Es geht wohl nicht anders!

Zugegeben, in Norwegen sieht die Sache ein wenig anders aus, denn dort ist bereits heute jedes dritte neu gekaufte Fahrzeug ein Elektromobil. Mit gerade einmal wenig mehr als 8.000 angemeldeten Elektromobilen in Österreich laufen wir Norwegen in etwa hinterher wie ein Chihuahua einem Leitwolf.
Und was macht die heimische Politik dagegen? OK, diese Frage hätte ich mir sparen können: Formulierungen veröffentlichen, die eine Menge Spielraum überlassen. Denn in der E-Mobilitätsstrategie, die „die Grundsätze, Ziele und Maßnahmen der Stadt Wien zur Forcierung der Elektromobilität bis zum Jahr 2025 beschreibt“, heißt es folgendermaßen: „Öffentlich zugängliche Ladestationen können insbesondere in der Markteinführungsphase emotionale Eintrittsbarrieren für die Nutzung von Elektrofahrzeugen minimieren und multimodale Mobilität unterstützen. Aus Sicht der Stadt Wien sind daher im öffentlichen Straßenraum strategisch platzierte Ladestellen für spezielle Mobilitätsservices (wie z. B. multimodale Mobility Points, E-taxi, E-carsharing) sinnvoll. Dabei ist auch auf die Verträglichkeit mit dem Stadtbild und auf die Funktionalität des öffentlichen Raumes Rücksicht zu nehmen.“ Bislang galt in Wien für Ladestationen nämlich folgendes: „Gerne aber sicher nicht auf öffentlichen Plätzen!“ Nun soll das anders werden, denn Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou hat angekündigt, im Laufe dieses Jahres ein Konzept für die „Errichtung eines Basisladenetzes für die Elektromobilität errichten, das öffentlich zugänglich sein wird.“
Allerdings kommt mir beim Lesen dieser Formulierung ein Verdacht. „Ladestellen für spezielle Mobilitätsservices“, damit ist etwa ein E-Taxi-Projekt gemeint, dass schon länger als Post-it auf der To-do List der Stadtregierung klebt. Und natürlich der öffentliche Verkehr. Das ist gut, aber wo, bei der Asche von Nikola Tesla, kommt der Individualverkehr in dieser Strategie vor? Ach ja ich vergas, Individualverkehr ist böse, sogar sehr, und natürlich verzichtbar. Aber so lange eine Stadtregierung nicht einsieht, dass es auch immer Individualverkehr geben wird und sich dieser nicht einfach verbieten lässt – auch nicht durch scheinbar schon absichtlich hervorgerufene Staubelastung (denn anders kann ich mir das Baustellenmanagement auf den Hauptverkehrsrouten der Stadt nicht mehr erklären) – so lange wird es wohl weiter am Stammtisch heißen: »Elektromobilität ist gut, aber nicht für mich – das wird sich nie durchsetzen!«

Norwegen steht aber nicht als einziges Land mit kühnen Konzepten für die Zukunft da. In diesem Zusammenhang viel wichtigere, weil weit bevölkerungsreichere Länder wie China oder Indien haben ebenso Strategien angemeldet. Denn der größte Markt für Elektromobile (180.000) ist mittlerweile in China zu finden – bei der regelmäßigen Smog-Belastung in den Großstädten des Landes, ist es auch allerhöchste Zeit. Per Verordnung sollen außerdem rund 12.000 Ladestationen mit 4,8 Millionen (!) Ladesäulen in Peking errichtet werden, berichtet u.a. Futurezone. Während man also hierzulande ein Konzept zum Konzept erstellen vorlegt, baut man andernorts millionenfach. Peking und Wien sind nicht zu vergleichen? Dann ein näher gelegenes Beispiel: In Paris findet man alle 300 Meter eine Stromtankstelle, insgesamt 4.500 im Stadtgebiet. Rechnet man grob, dass Paris etwas mehr als doppelt so groß ist, bleibt immer noch eine stolze Zahl an Tankstellen übrig, die eine tausendfache Anzahl an Elektrofahrzeugen versorgen könnte.
Wie man es dreht und wendet, es bleibt einiges zu tun. Man wird sehen, wie viele Tankstellen es am Ende werden.

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