Junge Menschen in der Elektrobranche
Inwieweit gehen Messen auf die Bedürfnisse junger Menschen ein? Ein Kommentar, der die aktuelle Situation hinterfragt. Foto: www.i-magazin.com

Von entbehrlichen Messen und drohender Vergreisung

Gehen Messen mit der Zeit?

Es ist erschreckend: Diese Branche vergreist zusehends. Ich bin jenseits der 50 und deswegen prädestiniert, dieses Thema anzusprechen, ohne dass mir jemand Voreingenommenheit unterstellen kann. Dieses Phänomen zieht sich durch die gesamte Wertschöpfungskette der Elektrotechnik. Sowohl der Facharbeiter- als auch der Lehrlingsmangel kommen nicht von ungefähr – wir wundern und beschweren uns, unternehmen aber nichts Entscheidendes, um die Jugend für die Technik zu begeistern. Glaubt tatsächlich jemand ernsthaft, die jungen Menschen mit Verteiler-Bestückungs-Wettbewerben für den Beruf des Elektrotechnikers begeistern zu können? Wir müssen sie mitreden lassen, ihnen zuhören, sie mit ins Boot holen und ihnen vor allem den Nährboden für Träume bieten. Die Umsetzung der Energiewende, der Elektromobilität und der Digitalisierung ist die größte Chance, den Nachwuchs für unsere Sache zu euphorisieren, seit der Erfindung der Glühlampe. Nur wenn wir die Themen zeitgemäß aufbereiten, werden wir das Feuer, das in unserer Brust für die Elektrotechnik brennt, auf die »Generation Greta« übertragen können.

Thomas Buchbauer

Jugend vor Masse!

Apropos über 50 – gerade die Messe Frankfurt mit ihrer Parade-Branchenveranstaltung Light + Building ist dringender denn je gefragt, Antworten auf diese Frage zu liefern. Denn ein Event, das den großen Ausstellern im Zweijahres-Rhythmus Kosten im deutlichen Millionen-Euro-Bereich verursacht, muss aus der Sicht vieler Branchenteilnehmer mehr bieten, als nur eine neue Messehalle (und die ist zweifelsohne top) zur Verfügung zu stellen. Wo sind die Konzepte, Startups mit ins Boot zu holen, ihnen Präsentationsflächen zu vergünstigten Konditionen zu bieten und damit auch das Interesse der Jugend, die Messe zu besuchen (vielleicht auch nur digital), zu steigern? In Anbetracht der Jugend und ihren Gewohnheiten stellt sich ohnehin die Frage, ob eine analoge Messe in einer digitalen Welt überhaupt noch zeitgemäß sein kann.

»Man kann Geld in eine Phase der Rezession auch sinnvoller ausgeben«

Manche der über 2.000 Aussteller (Stand 2018) meinen hinter vorgehaltener Hand mittlerweile ohnehin, dass sie eigentlich nur noch präsent sind, weil sie ihr Gesicht nicht verlieren möchten. Zu groß sei die Angst vor der »schlechten Nachrede«. Aber letztlich ist es nicht nur das: Der Return of Investment der Aussteller hält sich immer mehr in Grenzen, wie uns so manche Insider bestätigen. Vor allem die kleinen und mittleren Unternehmen stöhnen unter der Last, die ein Event vom Kaliber einer Light + Building kostet. Eines der Unternehmen, das die finanzielle Belastung endgültig nicht mehr stemmen wollte, ist Zumtobel. Die Vorarlberger hatten nun den Mut, die Teilnahme an der Light + Building abzusagen – der heimische Leuchtenhersteller investierte die freigewordenen Mittel vorzugsweise in seine hochmodernen und über Jahre gesehen nachhaltigere Lichtforen von A wie Amsterdam bis Z wie Zürich und in andere kunden- und umsatzbringende Maßnahmen (Details dazu nachzulesen in der Coverstory der nächsten i-Magazin-Ausgabe).

Liebe Hersteller: Informiert uns vor Messebeginn!

Mangel an Zeit zählt in den letzten Jahren wohl zu einem der größten Probleme im Wirtschaftsleben. Nicht zuletzt deswegen stehen Messen auch vermehrt in der Kritik. Für den Besuch einer Veranstaltung wie der Light + Building sind drei bis vier Tage das Minimum, um einen tatsächlichen Überblick über die Neuheiten zu bekommen. Tagesausflüge, wie sie der Großhandel in der Vergangenheit organisierte, sind – abgesehen von der Umweltbelastung (Pariser Ziele lassen grüßen!) – der reinste Nonsens und bei genauer Betrachtung auch eine Vernichtung von finanziellen Ressourcen. Doch um einen Besuch sinnvoll planen zu können, sollte man auch wissen, was die Aussteller auf ihren Messeständen an Neuheiten zu bieten haben. Hier liegt der Ball nun auf Seiten der Industrie, die es in der Vergangenheit ähnlich wie die Autohersteller gehalten haben und ihre »geheimnisumwobenen Erlkönige« erst zum Messestart enthüllt hatten.

Die Metternichsche Politik der Geheimnistuerei vieler Aussteller lässt sich mit der Dynamik unserer Zeit nicht mehr vereinbaren. Die Messe sollte ein Wettbewerb der Innovationen und keiner des Versteckens sein. Die Angst vor den Kopien »made in China« darf im Jahr 2020 kein Argument mehr sein – denn mittlerweile ist es die europäische Wirtschaft, die danach trachten muss, nicht den Anschluss an die asiatischen Länder zu verlieren.

Deswegen, liebe Hersteller! – Informiert uns vor der Light + Building über eure cleveren Systeme, intelligenten Highlights und designorientierten Neuheiten, damit wir euch dabei unterstützen können, die Botschaften über unsere Kanäle an eure Zielgruppen zu bringen! Wir stehen bereit!

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