Gewitteraufzeichnung damals und heute

 

ALDIS verfügt über insgesamt acht Ortungssensoren, die sich über Österreich verteilen. Jeder dieser über GPS zeitsynchronisierten Sensoren erfasst mit hoch empfindlichen Antennen die elektromagnetischen Signale aller Blitzentladungen im Umkreis von einigen 100 Kilometern, wertet diese vor Ort aus und meldet die Ergebnisse an die ALDIS-Zentrale in Wien. Dort werden aus den Sensormeldungen der exakte Einschlagsort und die Stromstärke der Blitzentladung ermittelt – und das blitzschnell: Noch bevor der Donner zu hören ist, ist der Blitz schon geortet.

 

Die technologischen Entwicklungen der letzten 20 Jahren führten zu wesentlichen Erweiterungen der Blitzortung: Blitze bestehen oft aus mehreren Entladungen im selben Kanal – manchmal gut erkennbar an einem deutlichen Flackern des Blitzes – so genannten Folgeblitzen. War es beim Start von ALDIS nur möglich, einen Blitz zur Erde (Wolke-Erde-Blitz) als Ganzes zu orten, wird heute auch jeder einzelne dieser Folgeblitze geortet.

 

Mehr als 3,7 Millionen Blitze geortet

In den 20 Jahren seines Bestehens wurden österreichweit von ALDIS bisher 3,7 Millionen Blitze zur Erde geortet. Das sind durchschnittlich etwa 180.000 Blitze jährlich, wobei die Blitzanzahl in den einzelnen Jahren deutlich schwankt: So wurden beispielsweise im Jahr 1999 nur an die 100.000 Blitze gezählt, 2006 waren es dagegen etwa 284.000. Mit mehr als 32.000 Blitzen innerhalb eines einzigen Tages gilt der 29. Juni 2006 als bisher blitzreichster Tag seit Bestehen von ALDIS.

 

Solche Wolke-Erde-Blitze, die tatsächlich in den Boden einschlagen, führen zu den gefürchteten Auswirkungen wie Verletzungen oder Tod von Personen, Bränden oder anderen Schäden an technischen Anlagen. Darüber hinaus gibt es jedoch etwa drei- bis fünfmal so viele Entladungen innerhalb von Gewitterwolken, die ohne Bodenkontakt erfolgen. Diese Entladungen sind bei nächtlichen Gewittern gut zu beobachten und werden seit einigen Jahren von ALDIS als solche registriert.

 

Europaweite Blitzdaten laufen bei ALDIS zusammen

Als eines der Gründungsmitglieder von EUCLID (European Cooperation for Lightning Detection), dem Zusammenschluss mehrerer nationaler Ortungsnetzwerke zu einem einzigen europaweiten Ortungssystem, war ALDIS maßgeblich am Aufbau dieser Kooperation beteiligt. Auch heute noch laufen die Daten von ca. 150 Sensoren aus Europa in der ALDIS-Zentrale in Wien zusammen. Das europaweite Netz von EUCLID zeigt unter anderem, dass der Süden Österreichs, gemeinsam mit Norditalien und Slowenien, eine der Regionen mit der höchsten Blitzhäufigkeit in ganz Europa ist.

 

Weltspitze in der Blitzforschung

Unabhängig von der Blitzortung betreiben die ALDIS-Experten seit mehr als zehn Jahren eine international viel beachtete Blitzmessstation am Sender Gaisberg bei Salzburg. An hohen Türmen, wie z.B. dem 100 Meter hohen Sendemast am Gaisberg, können pro Jahr bis zu 100 Blitze auftreten. Dabei wird die überwiegende Zahl dieser Blitze von den Türmen selbst ausgelöst. Dieses Phänomen der »Blitztriggerung« durch hohe Objekte tritt zum Beispiel auch bei den großen Windkraftanlagen auf, die heute Höhen von bis zu 200 Metern erreichen. Der optimale Blitzschutz von Windrädern ist daher auch Thema mehrerer internationaler Arbeitsgruppen. ALDIS besitzt heute mit den bisher mehr als 800 am Sender Gaisberg gemessenen Blitzen einen der weltweit besten Datensätze an von hohen Türmen ausgelösten Blitzen. Diese Daten dienen unter anderem zur Bestimmung diverser Kenngrößen von Blitzen, wie typische Stromamplitude oder Ladungsinhalt.

 

Mit mehr als 150 wissenschaftlichen Publikationen in internationalen Fachmagazinen oder bei Fachtagungen hat sich ALDIS in den 20 Jahren seines Bestehens als weltweit anerkannte Blitzforschungseinrichtung etabliert. Auch wenn die Blitzforschung bereits viele Fragen beantworten konnte, gibt es dennoch eine Reihe noch ungeklärter Aspekte rund um das Phänomen Blitz. Die Ortungsdaten und die Blitzmessungen am Gaisberg liefern einen wichtigen Beitrag zur weiteren Klärung.

 

www.aldis.at

www.apg.at

www.siemens.at

 

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