Roger Karner kehrte nach dreieinhalb Jahren aus den USA zurück und übernahm mit 1. Juli die Geschäftsführung des DACH-Raums bei Signify. (Bild: Signify)

Exklusiv-Interview mit Roger Karner zu seiner Rückkehr:

„Es fühlt sich an wie heimkommen!“

Ja, wir geben es zu: Wir sind stolz darauf, als einziges österreichisches Medium die Gelegenheit zu einem Interview mit Roger Karner erhalten zu haben! Nach dreieinhalb Jahren kehrt er aus den USA zurück, um die Leitung des DACH-Raumes bei Signify zu übernehmen – alle Infos dazu gibt es exklusiv bei uns!

Interview: Thomas Buchbauer

Text: Mag. Sandra Eisner

Mit 1. Juli folgte Roger Karner auf Karsten Vierke als Signify-Geschäftsführer für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Die Umzugskartons waren bereits gepackt, als wir mit Karner als ehemaligem President & CEO US ein exklusives Online-Interview zu seiner Rückkehr führten. Lesen Sie nachfolgend, welches Resümee der neue DACH-Geschäftsführer über die Erfahrungen in den USA zieht, was dies für den DACH-Markt bedeuten kann und welche Ziele hier nun forciert werden sollen.

Herr Karner, wie waren die letzten Jahre in den USA und welches persönliche Resümee ziehen sie aus Ihrer Tätigkeit am US-amerikanischen Markt?

Roger Karner: Die vergangenen dreieinhalb Jahre in den USA waren nicht nur beruflich, sondern auch privat eine sehr interessante Zeit. Natürlich haben sich in dieser Zeitspanne der Markt sowie auch die Lichtbranche verändert – Signify hat sich hier sehr gut positioniert, nicht zuletzt auch durch die Akquisition von Cooper Lighting. Ich denke, das Resümee sieht so aus, dass wir uns aufgrund der Schritte im Bereich »Professional« auch im größten und wichtigsten Lichtmarkt der Welt als Marktführer aufstellen konnten. Auch in der Consumer-Sparte konnten wir wichtige Kunden gewinnen, worauf ich sehr stolz bin. In Summe durfte ich beruflich wie privat wertvolle Erfahrungen sammeln und jetzt ist es ein guter Zeitpunkt für einen Wechsel. Ich übergebe ein gesundes, stabiles, neu aufgestelltes Schiff an den neuen Kapitän und es fühlt sich gut und richtig an. Aufgrund der Coronakrise aber auch anderer Umstände sind wir glücklich, wieder nach Europa zu Familie und Freunden zurückzukehren.

Wenn Sie einen Vergleich zwischen dem US- und dem europäischen – im Speziellen dem DACH-Markt – anstellen, wie würde er aussehen?

Karner: Ich denke, der einzig faire Vergleich ist jener des US-Marktes mit dem europäischen. Es herrschen ganz andere Rahmenbedingungen. Arbeitstechnisch ist vor allem die flexible »Hire and Fire«-Mentalität hervorstechend mit ihren zeitlich limitierten Arbeitsverträgen. Sowohl ein Mitarbeiter als auch ein Arbeitgeber kann sich entscheiden, dass der Weg am nächsten Tag ein anderer ist – so ist es üblich, was aber nicht gleichzusetzen damit ist, dass es schlechter ist, nein – es ist einfach anders. Das amerikanische System würde man nicht in Europa umsetzen können und umgekehrt genauso wenig. Als Ausländer hier muss man diesen Unterschied akzeptieren, sich anpassen, um sich innerhalb dieses Systems zu bewegen. Ein weiterer Aspekt, der mich auf positive Art und Weise fasziniert hat, ist der unbändige Optimismus sowie der Wille, nach vorne zu blicken und dort Möglichkeiten – und nicht nur Risiken – zu sehen. Gibt es hier eine neue Situation, ist man mit Feuer und Flamme dafür und will drauflosstürmen. Ich meine, in Europa, vor allem in DACH-Raum, steht mehr die analytische Seite im Vordergrund und wir versuchen, eher vorsichtig heranzugehen. Ich möchte festhalten, dass die unterschiedlichen Aspekte weder gut noch schlecht sind, sie sind einfach anders und alles hat seine Vor- und Nachteile. Dieser unbändige Optimismus birgt natürlich auch Gefahren, es sind durchaus Risiken da, die es zu bewerten gilt. Man kann den Gegenpol suchen und muss die Balance finden.

Sie haben an der Akquisition von Cooper Lighting mitgewirkt – welche Erfahrungen können Sie daraus mitnehmen?

Karner: Wir sehen Akquisitionen immer als Teil unseres zukünftigen Portfolios an. Im Falle von Cooper Lighting befinden wir uns jetzt im ersten Quartal der Umsetzung, natürlich liegt hier ein langfristiger Plan für eine erfolgreiche Gestaltung zugrunde. Auch die Akquisitionen  der Vergangenheit dienten einerseits einer technologischen Abrundung, andererseits haben wir daraus gelernt (und lernen nach wie vor), wie Akquisitionen erfolgreich integriert werden. Sie sind ein Teil von uns, das werden sie auch weiterhin bleiben, denn ich denke, dass sich die Lichtbranche weiterhin konsolidieren wird. Nach der Transformation zu LED wird jetzt der nächste Schritt in Richtung »Connectivity« gesetzt. Angesichts der Tatsache, dass im DACH-Raum erst zwischen etwa 25 und 30 % in der Straßenbeleuchtung auf LED umgestellt wurde und nur im einstelligen Bereich bei den vernetzten LED-Leuchten-Lösungen, wird es noch Jahre dauern, bis wir hier das Marktpotenzial völlig ausgeschöpft haben. In den USA sind die Zahlen bzgl. der LED-Umstellung ähnlich.

“Ich übergebe ein gesundes, stabiles, neu aufgestelltes Schiff an den neuen Kapitän und es fühlt sich gut und richtig an.” (Bild: Signify)

Warum kehren Sie als GF von Signify-DACH zurück? Könnte man das nicht als Rückschritt interpretieren?

Karner: Hinter dieser Entscheidung liegen mehrere Gründe. Als Rückschritt sehe ich es keinesfalls, schließlich ist der DACH-Markt der drittgrößte weltweit. Außerdem war eine Rückkehr nach Europa von Anfang an geplant. Wenn es für das Unternehmen und natürlich auch hinsichtlich der privaten Umstände passend ist, ergibt sich der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel. Ich wurde im Frühjahr gefragt, hinsichtlich der Veränderung von Karsten Vierke diesen neuen Weg einzuschlagen, weil es hier ein paar Themen gibt, die forciert werden sollen und somit passt das gut zusammen. Der Bedarf des Unternehmens, hier den Markt zu übernehmen, sowie meine familiäre Entscheidung sind gute Gründe, in den drittgrößten Markt der Welt zurückzukehren – und es fühlt sich an wie heimkommen.

Welche Ziele haben Sie sich kurz- aber auch langfristig am DACH-Markt gesetzt?

Karner: Die Veränderungen im professionellen Markt sind noch nicht abgeschlossen. Der Bereich »connected« birgt noch Potenzial und ich glaube fest daran, dass sich hier ein Mehrwert für den Kunden bietet. Ich will nicht Technologie verkaufen, ich will sie nutzen, um Mehrwerte zu schaffen. Im täglichen Alltagsleben gibt es mehr und mehr digitale Vernetzung und Automatisation – diese Größenordnung sehe ich in der professionellen Welt noch nicht. Ich meine, wir als Branche haben hier ein Riesen-Potenzial zu schöpfen und wahrscheinlich haben wir es noch nicht einfach genug hingekriegt, möglicherweise ist es noch zu kompliziert für die Kunden. Wir müssen es simpel und erklärbar gestalten und das möchte ich stark forcieren. Im Konsumentenbereich ist unser Hue-System bereits sehr erfolgreich und wir treffen damit den Nerv der Zeit im Heimbereich. Die Strategie von Signify ist weltweit die gleiche in Richtung LiFi, 3D-Druck und 5G-Netzwerke, wo es Lichtpole gibt, die das Netzwerk integrieren können. Es gibt viele Themen, die wir bespielen können, aber wichtig ist der Mehrwert für den Kunden.

Viele Unternehmen nehmen sich vor, die Home-Office-Regelungen mit ihren Mitarbeitern über die Krise hinaus zu praktizieren. Das wiederum könnte bedeuten, dass die Unternehmen langfristig gesehen weniger Bürofläche benötigen. Was bedeutet diese Entwicklung für die Lichtbranche?

Karner: Wir werden sicherlich noch abwarten müssen, welche Unternehmen sich wo bzw. wie weit positionieren. Positiv für die Lichthersteller ist jener Umstand, dass Office-Flächen künftig flexibler sein müssen, da sie veränderten Bedingungen angepasst werden. Bei Signify gibt es bereits seit vielen Jahren flexible Arbeitswelten und wir haben tolle Erfahrungen damit gemacht. Gerade auch jetzt, wo Abstände flexibel gehalten werden sollen, hilft eine derartige Bürostruktur ungemein. Ich bin mir sicher, dass diese Entwicklung in die Welt des Office Einzug halten wird. Ich rechne aber nicht mit weniger, sondern mit anderem Umsatz, der auf mehr flexiblen Lichtlösungen beruht, die auf das Wohlbefinden und auf die Konzentration eingehen können. Man kann über Lichtlösungen außerdem auch genau feststellen, wie viele Personen im Büro sind, natürlich anonymisiert, was vor allem hinsichtlich des Abstandhaltens relevant ist.

In welchen Bereichen erkennen Sie eine Chance, mit Ihren Produkten, Systemen und Dienstleistungen post-Corona stärker punkten zu können?

Karner: Ich persönlich bin sehr davon überzeugt, dass das Thema Lebensmittelproduktion eine andere, lokalere Ausrichtung bekommen wird. Mit unseren »Horticulture«-Lösungen können wir etwa Glashäuser mit effizienter Beleuchtung – wir kopieren die Sonne sehr effektiv – näher zur Stadt rücken. Neben dem Ansatz, die Lebensmittelproduktion näher an den Verbraucher zu bringen, überzeugt auch der Aspekt der Nachhaltigkeit, da dadurch weniger Schwerverkehr erforderlich ist, außerdem ist man versorgungssicherer. Das Thema Kommunikation (LiFi) kann auch ein Aspekt sein, der sich in Zukunft anders gestaltet, weil die Sicherheit der Verbindung über WiFi immer noch von Abstrichen geprägt ist. Eine Lichtverbindung ist hochqualitativ, schnell und sicher.

Abschließend ersuchen wir Sie noch um einen Blick in die Zukunft! Wo sehen Sie die Lichtbranche in drei Jahren? Werden wir mit den gleichen Strukturen arbeiten oder werden disruptive Ereignisse diese Branche nach der Einführung der LED ein weiteres Mal völlig umkrempeln?

Karner: Ich würde mir wünschen, dass vernetztes Licht eine ähnliche Entwicklung erfährt wie jene betreffend LED, dass wir die vernetzte Lichtlösung langfristig als Standard ansehen, weil sie jene Mehrwerte bietet, auf die wir nicht mehr verzichten wollen. Wir setzen auf Licht, das kommuniziert, jedoch immer noch einen sehr hohen qualitativen Anspruch und Standard erfüllt, das aber per definitionem vernetzt ist, weil wir diesen Mehrwert gar nicht mehr missen wollen. Wir wollen der Welt zeigen, dass es etwas gibt, das über Licht hinausgeht und damit meine ich, dass wir Themen wie Kommunikation, Pflanzenwachstum, Lebensmittelproduktion und Nachhaltigkeit integrieren und mit Lichtlösungen voranbringen können. Auch der Bereich UV-C-Desinfektion (Desinfektion von Luft, Oberflächen und Wasser) sei hier erwähnt. Signify ist Marktführer bei UV-C-Lampen und kann auf die Entwicklung innovativer UV-C-Produkte und -Anwendungen zurückblicken. Gerade haben wir unser Produkt-Portfolio in diesem Bereich enorm erweitert.
Auf diese Themen setzen wir als Weltmarktführer – ich bin davon überzeugt, dass sie einen höheren Stellenwert einnehmen werden.

Herr Karner, vielen Dank für das Gespräch!

Weitere Informationen auf:

www.signify.com

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