»Eine ­Heraus­forderung, der sich jeder ­Konzern stellen muss«

Bei Eaton erfolgte kürzlich eine komplette Neugruppierung der Strukturen in den Bereichen Electrical und Corporate in Europa. Außerdem geistern Gerüchte durch die Branche, nachdem diese Maßnahmen mit einem enormen Spardiktat seitens der Konzernführung einhergehen. Da wir uns aber nicht auf Gerüchte verlassen, haben wir direkt bei denen nachgefragt, die es wissen müssen. Mit DI Günter Idinger, VP Sales DACH & Russland und Geschäftsführer bei Eaton Austria und Thomas Frank PhD, Country Sales Manager ­Austria, haben wir uns dazu gleich die oberste Führung für Österreich vors Mikro geholt.

Herr Idinger, Herr Frank, was gibt es Neues bei Eaton?
DI Günter Idinger: Wir haben bei Eaton Europa begonnen, die klassischen Funktionen zusammenzulegen, um Kundendienst und ­­­­-betreuung zu verstärken und um noch stärkere Vertriebsstrukturen aufzubauen. In Richtung Vertrieb bedeutet das, dass der neue Vertriebschef Jeff Krakowiak, der mit erstem November sein Amt im »Electrical Sector« antritt, alle Vertriebsregionen in EMEA (Europe, MiddleEast & Africa) übernehmen wird, dazu gehört auch der Service Vertrieb. Krakowiak hat langjährige Erfahrung im Vertrieb u.a. in Kanada sammeln können, außerdem die letzten drei Jahre die weltweite Integration von Cooper in den Eaton Konzern geleitet und hat daher ein sehr breites Wissen.
Auch im Bereich der europäischen Vertriebsregionen haben wir Zusammenlegungen durchgeführt und mit Südeuropa (dazu zählt auch die DACH-Region), Osteuropa, Nordeuropa, Russland, Afrika und dem Mittleren Osten wurden sechs Regionen definiert.
Ich selbst werde in den neu geschaffenen Bereich von Standardisierung und Alliances wechseln. Der Hintergrund ist, dass wir uns weiter als ­globaler Player im Electrical Sector stärken wollen. Was die Standardisierung betrifft, haben wir eine starke Präsenz, vor allem im ­amerika­nischen Raum. Meine Verantwortung wird es sein, eine stärkere Aufstellung im IEC-Bereich zu erreichen, die über die Grenzen der Normung, Stichwort Smart Grid oder Industrie 4.0, hinausgehen soll.

Sie werden sozusagen als Lobbyist tätig?
Idinger: Die Standardisierung ist weit mehr als nur Lobbyismus. Ihr ­primärer Aufgabenbereich ist es, das Thema Sicherheit voranzubringen. Gerade in Österreich haben wir hier eine große und langjährige Verantwortung – denken Sie zum Beispiel an die Erfindung des FI-Schutzschalters. Auch der ÖVE nimmt seit Jahrzehnten eine starke Rolle im Bereich der internationalen Normung ein, die es auch weiter zu stärken gilt. Die Stelle wurde neu geschaffen, umso interessanter ist es natürlich für mich, diese einzunehmen und weiter zu entwickeln.

„Für die Kunden von Eaton selbst wird es keine Änderungen geben“, so Thomas Frank PhD, Country Sales Manager Austria. Was bedeutet das für Kunden in Österreich? Spürt der Elektrotechniker oder der Großhandel etwas von diesen Veränderungen?
Thomas Frank PhD: Für die österreichische Vertriebsorganisation wird sich nicht viel ändern. Die Veränderungen sind organisatorischer Natur und intern. Persönlich habe ich nun einen neuen Vorgesetzten. Unsere Kunden erhalten weiterhin die Betreuung und das Service, welches Sie von Eaton erwarten können und profitieren von der Kompetenz und dem Know-how der gesamten Region.

Haben diese Veränderungen mit den Gerüchten zu tun, nach denen bei Eaton massiv eingespart werden soll – die Rede war von über hundert Millionen Dollar?
Idinger: Ich kenne diese Gerüchte nicht. Um der schwächeren Marktsituation gerecht zu werden, sind jedoch auch Aktionen, um die Kostenstruktur anzupassen, notwendig. Dieser Situation und der Aufgabe, die eigene Produktivität zu verbessern, muss sich natürlich jedes Unternehmen stellen.

Gibt es Pläne, das Produktportfolio weiter auszubauen, um damit Komplettanbieter zu werden?
Idinger: Eaton hat immer das Ziel verfolgt, organisch und mittels Firmenübernahmen zu wachsen. Das wird sich nicht ändern. Das Produktportfolio von Cooper ist aber sicher noch ausbaufähig, da sehe ich gute Chancen. Darin steckt viel Potenzial.

Beim Thema USV ist Eaton mittlerweile gut aufgestellt. Ist das nur der erste Schritt Richtung dezentrale Energiegewinnung oder Speicher? Steckt in dieser Artverwandschaft nicht auch großes Potenzial für den Vertrieb?
Idinger: Das Eine hat mit dem Anderen nicht notwendigerweise etwas zu tun. USV ist primär dazu da, die Betriebssicherheit und Qualität der Spannung dort, wo sie benötigt wird, zu gewährleisten. Ich sehe momentan bei uns aber keine Aktivitäten in Richtung Stromspeicher für den Endverbraucher.

Meine Herren, wir danken für das Gespräch!

Die Änderungen bei Eaton in der Zusammenfassung

Zur Steigerung der funktionalen Effizienzen, Beschleunigung der Entscheidungsfindungen und der Ausrichtung der regionalen Unterstützung werden folgende Änderungen bei Eaton durchgeführt:

  • Mit 1. November wird Jeff Krakowiak zum Senior Vice President Sales, Service und Emerging Markets, Electrical Sector, EMEA ernannt. In dieser Rolle berichtet er direkt an Frank Campbell und wird für den Electrical Sector EMEA Sales, Service und Emerging Markets inklusive Middle East, Afrika und Russland verantwortlich sein.
  • Frank Campbell, zur Zeit President Electrical Sector EMEA, wurde per 1. Oktober, zum President Corporate und Electrical Sector EMEA ernannt. In dieser Rolle berichtet er an Revathi Advaithi, Chief Operation Officer, Electrical Sector und wird für das Wachstum und die Geschäftsergebnisse des Electrical Sector und der Corporate Funktionen in der Region verantwortlich sein.

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