Heilsbringer Internet?

Roboter mähen unseren Rasen und saugen den Staub, Bildtelefonie und Videoüberwachung könnte man bereits als alten Hut bezeichnen und das Internet hat Dimensionen angenommen, die einerseits fantastisch anmuten, andererseits aber auch immer bedrohlicher werden. Abgesehen davon, dass das sogenannte Darknet nicht nur für politische Aktivisten Möglichkeiten bietet, um sich auszutauschen, wird es für Kriminelle immer mehr zum Dreh- und Angelpunkt ihrer Aktivitäten. Der Untergrund des Internets, wie das Darknet auch bezeichnet wird, den Suchmaschinen à la Google nicht abgreifen können und in dem Waffen, Drogen und Schadsoftware auf Plattformen gehandelt werden wie Konsumgüter im World Wide Web, hat mittlerweile eine Größe angenommen, die für niemanden mehr überschaubar geschweige denn einblickbar ist.

Nicht einmal den Spezialisten von FBI, Interpol & Co. ist es möglich, den cleveren Betreibern der Handelsplattformen im Darknet Herr zu werden. Abgesehen davon, dass man hier Waffen im großen Stil erwerben kann, ist das Darknet auch eine Tausch- und Verkaufsbörse für Hacker geworden. Gegen Angriffe dieser Datenverbrecher soll nun auch Internationales Recht und die Charta der Vereinten Nationen Anwendung finden – das haben jedenfalls die G7-Staaten bei ihrem Treffen im japanischen Ise-Shima beschlossen. Experten interpretieren das dahingehend, dass, wenn die UN-Charta für den digitalen Raum maßgeblich sein soll, Hacker-Angriffe so behandelt werden müssten, wie Angriffe mit Waffengewalt. Staaten, die davon betroffen wären, hätten somit das Recht, sich mit angemessenen Mitteln zur Wehr zu setzen. Wenn also die Daten der amerikanischen Handelskammer durch Malware abgegriffen werden und chinesische Quellen damit in Verbindung gebracht werden können (was tatsächlich passiert ist), so hätten die Amerikaner dann das Recht, sich mit Gewaltanwendung zu wehren?

Theoretisch ja – praktisch wird es (hoffentlich) beim Säbelrasseln bleiben. Fakt ist, dass selbst das Internetsurfen immer mehr zum Tanz auf dem Vulkan wird – für jeden einzelnen von uns. Viele von uns haben mit Viren und Trojanern bereits Bekanntschaft gemacht und manche sind Opfer von Ransomware – einer erpresserischen Form der Internet-Kriminalität – oder Ähnlichem geworden. Dabei werden Rechner infiziert, woraufhin ein Trojaner die Daten am Rechner verschlüsselt, sodass die Eigentümer darauf nicht mehr zugreifen können. Erst wenn man die geforderte Summe bezahlt, hat man eine Chance, sie wieder zu bekommen. Wir schaffen es aktuell also nicht einmal, unsere PCs oder Macs vor Zugriffen wie diesen zu schützen. Womit müssen wir rechnen, wenn es künftig, bedingt durch das Internet der Dinge, schier unendlich viele angreifbare Datenpunkte geben wird? Beispiele haben uns gezeigt, dass auch Bluetooth-Schnittstellen willkommene Eingangstore für jeden halbwegs fähigen Hacker sein werden. Deswegen wird es für die Hersteller künftig besonders wichtig sein, die Sicherheitsbarrieren ihrer Geräte vor dem Zugriff von außen deutlich zu verbessern. Der Maßstab für IoT-fähige Geräte wird dann vor allem im Bereich der Sicherheit liegen. Denn keiner von uns will gehackt werden – weder in unserem beruflichen Umfeld noch in unserem Smart-Home. Schließlich soll es weiterhin das traute Heim bleiben.

Thomas Buchbauer
Chefredakteur, i-Magazin