Historischer Flug mit visionären Passagieren

Platz ist in der kleinsten Hütte: Mit einer Länge von fast 13 Metern bietet die Antonov AN2 Platz für 12 Passagiere und 2 Piloten.Kühl war es in den Morgenstunden beim »Fliegerstüberl« am Flugplatz in Wiener Neustadt. Treffpunkt 8:00 Uhr, aber einige Partner waren wesentlich früher gekommen. Ob es die Angst vor dem Stau auf der Tangente oder doch die Nervosität vor dem Flug war, lässt sich nicht genau sagen. In ruhiger Atmosphäre wurde die Wartezeit mit einem Kaffee verkürzt, vereinzelt waren »Gesprächsfetzen« zu hören: „Wie alt ist denn das Flugzeug eigentlich?“ oder „Na das ist sicher anders, als mit einem großen Flieger!“ Plötzlich kam Leben auf die Terrasse des »Fliegerstüberls«. „Da kommt er!“ Alle blickten gespannt auf das Flugfeld, da war er also, unser Doppeldecker. Die Stimmung hob sich, das Eis war gebrochen. Es wurde über das Alter der Maschine diskutiert und über überflüssigen Ballast gewitzt. 

Vor jedem Abflug wird der Propeller gedreht, um überschüssiges Öl abzulassen. Andere arbeiten und Oliver Karall? Der hält den Auffangbehälter, damit die Umwelt nicht verschmutzt wird ...

Dies alles ging an den Piloten Peter Gabriel und Oliver Karall vorbei, denn sie führten noch den letzten Check durch. Endlich war es soweit, sie stand vor uns, die Antonov AN-2, der größte einmotorige Doppeldecker der Welt, liebevoll »Anna« genannt. Silbrig glitzernd in der Sonne, machte sie einen fast majestätischen Eindruck: Teils bewundernd, teils skeptisch wurde sie unter die Lupe genommen. Oliver Karall begrüßte die Runde und gab die Flugroute bekannt: An Graz vorbei über den Packsattel nach Klagenfurt, entlang des Kanaltales über Udine nach Grado. Von dort imTiefflug über Lignano, Caorle und Jesolo direkt nach Venedig. Flugzeit etwa zweieinhalb Stunden, je nach Wind. Informationen über technische Details (siehe Infobox) und Sicherheitsanweisungen bekamen wir von Pilot Peter Gabriel und dann war es so weit: „Boarding is approved now.“

Obwohl der Flughafen in Maribor ein sehr moderner ist, erinnert er eher an einen Geisterflughafen.Die Vorfreude war groß und die Spannung deutlich spürbar. Das Interieur erinnerte an Szenen aus alten Kriegsfilmen. Überflüssigerweise kamen dann noch drei laute »Schüsse« hinzu, die uns etwas beunruhigten. Der besänftigende Ruf aus dem Cockpit, es handle sich lediglich um Fehlzündungen, gab wieder Sicherheit. Knarrend setzen wir uns in Bewegung, die Geräusche der Hydraulik erinnerte an einen alten Lastwagen oder Bus. Umso überraschender war der schnelle Start und das ungewohnt rasche Abheben vom Flugplatz. Unbeschreiblich, wenn die Landschaft unter einem immer kleiner wird. Aber in der Antonov eben nicht so klein, dass sich nichts mehr erkennen ließe. Von Minute zu Minute löste sich die Anspannung und der ein oder andere ging zum Cockpit, um den Piloten auf die Finger zu schauen. Ein Erlebnis, dieser Flug, man fühlte sich um Jahrzehnte zurückversetzt und war begeistert von der Sicherheit, die einem diese Maschine gab. Nur an den Geräuschpegel mussten wir uns gewöhnen. Nach einiger Zeit realisierten wir, dass wir uns im Landeanflug befanden. Die Frage nach dem »Warum?« stand uns allen ins Gesicht geschrieben, da wir weder das Meer, geschweige denn Venedig entdecken konnten. Schneller und vor allem sanfter als gedacht setzten wir auf und fanden uns vor einem modernen Flughafengebäude. Fakt war, dass uns die Wolken leider einen Strich durch die Rechnung gemacht hatten. Sie hielten sich so gnadenlos in den Bergen, dass ein Durchkommen in unserer Flughöhe nicht möglich war.Die Enttäuschung war groß. Nun waren wir also in Maribor, unsere »Anna« war das einzige Flugzeug auf dem Flugfeld und wir die einzigen Gäste im Flughafenrestaurant. Bei einem Kaffee oder Bier hofften wir darauf, dass es sich die Wolken doch noch anders überlegen würden. Die Speisekarte beschränkte sich auf zwei Stück Sandwiches. Hungrig – aber wenigstens in der Sonne und somit unbegreiflich, dass sich die Wolken so standhaft festhielten – saßen wir auf der Terrasse. Das Pilotenduo war nicht sonderlich angetan von den Umständen, die uns hier begegneten. Mit allem Eifer verfolgten sie die aktuellen Wetterkarten und telefonierten immer wieder mit der Wetterberatung der Austro Control. Langsam aber sicher wurde uns bewusst, dass uns der Markusplatz heute nicht mehr sehen wird.

Verzweifelt gesucht: Eine »Lücke« in den Wolken, die den Weg nach Venedig freigibt.

Ein Plan B musste her und der lautete in erster Linie: Hunger stillen. Mit einem Konvoi an Taxis ging es ins Zentrum von Maribor. Während des Mittagessens beschlossen wir, noch einen Abstecher nach Ungarn zu machen. Eigentlich eine Notlösung, daher stiegen wir relativ emotionslos ins Flugzeug. Nach den mittlerweile als normal angesehen Fehlzündungen, den damit verbundenen Schüssen und hydraulischen Klängen beim Manövrieren des Flugzeugs, hoben wir schnell und ohne Probleme wieder ab. 

Ein ungewohnter Flugplatz direkt auf einer grünen Wiese.An den Geräuschpegel hatten wir uns offensichtlich gewöhnt, denn nach Erreichen der Flughöhe neigte sich ein Kopf nach dem anderen. Wir verfielen allesamt – zum Glück mit Ausnahme der Piloten und einem tapferen Partner – in ein Mittagsschläfchen. Nach einer einstündigen Flugzeit setzten wir zur Landung an. Erstaunen machte sichbreit, da wir allesamt keinen Landeplatz entdecken konnten. Wir landeten zwischen einem Wäldchen, weitläufigen Wiesen mit vielen Heuballen und einer Pferdekoppel. Mitten auf der Wiese stand ein Mann imgebügelten, dreiteiligen Anzug, der uns aufs Herzlichste empfing. Nach nur wenigen Gehminuten eröffnete sich uns ein Blick auf ein wunderschönes Schloss, das tatsächlich zum Verweilen einlud. Wir wurden durch das stilvolle Schlosshotel geführt und es war offensichtlich, wie begeistert alle von dem Gezeigten waren. Als wir nach der Führung auf der großen Terrasse Platz nahmen und auf den großzügigen Park blickten, war die Entspannung greifbar, es war einfach perfekt. Der Ausblick, die Ruhe und der zuvorkommende Service waren traumhaft. „Ich fühle mich wie in einem Rosamunde Pilcher-Film!“, so die Aussage von Martin Buchelt, die die Atmosphäre doch sehr treffend beschrieb. Die Frage, ob die Wolken nicht zu dicht für den Heimflug wären, lag förmlich in der Luft, es herrschte unausgesprochene Einigkeit darüber, dass es am besten wäre, einfach hierzubleiben. In Venedig hätte es nicht schöner sein können. Verständlich, dass das Schloss Hertelendy unter anderem zum »Best Resort Hotel Hungary« gekürt wurde. Außerdem ist es – neben einem Hotel in Frankreich – das einzige seiner Art, das über einen privaten Landeplatz verfügt.

 

Das Schloss Hertelendy - eine Kulisse, wie man sie sonst nur aus »Kitschfilmen« kennt.

Der Abschied fiel uns schwer und wir bestiegen zum letzten Mal an diesemTag das Flugzeug. Für ein weiteres Highlight sorgte Pilot Peter Gabriel, als er nach einem tiefen Überflug über das Schloss zum Steilflug ansetzte und somit die ohnehin gute Stimmung im Flugzeug weiter erheiterte. Unbezahlbar war auch der Ausblick: Unter uns der Plattensee, die tiefstehende Sonne und die Tragflächen der »Anna« erlaubten den ein oder anderen Schnappschuss. Mittlerweile waren wir routinierte »Anna-Passagiere« und überraschend schnell kamen wir wieder da an, wo vor einigen Stunden alles begonnen hatte. Eine gewohnt souveräne Landung und wir wurden in den Alltag entlassen. Auch wenn wir unser gewünschtes Ziel nicht erreicht haben, war es ein wunderschöner Tag. Denn eigentlich war bei dieser Reise der Weg das Ziel, nämlich der Flug mit dem historischenDoppeldecker. EasyTherm hat seinen Partnern ein unvergessliches Erlebnis bereitet, das ist natürlich nicht der einzige lohnende Grund für eine Partnerschaft mit EasyTherm. Aber das ist eine andere Geschichte …

 

 

Informationen zur Antonov AN2:
Fertigstellung: 1988
Motor:  Sternmotor
max. Abfluggewicht: 5.000 kg
Spannweite: 18,20 m
Gesamtlänge: 12,73 m
Reisegeschwindigkeit: 180 km/h
Mindestgeschwindigkeit: 80 km/h
Dienstgipfelhöhe: 4.000m
max. Tankinhalt: 1.300 l
Verbrauch: 200-300 l/h
max. Ölmenge im Tank: 80 l
Verbrauch: 3 l/h
   
Teilnehmer:
Gerald Bamer IGB Elektrotechnik GmbH, Wiener Neustadt (NÖ)
Doris Bieder-Krennwallner e.t.u. Elektrotechnik Unger GmbH, Mannsdorf/Donau (NÖ)
Robert Buliczek Fregit Elektroinstallationen GmbH, Wien
Alexander Ehn Elektro Ehn GmbH, Stockerau (NÖ)
Gottfried Islitzer AGEtech GmbH, Virgen (Tirol)
Franz Ransmayr Ransmayr Elektrotechnik GmbH, Linz (OÖ)
Thomas Schadner SP Elektro Schadner, Kilb (NÖ)
Hannes Schiestl Elektro Schiestl, Patergassen (Kärnten)
Roland Wastian Elektrotechnik Wastian, Wolfsberg (Kärnten)

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