E-Control: Netzausbau sorgt für höhere Versorgungssicherheit

Dieser Verpflichtung sind die österreichischen Fernleitungsnetzbetreiber, in Koordination mit dem Marktgebietsmanager, sowie der Verteilergebietsmanager auch heuer wieder nachgekommen. „Durch die Genehmigung der Pläne durch die E-Control wird sichergestellt, dass die betroffenen Marktteilnehmer den Anforderungen für eine weiterhin hohe Versorgungssicherheit im Gasbereich in Österreich Rechnung tragen. Die Netzentwicklungspläne für das Jahr 2017 wurden nun aktuell von der E-Control genehmigt“, erläutert Wolfang Urbantschitsch, Vorstand der E-Control.

Infrastrukturstandard in Österreich weiterhin auf hohem Niveau
Der Infrastrukturstandard ist ein im Rahmen der Verordnung der Europäischen Union über Maßnahmen zur Gewährleistung der sicheren Erdgasversorgung (VO (EU) Nr. 2010/994) festgelegtes Kriterium. „Dabei muss nachgewiesen werden, dass die Leitungskapazität so dimensioniert ist, dass eine sehr hohe Nachfrage auch bei Ausfall der größten Einzelinfrastruktur gedeckt werden kann. Im Marktgebiet Ost beträgt das aktuelle Ergebnis dieser sogenannten n-1 Formel 233 Prozent gemäß den Berechnungen in den nun genehmigten Netzentwicklungsplänen. Der Infrastrukturstandard gilt ab 100 Prozent als erreicht. Die österreichische Erdgasinfrastruktur ist somit bei einem Ausfall der größten Einzelinfrastruktur bestens gewappnet“, zeigt sich Urbantschitsch zufrieden.

Speicher leisten einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit
„In den vergangenen Jahren wurden die an das heimische Verteilergebiet angeschlossenen Speicherkapazitäten massiv erhöht, um die österreichische Versorgungsicherheit auch bei einem Lieferausfall zu gewährleisten. Um diese Netzanschlüsse zu ermöglichen, wurde in den vergangenen Jahren im Rahmen der Langfristigen Planung eine Reihe von Projekten umgesetzt“, erläutert Andreas Eigenbauer, Vorstand der E-Control.

Im Winter 20104/2015 ist aufgrund der erhöhten Speichernutzung das österreichische Leitungsnetz an die Leistungsgrenzen gestoßen, wodurch eine Abwicklung aller Transportanfragen nicht in allen Fällen möglich war. „Es ist aber auch weiterhin erforderlich, die Qualität der Anbindung des Verteilergebiets und damit der Speicher an das Fernleitungsnetz zu verbessern“, betont Eigenbauer. Und weiter: „Um die Engpassproblematik nachhaltig zu lösen und aufgrund von technischen Optimierungen musste der Umsetzungszeitpunkt bereits genehmigter Projekte zum Teil neu festgelegt werden. Die Engpassproblematik wird bereits jetzt durch die Umsetzung anderer Projekte der Fernleitungsnetzbetreiber maßgeblich verbessert.“

Die betroffenen Ausbaumaßnahmen schaffen zusätzliche Kapazitäten zwischen dem Verteilernetz und dem Fernleitungsnetz, mit denen künftig auch die im Winter 2014/2015 beobachteten Transportspitzen abgedeckt werden können. „Diese Investitionen erfolgen einerseits im Sinne der Versorgungssicherheit, aber insbesondere, um den Zugang der massiv gestiegenen Speicherkapazitäten zum Virtuellen Handelspunkt zu verbessern. Somit stehen auch in Hochlastzeiten die österreichischen Speicher als entsprechende Liquiditätsquelle zur Verfügung. Darüber hinaus wird durch die Ausbaumaßnahmen auch der zusätzliche Anschluss des Speichers Haidach an das Verteilergebiet möglich“, sagt Eigenbauer.

Alle beteiligten Marktteilnehmer, die beiden Fernleitungsnetzbetreiber, der Marktgebietsmanager sowie der Verteilergebietsmanager sind zur generellen Kooperation und im Speziellen zur Koordination und Abstimmung im Rahmen der Erarbeitung der Netzausbauplanung Gas verpflichtet. Die E-Control fordert und fördert dabei diese Teamarbeit explizit. Die Vorstände der E-Control begrüßen daher die Ankündigung der Fernleitungsnetzbetreiber, „dass künftig insbesondere die Bedarfsträger im Falle einer zeitlichen Verschiebung eines Projekts umgehend informiert und der gesamte Kommunikationsprozess in Zusammenhang mit der Netzentwicklungsplanung transparenter gestaltet wird.“

Ausbau grenzüberschreitender Kapazitäten ist Schwerpunkt der neuen E-Control-Strategie
Im »Koordinierten Netzentwicklungsplan« wurde neben Projekten, die die bidirektionale Betreibbarkeit der bestehenden Leitungsverbindungen zu Italien, Ungarn und Slowenien und die Erschließung neuer Erdgasquellen im Auge haben, ein Fokus auf die Optimierung bestehender Anlagen gelegt. „Nur durch ein leistungsfähiges Netz mit ausreichenden grenzüberschreitenden Austauschmöglichkeiten kann die Versorgungssicherheit Österreichs nachhaltig gesichert und der Wirtschaftsstandort Österreich weiter attraktiviert werden“, betont Urbantschitsch. So wurden zum Beispiel erstmalig die Rahmenbedingungen geschaffen, um den Import von Gas aus Italien zu ermöglichen, was den Import von Gas aus dem Mittelmeerraum sowie von LNG erleichtert. Für weitere Projekte, die eine bessere Anbindung des österreichischen Marktgebiets an liquide Handelsplätze gewährleisten und damit die Integration des europäischen Gasmarktes verbessern könnten, wurden die Netzbetreiber beauftragt, weitere Detailanalysen vorzulegen. „Gerade in Zeiten eines sinkenden Gasabsatzes muss die Ausgewogenheit zwischen zusätzlichen Kosten und Investitionen im Sinne der Marktintegration besonders beachtet werden. Eine bessere physikalische Verbindung zu liquiden Märkten könnte allerdings der Schlüssel dazu sein, dass die österreichischen Gaskunden von einem gestärkten Wettbewerb auf den Gasmärkten noch mehr profitieren“, so Eigenbauer.