Energie ohne Ende?

 

Die monatlichen Ausgaben eines durchschnittlichen Haushaltes für Energie betragen in Österreich ca. 260 Euro. Im Gesamten sind das mehr als 11 Milliarden Euro, wobei der Löwenanteil – nach wie vor – für Benzin und Dieseltreibstoffe bezahlt wird. Da Österreich bekanntlich kaum über Öl- und Gasreserven verfügt, beziehen wir es massenweise und teuer durch Importe aus unter anderem Kasachstan, Libyen, Russland oder Deutschland. Jährlich kaufen wir so ca. sechs Millionen Tonnen Mineralöl-Fertigprodukte wie z. B. Diesel, Benzin und Heizöl zu. Inzwischen werden kritische Stimmen immer lauter und verlangen nach mehr Autonomie – nach einer Energieautonomie.

 

Alles Utopie?

Österreich ist in der glücklichen Lage, den heimischen Energiebedarf zu 40% aus Wasserkraft decken zu können. Was also muss getan werden, um von Öl- und Gasimporten, mithilfe erneuerbarer Energiequellen unabhängig zu werden? EU-Politiker Ewald Stadler ortet in diesem Punkt eine klare Blockade seitens der Energiewirtschaft. „Die großen Konzerne sind der Hemmschuh für eine derartige Trendwende und die Politik lässt sich, so wie im Bereich der Finanzwirtschaft, von diesen Unternehmen die Richtung diktieren. Diese Energiekonzerne wirken global und besitzen eine enorme politische Macht”, so Stadler. Trotzdem – der technische Fortschritt ist nicht zu stoppen: Photovoltaikanlagen, Infrarotheizungen und LED sind in aller Munde und die Idee eines energieautarken Eigenheimes, ist schon längst keine Traumvorstellung mehr. So gilt das burgenländische Unternehmen easyTherm als Technologieführer in Sachen Infrarot-Heiztechnik. Im Unterschied zu herkömmlichen Heizungen erwärmen die Infrarot-Heizkörper die angestrahlte Fläche, bzw. die Bauteile eines Gebäudes direkt – als Energiequelle kommt der elektrische Strom zum Einsatz. „Bei einem gut gedämmten Haus liegt die benötigte Heizlast bei ca. 2 Kilowatt, um das ganze Gebäude im Winter zu temperieren”, so Günther Hraby, Geschäftsführer von easyTherm. Die abgegebene Wärme gelangt fast ohne Verluste vom Gerät auf die Fläche und die mit elektrischem Strom betriebenen Heizkörper geben mehr als 80% der zugeführten Energie als Wärme-Strahlung ab. Speziell in diesem Bereich gilt es für die gesamte Elektrobranche, den Menschen ihre Scheu vor derartigen Systemen zu nehmen und das Interesse für neue Lösungen zu wecken.

Elektrisches Heizen ist mittlerweile eine saubere Form der Wärmegewinnung, die richtig eingesetzt zu keiner Umweltbelastung führt. Nun drängt sich die Frage auf, warum der Staat keine Förderungen für eine Kombination von Photovoltaik, Wind und Infrarotheizungen bereitstellt. Denn oft genug scheitern notwendige Investitionen in eine Photovoltaik- oder Windanlage, LED-Lösung oder Elektromobilität am nötigen Grundkapital. Stadler sieht das Problem bei der Finanzierung der Energiesysteme. Bereits beim Bau eines Eigenheimes können bestimmte Vorkehrungen in Bezug auf die Energieversorgung getroffen werden. „Die Diversifikation der Energiesysteme kostet Geld – denn Unabhängigkeit kostet immer Geld. Der Bürger trickst sich selber aus, wenn er sich nicht informiert und nachfragt. Auch bei Förderungen muss man einen gewissen Eigenanteil aufbringen, und heutzutage sind die Menschen nicht mehr dazu in der Lage, die Eigenanteile für die Errichtung eines Einfamilienhauses aufzubringen”, gibt Stadler zu bedenken. Statt also Mittel für intelligente Systeme zur Eigenversorgung bereitzustellen, kauft Österreich Jahr für Jahr teure Energie in Milliardenhöhe, aus dem Ausland. Stadler argumentiert die enormen Investitionen in den Import von Energie aus dem Ausland anhand simpler, marktwirtschaftlicher Mechanismen. Denn zuallererst muss die Nachfrage erzeugt werden und diese entsteht nur, wenn der Energieversorgung eine dementsprechend hohe Priorität eingeräumt wird. Hierfür müssten die Energiekosten dermaßen in die Höhe getrieben werden, dass sich alternative Energiesysteme wirtschaftlich rechnen, so Stadler. Ein Lichtblick für die Branche ist der Trend zu wertsteigenden Investitionen am eigenen Haus – die Energieautarkie ist schlicht und einfach gesehen ein positiver Nebeneffekt.

Industrieinteressen sind oft der Antrieb für Veränderungen – aber nicht immer sind die Motive auch von Vorteil für alle Seiten. Ein gutes Beispiel dafür ist die derzeitige Entwicklung, die Straßenbeleuchtung in den Gemeinden auf LED-Technik umzustellen. Denn neben den Experten aus der Industrie und dem Großhandel werden viele Bürgermeister leider auch von dubiosen Energieberatern angesprochen und zu fatalen Fehlinvestitionen verleitet. „Die LTG kämpft dafür, dass die Qualität im Vordergrund der Beratung steht und seriöse Zusagen über die Lebensdauer einer LED gemacht werden”, versichert Franz-Josef Müller, Vorstandsvorsitzender der LTG, im Laufe des Gespräches. Dazu ist eine vertrauenswürdige Energieberatung notwendig. Die LTG bildet zertifizierte Lichttechniker aus, die vor allem herstellerneutral agieren. Auch Energieversorgungsunternehmen haben in der Regel Interesse daran, den Kunden das Energiesparen schmackhaft zu machen. So setzt unter anderem die Energie AG Berater ein, die Konsumenten in Bezug auf Heiz- und Beleuchtungssysteme informieren. Müller ist übrigens auch davon überzeugt, dass sich Österreich die drohenden Kyoto-Strafzahlungen durch einen sinnvollen Austausch von herkömmlichen Lichtsystemen in den Gemeinden und Städten erspart hätte. Zur Erinnerung: Das Kyoto-Protokoll wurde von den Vereinten Nationen mit dem Ziel des Klimaschutzes, verabschiedet. Das Abkommen legt verbindliche Zielwerte für den Ausstoß von Treibhausgasen in den Industrieländern fest. Österreich hat mit einer 30%igen Abweichung vom Reduktionsziel bei Raumwärme, Verkehr und Wirtschaft das Ergebnis verfehlt. Nun drohen Strafzahlungen von bis zu einer Milliarde Euro.

Bei der Beratung fängt es an

Große Teile der Bevölkerung haben den konkreten Wunsch, innovative Systeme im eigenen Land zu fördern. Dieser Schritt würde nicht nur die Chance auf eine endgültige Abnabelung von den Gas- und Ölimporten deutlich erhöhen. Das dabei eingesetzte Kapital würde darüber hinaus auch einen Innovationsschub zur Schaffung qualifizierter Arbeitsplätze bewirken. Dass viele Systeme dennoch bereits in der Planungsphase scheitern, begründet Stadler mit der mangelnden Information und einer einseitigen Beratung. „Es fehlt an Energieberatern, die aus den verschiedenen Kategorien die optimalste Lösung herausfiltern. Adäquate bzw. tatsächlich durchgerechnete Lösungen werden den Menschen nicht angeboten, weil die Brancheninteressen meist den Vorrang haben”, konstatiert Stadler. Zurzeit gibt es weder das Kosteninteresse vonseiten der Bürger, noch ausreichende, gesetzliche Vorlagen zu einer verpflichtenden, alternativen Energieversorgung. Hier sieht Stadler eine Lücke, die geschlossen werden kann. Da die Energiekosten laut vieler Expertenmeinungen in Zukunft massiv ansteigen werden, ist eine Diversifikation der Energiesysteme unumgänglich. Bei Neuanlagen würde der gewünschte Effekt jedoch erst in etwa 30 Jahren eintreten. Noch kursieren zu viele Falschinformationen, die zu Verunsicherung und unzufriedenen Anwendern führen.

Für den EU-Abgeordneten Stadler ist eine verpflichtende Energieberatung, noch bevor die baubehördliche Bewilligung erteilt wird, ein denkbarer Lösungsweg. Voraussetzung ist eine unabhängige Energieberatung mit brauchbaren Energiekonzepten. Bei der Beratung der Energieeffizienz würde dann auf die konkreten Bedürfnisse der vorhandenen Infrastruktur eingegangen werden. Das erfordert eine klare Trennung zwischen den Phasen der Beratung und der tatsächlichen Verkaufsentscheidung. „Sollten die Wähler dem BZÖ bei kommenden Wahlen ihr Vertrauen schenken, so würde die Partei mithilfe der Innungen eine Reform der Bauordnung anstreben”, meint Stadler abschließend – eine Aussage, die sich zwar in die Kategorie »Wahlkampfrede« einordnen lässt. Das Angebot selbst klingt jedoch durchaus interessant – immerhin wäre es ein durchaus zweckmäßiger Schritt, die österreichische Wirtschaftsleistung zu stärken, um in weiterer Folge auch den Energieverbrauch sinnvoll zu regulieren.