Walter Witting
Am 11. April verstarb der Lichtforscher Walter Witting im Alter von 70 Jahren. (Foto: Witting Leyet)

Nachruf auf ein Leben im Licht:

Dr. phil. Walter Witting 1950–2020

Der Tiroler Lichtforscher Walter Witting ist tot. Er verstarb am 11. April im Alter von 70 Jahren. Als Wahrnehmungspsychologe galt Witting als Experte auf dem Gebiet der visuellen Wahrnehmung, der nach den Auswirkungen von Licht auf den Menschen forschte.

Von 1990 bis 2005 leitete Witting die wahrnehmungspsychologische Forschungsabteilung im Bartenbach Lichtlabor. Er führte Langzeitforschungen zum Einfluss von Kunst- und Tageslicht auf das Wohlbefinden und Leistungsverhalten des Menschen durch. Seine wissenschaftlichen Arbeiten zur psychophysiologischen Behaglichkeit und Lichtergonomie am Bildschirmarbeitsplatz waren richtungsweisend für die lichttechnische Ausstattung der zunehmend mediendominierten Arbeitswelten. Auch seine Studien zur visuellen Aufmerksamkeit im Geschäfts- und Ausstellungsbereich, aber auch seine Untersuchungen zur Erhöhung der Durchfahrtsicherheit im Tunnel wurden vielfach publiziert.

Verfasser der „Bibel über Licht“

Dr. Witting war Referent bei internationalen Fachkongressen und Dozent an mehreren Universitäten und akademischen Institutionen, beispielsweise an der TU München, der Filmakademie in Wien oder der Lichtakademie in Aldrans bei Innsbruck. Mit Professor Christian Bartenbach veröffentlichte er 2009 gemeinsam das »Handbuch für Lichtgestaltung«. Dr. Wittings Standardwerk »Licht. Sehen. Gestalten.« erschien im September 2014. Das Schweizer Fachmagazin Lux Lumina bezeichnete dieses Buch als „Bibel über Licht“.

Zuletzt widmete Witting sich seinem größten Projekt, dem »Virtuellen Lichtlexikon«. Für diese Fachenzyklopädie stellte er sein gesamtes Lichtwissen zur Verfügung und spannte in über 100 Lehrfilmen und mit knapp 3000 Vortragsfolien einen Wissensbogen vom visuellen System über die Gestaltpsychologie und Farbwahrnehmung bis hin zur Tageslichtplanung, ökologischen Optik und Circadianen Rhythmik. Die Entwicklung des Lichtlexikons dauerte vier Jahre. Die letzten Filme wurden im Herbst 2019 produziert. Dieses Werk ist zu seinem Vermächtnis geworden. Bis auf Weiteres steht es aus diesem traurigen Anlass kostenlos zur Verfügung.

Das virtuelle Lichtlexikon

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