Das Coronavirus hält die Welt in Atem – die drastischen Maßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung ziehen weitreichende Konsequenzen nach sich. (Bild: pixabay)

Zur Lage der (Elektro-)Nation – die Redaktion nimmt Stellung:

Hat der Light + Building-Termin eine Chance?

Deutschland zieht in Sachen Corona vehement die Zügel straff. Zu den wesentlichen Einschränkungen des öffentlichen Lebens zählt unter anderem, dass Großveranstaltungen bis zum 31. August 2020 untersagt sind (Stand 16.4.2020). Sogar das traditionsreiche Münchner Oktoberfest, das von 19.9. bis 4.10. stattfinden hätte sollen, wurde nun abgesagt.

Mehr oder weniger zum gleichen Zeitpunkt (27.9. bis 2.10.) sollte – so das Vorhaben der Messe Frankfurt – die Light + Building dann doch noch in diesem Jahr stattfinden. Und das, obwohl uns laut Experten im Herbst eine neuerliche Welle der Corona-Virus-Verbreitung drohen dürfte. Abgesehen von der Gefahr eines neuerlichen Höhepunkts der Ansteckungsgefahr sind viele Details des öffentlichen Lebens aus heutiger Sicht noch völlig unklar. So ist noch überhaupt nicht absehbar, ob und in welchem Ausmaß die internationalen Aussteller mit ihrem Personal und die Besucher, die üblicherweise aus aller Welt kommen, anreisen dürfen. Stand heute ist es jedenfalls noch unmöglich, einen Flug oder ein Hotelzimmer zu buchen.

Eine aktuell durchgeführte Befragung unter Deutschlands Handwerker ergab zudem, dass zurzeit rund 15 % der Betroffenen aus den verschiedensten Gründen krankgemeldet sind – keine gute Voraussetzung für hohe Besucherzahlen. Einer der Gründe, weshalb der Veranstalter trotzdem an dem Termin festhalten möchte, liegt nahe. Wer die finanziellen Auswirkungen einer Absage auf die Messegesellschaft ins Feld führt, sollte allerdings auch bedenken, dass die Aussteller bereits für den abgesagten März-Termin Unsummen für Flüge, Hotelkosten, Messebau und Ähnliches investiert haben. Kosten, die in Corona-Krisenzeiten nur schwer erwirtschaftet werden können. Zwar erstattet die Messe Frankfurt jenen Ausstellern, die am Ersatztermin nicht teilnehmen, die Standmiete (siehe Website), für jene, die noch unschlüssig sind, oder planen, Ende September dabei zu sein, tut sich allerdings ein weiteres Problem auf: Die (nach den Corona-bedingten Konkursen verbliebenen) Standbaufirmen müssen jetzt beauftragt werden. Wenn die Pandemie im September allerdings wieder anrollen sollte, und das Veranstaltungsverbot daraufhin verlängert werden würde, würden die potenziellen Aussteller abermals auf einem Großteil der Kosten sitzen bleiben. Es liegt auf der Hand, dass die Unternehmen diese Gefahr liebend gerne vermeiden würden. Den zahlreichen Gesprächen zur Folge, die das i-Magazin im Laufe der letzten Wochen mit den Ausstellern geführt hat, soll es Anfang Mai abermals zu einer Gesprächsrunde der Protagonisten kommen. Im Zuge dieses Meetings will man die weitere Vorgangsweise abstimmen. Einige der Aussteller fordern nun von der Messegesellschaft eine Kostenbeteiligung an den Stornogebühren, die ihnen in Zusammenhang mit dem Standbau drohen, wenn es ein weiteres Mal zu keiner Ausrichtung der Messe kommt.

Letzten Endes ist man sich einig, eine saubere Lösung zu fordern und endlich klar Schiff zu machen. Schließlich will die Industrie die Mittel für sinnvolle Maßnahmen einsetzen. Maßnahmen, die nicht nur pandemiegerecht, sondern auch zeitgemäß sind. Und dabei wird aktuell nicht nur der Sinn von Messen in einer digitalen Welt hinterfragt, sondern auch wie sich das Geschäft entwickelt, wenn der Außendienst nicht persönlich beim Kunden vorstellig wird – während es sich bisher ausschließlich um Simulationen gehandelt hat, wurde im Zuge der ersten Wochen des Shutdowns nun erstmals die Realität geprobt. Die Erkenntnisse daraus könnten vieles verändern. Und soviel ist sicher: Es wird garantiert ein interessantes Match zwischen den Finanz- und Controlling-Abteilungen auf der einen und den Vertriebseinheiten auf der anderen Seite, das sich hier abzeichnet. Ob danach noch ein Stein auf dem anderen bleiben wird, ist fraglich. Denn schon heute zeichnet sich ab, dass Webinare, Videopräsentationen und ähnliche Tools die Kunden zielgerichtet und zeitlich flexibel informieren können. Welche Rolle die zwischenmenschliche Beziehung im Vertriebswesen in der Zeit nach Corona dann noch spielen wird, sei dahingestellt. Klar ist, dass die Unternehmen bereits begonnen haben, jeden Cent umzudrehen und auf der Suche nach Möglichkeiten sind, die Kosten zu reduzieren.

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