„Wir sind eine Kreativbranche und man muss sich überlegen, wie man die Leute wieder ans Arbeiten kriegt – ohne große Menschenansammlungen“, fordert KommR Ing. Alexander Kränkl e.h., Vorsitzender der Berufsgruppe der BBT, Beleuchtungs- und Beschallungstechniker. (Bild: www.i-magazin.com)

Das Interview mit Alexander Kränkl, Vorsitzender der Berufsgruppe der BBT:

„Es gibt 1.000 Dinge, die unsere Branche tun könnte!“

Es ist ein massiver Druck, der auf unzähligen Unternehmerschultern lastet – und er wird mit zunehmender Zeit leider nicht leichter. Viele Betriebe sind durch die COVID-19-Maßnahmen zur (wirtschaftlichen) Untätigkeit gezwungen, so etwa die Branche der Beleuchtungs- und Beschallungstechniker. Doch müsste das tatsächlich so sein?

Interview: Thomas Graf-Zoufal

Text: Mag. Sandra Eisner

In vielen Berufsgruppen wächst der Zeitdruck nach umsetzbaren Lösungen in ihrem Betätigungsfeld. Damit ehemals florierende Betriebe nicht drohen, zu Konkursfällen zu werden, bedarf es rascher, konkreter und unbürokratischer Hilfe. Sind oftmals undurchsichtige und zeitaufwändige Förderungen hier der einzig gangbare, richtige Weg? Ist es nicht eher – vor allem langfristig – zielführend, gemeinsam mit den Betroffenen aktive Lösungsvorschläge zu finden, die alle notwendigen Aspekte berücksichtigen? Genau das ist das Ansinnen von KommR Ing. Alexander Kränkl e.h., Vorsitzender der Berufsgruppe der BBT, Beleuchtungs- und Beschallungstechniker. Im Interview mit dem i-Magazin spricht er offen darüber, dass seiner Branche die Hände gebunden sind, sowie über die zahlreichen Möglichkeiten, dem Abhilfe zu leisten.

Herr Kränkl, nach aktueller Lage ist es mehr als ungewiss, wann großräumige Veranstaltungen und Konzerte wieder vollumfänglich stattfinden (dürfen.) Die Auswirkungen auf etliche Branchen sind eklatant…

Alexander Kränkl: Zusätzlich finden auch keine Kongresse statt. Auf den ersten Blick ist es für viele kaum sichtbar, wo unsere Branche im Hintergrund arbeitet und »transparente Dienste« bietet, so nenne ich die Services, die wir bieten. Im Grunde handelt es sich hier um ein Kunsthandwerk: Wir machen aus einer grünen Wiese ein Megafestival und aus einem leeren Raum ein Konferenzzentrum – und das meistens innerhalb von ein paar Tagen. Die Problematik, die sich durch die Beschränkungen auftut, betrifft ja nicht nur uns Beschaller und Beleuchter, sondern auch Cateringfirmen, Zeltbauer oder Anbieter von mobiler Stromversorgung, also alle die tatsächlich bei einem Event ihre Hände im Spiel haben.

“Installationen müssen unter den gegebenen Umständen kreativ angedacht werden, um längerfristige Lösungen zu finden”, so Alexander Kränkl.

Wie sind aktuell die Gegebenheiten in Ihrer Branche?

Kränkl: Es gibt hier zwei verschiedene Gruppen: Einmal die Unternehmen mit Mitarbeitern oder Arbeitern im Lager sowie großen Mengen an Equipment und andererseits besteht ein Großteil unserer Branche aus EPUs, jenen Personen, die Events betreuen, planen, aufbauen und abbauen helfen, für das Design verantwortlich zeichnen etc. Die Untätigkeit und Ungewissheit betreffen uns zumindest einmal bis in den Herbst, wenn nicht sogar das ganze Jahr. Es entsteht hier ein riesengroßer finanzieller Schaden und sollte es wieder Großveranstaltungen geben, wird das hohe Ticketpreise bedeuten, weil ja u. a. die Aspekte der Sicherheit und Reinlichkeit steigen. Es ist tatsächlich eine Katastrophe, das ganze System ist kollabiert. Und wir reden hier nicht von einer Schirmbar in Ischgl, sondern von der Größenordnung der Seefestspiele in Mörbisch etwa oder der Wiener Wiesn, die abgesagt wurden. Auch alle Sommertheaterveranstaltungen werden nicht stattfinden. Man entzieht den Menschen momentan die Kultur. Österreich ist ein Kulturland, nur momentan wird dieses Thema leider völlig »ad acta« gelegt.

In der letzten i-Magazin-Ausgabe haben Sie bereits Anregungen präsentiert, wie der Veranstaltungsbranche nachhaltig geholfen werden kann…

Kränkl: Wir haben begonnen, die Berufsgruppen, die mit Veranstaltungen zu tun haben, in einer Arbeitsgemeinschaft zusammenzufassen, um so einiges bewirken zu können, aber offensichtlich ist es zeitlich nicht möglich, unsere Anliegen kurzfristig durchzubringen. In Deutschland gibt es bereits Arbeitsgruppen dazu, unter welchen (gesundheitlichen) Voraussetzungen man wieder in Betrieb gehen kann, hier in Österreich leider nicht. Wir wollen jedoch produktiv mitarbeiten. Unzählige Unternehmer sitzen seit Wochen zuhause – für einen Kongress gibt es kein Homeoffice, entweder er findet statt oder nicht. Zigtausende Arbeitsplätze sind auf null gestellt, das betrifft auch die kreativen Persönlichkeiten dahinter, die Agenturen, Künstler, Darsteller, Moderatoren – die Liste ist leider sehr lang. Wir sind eine Kreativbranche und man muss sich überlegen, wie man die Leute wieder ans Arbeiten kriegt – ohne große Menschenansammlungen. Möglichkeiten gibt es genug!

Welche Ideen hätten Sie dazu?

Kränkl: Ich denke, unsere Branche hat ihre Lager voll mit Scheinwerfern, Lautsprechern, Gerüsten, mit allem Möglichen. Die Gemeinden müssten zum Beispiel den Willen aufbringen, Hauptplätze, Rathäuser oder große Gebäude zu beleuchten (etwa in Rot-weiß-rot), oder Zonen/Plätze einzurichten, die bespielt werden können. Hier sehe ich viele Möglichkeiten, um unserer Branche zu helfen, mit den notwendigen Sicherheitsvorkehrungen arbeiten zu dürfen: Videoprojektionen, Beschallungen sowie Beleuchtungen zum Beispiel. In anderen Ländern wie Frankreich oder England wird das übrigens schon längst gemacht. Eine weitere Idee: Die ganze Nation hat sich auf das Beethoven-Jahr vorbereitet, das heuer stattfindet! Dazu passend könnte man wunderbar Plätze und Städte beschallen, man könnte in den leer stehenden Kongresshäusern mit ihren riesigen Flächen temporäre Ausstellungen gestalten. Über Videoleinwände könnten Zuspielungen gemacht werden, auch Sommerkinos wären möglich, natürlich überall mit Sicherheitsabstand. Es gibt 1.000 Dinge, die unsere Branche tun könnte! Nur wer soll sie beauftragen, wenn nicht die Veranstalter, die sich momentan zu Recht nicht dazu trauen. Würden wir Aufträge seitens des Bundes bekommen, so wäre es eine Win-win-Situation für alle Seiten: Der Bund hätte etwas davon (statt ausschließlich zu fördern), die Bevölkerung hätte etwas zum Staunen, wir als Kulturnation könnten wieder nach vorne treten und die Betriebe könnten Rechnungen stellen.

Welche Umstände gilt es dabei zu beachten?

Kränkl: Installationen müssen unter den gegebenen Umständen kreativ angedacht werden, um längerfristige Lösungen zu finden, etwa wie der Eifelturm in Paris, der jeden Abend in den französischen Farben leuchtet. Es gibt sofort umzusetzende, logische, einfache Win-win-win-Situationen, von denen alle profitieren würden. Zig Unternehmen hätten plötzlich wieder Arbeit und müssten nicht Kurzarbeit anmelden, müssten nicht auf Almosen warten, sondern könnten endlich wieder produktiv sein und ihre Kreditzinsen und Leasingraten zahlen. Dies wären meine Ansätze, meine Lösungsvorschlage.

Herr Kränkl, vielen Dank für das Gespräch!

Weitere Informationen auf:

www.bbt.at

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