Auf der Architect@Work 2018 definierten schwarze Vorhänge Grenzen und fungierten in der Messehalle als Raumerzeuger. (Bild: i-Magazin)

Architect@Work Wien 2018:

Exklusivität mal 172

Die zweitägige Fachmesse Architekt@Work fand heuer bereits zum dritten Mal in der Wiener Stadthalle statt, diesmal unter dem Motto »Textil in der Architektur«. Lichter und Schatten enthüllten die exklusiven Produkte der 172 Aussteller aus architekturaffinen Branchen. Die Veranstaltung bot auch zahlreiche Vorträge und die Möglichkeit zum Networken in den hippen Loungebereichen. Wir waren vor Ort und erfuhren wie man mit einem Online-Konfigurator Licht modellieren kann.

Von DI Dr. Alaleh Fadai

Trotz des schönen Herbstwetters besuchten etwa 3.000 Interessenten im Oktober die dritte Edition der Architekt@Work in der Wiener Stadthalle. In einer entspannten Atmosphäre konnte man die neuesten Produkte entdecken, sich in den Vorträgen informieren oder sich mit Kollegen austauschen.

Textil in der Architektur 

Ganz im Sinne des Architekten Gottfried Semper, der die Beziehung von Textilien zum Raum im 19. Jahrhundert deutlich machte, stand heuer das Thema »Textil in der Architektur« besonders im Fokus der Architekt@Work. Dieses Motto spiegelte sich ebenfalls im Innendesign der Ausstellung wider und zeigte, dass Textilien mehr als nur »Stoff« sind. Wie bereits der Philosoph Martin Heidegger erklärte, beginnt das Wesen ab einer Grenze bzw. lässt die Grenze den Raum überhaupt zu. Man bediente sich hier genau dieses Konzepts: Schwarze Vorhänge definierten Grenzen und fungierten in der Messehalle als Raumerzeuger, besser gesagt als »Gangerzeuger«. Diese Gänge mit Loungecharakter, die sich zwischen den Ausstellungsbereichen befanden, boten den Besuchern Raum um zu netzwerken und sich dabei zu stärken.

Innovation und Information

Auf der Messe stellten insgesamt 172 Aussteller aus verschiedensten architekturnahen Branchen ihre neuesten und innovativsten Produkte vor, die zuvor von einem Architekten-Ausschuss freigegeben worden waren. Aus Sicht der Begutachter ist es nicht jedes Produkt auch wert ausgestellt zu werden. Die Auswahlkriterien waren sehr streng – ausschließlich innovative, exklusive Produkte, Materialien, Anwendungen oder Dienste, die nicht älter als ein Jahr waren, durften auf der Messe präsentiert werden. Denn die Architekten – die Hauptzielgruppe dieser Messe – sind sehr anspruchsvoll und detailverliebt. Die Messestände der Aussteller mussten zudem schlicht gehalten werden und durften keinesfalls von den Innovationen ablenken. Zahlreiche Aussteller aus der Lichtbranche, sowie der Haus- und Gebäudeautomation waren ebenso auf der Messe vertreten.

Architektur durch Licht zum Leben erwecken

Es ist nicht verwunderlich, dass die Lichtbranche mit vielen Ständen auf der Architekturmesse präsent war, denn Licht spielt bei der Gestaltung von Räumen eine wesentliche Rolle. In der Architektur erfüllt Licht vielfältige Aufgaben. Mit Licht lassen sich Räume oder Objekte gut inszenieren, man kann damit bewusst Stimmungen erzeugen, für eine gemütliche Atmosphäre sorgen und vieles mehr. Bereits im Architekturstudium lernen angehende Architekten die folgende Maxime von Le Corbusier, der auf die untrennbare Verbindung zwischen den Gebäuden und dem Licht verwies: „Architektur ist das kunstvolle, korrekte und großartige Spiel der unter dem Licht versammelten Baukörper. Unsere Augen sind geschaffen, die Formen unter dem Licht zusehen: Lichter und Schatten enthüllen die Formen […]“ (Vers une architecture, 1922). Demnach wird Architektur durch Licht überhaupt zum Leben erweckt und ein Bauobjekt durch Beleuchtung erst interessant. Die Architekten auf der Architect@Work nahmen das Angebot rund um Licht –insbesondere maßgeschneidertes, flexibles, innovatives Licht also gerne an. Wie etwa das maßgeschneidertes Lichtsystem »Snooker« von Prolicht. Mit einem Online-Konfigurator kann man je nach Bedürfnis Räume mit Licht modellieren und das Ergebnis anschließend als CAD-Datei exportieren. Dieses System erfreut sich bei Architekten für den Einsatz in Begegnungsorten, wie etwa Lobbys oder im Gastronomiebereich großer Beliebtheit, denn sie ist flexibel, variabel und anpassungsfähig. Das stufenlose, unsichtbare System »Gravity Lift« ermöglicht durch Anpassung der Höhe und der Position die Erschaffung einer wellen- oder bogenförmigen Lichtskulptur. Die kurze Produktionszeit von nur fünf Tagen rundet das Portfolio von »Snooker« ab. Prolicht ist seit Oktober jetzt auch in Wien mit einem Büro vertreten.

»Wiggle« – so nennt sich ein weiteres flexibles »schlängelndes« Licht, das sich der Architektur unterordnen kann, von der Firma Regent Licht. Dank einzelner Lichtelemente ist die Leuchte vor Ort formbar und passt sich somit der Gebäudeform und der Länge an. Eine Gestaltung als Lichtobjekt ist ebenfalls möglich.

Modular Lighting Instrument ist ein weiterer Hersteller von angesehenen Architekturleuchten, der auf der Messe vertreten war. Die minimalistische kleine und vielseitige Spotleuchte »Qbini«, die präsentiert wurde, verfügt über einen Einbaurahmen, den man ein- und ausklicken kann. Durch Aneinanderreihung mehrerer Rahmen gelingt es, eine unbegrenzte Anzahl von Leuchten im Winkel von 90° oder 180° miteinander zu verbinden. Beim Fachpublikum stieß ebenfalls die personalisierbare Leuchte »Pista« von Modular Lighting Instrument auf Interesse. Ausgestattet mit flachen, schlanken Magnetschienen bietet sie gestalterische Vielseitigkeit. Die verschiedenen Module an Einzel- oder Mehrfachschienen lassen verschiedene geometrische Varianten bei der Beleuchtungskonfiguration zu. Das Motto bei »Zumtobel« war das »Erlebbarmachen« des Zusammenspiels von Licht und Architektur. Mit »Optos« kann man etwa von punktueller Akzentuierung bis homogener Ausleuchtung einen Raum gekonnt in Szene setzen. Die Lichtquelle ist zur Freude des Architekten dabei tief zurückgesetzt und bleibt dem Betrachter verborgen. Auch das kleine langlebige »Downlight« der norwegischen Firma Sg Leuchten, das für ein schönes stimmungsvolles Licht sorgt, nimmt sich eher zurück. Auf der Messe war »Nano« allerdings umso mehr in Szene gesetzt als Dekobaum mit LED Blüten.

Dass Bürobeleuchtung mehr als nur funktional sein kann, beweisen die folgenden Büroleuchten. »Chanel S Up« heißt das Glanzstück der neuen Generation der Bürobeleuchtung bei Regent Licht. Das «S» steht für schlank und das «Up» für zusätzliches Indirektlicht. Um 50 % erschlankt fügt sie sich nun noch eleganter in die Architektur ein, ist dabei energieeffizient und erfüllt die Normvorgaben der Arbeitsplatzbeleuchtung. Mit einer Neuigkeit überraschten die Geschäftsführer von Lutena Light Vision Ing. Christian Trifich und Ing. Daniel Maierhofer: „Mit Ende des Jahres übernimmt Lutena Light Vision den Vertrieb von Regent Licht in Österreich.“

RZB inszenierte auf der Messe die Pendelleuchte für den Bürobereich »Twindot« als »Eye-Catcher«.

Rahmenlos – im Raum schwebend – erzeugt sie ein flächiges, blendfreies und sanftes Licht mit weichen Schatten. »Twindot« zieht die Aufmerksamkeit der Architekten magisch auf sich, so Thomas Schmiedinger, Vertriebsleiter von RZB. „Sie können einfach nicht anders, als sofort stehen zu bleiben und sich über die minimalistische LED Leuchte zu informieren,“ erzählte Schmiedinger.

Technik und Design vereint

Fließende Übergänge und eine elegante Verarbeitung – das wünschen sich Architekten. Diese Wünsche konnten sie sich auf der Architect@Work mit den trendigen Schaltern erfüllen. Großen Anklang fanden etwa die Schalter der belgischen Firma Tense by Elektrohaus bei Architekten. Mit einer umfangreichen Produktpalette von hochwertigen Rohstoffen wie Holz, Glas, Stein oder Aluminium, können die Designvorstellungen umgesetzt werden. Die Schalter lassen sich flächenbündig installieren und sind sogar innerhalb einer Woche lieferbar. Die Schalterfirma Jung präsentierte auf der Architect@Work seine »Hospitality-Lösungen« für den Hotelbereich. Das System »Corridor Unit«/»Room Unit« erleichtert die Kommunikation zwischen Personal und Gast und vereint Technik mit modernem Design.

Die ausgestellten Produkte der Firma Lithoss sind ebenfalls für den Hoteleinsatz gedacht. Die Messenbesucher konnten die eleganten Bodensteckdosen der neuesten Linie »Arpi« bewundern und Dimmer im Vintage-Look, die von Bedienpanelen in Flugzeugen inspiriert worden bestaunen.

Die Messe erzielte eine Gesamtzufriedenheit – sowohl bei den Ausstellern als auch bei den Organisatoren, die bereits mit den Vorbereitungen der Architect@Work 2020 in Wien begonnen haben.

www.architectatwork.at

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