austauschen würden. Und das obwohl jeder Virologe ein anderes Spezialgebiet habe und eine umfassende Sichtweise für jeden Einzelnen ohne Austausch mit seinen Kollegen schwierig bis unmöglich wäre.

Ist es eine Schmierinfektion?

Streeck untersuchte zum Zeitpunkt der Ausstrahlung der Sendung die Ausbreitung von Covid-19 im deutschen Kreis Heinsberg, einem Regierungsbezirk von Köln, der ähnlich wie Ischgl fragwürdige Berühmtheit erlangte, weil es hier besonders viele Corona-Ansteckungsfälle gegeben hatte. Der Virologe kam im Zuge der Untersuchungen der letzten Tage zum Schluss, dass es sich aus seiner Sicht beim Coronavirus um keine Schmierinfektion handle. Gemeinsam mit seinen Kollegen untersuchte er Oberflächen von Gegenständen in Wohnräumen hochinfizierter Personen mit dem Resultat, dass der Virus zwar nachweisbar war, aber nicht überlebt hatte. Der Virus konnte selbst bei den Abstrichen, die man bei den Hauskatzen machte, nicht nachgewiesen werden. Nur in Extremsituationen, wenn zum Beispiel eine infizierte Person in die Hand niesen, unmittelbar danach einen Türgriff berühren würde und kurz darauf eine weitere Person mit dem gleichen Türgriff Kontakt hätte und den Virus mit seiner Hand schlussendlich über die Schleimhaut wie die der Augen aufnehmen würde, käme es theoretisch zu einer Schmierinfektion. Aber nicht einmal das konnte bisher eindeutig nachgewiesen werden – schon gar nicht der Zeitraum, in dem der Virus auf Oberflächen überlebe. Die Übertragung, so Prof. Streeck, fand bisher ausschließlich dort statt, wo viele Menschen dicht an dicht Kontakt miteinander hatten. Ganz egal ob beim Après-Ski in Ischgl oder beim Karneval in Köln.

Überzogene Maßnahmen?

Der nun auch in Österreich beim Einkaufen vorgeschriebene Mundschutz bietet keinen direkten Schutz gegen Ansteckung. Streeck ging auch soweit zu behaupten, dass es beim Einkaufen und beim Frisör bisher keine nachweislichen Übertragungen gegeben habe. Ein »Shutdown« der Wirtschaft und des sozialen Lebens wie den, den er gerade in Deutschland (in Österreich nicht anders) erlebe, sei aus seiner Sicht eine extreme Maßnahme und „schon ziemlich drastisch“, betont der Virologieprofessor und fordert die Verantwortlichen auf, in Clusterverfahren vorzugehen und die Bevölkerung in einer wesentlich höheren Intensität zu testen.

Woher kommen die Mittel?

Bisher wurden vor allem jene Ärzte gehört, die davor gewarnt hatten, dass unsere Intensivmedizin an die Grenzen stoßen würde. Aber wie lange können wir uns dieses Gesundheitssystem ohne funktionierende Wirtschaft überhaupt leisten? Fachleute warnen mittlerweile allerdings auch schon davor, dass die Situation mehrere Seiten hat. „Wir müssen aus der Passivität raus – sie fördert Selbstmitleid“, fordert die Theologin Margot Käßmann in der gleichen Fernsehdiskussion. Für die Politiker gelte es laut der Experten abzuwägen, was die Bevölkerung kränker macht – der Virus selbst oder die Angst vor den Folgen der Coronakrise. Schon jetzt warnt etwa Reinhard Merkel, Professor für Strafrecht und Rechtsphilosophie und Mitglied des deutschen Ethikrates, davor, dass die Suizidrate in der Bevölkerung in den nächsten Wochen und Monaten deutlich steigen wird, wenn wir nicht rechtzeitig auf die Shutdown-Bremse steigen würden. Denn was die Menschen nun vor allem brauchen, ist abgesehen von Schutzmasken und funktionierenden Testverfahren vor allem eines: Zuversicht.

Haben Sie den Durchblick?

Wenn ich meinen Blick in diesen Zeilen auf Deutschland gerichtet habe, dann möchte ich abschließend auch dabei bleiben: „In der Krise zeigt sich der Charakter“, sagte schon der ehemalige deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt. Ein Satz, den sich vor allem die politischen Verantwortungsträger vor Augen halten sollten, wenn sie ihre Entscheidungen treffen. Entscheidungen, die möglichst im gesamteuropäischen, idealerweise im weltumspannenden Kontext getroffen werden, die Meinungen aller klügsten Köpfe berücksichtigen und vor allem auch eines sein sollten: transparent!

Meinungsvielfalt ist gefragt!

Abgesehen vom österreichischen Staatsfernsehen, das in seiner Einseitigkeit der Berichterstattung nicht zu überbieten ist, tauchen in Sendungen anderer Fernsehsender da und dort bereits die ersten kritischen Stimmen auf. Neben der erwähnten ZDF-Talkshow sind es vor allem die Macher von Servus-TV und deren Gäste in den ausgestrahlten Diskussionssendungen, die die Herangehensweise der Regierung an die Causa Corona in Frage stellen.

Einzelhandel öffnen!

Eine der wesentlichsten Frage für die Branche lautet: Ist es tatsächlich notwendig, den Einzelhandel geschlossen zu halten und damit auch vielen Elektrobetrieben einen Großteil ihrer Lebensgrundlage zu entziehen? Den gleichen Mundschutz, den uns die Regierung nun beim Einkaufen im Supermarkt tragen lässt, könnten wir doch ohne Weiteres auch beim Elektrohändler in der Region nutzen und der heimischen Wirtschaft zumindest ein klein wenig Gutes tun. Denn aktuell passiert gerade das Gegenteil – Amazon & Co. gehen aus der Covid-19-Krise als die großen Gewinner hervor. Selbst Konsumenten, die bisher noch nie bei Amazon gekauft hatten, beginnen mittlerweile am Onlineshoppen Gefallen zu finden – ein Verhalten, das sie sich in der Krise aneignen und danach wohl kaum wieder aufgeben werden… Wenn sie es wenigstens in den Onlineshops des Elektrohandels ihres Vertrauens tun würden…

 

 

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