»Es ist egal, wer die Tore schießt«

 

Jung, dynamisch, innovativ – und dabei vermeiden Thomas Kretzer und Michael Blum gänzlich jegliche Art typisch deutscher Attitüden. Dem Geschäftsführer der deutschen Trilux-Vertrieb GmbH in Arnsberg und seinem Kollegen, der als Geschäftsleiter für Vertrieb und Marketing fungiert, ist völlig klar, dass der österreichische Markt anders funktioniert und setzen deswegen auch andere Maßstäbe an. Welche das seien, wollten wir von den beiden Managern wissen und baten sie vor das i-Magazin-Mikro.

 

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Lesen Sie, warum der Marktführer in unserem Nachbarland auch hierzulande nachjustieren muss!

Herr Kretzer, Herr Blum – es wird viel geredet über Trilux. Was ist passiert?

Michael Blum, GL Vertrieb und Marketing: Wie wir alle wissen, hat die Lichtbranche in den letzten Jahren viele Veränderungen erfahren.  Auch Trilux hat sich davor selbstverständlich nicht verschlossen. Nachdem die deutsche Mutter bereits in den letzten vier Jahren Anpassungen vorgenommen hat, war eine Neuorientierung schließlich auch in Österreich notwendig. Nach den Gerüchten der letzten Monate gehen wir nun an die Öffentlichkeit, um Klarheit zu schaffen.
Thomas Kretzer, GF der Trilux Vertriebs GmbH: Ich bin seit nunmehr 27 Jahren bei Trilux tätig – das kann man mir nun ausgelegen wie man will. Ich persönlich sehe das allerdings von der positiven Seite. Denn trotz der Kontinuität im Team haben wir stets bewiesen, dass wir flexibel sind und uns den Gegebenheiten des Marktes unverzüglich anpassen können. Vor allem in den letzten Jahren haben wir viele Veränderungen herbeigeführt und dabei die menschliche Komponente nie außer Acht gelassen – von den über 220 Mitarbeitern in unserer deutschen Vertriebsgesellschaft sind mittlerweile viele dabei, die bereits seit einem Jahrzehnt oder mehr der Firma zugehören – und das verbuchen wir als Erfolg.

Unseren Informationen nach sind die Trilux-Niederlassungen in den österreichischen Bundesländern bereits geschlossen – mit welchem Hintergrund?
Blum: Wir setzen nun einen Weg fort, den wir in Deutschland vor rund vier Jahren begonnen haben – nämlich Kompetenz-Center zu installieren. Diese sollen die Aufgabe einer Anlaufstelle wahrnehmen – eine, bei der die Kunden den Support bekommen, den sie brauchen: nämlich technische Unterstützung, Lieferauskunft, Kontakt zum Werk etc. Dieses Kompetenz-Center wird in Wien angesiedelt sein. Selbstverständlich behalten wir aber gleichzeitig den Außendienst in den Bundesländern bei.
Kretzer: Wir agieren zwar in Deutschland auch von Kompetenz-Centern aus – nämlich von sechs an der Zahl – das bedeutet aber nicht, dass wir das System hier einfach nur überstülpen wollen. Wir haben vollkommen unterschiedliche Vorzeichen auf den beiden Märkten: In Deutschland sind wir Marktführer und in Österreich mischen wir mit, sind aber ganz und gar nicht in einer vergleichbaren Position. Und noch einmal: Wir wollen nicht, dass der Verdacht aufkommt, dass die Deutschen glauben, alles besser zu wissen. Wir sind uns völlig im Klaren, dass der österreichische Markt vollkommen anders tickt. Deswegen machen wir unser Geschäft auch mit einem österreichischen Team vor Ort. Im Kompetenz-Center Wien gibt es die Andockstation für die Kunden – 10 Mitarbeiter bilden hier die Anlaufstation. Wie lange das Team daran arbeitet ist letztendlich von der Aufgabenstellung abhängig. Aber betrachten wir etwa den Bereich der Außenbeleuchtung – hier gibt es in Arnsberg ein Team, das sich mit nichts anderem beschäftigt. Klar, dass man in so einem Fall die Informationen wesentlich schneller bekommt, als das vielleicht bei dem einen oder anderen Mitbewerber der Fall ist. Unser Ziel ist es definitiv, schnellstmöglichstes Service zu bieten. Die Differenzierung findet in Zukunft nicht mehr alleine über die Produkte statt, sondern über die Menschen und das Service und dass man es als Hersteller schafft, den Nutzen für die Kunden rüberzubringen. Deswegen sind wir drauf und dran, unsere Außendienst-Mitarbeiter zu Beratern zu machen, die den Fachleuten veranschaulichen können, worin der Nutzen der Trilux-Systeme liegt. Das Kompetenz-Center in Wien wird in Zukunft für bestimmte Bereiche zuständig sein. Dazu hat es auch eine Aussendung geben, die unsere Kunden umfassend informiert. Selbstverständlich informieren wir auch über unsere Website, arbeiten mit QR-Codes und denken auch über Apps – etwa für Lichtberechnungen – nach. Hinzu kommt, dass durch den Technologiewandel hin zur LED, ein großer Wissensbedarf am Markt ist – man könnte es als »Halbwissen« bezeichnen, über das viele Player verfügen. Und das kann gefährlich sein. Wir sehen es als unsere Aufgabe, hier entgegen zu wirken.

Welche Aufgabenteilung hat Trilux in Österreich vorgesehen?
Kretzer: Wir agieren nun mit zwölf Außendienst-Beratern, die auf ganz Österreich aufgeteilt sind und von Home-Offices aus arbeiten. Bestellungen, technische Beratung und Lieferauskunft bekommen die Kunden im Kompetenz-Center Wien. Peter Hermanseder ist für den Großhandel zuständig, Gerold Jungreithmaier für die Außen- bzw. Straßenbeleuchtung. Der Vertriebsapparat in Deutschland umfasst alleine 220 Personen – dadurch ist das Spezialistentum sehr ausgeprägt und vielfältig. Das kommt nun auch Trilux Österreich zugute – denn die Mitarbeiter können sich, wenn es sehr speziell wird, bei den angesprochenen Teams vertieftes Wissen einholen. Selbst wenn manches nicht immer dafür spricht – Deutschland hat die gleiche Sprache und die gleiche Währung. Und diesen Vorteil werden wir künftig verstärkt nutzen. All das ist auch die logische Konsequenz aus der Umstellung der Logistik, die vor einiger Zeit über die Bühne ging – seit 2009 werden die Kunden ja aus dem Zentrallager in Arnsberg beliefert. Damit stellen wir ein Service zur Verfügung, das dem, das wir zuvor hatten, gleichkommt, wenn nicht gar besser ist. Die »Renner« aus unserem Produktsortiment – also rund 40% – sind in 48 Stunden lieferbar. Die restlichen Produkte liefern wir ab Bestellung spätestens nach drei Wochen aus.
Blum: Noch mal zurück zum Außendienst – unser Ziel ist es, die Beratungszeit beim Kunden zu erhöhen. Die Konsequenz daraus ist, den Support im Innendienst auszubauen, und das haben wir durch die Einrichtung der Kompetenz-Center erreicht. Selbstverständlich setzt das auch die Qualifizierung unserer eigenen Mitarbeiter bei derartig vielfältigen Themen voraus.

Das setzt auch eine Spezialisierung voraus…
Kretzer: Die Spezialisierung des Vertriebskanals ist dafür Grundbedingung – wir haben das in Deutschland mittlerweile verinnerlicht. Es gibt ein eigenes Team für »Licht und Gesundheit« – also alles rund um das Thema Krankenhäuser, Altenpflegeheime etc. – selbstverständlich auch eines für den Bereich »Außenbeleuchtung«, deren Zielgruppe völlig andere Ansprüche an uns und an die Produkte stellt und – last, but not least – das Segment der »Innenbeleuchtung« mit all ihren Facetten und den entsprechenden Spezialisten.

Herr Schmutzer, der für den Krankenhausbereich in Österreich verantwortlich war, hat Trilux ja vor Kurzem verlassen. Wer wird seine Aufgaben in diesem speziellen Bereich übernehmen?
Kretzer: Wir haben dafür das bereits erwähnte Team »Licht und Gesundheit« in Deutschland, das über einen Ansprechpartner im Kompetenz-Center Wien die Aufgaben aus Österreich rasch und kompetent lösen wird.

Was bedeuten all diese Veränderungen in der Praxis? Werden die österreichischen Interessenten im Falle einer notwendigen Beratung mit Deutschland kurzgeschlossen?
Kretzer: Erste Anlaufstelle sind die kompetenten Trilux-Mitarbeiter hier im Kompetenz-Center Wien – also die klassische Trilux-Kernkompetenz für das Projektgeschäft, mit dem die Planer, Elektrounternehmer und Architekten in der Regel mehr als ausreichend betreut und informiert werden. Dabei werden wir uns in Zukunft auf ein eingeschränktes Sortiment konzentrieren – etwa im Bereich der Downlights; die werden wir künftig nur noch in der LED-Ausführung anbieten. Damit wollen wir ein Zeichen setzen und uns über die Technik differenzieren. Denn aus Preiskämpfen werden wir uns tunlichst heraushalten.

 

Wie gestaltet sich künftig die Zusammenarbeit mit dem heimischen Elektrogroßhandel?
Kretzer: Auch hier gibt es aufgrund der Vorgangsweise der Marktteilnehmer Unterschiede zu anderen Ländern. In Deutschland wendet sich das Elektrounternehmen an seinen Großhandel, der ihm daraufhin die Ware beschafft. In Österreich neigen die Elektrotechniker dazu, sich jede einzelne Leuchte und manchmal auch die Leuchtmittel – im Glauben, den besseren Preis zu erzielen – selbst zu besorgen. Wir wissen, dass wir an dieser Eigenheit des Marktes nichts verändern können, sehen aber den Großhandel auch in Österreich als unseren Partner. Das sieht man ja schon alleine daran, dass wir mit Peter Hermanseder einen erfahrenen Mitarbeiter für diesen Bereich abgestellt haben. Wir werden auch danach trachten, kompetente Großhandelsniederlassungen in das Projektgeschäft einzubinden, denn wir verstehen uns auch in Österreich nicht als Handelsunternehmen sondern als Hersteller und Lieferant von »neuem Trilux-Licht«.

Ihr Unternehmen wird von den Protagonisten der Lichtbranche dementsprechend geschätzt – Trilux gilt als verlässlich, kompetent und innovativ. Allerdings bezeichnet man sie auch als »typisch deutsch« – vieles dauert, weil sie es manchmal zu genau nehmen, zu lange für den ­Geschmack mancher Branchenteilnehmer.
Kretzer: Die Charakterisierung hätte vor der Gründung der Kompetenz-Center auch auf den deutschen Markt zutreffen können. Durch die Spezialisierung – auch im Bereich des Großhandels – sind wir hier schon um einiges weiter. Wir unterstützen den Großhandel in Deutschland in allen Belangen. Allerdings werden hier 90% der Aufträge elektronisch übermittelt – das gibt es in Österreich fast gar nicht. Unterm Strich können wir dadurch auf unserem Heimmarkt rascher und kostengünstiger agieren. Herrn Hermanseders Aufgabe wird also nicht nur sein, den Großhandel über Produkte zu informieren, sondern auch, die prozessoptimierte Partnerschaft mit dem Großhandel auszubauen. Mit Veränderungen wie diesen wollen wir letztendlich auch Charakterisierungen wie »typisch deutsch« entkräften.
Blum: »Typisch deutsch« hat aber auch sehr viele Vorteile – das heißt auf Eigenschaften wie »Verlässlichkeit« und »tolle Qualität« wollen wir auf keinen Fall verzichten.

Was war die Ursache dafür, als Sie mit diesen Veränderung in Deutschland begonnen haben?
Kretzer: Trilux ist ein traditionelles Familienunternehmen mit einem umsatzstarken deutschen Heimmarkt. Und auf diesem Markt haben wir erfahren müssen, dass der klassische Außendienst-Mitarbeiter, der bis dato die Kundenkreise Elektrounternehmen, Großhandel, Planer und Architekt abgedeckt hat, nicht mehr in der Lage ist, all diese Zielgruppen mit ihren verschiedenen Anforderungen an uns zur vollen Zufriedenheit zu betreuen. Hinzu kam, dass wir mit einer anderen Marktsituation konfrontiert sind, als das noch vor ein paar Jahren der Fall war – heute gibt es viele Kleinunternehmen aus Osteuropa, asiatische Firmen und Technologieführer aus Fernost, die auf den Markt drängen. Wir müssen gerüstet sein und flexibel agieren, um den Voraussetzungen gerecht zu werden.

Es waren also nicht die Anzeichen der Wirtschaftskrise vor ein paar Jahren, die Trilux dazu bewogen haben, die Veränderungen durchzuführen?
Kretzer: Nein, es war definitiv eine Weichenstellung in die Zukunft bevor die Krise losging – wir haben rechtzeitig erkannt, wohin der Zug in der Lichtbranche abfährt.

Was verstehen Sie eigentlich darunter, wenn sie von »den Kunden den Nutzen rüberzubringen« sprechen? War das bisher nicht der Fall?
Kretzer: Früher gab es sehr viele technische Merkmale wie etwa den Wirkungsgrad und ähnliche Parameter, die im Vertrieb ausschlaggebend waren. Heute haben sich die Anforderungen verschoben. Seit der Markteinführung der LED-Technik haben wir völlig andere Argumente – die Produkte sind in der Anschaffung zwar teurer als herkömmliche Systeme, reduzieren die Betriebskosten allerdings eklatant. So bieten wir unseren Kunden unter anderem Wirtschaftlichkeitsberechnungen, die aufzeigen, wie rasch sich eine Investition rechnen kann. Die Lichtbranche ist einem Wandel unterzogen, und wenn die OLED-Technik Einzug hält, wird es noch einmal krasse Veränderungen geben. Hinzu kommt, dass Lichtanbieter aus Asien in unseren Märkten Einzug halten, die der Konsument heute zwar noch nicht mit Licht in Verbindung bringt, die aber keinesfalls zu unterschätzen sind. Als mittelständisches Unternehmen müssen wir gerüstet sein, damit wir die angesprochen Technologie- und Marktentwicklungen nicht verpassen. Auch die Beschaffung wird ein immer entscheidenderes Kriterium – da wir die LED wie die meisten anderen nicht selber herstellen, müssen wir ein dementsprechender Player sein, um von der den LED-Produzenten wahrgenommen zu werden und gute Preise zu erzielen. Nur zum Vergleich: Unternehmen wie Samsung beschäftigt alleine in der LED-Entwicklung rund 600 Mitarbeiter – so viele Personen sind bei uns in der kompletten Fertigung in Arnsberg tätig.

Heißt das, alleine wird man künftig nicht mehr überleben können? Nicht umsonst unterstellt man Zumtobel, das Unternehmen richte sich als Braut her, Siteco hat die Hochzeitsnacht bereits hinter sich, und andere Marktteilnehmer werden auch gehandelt. Denkt man auch bei Trilux über einen Verkauf nach?
Kretzer: Trilux feiert im nächsten Jahr 100-jähriges Jubiläum. Die Intension der zwei Gesellschafter ist es – alleine aus der Verbundenheit zur Region – das Unternehmen in eigener Hand zu behalten. Wir stehen auch weiterhin zum Standort Arnsberg – auch wenn das auf den ersten Blick nicht unbedingt dem Zeitgeist entspricht.  Sie können sich vorstellen, dass dadurch die Herstellungskosten höher sind, als  das der Fall wäre, wenn wir im Osten produzieren würden. Trilux-Produkte kommen heute zu 90% aus deutscher Fertigung – wohl wissend, dass sich die Produktion in naher Zukunft komplett wandeln wird. Der Anspruch an die Metallverarbeitung für Leuchten, die über LED-Platinen als Leuchtmittel verfügen, ist weit ­höher als bei Leuchten mit Standard-Leuchtmitteln. Das bedingt auch, dass wir uns im Vertrieb anpassen und aus eigener Kraft und mit entsprechenden Weichenstellungen für die Ausrichtung sorgen müssen.

Welche Auswirkungen hat die rasante Entwicklung der LED-Technik auf einen Leuchtenhersteller wie Trilux gehabt?
Kretzer: Vor rund vier Jahren wusste noch niemand so genau, wohin es gehen wird. Vor zwei Jahren dachte man noch, dass der LED-Anteil in naher Zukunft gerade einmal bei 10% liegen wird. Entgegen diesen Prognosen haben sich Technik und damit auch der Markt überaus dynamisch entwickelt. Daraus ergaben sich auch für die Hersteller Veränderungen – heute hat man etwa an die Materialwirtschaft einen völlig anderen Anspruch als noch vor ein paar Jahren. Im Bereich Aluminium hat man Lieferzeiten von zehn bis fünfzehn Wochen – dementsprechend gut muss disponiert werden. Auch der Vertrieb ist hier gefragt, den richtigen Forecast abzugeben. Und je besser eine Vertriebseinheit organisiert ist, desto einfacher gestaltet sich dieser Ablauf dann. Auf der technischen Seite muss man über ein funktionierendes Netzwerk in der Industrie verfügen – Partner, die ihnen regelmäßig und auch zeitgerecht die richtigen Informationen geben, damit auch sie sich weiterentwickeln können.

Worauf müssen wir uns einstellen, wenn die OLED jene Marktbedeutung hat, die heute eine LED hat?
Kretzer: Dann wird es wieder neue Hersteller geben – wir können ja davon ausgehen, dass das Fenster in Zukunft eine zentrale Rolle beim Kunstlicht spielen wird. Vielleicht sind es dann auch die ­Fensterhersteller, die hier mitmischen.

Und welche Aufgaben haben dann die klassischen Leuchtenfirmen?
Kretzer: Wir müssen dann unter Einbindung unserer Kompetenz die Möglichkeiten der Wertschöpfung erkennen. Die OLED wird die Lichtbranche noch einmal revolutionieren. Wir sehen unser Know-how dann nicht in der Komponentenherstellung, sondern in der Beratung und wie man das Licht idealerweise nutzen kann: Etwa die biologische Wirkung des Lichtes und die dazu notwendige Dynamik wird dann eine viel größere Rolle spielen. Trilux ist sich dessen bewusst – wir werden in einigen Jahren wahrscheinlich keine Leuchte mehr liefern, sondern Licht – vielleicht Energie oder ein Contractingmodell gleich mit dazu. Das sind Themen, mit denen wir uns vorzeitig befassen und die richtigen Kooperationspartner finden müssen. Wenn die Zeit gekommen ist, wird es noch mehr um Dienstleistung gehen als um das Produkt.

Wie sehen Sie die aktuelle Situation im Projektgeschäft? Unseren Informationen nach werden sehr häufig Mercedes ausgeschrieben und Skodas eingebaut – wobei auch nicht nachgeprüft wird, ob der Skoda, hält, was er verspricht.
Blum: Solche Fälle gibt es immer wieder – mittlerweile kommen bei Projekten Leuchten aus Osteuropa zum Zug, die zu Preisen gehandelt werden, die unter unseren Herstellerkosten liegen. Allerdings ist der Support in derartigen Projekten dann auch ein dementsprechend heikles Thema. Die Frage ist, wie hoch die Gesamtkosten dann am Ende des Tages sind. Von einem namhaften Hersteller wie Trilux kann man sich einen funktionierenden Support erwarten. Wie das bei Lieferanten aus dem Osten ist, wird auch für den Auftraggeber eine spannende Frage.

 

Sind die angesprochenen Auftraggeber dann auch lernfähig, wenn sie einmal auf die Nase gefallen sind?
Blum: Das ist eine wichtige Frage. Seit mittlerweile 20 Jahren strömen immer mehr Leuchtenanbieter auf den deutschen und auch auf den österreichischen Markt. Hierzulande mit einem Volumen, das dem Marktanteil des heimischen Marktführers entspricht – also in beträchtlichem Umfang. Dass sich diese Unternehmen mit allen erdenklichen Mitteln am Markt behaupten wollen – vor allem über dem Preis – liegt auf der Hand. Unsere Aufgabe als Markenhersteller ist es, die Bastion mit Qualität, Argumenten und Fakten zu verteidigen. Denn Qualität hat ihren Preis, der sich über einen längeren Zeitraum aber auch rechnet.
Kretzer: Umso wichtiger ist hier der Faktor Mensch, um sich differenzieren zu können. Wenn man als Hersteller gute Kontakte hat, dann sind nicht immer das Produkt und auch nicht der Preis entscheidend. Ich erkenne auch diesbezüglich einen gesellschaftlichen Wandel – menschliche Werte bekommen wieder mehr Gewicht. Abgesehen davon sind künftig auch technische Kriterien entscheidend, die vielen heute noch gar nicht so bewusst sind. Bisher hat man einfach das Leuchtmittel getauscht – bei LED-Leuchten ist das in vielen Fällen gar nicht mehr möglich. Damit bekommt Qualität auch wieder einen ganz anderen Stellenwert – denn wenn man die ganze Leuchte tauschen muss, wenn das Leuchtmittel frühzeitig ausfällt, wird man sich künftig überlegen, Billigware anzuschaffen.

Elektrounternehmen unterliegen vor allem bei Großaufträgen einem Preisdruck. Die Folge ist, dass man den Preisdruck vor dem Bauherrn zwar nachgibt, sich aber Gestaltungsfreiheit bei der Leuchtenwahl aushandelt. Das Resultat ist, dass man sich für Billigprodukte entscheidet, um das Projekt doch noch mit Gewinn abschließen zu können.
Blum: Auch das ist eine Entwicklung, die in die angesprochene Sackgasse führt. Auch hier sind wir angehalten, Aufklärungsarbeit zu leisten.

In welcher Form soll die Aufklärungsarbeit stattfinden?
Blum: Zuallererst durch qualifizierte Mitarbeiter. Dabei alleine kann es aber selbstverständlich nicht bleiben. Ab Herbst werden unsere Kunden die Möglichkeit haben, im Rahmen eines Seminars einen sogenannten »LED-Führerschein« zu machen. Darüber hinaus werden wir eine Akademie ins Leben rufen und die Kunden zu einem Wissenstransfer einladen, um sie unter anderem mit Argumenten auf Fragen wie »Warum ist die deutsche Leuchte um 50 Cent teurer als das polnische Produkt?« zu rüsten. Die Veranstaltungen werden auch in Wien und anderen Landeshauptstädten stattfinden.
Kretzer: Wir haben in Deutschland im Rahmen dieser Seminare Rollenspiele abgehalten – der Elektriker schlüpfte dabei in die Rolle des Planers, dann wieder in die des Architekten und die des Bauherren, um ihnen zu vergegenwärtigen, was es heißt, in der Position des anderen zu sein. Die Veranstaltungen waren derart dynamisch und überaus erfolgreich.

Einige Hersteller klagen über die Situation mit den Musterleuchten – sie werden von den Entscheidern gefordert, aber in den seltensten Fällen bezahlt. Wie geht man bei Trilux mit dem Thema Musterleuchten bzw. Sonderleuchten um?
Kretzer: Auch Trilux kann diese Anforderungen nur zum Teil erfüllen – zwar haben wir im letzten Jahr ein Unternehmen – die Firma RSL – gekauft, das sich auf Sonderleuchten spezialisiert hat, aber das Problem ist weiter vakant. RSL bietet uns zwar nun umfangreichere Möglichkeiten bei Projekten, bei denen diese Form der Kompetenz gefragt ist – aber es muss auch klar sein, dass Sonderleuchten ihren Preis haben.

Aber was die Musterleuchten betrifft, verrechnet die Industrie in den wenigsten Fällen die Kosten an die Kunden weiter…
Blum: Das ist natürlich eine Ermessenssache. Grundsätzlich stehen die Musterleuchten unseren Kunden vier Wochen zur Verfügung. Danach werden sie zum Standardrabatt verrechnet.
Kretzer: Mit den neuen Technologien können wir aber auch Alternativen anbieten. 3D-Simulationen sind ja heute schon Stand der Technik. Darüber hinaus bieten wir mit »Augmented Reality« quasi eine erweiterte Realität an. Mit dem Strich- oder einem QR-Code an der Wand bzw. an der Decke lässt sich auf ihrem Smartphone darstellen, wie die gewünschte Leuchte im betreffenden Raum wirkt. Das heißt über kurz oder lang ist sowieso kein Bedarf an Musterleuchten mehr – wir liefern dann Codes, die viel rascher, innovativer und auch kostengünstiger zum gewünschten Ziel führen.

Noch abschließend: Was erwarten Sie für die nächsten paar Jahre, wenn die Japaner und die Koreaner verstärkt nach Europa strömen?
Kretzer: Die nächste Light+Building wird einiges offenbaren und die Spreu vom Weizen trennen. Das Problem dieser Firmen ist allerdings der Zugang zum europäischen Markt. Wahrscheinlich werden sie ihn sich erkaufen. Das bedeutet, dass vor allem die kleineren Hersteller in Gefahr geraten, gekauft zu werden. Darüber hinaus wird es auch einen Kampf um qualifizierte Mitarbeiter geben, dem auch wir uns stellen müssen. Auch das wird überaus spannend. Aber wir denken, dass wir gut gerüstet sind.

Meine Herren – wir danken für das ­Gespräch!

 

www.trilux.de

 

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