»Geschäfte werden immer noch mit Menschen gemacht«

Zwei traditionelle Unternehmen haben zusammengefunden – wie wir bereits berichteten, fädelte Lorenz Schweitzer bereits im Mai die Übernahme des oberösterreichischen Elektrogroßhändlers Eichmann ein. Nun ist es offiziell und seit 15.11.2016 im Firmenbuch eingetragen. Ein guter Grund für uns, noch einmal bei den Verantwortlichen des Stara-Eichmann-Deals nachzuhaken, was dieser mit sich brachte und vor allem, was bestehende und künftige Kunden nun davon haben werden.

Dazu standen uns die beiden Stara-Geschäftsführer Peter und Lorenz Schweitzer, Vertriebsleiter Ing. Johannes Leidl und der alte und gleichzeitig neue Geschäftsführer für den Einkauf und für die Zusammenführung der beiden in Oberösterreich befindlichen Niederlassungen zuständige Thomas Gschwendt zum Gespräch zur Verfügung:

Stara-Geschäftsführer Peter SchweitzerMeine Herren, gehen wir noch einmal zurück zum Anfang. Was war die Motivation, eine Firma wie Eichmann zu übernehmen?
Lorenz Schweitzer: Wir haben die Chance gesehen, in Linz und damit in Oberösterreich mehr zu erreichen und unsere Ressourcen zu bündeln. Stara war bis Dato im Raum Linz – zumindest im Vergleich zu Wien – sehr klein aufgestellt. Das hat sich mit der Übernahme nun geändert.
Peter Schweitzer: In die Stara-Filiale in Linz hätten wir definitiv investieren müssen, was Gebäude und Mitarbeiter betrifft. So schlagen wir sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe, indem wir einen neuen Standort mitsamt seinen Mitarbeitern übernehmen. Bei Eichmann hat man manche Dinge einfach anders gemacht als bei Stara – das ist also auch eine gute Gelegenheit, voneinander zu lernen.

Welche Stärken, die hier angesprochen werden, kann Eichmann nun in die neue Partnerschaft mit einbringen?
Thomas Gschwendt: Eichmann war, wie auch Stara, ein traditionell etablierter Großhändler am oberösterreichischen Markt. Letztendlich kämpften wir aber beide damit, dass wir im Wettbewerb zu klein waren. Die Partnerschaft mit Stara bringt nun eine Größenordnung mit sich, von der wir uns für die Zukunft sehr viel erwarten. Wir ergänzen uns strukturell sehr gut, so bringen wir, um nur ein Beispiel zu nennen, unser umfassendes Know-how im Bereich der Photovoltaik mit ein, von dem man bei Stara nicht nur in Oberösterreich profitieren kann.

Kann man den gemeinsamen Umsatz beziffern?
Peter Schweitzer: In Summe kommen wir nun auf rund 50 Millionen Euro, für das heurige Jahr. Das wollen und müssen wir in Zukunft natürlich weiter ausbauen.

Stara-Geschäftsführer Lorenz SchweitzerWas hat der Kunde von dieser Übernahme? Wie schätzen Sie die Kundenüberschneidung Eichmann und Stara ein?
Lorenz Schweitzer: Sowohl die (ehemaligen) Eichmann- als auch unsere Kunden können nun auf ein größeres Sortiment zurückgreifen. Im Bereich Produktmanagement sind wir nun ebenfalls besser aufgestellt. Ehemalige Eichmann-Kunden profitieren nun außerdem von unserem hohen Service-Grad in der Auslieferung, wie etwa unsere Nachtlieferung, oder dem Stara-24-Stunden Abholcontainer. Stara-Kunden in Oberösterreich profitieren nun wiederum vom besseren Standort, der ein größeres Gebäude, einen größeren Kundenparkplatz und auch ein größeres Lager bietet. Das Linzer Lager wird nicht nur weitergeführt, sondern weiter ausgebaut, so haben wir nun zwei große Lager zur Verfügung, von denen Wien als auch Linz jederzeit wechselseitig profitieren.
Johannes Leidl: Wir haben uns mögliche Kunden-Überschneidungen im Vorfeld natürlich ganz genau angesehen und sind nicht zuletzt auch aufgrund dieser Überlegungen zum Entschluss für die Übernahme gekommen. Konkret: Diese Überschneidungen gab es, sie waren aber nicht so groß, wie man vielleicht erwarten würde. Der Elektrogroßhandel ist ein lokales Geschäft. Der Fokus bleibt auf Ostösterreich. Linz und Wien ergänzen sich logistisch sehr gut. Wir erwarten hier also einen echten Umsatzzuwachs.
Der Außendienst hat nun außerdem mehr Luft und somit auch die Möglichkeit, sich wieder verstärkt auf neue Kunden zu konzentrieren.

Stara-Niederlassungsleiter Oberösterreich Thomas GschwendtDas ist also einer der seltenen Fälle, bei denen man wirklich von Synergien und zwar auch zum Vorteil der Kunden sprechen kann. Was haben Ihre Lieferanten von der neuen Situation?
Gschwendt: Wir waren zwei Unternehmen, die ehrlich gesagt zu klein am Markt waren und dadurch natürlich auch ein gewisses Risiko für Lieferanten darstellten. Das hat sich nun geändert – durch unsere neue Größenordnung bieten wir unseren bestehenden Lieferanten nicht nur mehr Sicherheit. Zudem hoffen wir nun natürlich auch auf neue Lieferanten und sind gerne für Gespräche bereit.

Oberösterreich ist ein traditionelles Industrieland. Liegt der Fokus nun eher auf Industrie oder Gewerbe?
Leidl: Unser klassischer Zielkunde ist dem Gewerbegeschäft zuzurechnen, das wir vorhaben, auch weiter auszubauen – auf das verstehen wir uns, so sind wir aufgestellt. Ich denke auch, es ist besser, man macht sein Geschäft so gut wie möglich und versucht nicht überall mitzulaufen.
So haben wir in Zukunft auch vor, unsere Kunden im Bereich Marketing besser zu unterstützen, sodass auch sie zu ihren Kunden hin stärker auftreten können. Das ist der klassische Gewerbekunde und den wollen wir bestmöglich unterstützen. Industriekunden nehmen wir gerne an, sofern wir es gut abdecken können, aber nicht um jeden Preis.

Wie groß ist der Anteil des Umsatzes, der bei Stara über den Webshop läuft?
Lorenz Schweitzer: Bisher beläuft sich dieser auf etwa 40 Prozent. Die Übernahme wird jetzt aber natürlich neue Zahlen bringen.

Stara-Vertriebsleiter Ing. Johannes Leidl Wenn immer mehr Richtung Online-Vertrieb geht, warum kauft man dann noch einen Standort?
Peter Schweitzer: Man kann einen noch so guten Webshop haben, das Geschäft wird mit Menschen gemacht. Wir haben sehr engagierte Mitarbeiter bei Stara-Linz, die durch nicht minder engagierte Mitarbeiter von Eichmann ergänzt werden. Das zusammen kann nur eine gute Synergie bringen. In der Konzernsprache bedeuten »Synergien nutzen« häufig, Mitarbeiter zu entlassen. Wir haben uns aber gegen einen sogenannten »Kahlschlag« entschlossen, der bei Übernahmen häufig durchgeführt wird und haben uns ganz bewusst dazu entschieden, die Menschen mitzunehmen und für eine gute Atmosphäre zu sorgen. Wenn sich dadurch neue Kunden ebenso bei uns wohlfühlen und zu uns kommen, dann brauchen wir auch keine Mitarbeiter zu entlassen.
Lorenz Schweitzer: Der Webshop ist ein »Ergänzungstool«, um Bestellungen einfacher zu machen und auch außerhalb der regulären Wochen-Arbeitszeiten von 8 bis 17 Uhr zu ermöglichen. Eine fortwährende Betreuung, wie sie beispielweise bei Projekten nötig ist, kann ein Webshop nicht bieten.
Ohne guten Webshop geht es aber heute natürlich auch nicht mehr. Wir werden die Fusion auch dazu nutzen, im nächsten Jahr einen neuen Webshop zu präsentieren – inklusive App-Unterstützung und Scan-Funktion – der auf dem Feed- back unserer Kunden basiert.
Gschwendt: Man muss auch ganz klar sagen, dass wir im B2B- und nicht im B2C-Bereich agieren. Nach wie vor ist die Kunden- und Marktnähe von entscheidender Bedeutung.

Wie ist die Führungsstruktur in Linz nun aufgeteilt?
Lorenz Schweitzer: An der Spitze bleiben Thomas Gschwendt und Helmut Haider. Der Haupteinkauf findet nach wie vor in Wien, die Disposition getrennt in Linz statt. Dazu haben wir uns bewusst entschieden, damit in Linz normal weiter gearbeitet werden kann. Die Optimierung schauen wir uns dann gemeinsam in weiterer Folge an.

Wird der Name Eichmann die Übernahme überdauern?
Gschwendt: Momentan wird der Name Eichmann noch weiter verwendet, auch um unsere Kunden nicht zu verwirren. Im Sinne eines sauberen Übergangs wird aber das Logo und somit natürlich auch der Name Eichmann über kurz oder lang verschwinden. Wir, also die ehemaligen Mitarbeiter von Eichmann, wollen uns künftig auch ganz klar als Stara positionieren. Peter Schweitzer: Natürlich sind durch die Übernahme so manche Turbulenzen entstanden. Darum möchte ich mich abschließend noch bei unseren Kunden für ihre Geduld und bei unseren Mitarbeitern, die alle wirklich fleißig mitgearbeitet haben, bedanken! Innerhalb kurzer Zeit wurde schon viel bewegt, aber es gibt natürlich noch viel zu tun. Daher werden wir weiterhin an einem Strang ziehen, um gemeinsam ein tolles Ergebnis zu schaffen!

Werte Herren, wir danken für das Gespräch!

Das Interview wurde geführt von Thomas Graf-Zoufal Text: Mag. Niklas Seitz

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