Ein Licht geht auf!

Während an den Unis gestreikt wird, herrscht an Österreichs FHs Aufbruchstimmung – ja sogar ein Boom ist förmlicher bemerkbar. Im Gegensatz zur universitären Situation mit den streikenden Studenten kommt das Konzept der FHs anscheinend so gut an, dass sich der FH-Campus Wien zu einem Neubau eines zentralen Gebäudes entschloss. Mit Februar 2008 begann schließlich der Bau dieses neuen Stammhauses auf dem Alten Landgut, in Wien Favoriten und nach einer Rekordbauzeit von knapp einem Jahr konnten im Jänner 2009 Rohbau und Dach fertig gestellt werden. Dem Studienjahr 2009/2010 stand im neuen Haus also nichts mehr im Wege. Doch eins nach dem anderen.

Wie alles begann
Nachdem sich der FH-Campus Wien für einen zentralen Standort entschlossen hatte – und diesen mit dem Alten Landgut in Wien-Favoriten auch fand – beauftragte man das Architekturbüro Delugan Meissl mit der General-Planung des neuen Gebäudes. Diese Pläne waren schließlich Anfang des Jahres 2009 in Form des fertigen Rohbaus von der Generalunternehmung, bestehend aus Strabag, Porr und Siemens, umgesetzt. Noch während der Bauzeit begannen aber auch alle anderen Gewerke mit ihrer Arbeit – so auch Babak Bostelmann. Das Wiener Unternehmen, das heuer sein 125-Jahr-Jubiläum feierte, zeichnete verantwortlich für alle Arten der Installation – von Sanitär-Heizung, Sprinkler, Kälte und Lüftungstechnik über Sicherheitstechnik, EDV, MSR, bis hin zu Elektrotechnik. Dabei war gerade das Thema Beleuchtung für ein derart großes Projekt von entscheidender Bedeutung. Denn nach einem Wettbewerb standen drei Anbieter für die Leuchtenlieferung in der engeren Auswahl. Schließlich entschied sich Babak Bostelmann für die Lichtlösungen von Trilux, weil dieser Hersteller eine Komplettlösung und nahezu alle benötigten Leuchten selbst anbietet. „Das war genau das, was wir wollten – alles aus einer Hand”, war Ing. Michael Krause, Projektleiter FH Campus Wien von Babak Bostelmann, wichtig.

Zuständig
Babak Bostelmann sorgte für die Beleuchtungsplanung, und Trilux stellte Ing. Dominik Seidl für die Licht- und Stücklistenberechnungen zur Verfügung. „Grundsätzlich sollten die durch die Norm geforderten Lichtwerte in den unterschiedlichen Bereichen des Gebäudes nicht unterschritten werden, aber gleichzeitig auch die architektonischen Aspekte berücksichtigt werden – dabei stellten sich manche baulichen Gegebenheiten als die größere Herausforderung dar”, berichtet Seidl lächelnd.
„Es mussten schon einige Kompromisse zwischen dem Elektrogewerk und dem Architekten eingegangen werden, da sich gewisse Forderungen einfach nicht realisieren ließen”, so Krause. Diese Kompromisse können sich aber durchwegs sehen lassen. Darüber hinaus soll laut Vorgabe der Architektur die Beleuchtung auch eine Art Leitsystem für die Studenten bilden und diese durch ihre Strahlenform vom Eingang in die große Halle und weiter ins Gebäude leiten. „Diese Linien-Leuchten ziehen sich auch durch alle Gänge des Hauses”, so der Projektleiter. „In Summe sorgen rund 2,2 km Einbaulichtkanal mit T5-Leuchtstofflampen und versetzten Fassungen dafür, dass die Gänge ausreichend ausgeleuchtet werden und sich die Beleuchtung in die Architektur harmonisch einfügt”, ergänzt Seidl. Dabei kamen ausschließlich elektronische Vorschaltgeräte zum Einsatz, von denen ca. 920 Stück im Gebäude mit digital dimmbaren (DALI) Vorschaltgeräten ausgestattet sind und von den Touchscreens und Raumbediengeräten von Johnson Controls angesteuert werden. Dies ermöglicht eine Separierung der Tafelbeleuchtung sowie das Dimmen der Beleuchtung in gesonderten Klassen und Vortragsräumen.
„Generell wird die Beleuchtung in den Gängen zeitgesteuert und kann bei ausgeschaltetem Licht mit Tastern wieder aktiviert werden”, erklärt Ing. Rudolf Kuzmits, Techniker bei Babak Bostelmann, der die Beleuchtungsplanung für den FH-Campus Wien durchführte. In den Vortragsräumen werden die Jalousie- und Lichteinstellungen mittels LON-Impuls gespeichert und können die gleichen Zustände wie zur selben Uhrzeit des Vortages automatisch hergestellt werden – damit die Vortragenden am Morgen, nicht die Beleuchtungseinstellungen jener des Vorabends umstellen müssen. Darüber hinaus sind alle elektronisch gesteuerten Jalousien über eine Wetterstation angebunden und werden bei zu starkem Wind automatisch hochgefahren.

Rückschlag
Einen herben Rück­schlag mussten alle ausführenden Unternehmen, die auf der FH-Campus-Baustelle beschäftigt waren, im Mai 2008 hinnehmen. Ein Brand, bei dem rund 120 Container abbrannten, stoppte die Arbeiten. „Das kostete in der Planung und Ausführung sicher drei bis vier Wochen. Zum Glück wurde bis auf ein paar Muster kein Lampen- und Leuchtenmaterial vernichtet, aber Pläne, Daten, Aufzeichnungen etc. sowie zahlreiche andere administrative Mittel fielen den Flammen zum Opfer. Die Planungs- und Installationszeit war generell sehr kurz bemessen, denn das komplette Gebäude musste innerhalb von 12 Monaten verkabelt und die Geräte auch montiert und angeschlossen werden. Der Brand hat uns noch mehr der wertvollen Zeit gekos­tet”, erzählt Krause.

Ausblick und Überzeugung
Ursprünglich waren im Bereich der Cafeteria Hängeleuchten vom Architekten geplant. Doch bei sich ändernden Tischanordnungen müsste man laut Krause, Kuzmits und Seidl auch die Pendelleuchten ständig umhängen, um eine angemessene Beleuchtung zu erzielen. Die drei Verantwortlichen machten daraufhin dem Architekten den Vorschlag, einen fixen Raster an Aufbauleuchten zu installieren, die unabhängig von der Möblierung sind und darüber hinaus auch für eine gleichmäßige Ausleuchtung sorgen. Der Architekt nahm diesen Vorschlag an, gab die Freigabe, und so wurden stilvolle »Polaron«-Leuchten installiert, die nun auf Besucher eine besonders eindrucksvolle Wirkung haben.
Für anstehende Erweiterungen gibt es bereits Vorstellungen für die Bauteile 3, 4 und 5, die am bereits umgewidmeten Nachbargrund zur Ausführung gelangen sollen.
Bis dahin nutzen die FH-Studenten aber jetzt schon das größte und modernste FH-Gebäude Österreichs.
Die offizielle Eröffnung des FH-Campus in Wien-Favoriten fand vom 24. bis 27. November mit zahlreichen Informationsmöglichkeiten statt.

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